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Veröffentlicht am 21.09.2018

Herrlich verschrobene Figuren

Walter muss weg
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Gebundene Ausgabe: 374 Seiten
Verlag: Kiepenheuer&Witsch (7. September 2018)
ISBN-13: 978-3462050950
Preis: 20,00 €
auch als E-Book erhältlich

Herrlich verschrobene Figuren

Inhalt:
Nach 53 Jahren Ehe ...

Gebundene Ausgabe: 374 Seiten
Verlag: Kiepenheuer&Witsch (7. September 2018)
ISBN-13: 978-3462050950
Preis: 20,00 €
auch als E-Book erhältlich

Herrlich verschrobene Figuren

Inhalt:
Nach 53 Jahren Ehe freut sich die 70-jährige Hannelore Huber auf ihr wohlverdientes Witwendasein. Endlich ist ihr Walter tot. Doch gerade als sie die Beerdigung so richtig genießen will, entdeckt man eine falsche Leiche im Sarg. Doch wo ist Walter? Ein ereignisreicher Tag nimmt in dem kleinen Dörfchen Glaubenthal seinen Lauf.

Meine Meinung:
Glaubenthal ist ein fiktiver Ort, den man laut Thomas Raab in Österreich oder Bayern ansiedeln könnte. Da der Autor in Wien lebt, habe ich für mich dieses kleine Streudorf nach Österreich gelegt, zumal auch ein paar österreichische Ausdrücke verwendet werden.

Dieser „Kriminalroman“ lebt von seiner feinsinnigen schwarzhumorigen Sprache und den äußerst skurrilen Figuren. Ein wenig hat er mich an die Alpenkrimis von Jörg Maurer erinnert, nur mit weniger Krimi und dafür mehr Humor. Als Hörbuch könnte ich mir diesen Roman sehr gut vorstellen. In der entsprechenden Mundart vorgelesen hätte er sicher noch mehr Unterhaltungswert.

Der Schreibstil von Thomas Raab hat mir zunächst ausgesprochen gut gefallen. Fast in jedem Satz versteckt sich ein Wortspiel, ein Witz oder eine irgendwie verdrehte Wendung. Man muss daher jeden Satz und jedes Wort genau lesen. Auf Dauer ist das aber recht anstrengend. Hier wäre in meinen Augen weniger mehr gewesen. Punktuell eingesetzter Humor hätte mich eher überzeugen können.

Einige der beschriebenen Charaktere sind sehr gut gelungen. Allen voran Hannelore Huber, die stets grantige Alte, die froh ist, dass sie endlich allein ist. Die gar nicht erfreut ist, dass sich bei ihrer Suche nach der Leiche ihres Mannes der zehnjährige Lausbub Kurti und die fünfjährige altkluge Amelie an sie hängen. Doch im Lauf der Geschichte entdeckt sogar diese scheinbar hartherzige Frau einen weichen Kern in sich.

Die kleine Amelie gefiel mir auch gut, sie bringt mit ihren Weisheiten frischen Wind in den Fall.

Andere Figuren bleiben aber leider recht blass, zum Beispiel die ermittelnden Polizisten und andere Dorfbewohner, die eine wichtige Rolle spielen. Hier fand ich die überspitzte Darstellung einfach nur nervig.

Für einen Krimi ist die Handlung sehr dünn und auch nicht richtig spannend. Wirklich ernst nehmen kann und soll man sie wahrscheinlich auch gar nicht. Aber das war mir einfach zu wenig, um mich begeistern zu können.

Ich habe das Buch ganz gern gelesen, aber es fiel mir auch nicht schwer, es aus der Hand zu legen. „Walter muss weg“ ist wohl der 1. Band einer Reihe mit Hannelore Huber. Ob ich noch einmal einen Versuch wagen werde, weiß ich noch nicht.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 17.09.2018

Von der Kunst, nie aufzugeben

Der Platz an der Sonne
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Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
Verlag: Klett-Cotta (2. September 2018)
ISBN-13: 978-3608962901
Preis: 25,00 €
auch als E-Book erhältlich

Von der Kunst, nie aufzugeben

Inhalt:
Josua Brenner wächst in Berlin, ...

Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
Verlag: Klett-Cotta (2. September 2018)
ISBN-13: 978-3608962901
Preis: 25,00 €
auch als E-Book erhältlich

Von der Kunst, nie aufzugeben

Inhalt:
Josua Brenner wächst in Berlin, der Hauptstadt der Neuen Preußischen Republik, auf. Die Menschen sind arm und mehr oder weniger rechtlos. Doch Josua beißt sich durch. Mit unermüdlichem Einsatz versucht er, etwas auf die Beine zu stellen, etwas aus seinem Leben zu machen. Bis er eines Tages vor dem absoluten Nichts steht. Jetzt scheint ihm nichts mehr zu bleiben als die Flucht in den Süden, ins reiche Afrika, die schon viele andere vor ihm angetreten haben.

