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Veröffentlicht am 18.01.2022

Melancholie und Langeweile

Der letzte Sommer in der Stadt
0

Ein junger Mann zieht von Mailand nach Rom.
Er findet recht schnell Anschluss und hat Glück, kann in die Wohnung von Freunden ziehen.
Gut beschrieben wird die Stimmung seiner Freunde, der Clique.
Die 70er ...

Ein junger Mann zieht von Mailand nach Rom.
Er findet recht schnell Anschluss und hat Glück, kann in die Wohnung von Freunden ziehen.
Gut beschrieben wird die Stimmung seiner Freunde, der Clique.
Die 70er Jahre mit ihrem besonderen Charme. Alle lassen sich treiben und Leo Gazzarra treibt mit.
Bekommt allerdings nichts richtig auf die Reihe.
Es wird gefeiert, gesoffen, gelebt.
Als Leo Arianna kennenlernt, versucht er sich zu ändern, aber auch sie kann Leo nicht halten.
Die Sprachlosigkeit, die ihm anscheinend in die Wiege gelegt wurde, kann er einfach nicht ablegen.
Obwohl die Beschreibungen Roms und der Charaktere wunderbar
sind, kann der Roman nicht überzeugen.
Trotz der schönen Schreibweise, dem starken Anfang macht sich später Langeweile breit.
Die Hauptcharaktere drehen sich im Kreis, es fängt an zu nerven.
Melancholisch und elegant, aber von Fellini und Sorrentino weit entfernt.
Letztendlich war ich froh als ich das Buch zuklappen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2022

Der Duft von Zimt

Der süße Himmel der Schwestern Lindholm
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Schweden/Skane 1936
Am Rande des Kullabergs wohnen die Lindholmschwestern.
Seit Generationen wird in der kleinen Bäckerei Brot und
andere Leckereien gebacken. In dieser wirtschaftlich schweren
Zeit kommen ...

Schweden/Skane 1936
Am Rande des Kullabergs wohnen die Lindholmschwestern.
Seit Generationen wird in der kleinen Bäckerei Brot und
andere Leckereien gebacken. In dieser wirtschaftlich schweren
Zeit kommen die fünf Schwestern auf die Idee, das Geschäft
etwas auszubauen. Sie eröffnen ein Gartencafé.
Söta Himmlen soll es heißen.
Doch dann beginnt ein Krieg in Europa.
Die Weltgeschichte droht die engen Bande zwischen den Schwestern zu zerreißen
und mit ihnen den «Süßen Himmel».

Das Cover gibt schon mal einen guten Einblick auf den Inhalt.
Dieses Mal entführt uns die Autorin nach Schweden.

Die Schreibweise ist wunderbar und fließend und die Charaktere
wie gewohnt ausdrucksstark. Die Familie steht im Mittelpunkt.
Zusammenhalt in jeder Lebenslage, egal wie die Umstände sind.
Nach dem ersten Kapitel geht es gleich in die Vergangenheit.
In das Jahr 1936.
Die Lebenssituationen und die Zeit wird recht gut wiedergegeben.
Da aber setzt meine kleine Kritik ein.
Ich habe natürlich hier keinen gesellschaftskritischen Roman erwartet.
Dennoch hätte mir ein bisschen mehr gesellschaftspolitischer
Hintergrund gefallen.
Dazu kommt, dass das Handeln und agieren der Personen nicht so richtig
in diese Zeit passen.
Alles in allem aber ist es ein sehr schöner Roman geworden.
Der Leser wird richtig in die Geschichte hereingezogen.
Schon nach ein paar Zeilen wird man Teil dieser Familie.
Lebt und hofft mit ihnen. Möchte gar nicht mehr aufhören zu lesen.
Dazu kommen die herrlichen Backmomente. Die werden so real beschrieben.
Der Duft dieser leckeren Teilchen zieht einen förmlich in die Nase.
Zum Glück gibt es hinten im Buch wunderbare schwedische Rezepte.
Das Besondere daran ist, dass sie von der Autorin getestet wurden.

