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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.11.2025

Nombeko

Die Analphabetin, die rechnen konnte
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Eine junge Südafrikanerin: Auf dem Weg durch dieses Buch erleben wir Nombeko als Mädchen, als junge Frau, als Flüchtling, als Verliebte.

Es ist ein ungemein komisches Buch, was mich oft laut auflachen ...

Eine junge Südafrikanerin: Auf dem Weg durch dieses Buch erleben wir Nombeko als Mädchen, als junge Frau, als Flüchtling, als Verliebte.

Es ist ein ungemein komisches Buch, was mich oft laut auflachen ließ, aber mit einem sehr ernsten Hintergrund.

Diese Atombombe.
Diese junge Frau.
Dieses Land unter Apartheid.
Dieses andere Land in Europa - Schweden.

Der Roman vom Autor "Der Hundertjährige, der durch ein Fenster stieg und verschwand" führt wieder durch tragischkomische Situationen. Mit eigentümlichen Personen, manche, die man schütteln möchte, andere - wie die Hauptpersonen -, die man einfach nur in Armen nehmen möchte.

Ein Roman, der fesselt und gute Lesemomente verspricht, mit Anspruch und einem sehr guten Schuß Humor.
So soll Literatur sein!



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Veröffentlicht am 01.11.2025

Die Wehrmacht rückt auf St. Petersburg vor

Stadt der Diebe
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Dieser Roman hat mich - um vielleicht mit einem abgedroschenen Begriff um mich zu schmeißen -, aber es stimmt: Er hat mich schlichtweg umgehauen!

"Der große vaterländische Krieg", die deutsche Wehrmacht ...

Dieser Roman hat mich - um vielleicht mit einem abgedroschenen Begriff um mich zu schmeißen -, aber es stimmt: Er hat mich schlichtweg umgehauen!

"Der große vaterländische Krieg", die deutsche Wehrmacht dringt in den russischen Raum ein, erobert große Teile und belagert Sankt Petersburg für zwei Jahre.
Die Menschen leiden Hunger, viele sind geflüchtet, weiter ins Land hinein, andere wurden rekrutiert um das Heimatland zu verteidigen

Und dann passiert folgendes: Einem jungen Mann, gerade mal 17 Jahre alt, fällt ein Wehrmachtsoffizier aus dem Himmel zu Füßen. Er und seine Freunde, die Wache auf ihrem Wohnkomplex halten, plündern die Leiche. Sie hoffen auf Nahrung oder anderem Verwertbares. Eine Polizeistreife jagt die jungen Menschen, eine Frau fällt hin und Lew hilft ihr. Dabei wird er von der Streife verhaftet und erwartet, dass er erschossen wird. In einem berüchtigtes Gefängnis gesteckt meint er, dass seine letzte Nacht anbricht. Doch ein anderer junger Mann wird zu ihm in die Zelle gesteckt. Dieser hat sich unerlaubt von seiner Truppe entfernt und wird als Deserteur betrachtet, darauf steht ebenfalls die Todesstrafe.

Doch am nächsten Morgen kommen die beiden vor ein hohes Tier, der die Hochzeit seiner Tochter ausrichtet. Und er verschont ihr Leben, wenn sie ihm binnen weniger Tage ein Dutzend Eier bringen für die Hochzeitstorte.

Darauf basierend durchkämmen die beiden jungen Männer Petersburg und schließlich auch die Region außerhalb, bis hinter die Grenze an der die Deutschen stehen.

Auf der Suche nach den Eier erleben die beiden Unglaubliches und Unmenschliches. Es ist eine Abfolge von Erlebnissen, die einerseits die Brutalität einer solchen Belagerung und Aushungerung zeigt, andererseits auch wie sich Menschen gegenseitig helfen.

Großartig geschrieben von einem Könner (von dem ich erst im Nachhinein erfuhr wer er ist - der Drehbuchautor von Game of Thrones und Star Wars). Diese Abfolge von dramatischen Ereignissen im Laufe der Suche nach den Eiern kann sich nur jemand ausdenken, der etwas von Dramatik versteht. Und in der Tat, der Roman liest sich wie ein Drehbuch.
Unglaublich dicht und bestückt mit Bildern, gut recherchiert und mit einer interessanten Rahmengeschichte.

Eines der Bücher, die auf jeden Fall in meinem Bücherschrank verbleiben für wiederholtes Lesen!

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Kirchzarten im schönen Dreisamtal

Im Sommer der Mörder
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Der zweite Fall für Louise Boni (mit einem Elsässer Vater und einer deutschen Mutter) und mein erster Krimi, geschrieben von Oliver Bottini:

Im Dreisamtal liegt die kleine Stadt Kirchzarten, und wie auf ...

