Cover-Bild Die bekannte Welt
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28,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Claassen
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: historischer Roman
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 448
  • Ersterscheinung: 26.10.2023
  • ISBN: 9783546100779
Edward P. Jones

Die bekannte Welt

Roman | Einer der besten Romane des 21. Jahrhunderts (BBC)
Hans-Christian Oeser (Übersetzer)

»Eines der seltenen Bücher, die Wunden aufreißen und zugleich heilen.« Oprah Magazine  

Henry Townsend, ein ehemaliger Schuhmacher und Sklave, ist selbst Sklavenhalter und Besitzer einer Farm geworden. Als er stirbt, zerbricht das fragile Gefüge. Seine Witwe Caldonia erstarrt in Trauer; Sklaven entfliehen; Familien, die unter dem Gewicht der Unfreiheit zusammenhielten, beginnen einander zu betrügen; weiße Patrouillen sehen zu, wie freie Schwarze in die Sklaverei verkauft werden.  

Edward P. Jones’ Meisterwerk handelt davon, wie die Institution der Sklaverei ihre eigene Welt errichtet, wie sie die Gedanken, Körper und Seele eines jeden Menschen – frei oder unfrei – durchdringt. Die bekannte Welt ist einer der bedeutendsten amerikanischen Romane der vergangenen Jahrzehnte – eine bleibende, leuchtende Charakterstudie, die eine ganz und gar spezifische, glaubwürdige und komplexe Welt in vollendet schöner Prosa erschafft. 

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.09.2025

Die bekannte Welt gerät aus den Fugen

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Wer weiß, dass es neben weißen Sklavenhalter:innen auch Schwarze in den Staaten gab?

Für die überwiegende Masse der schwarzen Sklaven ist die bekannte Welt ihre Plantage, für die wenigen Hausklaven natürlich ...

Wer weiß, dass es neben weißen Sklavenhalter:innen auch Schwarze in den Staaten gab?

Für die überwiegende Masse der schwarzen Sklaven ist die bekannte Welt ihre Plantage, für die wenigen Hausklaven natürlich der Herrschaftssitz ihrer Besitzenden. Wenige wurden auf Reisen zur Bedienung mitgenommen.
Das heißt, was die Sklaven kannten waren die jeweilgien Plantagen ihrer Besitzenden. Wenn sie verkauft wurden kamen sie mit ihrem Eigentümer:innen zu einem neuen Ort. Ihre neue Bekannte Welt.
Das Buch spielt im 19. Jahrhunderten vor dem US- Amerikanischen Bürgerkrieg. Allerdings gibt es schon die Abolitionismus Bewegung, mit der schwarze Sklaven freigelassen werden sollten. In der Gesellschaft dieser Zeit um 1855 bis 1861 gibt es in der Tat – schwarze Sklaven, indianische Menschen, Weiße aus aller Welt, und vor allem freigelassene Sklaven und damit eine neue Schicht, was von vielen Weißen aber nicht akzeptiert wird. Damit auch eben die Übergriffe, dass Freigelassene, die ihren Schutzbrief ständig mit sich tragen mussten, auch von Sklavenhändler wieder eingefangen wurden, ungestzlich. Also es war ein schreckliches Durcheinander und gesetzloses passierte leicht.