Andrea Russos Romane haben nicht nur einen sehr großen Wohlfühlfaktor,
sondern auch immer einen großen Genießer Anteil.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2022

Sehr gelungener Auftakt einer Familiensaga

Abschied von der Heimat
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Rheinland 1929:

Die kleine Erika wird als fünfjährige von ihren Eltern zur Tante
nach Böhmen geschickt. Sie soll nur eine kurze Zeit dort bleiben.
Solange bis es der Familie wieder besser geht.
Das dauert ...

Rheinland 1929:

Die kleine Erika wird als fünfjährige von ihren Eltern zur Tante
nach Böhmen geschickt. Sie soll nur eine kurze Zeit dort bleiben.
Solange bis es der Familie wieder besser geht.
Das dauert viel länger als gedacht.
Erika wächst zu einer selbstbewussten jungen Frau heran.
Sie findet Freundinnen und hat viele Verehrer.

Südböhmen 1938:

Durch die Annexion des Sudetenlandes ändert sich alles.
Erika engagiert sich im Widerstand,
der Verrat eines falschen Freundes hat dramatische Folgen.
Als ihre Tante im Oktober 1945 den amtlichen Befehl erhält,
umgehend das Land zu verlassen, ist Erikas Zukunft mehr als ungewiss.

Meine Meinung:

Eine sehr lebendige und auch spannende Geschichte, die den Leser
in eine längst vergangene Zeit entführt.
Diese Geschichte um zwei Familien und ihr Schicksal ist sehr
einfühlsam und auch sehr spannend erzählt. Das Leben in Südböhmen
und die spätere Vertreibung. Überhaupt, was es bedeutet aus seinem
Leben gerissen zu werden. Wie die Stimmung kippt, antideutsch wird.
Die Charaktere sind wunderbar gewählt.
Z.b. Erika, die vom kleinen naiven Mädchen zur Widerstandskämpferin wird.
Ihre Verwandlung zu einer starken, mutigen und selbstlosen jungen Frau
auf der nun alle Hoffnungen der alten Tante liegen.
Die Autorin beherrscht die Kunst, zwei Familien in die historischen
Ereignisse dieser Zeit einzubinden. Dazu tragen ihre genausten
Recherchen und auch ihr wunderbarer Schreibstil bei.
Außerdem erhält dieser Roman sehr viel Lokalkolorit.
Die Orte sind sehr anschaulich und bildhaft beschrieben.
Überhaupt wird alles sehr detailliert dargestellt.

Fazit:
Hier wird Zeitgeschichte spannend vermittelt.
Unprätentiös und lebensnah erzählt, sodass es nie rührselig oder kitschig wird.
Ein sehr gelungenes Buch, das zeigt, was eine Vertreibung aus der Heimat wirklich bedeutet.
So macht Geschichte Spaß.
Habe ich doch einiges erfahren, was ich bis heute nicht wusste.

Das Cover finde ich sehr schön und passend zum Inhalt.
In der vorderen Klappe befindet sich eine sehr schöne Zeichnung
von Böhmen um 1938.
Eine Zeittafel am Ende des Buches hätte mir sehr gefallen!

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  • Handlung
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  • Charaktere
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  • Thema
Veröffentlicht am 07.01.2022

Genau das richtige für kalte Tage

Du hast gesagt, es ist für immer
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Anna und Ben wollten ihren lange geplanten Segeltörn in die
Karibik antreten. Dazu kommt es aber nicht. Ben hat Selbstmord
begangen und Anna hadert mit ihrem Leben. Sie weiß, dass sich etwas
ändern muss ...

