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Veröffentlicht am 10.09.2025

Die bekannte Welt gerät aus den Fugen

Die bekannte Welt
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Wer weiß, dass es neben weißen Sklavenhalter:innen auch Schwarze in den Staaten gab?

Für die überwiegende Masse der schwarzen Sklaven ist die bekannte Welt ihre Plantage, für die wenigen Hausklaven natürlich ...

Wer weiß, dass es neben weißen Sklavenhalter:innen auch Schwarze in den Staaten gab?

Für die überwiegende Masse der schwarzen Sklaven ist die bekannte Welt ihre Plantage, für die wenigen Hausklaven natürlich der Herrschaftssitz ihrer Besitzenden. Wenige wurden auf Reisen zur Bedienung mitgenommen.
Das heißt, was die Sklaven kannten waren die jeweilgien Plantagen ihrer Besitzenden. Wenn sie verkauft wurden kamen sie mit ihrem Eigentümer:innen zu einem neuen Ort. Ihre neue Bekannte Welt.
Das Buch spielt im 19. Jahrhunderten vor dem US- Amerikanischen Bürgerkrieg. Allerdings gibt es schon die Abolitionismus Bewegung, mit der schwarze Sklaven freigelassen werden sollten. In der Gesellschaft dieser Zeit um 1855 bis 1861 gibt es in der Tat – schwarze Sklaven, indianische Menschen, Weiße aus aller Welt, und vor allem freigelassene Sklaven und damit eine neue Schicht, was von vielen Weißen aber nicht akzeptiert wird. Damit auch eben die Übergriffe, dass Freigelassene, die ihren Schutzbrief ständig mit sich tragen mussten, auch von Sklavenhändler wieder eingefangen wurden, ungestzlich. Also es war ein schreckliches Durcheinander und gesetzloses passierte leicht.

Von allen beteiligten Personen sind die wenigsten sympathisch. Dazu kommt noch ein heftiges Durcheinander von Randgeschichten und Figuren. Auch ein zeitliches Durcheinander macht es nicht leicht die vielen und verirrenden Fakten klar zu bekommen.
Von allen handelnden Personen sind mir die Figuren von Augustus und Mildred am Lieben gewesen. Augustus, ein begnadeter Schuhmacher und Sklave unter William Robbins, schafft es sich freizukaufen. Er baut ein kleines Haus, eine gute Strecke von seiner alten Plantage entfernt. Seine Frau Mildred kauft er frei, sobald er das Geld dazu verdient hat. Zuletzt kauft er seinen einzigen Sohn Henry frei, leider weil auch Henry sehr begabt und noch mehr beliebter bei seinem Sklavenhalter ist, erst Jahre später. Robbins setzt den Preis für den Freikauf immer weiter hoch. Eine gewisse Entfremdung zwischen Eltern und Sohn passiert, da der Sohn mehr oder weniger von einer anderen Mutter aufgezogen wird. Und auch Robbins hängt sein ganzes Leben lang an Henry. Robbins selbst hat eine schwarze Geliebte, Ex-Sklavin, die er als Geliebte gekauft hat, mit der er zwei Kinder an, mehr oder weniger legitimiert.
Das Wichtige an dem Buch ist jedoch – Schwarze Sklavenhalter. Von denen soll es über 3000 gegeben haben. Und Henry Townsend wird zum schwarzen Sklavenhalter.

Interessant ist jedoch, dass der Sklavenhandel, Sklavenhaltung und Missbrauch von Menschen als Besitztümer anderer Menschen ein weltweites und sogar urhistorisches Phänomen ist. In manchen Teilen von Afrika wird auch noch heute von Sklaven gesprochen (persönliche Erfahrung aus Kamerun). Im Sudan werden auch heute noch Menschen versklavt (siehe dazu die Berichterstattung und Bücher). Man spricht vom Transatlantischen Sklavenhandel, zu dem eben auch die Afro amerikanischen Sklaven gehören. Es gibt den Transsaharischen Sklavenhandel und den innerafrikanischen Sklavenhandel. So stammt auch das osteuropäische Wort Slawen von Sklaven ab. Weil in den Anfängen der europäischen Geschichte Wikinger, Nordmänner und andere kriegerische Völker viele der in Ost- und Südosteuropa beheimateten Völkern verklavten. Aber auch Sklavenhaltung in Rom ist bekannt.

Das Buch gewann den Pulitzer Preis

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Erstaunliche Erzählungen...

Die Leute von Privilege Hill
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... denn am Ende der Erzählungen ist der lesende Mensch ganz perplex darüber !

Zuerst liest sich ein wenig altbacken und mit dem großen Fragezeichen "Lohnt sich das Lesen?" Diese Geschichten von einer ...

... denn am Ende der Erzählungen ist der lesende Mensch ganz perplex darüber !

Zuerst liest sich ein wenig altbacken und mit dem großen Fragezeichen "Lohnt sich das Lesen?" Diese Geschichten von einer 1928 geborenen Autorin zu lesen? Ist das nicht aus der Zeit gefallen? Und noch keiner Klassiker wie z.B. Jane Austen...

Ha, so solle sich ein jeder, eine jede die Mühen machen und sich wirklich einlesen. Denn es ist schon erstaunlich, was die Autorin Jane Gardam auf ihre subtile Art und Weise ihren handelnden Personen eingibt. Hongkong, bevor es chinesisch wurde und noch britisch war, die Autorin muss den Ort aus eigener Anschauung kennen. Und dann verläuft sich eine Britin und wird von einem Schweinefahrer nach Hause gebracht. Es macht nachdenklich, denn genauso tapsig laufen viele durch die Gegend, und dann, plötzlich dann, merken sie etwas. Und es berührt sie und lässt sie nicht mehr los.