Meine Meinung:
Schon das tolle Cover hat meine Aufmerksamkeit erregt. Als ich dann die Beschreibung zu diesem Roman las, war klar, dass ich dieses Buch haben muss, zumal mich die Flüchtlingsproblematik sowieso interessiert und hier mal eine ganz andere Perspektive versprochen wurde. Die beschriebene Welt ist in vielen Dingen das Spiegelbild zu unserer realen Welt. Europa ist arm, Afrika reich. Der Flüchtlingsstrom läuft hier einfach andersrum. Warum das so ist, dazu wird nicht wirklich viel erzählt, aber das fand ich auch gar nicht so wichtig, zeigt das Buch doch einfach, wie ungerecht die Welt aufgeteilt ist.

Als ich anfing zu lesen, war ich erst mal überrascht. Ich hatte einen ernsten Roman zu einem ernsten Thema erwartet, dazu schien mir die schnodderige Sprache nicht zu passen. Doch schon nach wenigen Seiten war ich davon überzeugt, dass genau diese Sprache den Reiz des Buches ausmacht. Man kann sich so richtig die Berliner Schnauze vorstellen, die Josua nun mal ist.

Mir ist der Protagonist ziemlich schnell ans Herz gewachsen. Zwar macht er Fehler und handelt auch öfter so, wie ich es nicht gut finde, aber trotzdem hat er meinen vollen Respekt. Er meint es nie böse und hat eben ein Ziel vor Augen, das er erreichen will. Auch wenn ihm immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen werden - sei es von den Behörden in Berlin oder später auf der Flucht nach Afrika - lässt er sich nicht unterkriegen. Liegt er am Boden, steht er eben wieder auf und macht weiter.

Für einen Ich-Erzähler gibt Josua relativ wenig von seinen Gefühlen und Gedanken preis, doch kann man diese durchaus bis zu einem gewissen Maß aus seinem Handeln herleiten.

Vieles wurde sehr detailliert erzählt, vieles wiederholt sich immer wieder, wenn auch mit leichten Abwandlungen. Dadurch wird der immer gleiche Trott dargestellt - für mich war es zuweilen etwas ermüdend. Insgesamt hat mir die Lektüre, wenn man das bei diesem Thema so sagen darf, aber viel Spaß gemacht. Ich konnte tief in die Handlung eintauchen und durfte an Josuas Seite Gutes und weniger Gutes erleben.

★★★★☆

Veröffentlicht am 16.09.2018

Kurz, aber äußerst intensiv

Loyalitäten
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Gebundene Ausgabe: 174 Seiten
Verlag: DuMont (17. September 2018)
ISBN-13: 978-3832183592
Originaltitel: Les loyautés
Übersetzung: Doris Heinemann
Preis: 20,00 €
auch als E-Book erhältlich

Kurz, aber ...

Gebundene Ausgabe: 174 Seiten
Verlag: DuMont (17. September 2018)
ISBN-13: 978-3832183592
Originaltitel: Les loyautés
Übersetzung: Doris Heinemann
Preis: 20,00 €
auch als E-Book erhältlich

Kurz, aber äußerst intensiv

Inhalt:
Théos Eltern sind geschieden und verfeindet. Der Zwölfjährige reibt sich zwischen den Fronten auf, sorgt mehr für die Eltern als diese für ihn. Zusammen mit seinem Freund Mathis flüchtet er sich in den Alkohol. Nur seine Lehrerin Hélène erkennt, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmt. Doch kann sie ihm helfen?

Meine Meinung:
Wer meint, dass eine dramatische Geschichte einen riesigen Umfang braucht, wird von Delphine de Vigan eines Besseren belehrt. Sie verliert nicht viele Worte, doch jedes davon sitzt perfekt an der richtigen Stelle und drückt präzise aus, was passiert. So könnte man dieses Büchlein innerhalb kürzester Zeit lesen. Da es aber in der Wirkung doch sehr intensiv ist, empfehle ich, ab und an eine Pause einzulegen und die Handlung erst einmal zu verdauen.

Die Autorin entwickelt ein komplexes Netz von Loyalitäten, in denen die Charaktere einerseits geborgen, aber vor allem auch gefangen sind. Es stellt sich den Protagonisten immer wieder die Frage, ob sie das Richtige tun. Oder ob es besser ist, aus den richtigen Gründen eventuell etwas Falsches zu tun, als einfach stillzuhalten und zuzusehen, wie ein Mensch zugrunde geht.

Aus verschiedenen Perspektiven wird dieses Dilemma betrachtet. Hierbei spielt natürlich Théo eine große Rolle, der sowohl seine Mutter als auch seinen Vater liebt und keinen von ihnen bloßstellen will. Aber auch seine Lehrerin Hélène ist eine vielschichtige Figur, die mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat und vom Kollegium wenig Unterstützung erhält. Mathis will seinen Freund nicht verraten, sorgt sich aber um ihn. Cécile, Mathis’ Mutter, schließlich kümmert sich vorrangig um sich selbst und um ihren eigenen Sohn als um dessen Freund.

So spitzt sich die Handlung immer mehr zu. Ich habe beim Lesen fast den Atem angehalten, weil ich so in dieses Drama versunken war und dabei untätig auf dem Sofa sitzen musste, anstatt eingreifen zu können.

