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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2025

Ein Buch,.das schmerzt aber gleichzeitig nicht loslässt

Da, wo ich dich sehen kann
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'Die Dunkelheit liegt schwer im Zimmer, als hätte jemand sie aus riesigen schwarzen eimern in den Raum gegossen.' (Seite 88)

Dieses Buch tut weh und bedrückt beim Lesen permanent. Es ist ein fiktives ...

'Die Dunkelheit liegt schwer im Zimmer, als hätte jemand sie aus riesigen schwarzen eimern in den Raum gegossen.' (Seite 88)

Dieses Buch tut weh und bedrückt beim Lesen permanent. Es ist ein fiktives Buch, das aber leider voll Realitäten steckt.

Ein Femizid geschieht und die Angehörigen müssen lernen damit zu leben. Aus der Perspektive der Mutter, der Tochter und der besten Freundin lernen wir Emma kennen, tauchen in die Gefühlswelt aller Beteiligten ein und steuern auf das Unfassbare zu. Auch Emmas Vater und Emmas Schwiegermutter bekommen Raum. Teilweise konnte ich die Trauer und die Gedanken kaum ertragen und gleichzeitig die Wut und Hoffnungslosigkeit so verstehen.

Hinter allem steht ein großes Warum. Warum passiert das immer wieder? Warum nehmen sich Männer das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden? Das Warum was am sos ehr nagt und Amit fast am Schlimmsten ist: Warum habe ich nichts gemerkt? Ein Warum, das nicht sein sollte, weil es den Täter schont. Jasmin Schreiber schreibt sie eindringlich und trotz der Schwere des Themas fließt der Text so dahin, dass ich mich ihm nicht entziehen und kaum aufhören zu lesen konnte.

'Da wo ich dich sehen kann' ist nicht nur ein Roman. Er ist auch ein Zeitzeugnis. Leider. Da ist der Notruf-Dialog des Kindes abgedruckt, welches seine leblose Mutter findet, da ist ein Obduktionsbericht, da sind Gerichtsurteile zum Sorgerecht und auf schwarzen Seiten finden wir sie Gedanken der Protagonist*innen mit dem, was wäre wenn ich anders reagiert hätte. Dieses Was wäre wenn schmerzt noch einmal mehr. Auch wenn man weiß, dass diese Gedanken nicht helfen, sind sie da.

Der Täter sitzt seine Strafe ab, er bekommt hier zu Recht kaum Platz. Die Hinterbliebenen haben das Wort und sie tragen die Bürde mit dieser Schwere auf ihrem Herzen leben zu müssen.

Kann solch ein Buch ein Jahreshighlight sein? Ja, kann es. Denn das Thema bleibt wichtiger denn je und ich wünsche mir noch lange sehr viel Aufmerksamkeit für dieses Buch.

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Veröffentlicht am 27.12.2025

Kurze Familiengeschichte mit viel Inhalt

Die zweite Stufe
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Die zweite Stufe ' ist ein kleiner stiller Roman. Der aber dennoch so viel Kraft ausstrahlt. Ich bin froh, dass ich mich endlich mal abseits der großen Verlage bewege, denn sonst wären mir solche Perlen ...

Die zweite Stufe ' ist ein kleiner stiller Roman. Der aber dennoch so viel Kraft ausstrahlt. Ich bin froh, dass ich mich endlich mal abseits der großen Verlage bewege, denn sonst wären mir solche Perlen entgangen.

Monika von Bothmer hat in einem ganz eigenen Stil eine Familiengeschichte geschaffen, die schmerzt und sehr tief geht, aber gleichzeitig eine Leichtigkeit hat, die Hoffnung schafft.

Wir begleiten Bille von der Kindheit an bis weit in das Erwachsenenalter hinein. Wir spüren mit ihr, was da falsch läuft und sich zusammenbraut, wir begleiten sie nach einem tragischen Schicksalsschlag und sehen ihr zu, wenn sie ihr Leben neu ordnen muss.

Ich habe Bille (und auch die Menschen an ihrer Seite) sehr ins Herz geschlossen und habe ihre Geschichte fast in einem Rutsch gelesen.

Wer kurze Bücher mit viel Inhalt gerne mag, dem sei 'Die zweite Stufe' sehr ans Herz gelegt.

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Ein Jahreshighlight

Die Unbändigen
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'Wir haben uns nie als Hexen betrachtet meine Mutter und ich. Denn dieses Wort hatten Männer erfunden. Ein Wort, das denen, die es aussprechen, Macht gibt, nicht denen, die es beschreibt Ein Wort, das ...

'Wir haben uns nie als Hexen betrachtet meine Mutter und ich. Denn dieses Wort hatten Männer erfunden. Ein Wort, das denen, die es aussprechen, Macht gibt, nicht denen, die es beschreibt Ein Wort, das Galgen baut und Scheiterhaufen, das lebendige Frauen in Leichen verwandelt. Nein, es war kein Wort, dass wir benutzten.'
Drei Zeitstränge, die miteinander verbunden sind. Drei Frauenleben, deren Schicksale vom Patriarchat bestimmt sind und die jede für sich ihren Weg finden auszubrechen.

