Profilbild von Lilli33

Lilli33

Lesejury Star
online

Lilli33 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lilli33 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.09.2018

Ein sehr skurriler Roadtrip

Tankstellenchips
0

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Oetinger (23. Juli 2018)
ISBN-13: 978-3789109188
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Preis: 18,00 €
auch als E-Book erhältlich

Ein sehr skurriler Roadtrip

Inhalt:
Zwei ...

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Oetinger (23. Juli 2018)
ISBN-13: 978-3789109188
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Preis: 18,00 €
auch als E-Book erhältlich

Ein sehr skurriler Roadtrip

Inhalt:
Zwei Jungs zur falschen Zeit am falschen Platz. Shayan, der 18-jährige Asylbewerber aus dem Iran, und der etwa achtjährige Davy, der aus dem Heim ausgerissen ist, werden Zeugen eines Verbrechens. Fortan werden sie nicht nur von den Verbrechern gejagt, sondern auch von der Polizei. Auf ihrem Weg quer durch Deutschland erleben sie die skurrilsten Dinge …

Meine Meinung:
Wie immer hat Antonia Michaelis ein berührendes Thema aufgegriffen. Als Leser hat man direkt Anteil an dieser abenteuerlichen Reise durch Deutschland und erhält die Möglichkeit, durch Shayans Augen quasi von außen auf die Deutschen und alles Deutsche zu schauen. Das kann einem an manchen Stellen schon die Augen öffnen.

Man wird beim Lesen Zeuge einer sich immer weiter entwickelnden Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Jungs, die einem wirklich zu Herzen gehen kann. Beide Protagonisten fand ich einfach nur absolut liebenswert. Natürlich musste ich immer wieder schmunzeln, wenn sie von einem Schlamassel in den nächsten schlitterten, wenn sie mal wieder von einer Rinderherde umzingelt waren und sich zu ihrer Rettung etwas „ausleihen“ mussten, beide ein wenig naiv in ihrem Verständnis von der Welt bzw. von Deutschland.

Auf der anderen Seite war mir die Erzählung aber ein bisschen zu flapsig. Denn die Geschichte ist in jeder Hinsicht eigentlich sehr ernst, wird aber stets mit einem Augenzwinkern erzählt, was mir nicht immer angemessen erschien. Auch fand ich die Dialoge auf Dauer recht anstrengend. Shayan spricht nur gebrochen Deutsch, Davy hat einen „Sprachfehler“. Davon abgesehen, konnte mich die Autorin aber wie gewohnt mit einer faszinierenden Sprache begeistern, mit Wortspielen und Wortneufindungen, die einfach Spaß machen.

Fazit:
„Tankstellenchips“ beschreibt einen rasanten Roadtrip, der auf (etwas zu) humorvolle Art von den Problemen eines Asylbewerbers, den Missständen in einem Kinderheim und der Polizeigewalt im Iran erzählt. Für Jugendliche ab etwa 14 Jahren eine empfehlenswerte Lektüre.

★★★★☆

Veröffentlicht am 01.09.2018

Ein Klassiker, den man einfach gelesen haben muss

Die unendliche Geschichte
0

Ein Klassiker, den man einfach gelesen haben muss

Inhalt:
Als der etwa zehnjährige Bastian Balthasar Bux im Antiquariat des Karl Konrad Koreander ein Buch sieht, das ihn magisch anzieht, ist dies der ...

Ein Klassiker, den man einfach gelesen haben muss

Inhalt:
Als der etwa zehnjährige Bastian Balthasar Bux im Antiquariat des Karl Konrad Koreander ein Buch sieht, das ihn magisch anzieht, ist dies der Beginn einer phantastischen Reise. Das Buch erzählt die Geschichte von Phantásien, das durch das große Nichts bedroht ist, seit die Kindliche Kaiserin krank ist. Nur ein Menschenkind kann Phantásien retten …

Meine Meinung:
„Die unendliche Geschichte“ ist ein Klassiker, den man einfach gelesen haben muss, egal in welchem Alter. Ich habe das Buch erstmals vor etwa 35 Jahren gelesen, und nun war es endlich einmal Zeit für eine Wiederholung. Ein bisschen bange war mir schon bei der Überlegung, wie mir diese phantastische Geschichte wohl in meinem Alter gefallen würde, ob sie mich wohl immer noch so begeistern kann wie damals als Jugendliche. Eines ist nun klar: Ja, ich bin immer noch fasziniert und begeistert von diesem wunderbaren Werk Michael Endes. Es bietet einfach so viel: eine abenteuerliche Reise, phantastische Gestalten, philosophische Ansätze und vieles mehr. Hier kommt jeder auf seine Kosten.

Bastian, der kleine, dicke Junge, der in unserer Welt keine Freunde hat, ist in Phantásien ein Held, besteht so manche Abenteuer, wächst daran, verirrt sich aber auch in seinen Wünschen und hat doch immer Freunde an seiner Seite, die ihm beistehen und ihn wieder auf den rechten Weg bringen, vor allem den Jungen Atréju und seinen Glücksdrachen Fuchur. Am Ende ist Bastian ein ganz anderer und doch noch derselbe.