Anna und Ben wollten ihren lange geplanten Segeltörn in die
Karibik antreten. Dazu kommt es aber nicht. Ben hat Selbstmord
begangen und Anna hadert mit ihrem Leben. Sie weiß, dass sich etwas
ändern muss und entscheidet spontan diese Reise allein anzutreten.
Anna merkt rasch, dass sie als Anfängerin nicht allem gewachsen ist.
Sie holt sich professionelle Hilfe. Keane, ein irischer routinierter
Segler meldet sich auf ihre Anzeige.
Auch Keane hat sein Päckchen zu tragen, kämpft mit einem großen Verlust.
Werden die beiden das schaffen?

Das wunderschöne Cover verspricht karibisches Flair.
Dieser Roman ist wie eine schöne und lange Segeltour.
Man taucht in ihn ein wie in die Wellen des Meeres.
Setzt in Gedanken die Segel und sieht den endlosen Horizont vor sich.
Der Schreibstil der Autorin ist warmherzig und mitreißend.
Die Geschichte hat Tiefgang. Es geht um den Verlust eines
geliebten Menschen, um Trost und Hoffnung.
Die Charaktere sind wunderbar beschrieben und man hat das Gefühl
direkt vor Ort zu sein.
Es macht Freude zu lesen, wie Anna langsam ins Leben zurückkehrt
und ihr wirklich verdientes Glück findet.
Ein poetischer und sehr sensibler Roman über Trauerbewältigung,
das Segeln und einen Neuanfang.
In leisen Tönen wird in Rückblenden das Leben der Anna erzählt.
Das macht die Autorin mit einem wunderbaren leichten Schreibstil.
Intensiv, aber nie kitschig.
Genau die richtige Lektüre für kalte Tage.

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Veröffentlicht am 06.01.2022

Eine sehr gelungene Zeitreise

Unser kostbares Leben
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Die Autorin nimmt uns mit in die 70er/80er Jahre.
Inmitten der beginnenden Ölkrise und des Vietnamkriegs wachsen drei junge Frauen auf.
Minka, die Tochter des SPD-Bürgermeisters, Caro, die Tochter des ...

Die Autorin nimmt uns mit in die 70er/80er Jahre.
Inmitten der beginnenden Ölkrise und des Vietnamkriegs wachsen drei junge Frauen auf.
Minka, die Tochter des SPD-Bürgermeisters, Caro, die Tochter des Direktors
der Schokoladenfabrik und Claire Caros vietnamesische Adoptivschwester.
Claire ist Waise und eine der ersten Boatpeople, die in Deutschland aufgenommen wurden.
Sie leben in politisch völlig verschiedenen Haushalten.

Aus ihrer Sicht wird diese Zeit noch einmal lebendig.
Katharina Fuchs zieht da alle Register. Von der Umweltverschmutzung,
der hiesigen Pharmaindustrie, deren grausamen Tierversuche,
die Vergiftung des Flusses, Experimente mit Psychopharmaka, die Vernichtung des Waldes für eine Autobahn.
Das alles wird mit einem wunderbar fesselnden Schreibstil erzählt.
Mit den Augen dieser drei Hauptcharaktere durchlebt der Leser diese
vergangene Zeit. Bildreich und sehr lebendig, unheimlich fesselnd und
auch wieder federleicht wird das Zeitgeschehen von damals wiedergegeben.
Die Charaktere sind einfach super gewählt.
Aus ihrem kindlichen Blickwinkel heraus entwickelt sie mit den Jahren
ein anderes Bewusstsein für die beginnende Umweltverschmutzung.
Sie merken, dass sie etwas dagegen tun können bzw. müssen, damit sich etwas ändert.
Dank der wirklich sehr lebendigen Schreibweise hat man das Gefühl ein Teil
dieser Familien zu sein. Man erlebt alle Höhen und Tiefen hautnah.
Die guten und auch die sehr schmerzlichen Erlebnisse.
Dazu kommen die historischen Ereignisse, die sich wie ein roter Faden
durch diese Geschichte ziehen.
Ein wunderbarer Roman mit sehr ernsten Hintertönen.
Eine sehr gelungene Zeitreise durch die 1970er/1980er Jahre.

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