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Veröffentlicht am 24.06.2025

Ein Manga für Reisehungrige

Our Not-So-Lonely Planet Travel Guide 01
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„Wer auf Reisen geht, tut dies nie ohne Grund.“

Das war die perfekte Mischung zwischen herzerwärmenden Charakteren und gelebter Reiselust! Wenn ich beim Lesen eines Mangas und danach mir das Grinsen ...

„Wer auf Reisen geht, tut dies nie ohne Grund.“

Das war die perfekte Mischung zwischen herzerwärmenden Charakteren und gelebter Reiselust! Wenn ich beim Lesen eines Mangas und danach mir das Grinsen auf dem Gesicht festgetackert ist, dann hat mich der Manga berührt. Our not so lonely planet travel guide schlägt genau in die Kerbe und unterhält mich mit der Mischung aus zwei jungen Männern, die auf Weltreise gehen, um danach den nächsten Schritt in ihrer Beziehung zu machen, fremden Ländern, Kulturen, leckerem Essen und bereichernden Bekanntschaften einfach nur unglaublich gut.

Asahi und Mitsuki sind beide Ende Zwanzig und wir treffen sie das erste Mal auf dem Flughafen. Ziel? Thailand, danach Indien und Georgien. Die beiden sind recht unterschiedlich - Asahi hat immer einen Plan und Geht jeden Schritt lieber mit Bedacht, anstatt auf die Nase zu fallen. Mitsuki dagegen ist ein Sonnenschein und stürzt sich gern in den Trubel, streunt durch die Städte und erlebt Abenteuer. Immer dabei - seine Kamera - er ist Fotograf. Die beiden sind schon seit längerer Zeit ein Paar - es wird auch schnell klar, dass Asahi in der Vergangenheit mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte.

Was hat mir an Asahi und Mitsuki so gut gefallen? Sie verändern durch ihre gemeinsame Reise ihren Blickwinkel - auf sich selbst und auf den Partner. Ich habe gemerkt, wie sie Nuancen zu ihrem Freund hinzugefügt haben und sich gegenseitig manchmal überrascht haben - ohne ihren eigenen Charakter dabei zu verlieren. Die beiden dabei zu beobachten, hat mir einfach zu großen Spaß gemacht. Die beiden sind oft unterschiedlicher Meinung - und halten doch zusammen, wenns drauf ankommt. Dieser Kontrast macht die Beziehung der Beiden für mich so spannend. Auf explizite Szenen hat die Manga-Ka verzichtet (Danke!) - die Liebe, die die beiden Protagonisten füreinander empfinden wird auch so mehr als deutlich - meiner Meinung ist es doch viel schöner, wenn die beiden nebeneinander aufwachen oder bis spät in die Nacht miteinander reden.

Ein weiterer großer Aspekt an dem Manga ist das Reisen an sich: Fremde Länder, fremde (Ess)Kulturen und neue Bekanntschaften, die die beiden Touristen tiefer in das Leben des jeweiligen Landes mitnehmen. Übrigens, ich hätte gern mit am Tisch gesessen, als sie sich einmal durch die landestypische Gerichte gefuttert haben.

Der Artstyle hat mich total mitgenommen. Die Zeichnungen wirkten organisch und die Panels lebendig. Das Cover und die erste Seite sind in kräftigen Farben gehalten und ich habe schon auf dem Cover Mitsukis Fotografien erspäht - sehr liebevoll!

Ich kann diesen Slice-of-life Manga nur jedem ans Herz legen, dessen Herz für fremde Länder schlägt - ich hatte so viel Spaß mit den beiden. Ich hätte am liebsten schon Band zwei in den Händen. Es gibt so vieles, was in einem Gespräch kurz angerissen, aber nicht weiter ausgeführt wurde: Asahis Gesundheit, die Backstory der beiden …

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Ein toller Abschluss der Histo-Dilogie

Himmel der Träume 02
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„Ich bin nur das Luftschiff seiner Träume.“

Der zweite kund finale Band der Mangareihe ging mir unter die Haut. „Himmel der Träume“ spielt im historischen Belgien, in einer Zeit des Aufbruchs, der Seefahrer ...

„Ich bin nur das Luftschiff seiner Träume.“

Der zweite kund finale Band der Mangareihe ging mir unter die Haut. „Himmel der Träume“ spielt im historischen Belgien, in einer Zeit des Aufbruchs, der Seefahrer und Entdeckungsreisen und großen wissenschaftlichen Durchbrüchen.

Im zweiten Band geht es um geistigen Diebstahl einerseits und andererseits um das Beziehungsgeflecht zweier Frauen, Amelie, der Frau des treulosen Händlers Hans, und Sahara, der Sklavin, die er von einer seiner Reisen mitgebracht hat.