Zum Glück besitze ich noch eine alte Ausgabe, die einfach wesentlich liebevoller gestaltet ist als die aktuell im Handel erhältliche. Die Handlung in der realen Welt ist rot gedruckt, die in Phantásien grün. Dies sorgt besonders auch für Übersicht an den Stellen, wo sich beide Welten berühren. Zudem sind die Anfangsbuchstaben der 26 Kapitel (das Alphabet in der richtigen Reihenfolge von A bis Z) ganzseitig und wunderschön bebildert. Die Illustrationen stammen von Roswitha Quadflieg.

Fazit:
Wer diese wunderbare Geschichte noch nicht kennt, sollte dies schleunigst nachholen. Für mich ist dieses Buch eines der wichtigsten im Bereich der Jugendliteratur und der Phantastik.

★★★★★

Veröffentlicht am 31.08.2018

Eine verzwickte Vater-Sohn-Beziehung

Die Gesichter
0

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (31. August 2018)
ISBN-13: 978-3423289696
Originaltitel: The Italian Teacher
Übersetzung: Bernhard Robben
Preis: 22,00 €
auch als E-Book erhältlich

Eine ...

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (31. August 2018)
ISBN-13: 978-3423289696
Originaltitel: The Italian Teacher
Übersetzung: Bernhard Robben
Preis: 22,00 €
auch als E-Book erhältlich

Eine verzwickte Vater-Sohn-Beziehung

Inhalt:
Charles Bavinsky, genannt Pitch, wächst im Schatten seines charismatischen Vaters Bear Bavinsky auf, der ein bedeutender Maler ist. Außer seiner Kunst zählt für Bear nicht viel. Das bekommen auch Pinch und seine Mutter Natalie zu spüren. Trotzdem oder gerade deswegen versucht Pinch sein Leben lang, die Anerkennung seines Vaters zu erringen. Pinchs Bermühungen, ebenfalls zu malen, werden von Bear einfach weggewischt. In der Folge versucht sich Pinch als Kunsthistoriker und als Italienischlehrer, probiert einen Spagat zwischen Vater und Mutter und kommt doch auf keinen grünen Zweig. Bis ihm schließlich der große Coup gelingt …

Meine Meinung:
Trotz sehr interessanter Ausgangslage hatte ich anfangs Schwierigkeiten, mich mit diesem Roman anzufreunden. Die Einführung der Protagonisten ging mir einerseits zu langsam und etwas langatmig, andererseits zu distanziert vonstatten. Doch mit jeder Seite nahm die Erzählung mehr Fahrt auf und konnte mich immer stärker fesseln. Störten mich zu Beginn noch die Zeitsprünge, die einen immer wieder ins kalte Wasser warfen, noch etwas, lernte ich bald, damit umzugehen und mir die Entwicklung dazwischen selbst zu denken.

Pinch war mir von Anfang an sympathisch, gerade weil er nicht als etwas Besonderes daherkommt. Er wirkt wie du und ich, macht immer wieder Fehler und ihm passieren Missgeschicke, wie wohl jeder sie kennt. Und dass er um die Liebe und Anerkennung seines Vaters kämpft, konnte ich auch gut verstehen. Ich freute mich mit Pinch über jeden positiven Aspekt seines Lebens, über seine Freunde Marsden, Barrows und seine Halbschwester Birdie, die im Laufe seines Lebens sehr wichtig für ihn werden. Und manchmal hätte ich ihn schütteln können für seine Zögerlichkeit, für sein Verhuschtsein.

Je weiter der Roman fortschreitet, desto intensiver habe ich die Beziehung zwischen Pinch und Bear empfunden. Auch über riesige Entfernungen hinweg ist sie zu spüren. Und bei aller Ablehnung von Bear, die unweigerlich immer wieder eintritt, merkt man doch, dass da auch von seiner Seite Gefühle vorhanden sind. Eine ganz schön verzwickte Vater-Sohn-Beziehung, fesselnd geschrieben und toll zu lesen.

★★★★☆

Veröffentlicht am 29.08.2018

Erst zäh, dann spannend

Slow Horses
0

Gebundene Ausgabe: 472 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (29. August 2018)
ISBN-13: 978-3257070187
Originaltitel: Slow Horses
Übersetzung: Stefanie Schäfer
Preis: 24,00 €
auch als E-Book erhältlich

Erst ...