Oder nehmen wir 'Hetty schläft', war es jetzt real oder geträumt. Doch doch, da war doch etwas. Oder 'Die geheimen Briefe' und die Reaktion. Hätte ich auch so gehandelt? Die mitspielenden Figuren zeigen plötzlich eine Stärke oder ein unvorhersehbares Verhalten, was verblüfft. Ja ja, so können Menschen auch sein, unvorhersehbar...

Jane Gardam hat das so geschickt beschrieben, dass ihre Texte schlicht zeitlos sind, auch wenn sie damals spielen, in den Fünfzigern, früher oder später ... Die Texte ließen sich auch leicht in das Heute versetzen.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Kein 'Fairy Tale'

Einsame Entscheidung
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Leander Lost, der Deutsche, der in Fuseta mit der portugiesischen Polizei Dienst tut, ist ein ganz besonderer Mensch:

Nach einer etwas eigentümlichen Verfolgung mit Widerständen geht es weiter mit der ...

Leander Lost, der Deutsche, der in Fuseta mit der portugiesischen Polizei Dienst tut, ist ein ganz besonderer Mensch:

Nach einer etwas eigentümlichen Verfolgung mit Widerständen geht es weiter mit der eher ungewöhnlichen Vorgehensweise von Lost und seinen Kollegen, vor allen den Kolleginnen.
Mit dem ungewöhnlichen Kripomann und dem gesamten Team wird einmal quer von der Ost-Algarve bis nach Spanien gejagt und wieder zurück. Unterwegs wird natürlich sehr plastisch und ausführlich die Landschaft beschrieben, und noch wichtiger - die herrlichen kulinarischen Leckerbissen der Region.

Schon spannend, was sich auf rund 400 Seiten für ein Szenario entwickelt. Aber nicht unrealistisch in der Schlussfolgerung. Es liegt nur an uns solchen Machenschaften ein Ende zu bereiten. Aber so wie mit anderen Thrillern der Art verlockt das unglaublich dieses Fuseta aufzusuchen und sich persönlich an die Spurensuche vor Ort zu machen.

Es lohnt sich, ich habe das bereits in der Bretagne getan und war überrascht, einer meiner schönsten Spurensuche Reisen...

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Der großartige Erzähler Meir Shalev über die Liebe

Judiths Liebe
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Ein kleiner Junge verliert seine Mutter Judith, aber er hat zum Ausgleich drei Väter. Jeder der Väter hat ihm ein Körperteil vermacht und am Ende ihrer Tage ihr ganzes Hab und Gut.

Die Geschichte von ...

Ein kleiner Junge verliert seine Mutter Judith, aber er hat zum Ausgleich drei Väter. Jeder der Väter hat ihm ein Körperteil vermacht und am Ende ihrer Tage ihr ganzes Hab und Gut.

Die Geschichte von Sejde (was Großväterchen heißt) spiegelt das gesamte Können des Wortmagiers Meir Shalev wieder. Shalev, der aus einer Familie von Dichtern und Poeten stammt, scheint das Erbe seiner Familie auf nicht nur einen, sondern mehrere Höhepunkte hingetrieben zu haben. Mit äußerst zarten poetischen Worten beschreibt er die Lebensumstände des zwölfjährigen Sejde, der verwöhnt von seinen drei Väter ohne Mutter aufwächst. Seine Mutter Judith war die Liebe aller drei und so weiß keiner von ihnen, wer denn wirklich der biologische Vater des Jungens ist.
Ist aber auch nicht wichtig. Weil alle drei lieben an dem Jungen das, was ihnen von Judith blieb. Die nicht eine Schönheit war, aber irgendetwas Besonderes bei ihren Kavalieren auslöste.

Gleichzeitig mit seinen poetischen Worten zaubert Meir Shalev auch die Schönheit der Landschaft von Jezreel, deren Feldfrüchte, Tierwelt und Pflanzenreich. Mit seinen Worten träumt man sich in diese wunderbare Welt hinein.

So schade, dass dieser großartige Poet schon so früh den Weg des Ewigen gegangen ist. In Israel wird er auch heute noch hoch geschätzt.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Umberto und Prag

Der Friedhof in Prag
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Das Buch ist ein Riesenschmöker, umfangreich, mehr als 500 Seiten, aber typische für Umberto Eco so voll mit Zitaten und Personen der Weltgeschichte, dass es keine leichte Lektüre ist... mal eben am Strand ...

Das Buch ist ein Riesenschmöker, umfangreich, mehr als 500 Seiten, aber typische für Umberto Eco so voll mit Zitaten und Personen der Weltgeschichte, dass es keine leichte Lektüre ist... mal eben am Strand gelesen. Nein, das ist Hineintauchen in eine Welt, die scheinbar vergangen ist und doch weiterhin wirkt.

Paris und seine Machenschaften. Seine Wirrungen und Verirrungen. Seine politischen Umtriebe und seine Auswirkung auf Europa. Zuerst habe ich gedacht, das Buch erschlägt mich. Doch dann habe ich mich entschlossen es als eine heitere Lektüre zu nehmen. Und in der Tat haben mich die Sätze Umberto Ecos oft zum Lachen gebracht.

Weltliteratur heiter sehen, als amüsanter Lesegenuss für viele viele dunkle Winterabende...

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