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Veröffentlicht am 21.10.2025

Hoffnung ist der Tod der Tapferkeit

Das Lied des Dionysos
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„Hoffnung ist der Tod der Tapferkeit.“

Der junge Krieger Phaidros rettet einem Baby das Leben, das ihn eigenartig fasziniert. Jahre später, er selbst ist Soldat, sammelt er auf der Schifffahrt nach Theben ...

„Hoffnung ist der Tod der Tapferkeit.“

Der junge Krieger Phaidros rettet einem Baby das Leben, das ihn eigenartig fasziniert. Jahre später, er selbst ist Soldat, sammelt er auf der Schifffahrt nach Theben einen seltsam schönen Jüngling auf. Ihm droht das unweigerliche Schicksal als Skalve verkauft zu werden. Doch plötzlich sprießt längst totgeglaubtes Holz, Blumen erblühen auf dem Schiff - und es geht unter. Doch nicht genug. Über Theben breitet sich eine nie dagewesene Dürre aus. Die Einwohner werden wahnsinnig - und Phaidros begegnet der Mann, der eigentlich ein Gott ist, in mannigfacher Gestalt.

Ein neuer Roman von Natasha Pulley. Natürlich musste ich ihn früher oder später lesen. Und was für ein Roman. Zurück in antike Zeiten entführt uns Pulley diesmal. In eine Zeit, in der sich Götter und Menschen näher waren. Seltsam verwoben und durchtränkt von Legenden und Mythen - in eine solche Realität entlässt mich Pulley.

„Das Lied des Dionysos“ ist wie wir es schon von ihr kennen, sehr charakterbezogen. Im Mittelpunkt treffen sich der Krieger Phaidros und der Gott Dionysos immer wieder und üben aufeinander eine merkwürdige Anziehungskraft aus. Die Handlung an sich, die Intrigen und politischen Spielchen gruppieren sich darum herum, sind leise und treten nur dann in den Vordergrund, wenn sie gebraucht werden. Wie Statisten in einem griechischen Drama.

Die Beziehung selbst zwischen den beiden Protagonisten entsteht nur langsam und zwischen den Zeilen. Phaidros und Dionysos sind unglaublich gut ausgearbeitet. Der Krieger hat seiner Jugend zum Trotz viele Verluste erlitten, die Kriegsmüdigkeit zehrt an ihm und er fühlt sich vor seiner Zeit verbraucht. Der Gott des Weines ist ungestüm und wild, verrückt und überlegend und erscheint Phaidros in vielen Gestalten. Die Nähe der beiden baut sich langsam auf und hat genau das Tempo, das mir gefällt. Das Sehnen fällt insbesondere Phaidros schwer zuzugeben.

Natasha Pulley ist es gelungen, aus der Ich-Perspektive eine Erzählung zu schreiben, die mich mitgenommen hat. Die Fragen aufwirft. Die fragile Erzählkonstrukte erschafft und mit Emotionen und Leben füllt, die mich mitnehmen. Ihre Kunst ist es, die Zeilen schwer greifbar und unwirklich erscheinen zu lassen, mich aber trotzdem mitzunehmen.

Es sind die Gegensätze, die mich angezogen haben. Die ruhigen Gespräche an moosbewachsenen Brunnenrändern. Erinnerungen an geschlagene Schlachten, gefährlich-wilde Tänze rund politische Intrigen - und die Handlung bewegt sich immer zwischen Realität und Magie.

Ich hatte viel Spaß an dem Buch, doch irgendetwas hat mir gefehlt. Im Vergleich mit ihren anderen Büchern landet „Das Lied des Dionysos“ bei mir nur auf den hinteren Rängen unter den Pulley-Büchern.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Wenn sich die Leben an verschiedenen Punkten treffen

Morgen, morgen und wieder morgen
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Wie ist es, wenn die Leben sich an verschiedenen Kreuzpunkten treffen, sich gegenseitig verändern und sich wieder in andere Bahnen drängen. So ist es mit dem Leben von Sam und Sadie. Sadie trifft Sam in ...