Von allen beteiligten Personen sind die wenigsten sympathisch. Dazu kommt noch ein heftiges Durcheinander von Randgeschichten und Figuren. Auch ein zeitliches Durcheinander macht es nicht leicht die vielen und verirrenden Fakten klar zu bekommen.
Von allen handelnden Personen sind mir die Figuren von Augustus und Mildred am Lieben gewesen. Augustus, ein begnadeter Schuhmacher und Sklave unter William Robbins, schafft es sich freizukaufen. Er baut ein kleines Haus, eine gute Strecke von seiner alten Plantage entfernt. Seine Frau Mildred kauft er frei, sobald er das Geld dazu verdient hat. Zuletzt kauft er seinen einzigen Sohn Henry frei, leider weil auch Henry sehr begabt und noch mehr beliebter bei seinem Sklavenhalter ist, erst Jahre später. Robbins setzt den Preis für den Freikauf immer weiter hoch. Eine gewisse Entfremdung zwischen Eltern und Sohn passiert, da der Sohn mehr oder weniger von einer anderen Mutter aufgezogen wird. Und auch Robbins hängt sein ganzes Leben lang an Henry. Robbins selbst hat eine schwarze Geliebte, Ex-Sklavin, die er als Geliebte gekauft hat, mit der er zwei Kinder an, mehr oder weniger legitimiert.
Das Wichtige an dem Buch ist jedoch – Schwarze Sklavenhalter. Von denen soll es über 3000 gegeben haben. Und Henry Townsend wird zum schwarzen Sklavenhalter.

Interessant ist jedoch, dass der Sklavenhandel, Sklavenhaltung und Missbrauch von Menschen als Besitztümer anderer Menschen ein weltweites und sogar urhistorisches Phänomen ist. In manchen Teilen von Afrika wird auch noch heute von Sklaven gesprochen (persönliche Erfahrung aus Kamerun). Im Sudan werden auch heute noch Menschen versklavt (siehe dazu die Berichterstattung und Bücher). Man spricht vom Transatlantischen Sklavenhandel, zu dem eben auch die Afro amerikanischen Sklaven gehören. Es gibt den Transsaharischen Sklavenhandel und den innerafrikanischen Sklavenhandel. So stammt auch das osteuropäische Wort Slawen von Sklaven ab. Weil in den Anfängen der europäischen Geschichte Wikinger, Nordmänner und andere kriegerische Völker viele der in Ost- und Südosteuropa beheimateten Völkern verklavten. Aber auch Sklavenhaltung in Rom ist bekannt.

Das Buch gewann den Pulitzer Preis

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Veröffentlicht am 07.12.2023

Vielschichtiger, komplex erzählter Roman

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Mit "Die bekannte Welt" legt der Ullstein-Verlag das preisgekrönte Werk von Edward P. Jones (Pulitzerpreis 2004) neu auf. Es beleuchtet die Lebensgeschichte eines Sklaven, der freigekauft wurde und seinerseits ...

Mit "Die bekannte Welt" legt der Ullstein-Verlag das preisgekrönte Werk von Edward P. Jones (Pulitzerpreis 2004) neu auf. Es beleuchtet die Lebensgeschichte eines Sklaven, der freigekauft wurde und seinerseits Sklavenhalter wurde. Dass dies überhaupt möglich war, war mir zuvor  nicht bekannt, doch der Autor E.P. Jones, selbst Afroamerikaner, hat diesen rein fiktiven Roman auf der Basis umfangreicher historischer Recherchen verfasst und sich für diese ungewöhnliche Perspektive entschieden, die bereits darauf hindeutet, dass es sich der Autor nicht einfach macht und differenziert die Abgründe menschlicher Seelen unabhängig von der Hautfarbe ausleuchtet.


Der komplexe Schreibstil mit mehreren Zeitebenen und Handlungssträngen und einer Vielzahl an Personen erschwert immer wieder die Lektüre, und ich habe das Buch entgegen meiner Gewohnheit nicht an einem Stück gelesen. Wenn man sich jedoch erst einmal an die teils sperrige Erzählweise gewöhnt hat, erwartet einen ein inhaltlich hochinteressanter, kraftvoller und aufwühlender Roman mit ambivalenten, plastischen und lebendigen Charakteren. Um den Überblick nicht zu verlieren, ist das Personenverzeichnis am Ende sehr hilfreich, auch wenn das Blättern insbesondere beim ebook doch recht mühsam ist. Hier lohnt es sich die entsprechenden Seiten auszudrucken und griffbereit zu haben. 


Insgesamt ein sehr lesenswerter und vielschichtiger Roman über eine dunkle Epoche voller Willkür, Diskriminierung, Ausbeutung und Rassismus, bei dem es sich unbedingt lohnt, dranzubleiben.


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