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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.11.2025

Zu wenig Krimi, zu viel Architektur

Weinbrenners Schatten
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Zu wenig Krimi, zu viel Architektur

Da ich aus der Karlsruher Gegend stamme, war es für mich ganz interessant, über die Stadt und vor allem das Wirken des Baumeisters Friedrich Weinbrenner zu lesen. Es ...

Zu wenig Krimi, zu viel Architektur

Da ich aus der Karlsruher Gegend stamme, war es für mich ganz interessant, über die Stadt und vor allem das Wirken des Baumeisters Friedrich Weinbrenner zu lesen. Es wirkt sehr gut recherchiert und ich kann mir vorstellen, dass man damals wirklich so wie in diesem Roman beschrieben gelebt hat. Doch nehmen die Fakten mit all der Architektur und die Beschreibung der verschiedenen Straßen und Häuser für meinen Geschmack einen zu großen Raum ein. Der Kriminalfall bleibt dagegen fast im Hintergrund. Richtige Ermittlungen gibt es praktisch gar nicht. Mehr oder weniger zufällig führen die Spuren schließlich ans Ziel.

Ortsfremde könnten über den ein oder anderen eingestreuten Satz oder Begriff im Dialekt stolpern. Für mich war dies kein Problem; gestört hat mich nur, dass der Dialekt nicht konsequent an den entsprechenden Stellen verwendet wurde oder manchmal die Schreibweise sehr seltsam war (z.B. „Hoornoggs“).

★★★☆☆

Veröffentlicht am 12.11.2025

Definitiv lesenswert

Wasser
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Definitiv lesenswert

Nachdem die Untaten ihres Mannes wochenlang in den Medien waren, zieht Vanessa Carvin sich auf eine kleine Insel vor der irischen Küste zurück. Hier will sie sich über Vergangenheit ...

Definitiv lesenswert

Nachdem die Untaten ihres Mannes wochenlang in den Medien waren, zieht Vanessa Carvin sich auf eine kleine Insel vor der irischen Küste zurück. Hier will sie sich über Vergangenheit und Zukunft ihres Lebens klar werden. Hätte sie etwas merken müssen? Hätte sie ihn stoppen können? Wie viel Schuld trägt sie selbst an dem Unglück vieler kleiner Mädchen?

John Boyne lässt uns an dem inneren Monolog der Protagonistin teilhaben. Ganz auf sich selbst zurückgeworfen, hadert sie mit ihrem Schicksal, das sie selbst in der Hand hatte. Und gleichzeitig lehnt sie sich dagegen auf und weigert sich, sich unterkriegen zu lassen.

John Boyne ist ein begnadeter Autor, der gerne heiße Eisen anfasst. Auch mit „Wasser“ ist er am Puls der Zeit. Auch wenn hier vieles nur angedeutet wird, ist doch ganz klar, worum es geht. In einem Rundumschlag werden gleich noch die Rolle der Frau in Irland, gleichgeschlechtliche Beziehungen und mehr abgehandelt. Das wirkt auf mich zum Teil etwas bemüht und nicht ganz rund.

Alles in allem ist „Wasser“ aber ein sehr lesenswerter Kurzroman. Nun bin ich neugierig, was mich in den weiteren Element-Romanen erwartet.

Die Elemente:
1. Wasser
2. Erde
3. Feuer
4. Luft

★★★★☆

Veröffentlicht am 11.11.2025

Fesselnder Roman um Liebe, Freundschaft und Verrat

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Fesselnder Roman um Liebe, Freundschaft und Verrat

Zum 4. Mal entführt Kai Meyer uns ins Graphische Viertel in Leipzig. Die Bücher dieser Reihe hängen nur lose zusammen und können problemlos unabhängig ...

Fesselnder Roman um Liebe, Freundschaft und Verrat

Zum 4. Mal entführt Kai Meyer uns ins Graphische Viertel in Leipzig. Die Bücher dieser Reihe hängen nur lose zusammen und können problemlos unabhängig voneinander gelesen werden, auch wenn einige Nebenfiguren in mehreren der Bände auftreten oder erwähnt werden.

1930. Die Freunde Felix, Julius, Vadim und Eddie treffen sich in Vadims Antiquariat, das ums Überleben kämpft. Zur Unterstützung werden die Freunde zu Bücherdieben, wobei sie vor allem wertvolle, geheimnisvolle Bücher stehlen und dabei auch in brenzlige Situationen kommen. Als die charismatische Eva zu der Gruppe stößt, wird es schwierig, denn sowohl Felix als auch Vadim zeigen Interesse an ihr und sie an ihnen. Als die Gruppe sich mit den Falschen einlässt, müssen sie sich trennen …

1945. Felix arbeitet für die Amerikaner als Bibliothekar. Ein Gefangener weiß angeblich etwas über Hitlers Bibliothek, will aber nur mit Felix sprechen. Widerwillig kehrt dieser nach Leipzig zurück, wo ihn die Vergangenheit wieder einholt.