Wie ist es, wenn die Leben sich an verschiedenen Kreuzpunkten treffen, sich gegenseitig verändern und sich wieder in andere Bahnen drängen. So ist es mit dem Leben von Sam und Sadie. Sadie trifft Sam in der Kindheit und hilft ihm über eine schwere Zeit hinweg. Ihre gemeinsame Leidenschaft zu Videospielen schweißt sie zusammen. Jahre später treffen sie sich wieder, als Sam gerade mit einem Studium in Harvard beginnt. Gemeinsam arbeiten sie zusammen an einem PC-Spiel, an ihrer Freundschaft und ihrem Durchbruch als Videospiel-Designer.

Der Roman besticht durch die Verschränkung von Videospieldesign und einem Einblick in den kreativen Prozess der Entwicklung eines Spiels, inklusive schlafloser Nächte und schmerzenden Händen auf der einen Seite, und wunderbaren Figuren mit ihren ganz eigenen Abgründen.

Ich mag den Geist des Buches sehr gerne. In dieser nerdigen wundervollen Videospieldesignwelt fühle ich mich als Zelda-Fan wirklich wohl. Ich möchte Saddie, Sam und Marx knuddeln und eine Runde Ishigo zocken. Auf mich wirkt die Beziehung der drei so wirklich und ungekitscht.
Vor allen Dingen Marx ist der Kleber, der die beiden anderen kreativen Köpfe zusammenhält und sich um die wichtigen Dinge kümmert, damit der Traum der anderen wachsen kann. Für mich war er damit der stärkste Charakter im Buch. Er hat all die Dinge gesehen, die jenseits von Sams und Saddies Bildschirmen lagen. Großes Kino!

Ich bin ihnen gerne durch die Jahre gefolgt, an die Punkte, die sie verändert haben. Manche waren voller Pixelmagie, manche tragisch und dramatisch, doch alle authentisch. Die Autorin schafft es, trotz des sich entwickelnden sozialen Beziehungsgeflechts, die Gamerwelt nicht aus den Augen zu verlieren. Denn das ist das verbindende Element, worüber die Figuren immer wieder zusammenfinden und sich gegenseitig zeigen, dass sie nicht allein sind.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Eindringlicher Roman

Die Schrecken der anderen
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„Bei undurchsichtigen Geschichten geht es oft um Ausdauer. Und um die richtigen Handlungsträger. Es braucht immer einen Helfer wie auch einen (…) Helden.“

Was sich auf den ersten Seiten (ohne den Klappentext ...

„Bei undurchsichtigen Geschichten geht es oft um Ausdauer. Und um die richtigen Handlungsträger. Es braucht immer einen Helfer wie auch einen (…) Helden.“

Was sich auf den ersten Seiten (ohne den Klappentext zu beachten) als ein klassischer Kriminalfall darstellt, taucht bald tief in die Vergangenheit ein und fragt nach Schuld, versucht das Dunkel der Geschichte zu beleuchten und schlägt einen erschreckenden und wahren Bogen in unsere Zeit.

Ein Junge findet in einem Schweizer Örtchen einen Toten im Eis. Der eilig herbeigerufene Archivar, der die Echtheit der Leiche bestätigen soll, wird von den Ereignissen verschlungen. Rosa, eine Seniorin aus dem Wohnwagen in der Nähe, schließt sich mit ihm zusammen und ermittelt. Da ist Kern, der in einer gescheiterten Ehe lebt und obendrein seine beinahe 100jährige Mutter zuhause hat - bettlägerig und trotzdem die Spinne im Netz von weitreichenden Ereignissen.

Sobald man die erste Schicht des Krimis vom Roman abgekratzt hat, offenbart sich ein düsteres Stück der Vergangenheit - Clavadetscher hat über die Nazikonten geschrieben, über die Rolle der Schweiz in diesem Geldtransfer und über deren Nachfahren. Und über das Heute. Und darüber, dass wir aus der Geschichte nichts gelernt haben.

Das Duo aus dem unter Angstzuständen leidenden Archivar Schibig und Rosa muss man einfach gern haben. Sie sind ein schrulliges Duo, doch insbesondere hinter Rosa steckt mehr als der Lesende zunächst vermutet. Ich mochte die Kapitel mit den beiden sehr - werden sie doch von einem anfänglich geteiltem Kaffee zu Freunden über das Buch hinweg, was beide eigentlich schon lange gebraucht haben, aber besonders Schibig sich nie eingestehen wollte. Die Gespräche zwischen den beiden waren für mich ein Highlight des Buches - auch der Stil, in der zB. Rückblenden von ihm gehalten waren. Man merkt, dass die Autorin da einen besonderen Kunstgriff angewandt hat um, das Stück der Geschichte noch mal besonders hervorzuheben.

