Ein Buch,.das schmerzt aber gleichzeitig nicht loslässt
Da, wo ich dich sehen kann'Die Dunkelheit liegt schwer im Zimmer, als hätte jemand sie aus riesigen schwarzen eimern in den Raum gegossen.' (Seite 88)
Dieses Buch tut weh und bedrückt beim Lesen permanent. Es ist ein fiktives ...
'Die Dunkelheit liegt schwer im Zimmer, als hätte jemand sie aus riesigen schwarzen eimern in den Raum gegossen.' (Seite 88)
Dieses Buch tut weh und bedrückt beim Lesen permanent. Es ist ein fiktives Buch, das aber leider voll Realitäten steckt.
Ein Femizid geschieht und die Angehörigen müssen lernen damit zu leben. Aus der Perspektive der Mutter, der Tochter und der besten Freundin lernen wir Emma kennen, tauchen in die Gefühlswelt aller Beteiligten ein und steuern auf das Unfassbare zu. Auch Emmas Vater und Emmas Schwiegermutter bekommen Raum. Teilweise konnte ich die Trauer und die Gedanken kaum ertragen und gleichzeitig die Wut und Hoffnungslosigkeit so verstehen.
Hinter allem steht ein großes Warum. Warum passiert das immer wieder? Warum nehmen sich Männer das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden? Das Warum was am sos ehr nagt und Amit fast am Schlimmsten ist: Warum habe ich nichts gemerkt? Ein Warum, das nicht sein sollte, weil es den Täter schont. Jasmin Schreiber schreibt sie eindringlich und trotz der Schwere des Themas fließt der Text so dahin, dass ich mich ihm nicht entziehen und kaum aufhören zu lesen konnte.
'Da wo ich dich sehen kann' ist nicht nur ein Roman. Er ist auch ein Zeitzeugnis. Leider. Da ist der Notruf-Dialog des Kindes abgedruckt, welches seine leblose Mutter findet, da ist ein Obduktionsbericht, da sind Gerichtsurteile zum Sorgerecht und auf schwarzen Seiten finden wir sie Gedanken der Protagonist*innen mit dem, was wäre wenn ich anders reagiert hätte. Dieses Was wäre wenn schmerzt noch einmal mehr. Auch wenn man weiß, dass diese Gedanken nicht helfen, sind sie da.
Der Täter sitzt seine Strafe ab, er bekommt hier zu Recht kaum Platz. Die Hinterbliebenen haben das Wort und sie tragen die Bürde mit dieser Schwere auf ihrem Herzen leben zu müssen.
Kann solch ein Buch ein Jahreshighlight sein? Ja, kann es. Denn das Thema bleibt wichtiger denn je und ich wünsche mir noch lange sehr viel Aufmerksamkeit für dieses Buch.