Der zweite Fall für Louise Boni (mit einem Elsässer Vater und einer deutschen Mutter) und mein erster Krimi, geschrieben von Oliver Bottini:

Im Dreisamtal liegt die kleine Stadt Kirchzarten, und wie auf der Rückseite des Buches betitelt, der friedlichste Ort der Welt. Doch dann bricht auf einer Wiese ein verheerendes Feuer aus, eine Scheune brennt ab. Die Feuerwehr rückt aus, aber ist ja nur eine Scheune. Die kann man ja auch kontrolliert abbrennen lassen. Ein Feuerwehrmann, bereits lässig geworden (was bestimmt nicht zutrifft, ich kenne keinen Feuerwehrmenschen, der oder die nachlässig werden) schlendert mehr oder weniger zu den Glutnestern hin. Doch auf einmal macht es 'bumm', hohe Stichflammen und ein ziemlich verbrannter Feuerwehrmann.

So beginnt der Roman. Denn unter der harmlosen Scheune befand sich ein Waffendepot.
Immer geheimnisvoller wird beschrieben, dass es doch gar nicht sein könnte. Doch weil ein toter Feuerwehrmann involviert ist und diese seltsame hohe Stichflamme, ein komischer Geruch, und ein seltsamer Bauer, auf dessen Eigentum die Scheune stand, muss nun auch die Kripo den Fall untersuchen.

Stück für Stück schafft sich Louise Boni, die für ihre einzelgängerischen Aktionen bekannt und nicht gerade beliebt ist, durch diesen Fall.
Ein paar Leute arbeiten ihr zu und jede Menge Zufälle bereiten den Boden für eine haarsträubende kriminalistische Entwicklung.

Und das im friedlichsten Ort der Welt, in Kirchzarten.

Für einen lokalen Menschen stellt sich zu erst einmal die Frage, kennt der Autor die Gegend? Er scheint zumindest schon mal Urlaub im Dreisamtal gemacht zu haben. Viele Begriffe von Örtlichkeiten stimmen, andere sind frei erfunden oder wurden vom Autor gefällig hingebogen.

Das Buch liest sich gut, und ja, solche Sachen können durchaus passieren. Um den Plot nicht zu verraten, wird nicht mehr von der Geschichte erzählt.
Doch was uns Einheimische beschäftigt hat - wie sprechen wir Kirchzarten aus? Es stimmt, wir betonen Kirch... zarten. Und vergleichen mit Hinterzarten, da liegt die Betonung auf ... zarten. Also muss der Autor doch längere Zeit sich bei uns aufgehalten haben...

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Die bekannte Welt gerät aus den Fugen

Die bekannte Welt
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Wer weiß, dass es neben weißen Sklavenhalter:innen auch Schwarze in den Staaten gab?

Für die überwiegende Masse der schwarzen Sklaven ist die bekannte Welt ihre Plantage, für die wenigen Hausklaven natürlich ...

Wer weiß, dass es neben weißen Sklavenhalter:innen auch Schwarze in den Staaten gab?

Für die überwiegende Masse der schwarzen Sklaven ist die bekannte Welt ihre Plantage, für die wenigen Hausklaven natürlich der Herrschaftssitz ihrer Besitzenden. Wenige wurden auf Reisen zur Bedienung mitgenommen.
Das heißt, was die Sklaven kannten waren die jeweilgien Plantagen ihrer Besitzenden. Wenn sie verkauft wurden kamen sie mit ihrem Eigentümer:innen zu einem neuen Ort. Ihre neue Bekannte Welt.
Das Buch spielt im 19. Jahrhunderten vor dem US- Amerikanischen Bürgerkrieg. Allerdings gibt es schon die Abolitionismus Bewegung, mit der schwarze Sklaven freigelassen werden sollten. In der Gesellschaft dieser Zeit um 1855 bis 1861 gibt es in der Tat – schwarze Sklaven, indianische Menschen, Weiße aus aller Welt, und vor allem freigelassene Sklaven und damit eine neue Schicht, was von vielen Weißen aber nicht akzeptiert wird. Damit auch eben die Übergriffe, dass Freigelassene, die ihren Schutzbrief ständig mit sich tragen mussten, auch von Sklavenhändler wieder eingefangen wurden, ungestzlich. Also es war ein schreckliches Durcheinander und gesetzloses passierte leicht.