Kern habe ich immer als eine Figur am Rande des Abgrunds empfunden. Es war ein Drahtseilakt zwischen seiner psychotischen Mutter, dem unerfüllten Kinderwunsch von Hanna und ihm und der Traurigkeit, die anstelle ihrer Liebe getreten ist. Kern lieferte einen wichtigen Baustein - er hatte Zugang zur oberen Bevölkerungsschicht und die Erkenntnisse haben mir einen Schauer über den Rücken laufen lassen.

Ckavadetscher stellt immer die Frage in den Vordergrund, ob wir weiter Wegschauen wollen. Ob wir stumm dulden wollen, was vor unseren Augen geschieht. Ob wir nicht aus dem Schrecken der anderen gelernt haben - das ist die eindringlichste Frage, die „Die Schrecken der Anderen“ an uns stellt.

Dass man so ein Werk nicht ohne ein solides Konstrukt erzählen kann, ist mir klar. Trotzdem haben für mich die Verstrebungen und Anker an manchen Stellen zu sehr durchgeschimmert, insbesondere an den Punkten, an denen sich die beiden Erzählperspektiven verschränken, auch im Bezug auf die Vergangenheit.

Clavadetscher hat einen eindringlichen und besonderen sprachlichen Stil, den ich teilweise sehr gelungen fand, manchmal auch sehr passend zur jeweiligen Situation und Figur. Doch richtig gebrannt habe ich für ihren Stil nur an wenigen Stellen.

Ein eindringlicher Roman, der eine beklemmende Atmosphäre webt und uns immer wieder daran erinnert, das Wegschauen auch Schuld gebiert. Die Themen sind historisch und aktuell wie nie, auch wenn der Roman für mich kein Highlight war, nehme ich trotzdem einiges daraus mit.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Ein Epos geschrieben mit Blut

Kreuzfahrer
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„Ein Epos, geschrieben mit Blut.“ - das waren die Kreuzzüge. Eindrucksvoll, grausam und unglaublich unterhaltsam wohlgemerkt zusammengefasst von Dan Jones - der schon zahllose Sachbücher über das Mittelalter ...

„Ein Epos, geschrieben mit Blut.“ - das waren die Kreuzzüge. Eindrucksvoll, grausam und unglaublich unterhaltsam wohlgemerkt zusammengefasst von Dan Jones - der schon zahllose Sachbücher über das Mittelalter und einige Romane geschrieben hat. Einige habe ich gelesen - natürlich durfte dieses Werk, in dem er sich mit den Kriegen um Macht, Land, Religion und dem Einfluss von den christlichen, päpstlich sanktionierten Heeren gegen die vermeintlichen Feinde Christi im Heiligen Land widmet.

Ich habe zugegeben schon viele Romane über die Kreuzzüge gelesen, einige (romantisierte) Filme gesehen - und mich köstlich unterhalten. Über ein Sachbuch hatte ich mir jedoch noch keinen Zugang zu diesem Thema verschafft. Da ich Dan Jones’ Stil Wissen zu vermitteln sehr schätze, habe ich mich gerne auf die lange Reise begeben.

Das Buch teilt sich auf in drei große Abschnitte: Der erste Abschnitt behandelt die Zeit, in der sich viele Denkweisen, Aktivitäten und Kriegstechniken, die die Kreuzzüge maßgeblich beeinflussten, entwickelten und gipfelt im Fall Jerusalems. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit dem Wachstum und der Entwicklung der Kreuzfahrerstaaten im 12. Jahrhundert und der Ausdehnung mit den Konflikten auf der spanischen Halbinsel und der Ostseeküste. Der dritte Abschnitt beschreibt schließlich den verzweifelten Versuch, die Kreuzfahrerstaaten zurückzuerobern und ihren letztendlichen Zerfall. Besonders spannend war für mich das Nachwort. Was bleibt von den Kreuzzügen? Wird der Kreuzzugsgedanke noch immer in der Sprache gebraucht? Wie mächtig, wie gefährlich sind die Verklärungen, die die Kreuzzüge erfahren haben, in unserer heutigen Moderne?