Gebundene Ausgabe: 472 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (29. August 2018)
ISBN-13: 978-3257070187
Originaltitel: Slow Horses
Übersetzung: Stefanie Schäfer
Preis: 24,00 €
auch als E-Book erhältlich

Erst zäh, dann spannend

Inhalt:
Slow Horses werden die ausgemusterten MI5-Agenten genannt, die im Slough House ein tristes Dasein fristen, Müll durchstöbern, Telefonate transkribieren und sonstige unnötige Aufträge erledigen müssen. Als ein junger Mann entführt ist, wittern die „lahmen Gäule“ ihre Chance, sich zu beweisen …

Meine Meinung:
Nach einem spannenden Anfang, in dem man den jungen Agenten River Cartwright dabei beobachten kann, wie er einen Auftrag gnadenlos vermasselt, bricht die Spannungskurve leider abrupt wieder ab. Auf den folgenden ca. hundert Seiten werden erst mal alle involvierten Personen in einer überbordenden Ausführlichkeit beschrieben, ohne dass etwas Großartiges passiert. Nach etwa einem Viertel des Romans ist erstmals von dem im Klappentext angekündigten Fall, der Entführung eines jungen Mannes, die Rede. Doch läuft das weiterhin nur ganz entfernt im Hintergrund ab, während im Vordergrund immer noch die Agenten beschrieben werden. Das war mir viel zu ausführlich und hätte es für das Verständnis der Story auch nicht gebraucht.

Nachdem ich das halbe Buch durchgehalten hatte, wurde ich endlich belohnt. Nun nimmt der Fall immer mehr Fahrt auf, steigert sich quasi von Seite zu Seite, wird immer spannender und undurchsichtiger, um sich schließlich überraschend zu klären.

Auf Englisch sind bereits sechs Bände der Jackson Lamb-Reihe erschienen, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass die nächsten Bände nun gleich mit mehr Tempo losgehen, da man die Charaktere jetzt ja schon zur Genüge kennt.

Der Schreibstil hat mir recht gut gefallen. Er steckt voller Sarkasmus und schöner Formulierungen. Manche Dialoge sind richtig spritzig und witzig, sodass man beim Lesen auch immer wieder mal grinsen und schmunzeln muss.

Fazit:
Mein Eindruck von „Slow Horses“ ist also ziemlich gespalten. Nach einem sehr zähen Anfang wird es spannend. Der Schreibstil ist gut. Aber ob ich die Reihe weiter verfolgen werde, ist noch ungewiss.

★★★☆☆

Ich bedanke mich beim Diogenes Verlag und vorablesen für das Rezensionsexemplar.

Veröffentlicht am 29.08.2018

Gemischte Gefühle

Der Abgrund in dir
0

Gebundene Ausgabe: 527 Seiten
Verlag: Diogenes (29. August 2018)
ISBN-13: 978-3257070392
Originaltitel: Since we fell
Übersetzung: Steffen Jacobs und Peter Torberg
Preis: 25,00 €
auch als E-Book und als ...

Gebundene Ausgabe: 527 Seiten
Verlag: Diogenes (29. August 2018)
ISBN-13: 978-3257070392
Originaltitel: Since we fell
Übersetzung: Steffen Jacobs und Peter Torberg
Preis: 25,00 €
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Gemischte Gefühle

Inhalt:
Elizabeth Childs hat ihrer Tochter Rachel nie den Namen ihres Vaters verraten. Als Elizabeth stirbt, heuert Rachel einen Privatdetektiv an, um ihren Vater zu finden. Doch die Informationen, die sie über ihn hat, sind dürftig.

Rachel macht sich einen Namen als Reporterin. Nach einem traumatischen Erlebnis auf Haiti ist sie psychisch am Ende. Da tritt nach vielen Jahren ein alter Bekannter wieder in ihr Leben und krempelt es von Grund auf um …

Meine Meinung:
Ich war mir nicht sicher, was ich bei diesem Roman erwarten durfte. Sollte es ein biografischer Roman sein, eine Liebesgeschichte oder ein Thriller?

Auf den ersten ca. 300 Seiten lernen wir Rachel kennen, in aller Tiefe und von allen Seiten. Das ist ganz interessant, aber leider nicht besonders spannend. Man hätte hier gut 200 Seiten kürzen können, ohne dass wesentliche Teile fehlen würden. Allein der tolle Schreibstil Dennis Lehanes hat mich zum Weiterlesen animiert. Und der erste Satz, der noch eine spannende Handlung verheißen hatte:

„An einem Dienstag im Mai, im Alter von sechsunddreißig Jahren, erschoss Rachel ihren Mann.“ (S. 7)

Nach über der Hälfte des Buches ist es dann endlich so weit und es kommt Schwung in die Handlung. Rachel macht eine Entdeckung, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellt und in deren Folge sie ihren Mann erschießt. Warum und wieso, will ich hier nicht verraten. Die Spannung steigt nun kontinuierlich an. Die Handlung wird actionreich und rasant. Eine Wendung folgt der anderen, sodass man bald nicht mehr weiß, wem man noch vertrauen kann und wem besser nicht.

Vieles, was anfangs über Rachels Psyche geschrieben wurde, ist nur schmückendes Beiwerk, einiges spielt nun im Thrillerteil eine Rolle. Etliche ihrer Handlungsweisen konnte ich aber trotzdem nicht nachvollziehen.

Fazit:
Insgesamt war mir dieser Roman zu gespalten bzw. beinhaltete zu viele Längen gerade in der ersten Hälfte. Der Teil, den man wirklich als Psychothriller bezeichnen kann, hat mir recht gut gefallen, da er unheimlich spannend und immer wieder überraschend ist.