Die Themen waren schmerzhaft und gingen mir sehr nah. Dennoch war dies ein Buch, dass mich eingehüllt hat. Ich fühlte mit, mit diesen wundervollem Frauen, deren Leid ich manches Mal nur schwer ertragen konnte. Ich konnte nicht aufhören zu lesen, immer tiefer tauchte ich ein und wollte nicht aufhören zu hoffen, dass jeder dieser Frauen auch ein selbstbestimmtes Leben möglich sein würde.

Ich werde nicht Spoilern, aber nur so viel, es ist das perfekte Buch für zum Verschenken, für alle die Geschichten mit Substanz mögen und dennoch einen leichteren Schreibstil bevorzugen.

Große Empfehlung.

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Nicht dass, was ich erwartet habe

Die Assistentin
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Nun gebe ich doch auch noch meinen Senf zu diesem Buch dazu. Ich gehöre zu den Leser*innen, die '22 Bahnen' und 'Windstärke 17' wirklich gerne gelesen, ja geradezu verschlungen haben. Kürzlich habe ich ...

Nun gebe ich doch auch noch meinen Senf zu diesem Buch dazu. Ich gehöre zu den Leser*innen, die '22 Bahnen' und 'Windstärke 17' wirklich gerne gelesen, ja geradezu verschlungen haben. Kürzlich habe ich auch die Verfilmung von '22 Bahnen' geschaut und war begeistert. So gut gespielt, vor allem Laura Trinke als Alkoholkranke Mutter hat uns sehr beeindruckt. Aber alle Charaktere waren durchweg gut besetzt.

Natürlich waren meine Erwartungen an Caro Wahls neues Buch hoch. Ich freute mich wieder auf großen Lesegenuss, auch wenn mich das Thema tatsächlich nur so semi interessiert hat. Ich habe 'Die Assistentin' begonnen und nach kurzer Zeit angebrochen, um es später dann doch zu beenden.
Ich wollte es mögen und ich mag Caro Wahl nach wie vor. Ich mag es,.wie sie ihren Weg geht und sagt, was sie denkt und fühlt. Das Buch hat mir aber leider nicht gefallen. Die so oft erwähnten ständigen Wiederholungen und Vorwegnahmen, waren am Anfang noch irgendwie Unterhaltsam, störten meinen Lesefluss mit der Zeit immer mehr.
Auch inhaltlich kann ich der Protagonistin nicht immer so recht folgen, wobei das kein Kritikpunkt ist, denn natürlich darf sie anders ticken als ich. Es fällt mir persönlich nur schwer, Geschichten zu lesen, in denen ich so gar keinen Sympathie-Anhaltspunkt finde.

Das Gebaren und die Machtstrukturen des Chefs finde ich jedoch gut umgesetzt und dieses toxische Verhalten hat mich wütend gemacht und teilweise sprachlos gemacht.

Nach dem Lesen des Buches, stelle ich mir die Frage, ob der Stil des Buches absichtlich so gewählt wurde, absichtlich eher schlecht, um zu zeigen, dass es keine hochwertige Literatur bedarf, um Erfolg zu haben. Wobei es natürlich dem widerspricht, was wir oft als Bestseller in den Buchläden sehen. Qualität und Erfolg gehen in der Kunst nicht immer einher.

Ich werde ganz sicher auch weitere Bücher von Caro Wahl lesen und hoffe aber, dass es dann wieder Geschichten zum Eintauchen sind.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Das Leben der Knef spannend neu erzählt

Die Knef
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Ich bin noch mit Hildegard Knef groß geworden. Als Fan 'alter Filme' kannte ich sie als Schauspielerin und habe war begeistert von der Rote Rosen Version mit der Band Extrabreit.
Kleiner Funfact: meine ...

Ich bin noch mit Hildegard Knef groß geworden. Als Fan 'alter Filme' kannte ich sie als Schauspielerin und habe war begeistert von der Rote Rosen Version mit der Band Extrabreit.
Kleiner Funfact: meine beiden Großmütter hießen Hildegard und eine der beiden war sogar der gleiche Jahrgang wie die Knef.

Bei der Ankündigung dieser Graphic Novels fiel mir auf, dass ich ansonsten aber wenig über das Leben. Die Biografie 'Der geschenkte Gaul' war mir ein Begriff und ich wusste, dass sie eine Tochter hat. Das wars.

Vielleicht ging es Moritz Stetter ähnlich. Auf jeden Fall hat er für sein Buch ausgiebig recherchiert. Er verfolgt Hildegard Knefs Leben bis in die späten 70er und schafft ein wunderbares Portrait und gleichzeitig auch ein Zeitzeugnis. Beim Lesen war ich bewegt und gespannt und überrascht. Ich habe ein Frau kennengelernt, die so berühmt und besonders und gleichzeitig so verletzlich war. Moritz Stetters Zeichnungen fangen die jeweiligen Stimmungen so gut ein und machten es mir leicht in das Leben der Knef einzutauchen.

Den einzigen Kritikpunkt, den ich habe: nach dem Lesen will man mehr. Ich will jetzt ihre selbst geschriebenen Biografien lesen, ihre Filme sehen und alle ihre Songs hören. By the way, Moritz Stetter liefert auch direkt eine Playlist zum Buch.

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