Eigentlich kann man mich für historische Romane gar nicht begeistern. Dass Kai Meyer mit seinen Romanen um das Graphische Viertel dies trotzdem schafft, zeugt von wahrem Können. Sein Schreibstil ist einfach so klasse, dass ich mich ganz in den Geschichten verlieren kann. Die Szenerie wird so atmosphärisch dargestellt, dass ich mich nicht als Zuschauerin, sondern als Beteiligte fühle. Zuweilen fiel es mir ein bisschen schwer, mich zwischen den vielen verschiedenen Personen, Geheimdiensten und Spionen zurechtzufinden. Einiges hätte man für meinen Geschmack auch nicht ganz so detailliert ausführen müssen.

Der Roman ist eine Mischung aus Fakten und Fiktion. So wurde ich einerseits gut unterhalten, konnte andererseits aber auch noch etwas dazulernen. Das liebe ich.

Die Reihe:
1. Die Bücher, der Junge und die Nacht
2. Die Bibliothek im Nebel
3. Das Haus der Bücher und Schatten
4. Das Antiquariat am alten Friedhof

★★★★☆

Veröffentlicht am 09.11.2025

Hat mich positiv überrascht

Riesling und ein Mord
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Hat mich positiv überrascht

Besonders der Anfang des Buches, das 2015 im Emons-Verlag erschien, konnte mich hundertprozentig überzeugen. Wir lernen die junge Pia kennen, die seit Langem von ihrem Freund ...

Hat mich positiv überrascht

Besonders der Anfang des Buches, das 2015 im Emons-Verlag erschien, konnte mich hundertprozentig überzeugen. Wir lernen die junge Pia kennen, die seit Langem von ihrem Freund Lukas misshandelt wird, aber einfach nicht den Absprung schafft aus dieser toxischen Beziehung. Kerstin Lange schafft es hier, etwas eigentlich Unverständliches so darzulegen, dass man es gut nachvollziehen kann. Dieser Teil ist bedrückend, aber auch fesselnd und man bangt unweigerlich mit Pia mit und hofft, dass sie sich endlich von Lukas lösen kann. Als es dann tatsächlich so weit ist, währt Pias Freiheit nur kurz, denn noch in derselben Nacht wird sie auf dem Weg zur Wohnung ihrer Freundin ermordet. Natürlich fällt der Verdacht sofort auf Lukas; er kommt in Untersuchungshaft. Doch dann geschieht ein weiterer Mord nach dem gleichen Schema, und alles ist wieder offen.

Pias Nachbar, der pensionierte Kriminaloberrat Ferdinand Weber, versucht sich in privaten Ermittlungen zu den Morden.

Der Kriminalfall erweist sich als sehr spannend, und das obwohl ich schon nach etwa der Hälfte den richtigen Verdacht hatte. Immerhin geht es aber auch noch darum, ob es weitere Opfer geben wird.

Gut gefallen haben mir auch die Szenen, die den Speyerer Lokalkolorit zeigen, von Elwedritsche und Duppengläser erzählen. Die Erwähnung leckerer Gerichte und Weine ließen mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Was mir nicht gefiel: Den Lesenden wird an einer Stelle bewusst die Unwahrheit präsentiert. Da fühle ich mich dann doch etwas vergackeiert.

Trotzdem ein lesenswerter Roman.

★★★★☆

Veröffentlicht am 07.11.2025

Mir fehlte es an Spannung

Schwelbrand
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Mir fehlte es an Spannung

„Schwelbrand“ ist bereits der 3. Band der Reihe um die Ex-Polizistin Liv Jensen, die in Kopenhagen eher unfreiwillig eine Privatdetektei betreibt. Man kann das Buch aber problemlos ...

Mir fehlte es an Spannung

„Schwelbrand“ ist bereits der 3. Band der Reihe um die Ex-Polizistin Liv Jensen, die in Kopenhagen eher unfreiwillig eine Privatdetektei betreibt. Man kann das Buch aber problemlos ohne Vorkenntnisse lesen. Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen.

Als Liv den Anruf eines neuen Klienten annimmt, ahnt sie noch nicht, wie sehr sie selbst in den folgenden Kriminalfall verwickelt sein wird. Denn schnell wird sich herausstellen, dass der aktuelle Mord mit einem vierzig Jahre zurückliegenden Verbrechen in der Freistadt Christiania zusammenhängt, in dem Livs geliebter und verehrter Großvater eine (womöglich unrühmliche) Rolle spielte.

Katrine Engberg führt die Lesenden anhand zweier Haupthandlungsstränge, die in der Gegenwart und vor vierzig Jahren spielen, Stück für Stück zur Auflösung des heutigen und des damaligen Falls. Daneben runden Handlungen um das Privatleben von Liv bzw. ihren Nachbarn die Geschichte ab.

Zwar weist die Story einige spannende Elemente auf und die Komplexität mit vielen verschiedenen Figuren und Handlungsfäden fordert aufmerksames Lesen, was mich normalerweise tief in eine Geschichte hineinzieht, doch hier war das leider nicht so. Ich hatte keine Probleme damit, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen; ich musste nicht dringend wissen, wie es weitergeht. Aber ich musste mich auch nicht zum Weiterlesen zwingen, sondern habe das trotz allem gerne gemacht. Neben den spannenden Szenen gibt es doch etliche ruhige Passagen, die ich als eher langatmig und überflüssig empfand. Hier hätte man einiges kürzen bzw. ganz weglassen können.

Die Reihe:
1. Glutspur
2. Aschezeichen
3. Schwelbrand

★★★☆☆