Von allen beteiligten Personen sind die wenigsten sympathisch. Dazu kommt noch ein heftiges Durcheinander von Randgeschichten und Figuren. Auch ein zeitliches Durcheinander macht es nicht leicht die vielen und verirrenden Fakten klar zu bekommen.
Von allen handelnden Personen sind mir die Figuren von Augustus und Mildred am Lieben gewesen. Augustus, ein begnadeter Schuhmacher und Sklave unter William Robbins, schafft es sich freizukaufen. Er baut ein kleines Haus, eine gute Strecke von seiner alten Plantage entfernt. Seine Frau Mildred kauft er frei, sobald er das Geld dazu verdient hat. Zuletzt kauft er seinen einzigen Sohn Henry frei, leider weil auch Henry sehr begabt und noch mehr beliebter bei seinem Sklavenhalter ist, erst Jahre später. Robbins setzt den Preis für den Freikauf immer weiter hoch. Eine gewisse Entfremdung zwischen Eltern und Sohn passiert, da der Sohn mehr oder weniger von einer anderen Mutter aufgezogen wird. Und auch Robbins hängt sein ganzes Leben lang an Henry. Robbins selbst hat eine schwarze Geliebte, Ex-Sklavin, die er als Geliebte gekauft hat, mit der er zwei Kinder an, mehr oder weniger legitimiert.
Das Wichtige an dem Buch ist jedoch – Schwarze Sklavenhalter. Von denen soll es über 3000 gegeben haben. Und Henry Townsend wird zum schwarzen Sklavenhalter.

Interessant ist jedoch, dass der Sklavenhandel, Sklavenhaltung und Missbrauch von Menschen als Besitztümer anderer Menschen ein weltweites und sogar urhistorisches Phänomen ist. In manchen Teilen von Afrika wird auch noch heute von Sklaven gesprochen (persönliche Erfahrung aus Kamerun). Im Sudan werden auch heute noch Menschen versklavt (siehe dazu die Berichterstattung und Bücher). Man spricht vom Transatlantischen Sklavenhandel, zu dem eben auch die Afro amerikanischen Sklaven gehören. Es gibt den Transsaharischen Sklavenhandel und den innerafrikanischen Sklavenhandel. So stammt auch das osteuropäische Wort Slawen von Sklaven ab. Weil in den Anfängen der europäischen Geschichte Wikinger, Nordmänner und andere kriegerische Völker viele der in Ost- und Südosteuropa beheimateten Völkern verklavten. Aber auch Sklavenhaltung in Rom ist bekannt.

Das Buch gewann den Pulitzer Preis

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Erstaunliche Erzählungen...

Die Leute von Privilege Hill
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... denn am Ende der Erzählungen ist der lesende Mensch ganz perplex darüber !

Zuerst liest sich ein wenig altbacken und mit dem großen Fragezeichen "Lohnt sich das Lesen?" Diese Geschichten von einer ...

... denn am Ende der Erzählungen ist der lesende Mensch ganz perplex darüber !

Zuerst liest sich ein wenig altbacken und mit dem großen Fragezeichen "Lohnt sich das Lesen?" Diese Geschichten von einer 1928 geborenen Autorin zu lesen? Ist das nicht aus der Zeit gefallen? Und noch keiner Klassiker wie z.B. Jane Austen...

Ha, so solle sich ein jeder, eine jede die Mühen machen und sich wirklich einlesen. Denn es ist schon erstaunlich, was die Autorin Jane Gardam auf ihre subtile Art und Weise ihren handelnden Personen eingibt. Hongkong, bevor es chinesisch wurde und noch britisch war, die Autorin muss den Ort aus eigener Anschauung kennen. Und dann verläuft sich eine Britin und wird von einem Schweinefahrer nach Hause gebracht. Es macht nachdenklich, denn genauso tapsig laufen viele durch die Gegend, und dann, plötzlich dann, merken sie etwas. Und es berührt sie und lässt sie nicht mehr los.

Oder nehmen wir 'Hetty schläft', war es jetzt real oder geträumt. Doch doch, da war doch etwas. Oder 'Die geheimen Briefe' und die Reaktion. Hätte ich auch so gehandelt? Die mitspielenden Figuren zeigen plötzlich eine Stärke oder ein unvorhersehbares Verhalten, was verblüfft. Ja ja, so können Menschen auch sein, unvorhersehbar...

Jane Gardam hat das so geschickt beschrieben, dass ihre Texte schlicht zeitlos sind, auch wenn sie damals spielen, in den Fünfzigern, früher oder später ... Die Texte ließen sich auch leicht in das Heute versetzen.

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