Wie schon erwähnt mag ich Jones Art zu erzählen und uns Sachverhalte näher zu bringen, die oft sperrig erscheinen mögen. Sachbücher sind oft als staubige Lektüre verschrien, doch hier kann ich eine ganz klare Empfehlung aussprechen. Dan Jones legt großen Wert darauf, uns zu unterhalten und das Wissen nebenbei zu vermitteln, ohne dass es beliebig erscheint. Er beschreibt uns historische Persönlichkeiten, Märtyrer oder Helden, Schurken und Heilige und erklärt an ihnen die Besonderheiten der Kreuzzüge, die Entwicklung der Kriegsmaschinerie und die Lebensweise und Gründe, die die Menschen dafür hatten, um den unglaublichen Weg ins Heilige Land auf sich zu nehmen. Dadurch bleibt unser Blick auf die Kreuzzüge nicht eindimensional, sondern hat viele Facetten.

Viele Karten, historische Bilder und Aufnahmen der Grabeskirche zum Beispiel und Personenregister illustrieren das Buch zusätzlich und machen begreifbar, was für Anstrengungen die Menschen auf sich genommen haben um Erlösung von ihren Sünden zu erlangen.

Eines wird überdeutlich in diesem Buch: Die Kreuzzüge wurden bestimmt von Leid und Hass, von Gier und Verzweiflung und dem Sehnen nach Erlösung.

Ich habe dieses Buch über weite Strecken gehört - vertont wurde es herausragend von Stefan Kaminsky

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Jetzt sind wir endlich eine richtige Familie!

Wild Strawberry 01
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„Jetzt sind wir endlich eine richtige Familie.“

Die Thematik von „Wild Strawberry“ ist nicht neu. Ein Virus überzieht die Welt, Pflanzen verschlingen die Zivilisation und erobern zudem die Körper der ...

„Jetzt sind wir endlich eine richtige Familie.“

Die Thematik von „Wild Strawberry“ ist nicht neu. Ein Virus überzieht die Welt, Pflanzen verschlingen die Zivilisation und erobern zudem die Körper der Menschen. Doch das besondere an diesem Manga sind eindeutig die beiden Protagonisten Kingo und Kayano. Die beiden schlagen sich durch ein von Pflanzen überwuchertes Tokio. Kingo hält immer eine schützende Hand über die jüngere Kingo. Diese birgt ein Geheimnis, das nur Kingo kennt. In ihr wächst eine Jinka, ein parasitärer Organismus, der sich von den Nährstoffen des Wirtes nährt. Irgendwann wird sie erblühen - und der Wirtskörper wird das Erblühen nicht überleben.

Die Geschwisterbeziehung von Kingo und Kayano hatte mich vin den ersten paar Seiten an. Die beiden, im Waisenhaus aufgewachsen, halten zusammen wie Pech und Schwefel und Kingo will seine kleine Schwester immer nur beschützen. Dieses starke Band besteht durch den gesamten ersten Band hindurch und hat mich berührt. Der Gedanke, seine kleine Schwester zu retten, steht immer im Raum.

Das Erblühen der Pflanzen und der Schutz der Bevölkerung ist keine unblutige Angelegenheit. Die „Flower Funeral Force“ hat sich in anarchischen Strukturen bemächtigt und löscht alles aus, was auch nur entfernt zu blühen versucht. Sie hinterlassen eine Spur aus Blut und Vernichtung. Dieser starke Gegensatz zwischen Blut und Vernichtung und der starken Beziehung begleitet mich durch den Manga und fasziniert mich.

Die Zeichnungen sind atemberaubend detailgetreu. Vor manchen Vollformatzeichnungen saß ich minutenlang und habe sie angestarrt, da ich immer etwas neues darauf entdecken konnte. In den Zeichnungen erkennt man wirklich jeden Strich - und den Stil mag ich sehr.

Ein toller Auftakt, der mich hungrig auf mehr macht. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil.

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