Manche Leser werden den Schluss vielleicht als zu offen empfinden - für mich war er perfekt.

★★★★★

Veröffentlicht am 14.09.2018

Sam Berger gerät an seine Grenzen

Fünf plus drei
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Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Piper (4. September 2018)
ISBN-13: 978-3492058124
Originaltitel: Mittvatten
Übersetzung: Ursel Allenstein
Preis: 16,99 €
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Sam Berger ...

Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Piper (4. September 2018)
ISBN-13: 978-3492058124
Originaltitel: Mittvatten
Übersetzung: Ursel Allenstein
Preis: 16,99 €
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Sam Berger gerät an seine Grenzen

Inhalt:
Sam Berger ist der meistgesuchte Mann Schwedens, wenn auch unschuldig. Seine Kollegin Molly Blom liegt im Koma, und der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Carsten hat die siebzehnjährige Aisha in seiner Gewalt. Sam Berger wird in Geheimdienstangelegenheiten verstrickt, ist dabei aber mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Sein Ziel ist es, Aisha zu retten und Carsten unschädlich zu machen. Dass er tiefer in diesen Fall verstrickt ist, als ihm lieb ist, wird ihm erst nach und nach klar.

Meine Meinung:
„Fünf plus drei“ ist der 3. Band der Reihe um Sam Berger und Molly Blom. Man sollte die ersten beiden Bände zuvor gelesen haben, da die Handlung in weiten Teilen fortlaufend ist und wegen ihrer Komplexität nicht so leicht zu verstehen. Ohne Vorkenntnisse der involvierten Personen dürfte es sehr schwer sein, diesen Kriminalroman zu genießen.

Arne Dahl lässt es langsam angehen. Die ersten Ereignisse sind noch etwas beschaulich und verwirrend, aber schon bald nimmt die Handlung rapide an Fahrt auf und die Zusammenhänge klären sich immer mehr. Dahl lässt es nicht an Überraschungen fehlen - das schien mir manchmal sogar schon fast etwas zu viel des Guten und ein wenig konstruiert. Doch ist der Roman vor allem in der zweiten Hälfte äußerst spannend zu lesen. Im Groben wird der Fall aufgeklärt, auch wenn es vielleicht noch ein paar lose Fädchen gibt.

Fazit:
Ein spannender schwedischer Kriminalroman um Geheimdienste und Terrorismus, bei dem die menschliche Seite aber nicht zu kurz kommt.

★★★★☆

Veröffentlicht am 10.09.2018

Eine märchenhafte Idee

Das Mädchen, das in der Metro las
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Gebundene Ausgabe: 175 Seiten
Verlag: DuMont (30. August 2018)
ISBN-13: 978-3832198862
Originaltitel: La fille qui lisait dans le metro
Übersetzung: Sylvia Spatz
Preis: 18,00 €
auch als E-Book erhältlich

Eine ...

Gebundene Ausgabe: 175 Seiten
Verlag: DuMont (30. August 2018)
ISBN-13: 978-3832198862
Originaltitel: La fille qui lisait dans le metro
Übersetzung: Sylvia Spatz
Preis: 18,00 €
auch als E-Book erhältlich

Eine märchenhafte Idee

Inhalt:
Juliette arbeitet als Immobilienmaklerin, aber die Arbeit erfüllt sie nicht. Ihre Leidenschaft gilt dem geschriebenen Wort - Büchern. Und so liest sie Tag für der Tag in der Metro auf dem Weg zur Arbeit oder beobachtet, was die Menschen um sie herum lesen. Als ein glücklicher Zufall sie in das Büro von Soliman führt, der mit seiner kleinen Tochter Zaïde inmitten von Bücherstapeln lebt, ändert sich Juliettes Leben von heute auf morgen.

Meine Meinung:
Die Idee, dass ein Buch einen Menschen verändern kann, wenn es das richtige ist, finde ich sehr schön. Ausgehend von dieser Idee erzählt Christine Féret-Fleury eine märchenhafte Geschichte. Die Atmosphäre hat mir dabei sehr gut gefallen, auch der Schreibstil ist sehr ansprechend. Doch während ich die kleine Zaïde und auch ihren Vater Soliman schnell ins Herz schloss, wurde ich mit Juliette einfach nicht warm.

Obwohl aus Juliettes Sicht in der 3. Person erzählt wird, konnte ich viele ihrer Handlungen nicht gut nachvollziehen. Einiges geschieht einfach zu sprunghaft, anderes ohne überhaupt eine Erklärung.

Auch die Handlung, die zunächst sehr interessant ist und mich begeistern konnte, tritt schon bald auf der Stelle. Es passiert nicht viel, es fehlt an Tiefe. In einem Buch über Bücher hatte ich damit gerechnet, dass etliche Buchtitel erwähnt werden, was auch tatsächlich der Fall ist. Aber dabei bleibt es auch schon: Sie werden einfach nur erwähnt, ohne einen Bezug zur Geschichte zu haben.

Fazit:
Leicht poetischer Schreibstil, märchenhafte Grundidee, aber leider zu oberflächlich und wenig überraschend.

★★★☆☆