Spannend für mich war die Dynamik beider Frauen, wie sie sich immer wieder zwischen Zu- und Abneigung begegnen, im selben Boot sitzen und dann doch wieder nicht. Generell die Darstellung der Frauenbilder und der Frauenrollen, die zu der Zeit eng gesteckt waren und aus der die Frauen nur schwer ausbrechen konnten, war für mich sehr eindrucksvoll und detailliert. Anhand von Sahara, Amelie und einer Dienerin in Hans Haushalt konnte ich Treue und Abhängigkeit, Zwang und Hass deutlich verfolgen.

Hans selbst hat für mich an Tiefe gewonnen - er ist immer noch unerträglich, keine Sorge, aber ich konnte sehen für wen sein Herz schlägt - und die Herausarbeitung dieses Charakterzuges war für mich allein schon großes Kino.

Der Artstyle ist außergewöhnlich - allein das Cover zieht meinen Blick an - die Farben, die Details und die Pose der beiden Protagonistinnen machen sehr neugierig auf den Inhalt. Der Manga wird von einer klaren Linienführung bestimmt, durchbrochen von ganzseitigen Panels, die den Lesenden zum Verweilen animieren. Viele Details haben hier versteckte Bedeutungen. Der Text korrespondiert gut mit den Bildern, die so aussagekräftig sind, dass nichts zweimal erklärt werden muss. Ich habe viele Alltagssituationen und Szenen, in denen beide an ihre emotionalen Grenzen kamen, miterlebt.

Das Stück Geschichte in zwei Mangabänden zu komprimieren erfordert einen sehr guten Plot - der wirklich geglückt ist. Die historischen Vibes wurden genauso transportiert wie die Emotionen der Figuren.

Für mich sind die beiden Bände ein Highlight, das ich jedem Histo-Fan ans Herz legen möchte.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Found Family trifft Endzeit-Drama

Raiders
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Achtung! Hier kommt eine herzerwärmende Found Family gepaart mit viel Geister-Action!

„Haunted Hunters - Raiders“ ist der dritte Band und abschließende Band der dystopischen Haunted Hunters Reihe aus ...

Achtung! Hier kommt eine herzerwärmende Found Family gepaart mit viel Geister-Action!

„Haunted Hunters - Raiders“ ist der dritte Band und abschließende Band der dystopischen Haunted Hunters Reihe aus der Feder von Nadine Erdmann, die über die Ereignisse in einem Schottland berichtet nach einem Anschlag, der giftigen Regen und marodierende Banden und gehäufte Geistererscheinungen nach sich zog. Und Mitten drin die Hunters, die sich mittlerweile auf der kleinen autarken Insel Ciuineas eingelebt haben, und von dort aus aufbrechen, um Geister, Mutanten und Raiders zu jagen.

Ich habe mich wie zuhause gefühlt, inmitten der bunten Familie, die auf der Insel wohnt und gemeinsam den Alltag stemmt. Ich mag die Atmosphäre einfach sehr gerne, die aufkommt, wenn Ayden und Will zusammen sind, wenn Henry sich wie ein Äffchen an seinen Daddy klammert und wahlweise von seinem Tag oder von seinem Traum erzählt. Der Alltag auf Ciuineas gefällt mir einfach unglaublich gut. Und das ist es auch, was Nadine so gut kann. Szenen zu schreiben, die mir zu Herzen gehen oder die mich Lachen lassen oder anrühren. Sie schreibt einfach meinen Sternchenzucker, zu dem ich immer wieder zurückkehren kann.

Natürlich entwickeln sich auch die Figuren. Ayden hat eine tolle Entwicklung gemacht und sich geöffnet. Auch Sam, Wills kleiner Bruder, hat seine Selbstzweifel abgelegt und mischt kräftig mit.

Die Actionszenen kommen in diesem Band definitiv nicht zu kurz. Geister bannen, gegen Mutanten vorgehen und Raiders, die organisierte brutale Plündererbande jagen - das alles steht auf ihrem Programm und ist wirklich cool und spannend zu verfolgen. Besonders spannend fand ich, dass der Fokus teilweise auf Riley und Sam lag und ihre Kraft genauer beleuchtet wurde.

Kritik? Ja, ich habe schon ein paar Sachen bemerkt, die für mich nicht ganz rund waren oder wo sich die Gespräche und die Gedanken ein bisschen in den eigenen Schwanz gebissen haben. Aber Perfektion ist nicht der Grund, aus dem ich Nadines Büchern so verfallen bin. Sie geben mir einfach einen so starken Foundfamily Vibe, sie lassen mir warm ums Herz werden und mich giggeln und lachen - einfach mit den Figuren fühlen. Und das ist für mich das, was die Bücher ausmacht.

Also - Wer einen coolen, bunten Cast in den Büchern sucht und FoundFamily-Vibes genauso mag wie ich, sollte diese Reihe auf jeden Fall ausprobieren. Sie ist in drei Bänden abgeschlossen.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Ein düsterer Spaß

The Devils
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„Es war der Fünfzehnte im Tugendmonat Treue; und Bruder Diaz verspätete sich auf dem Weg zu seiner Audienz bei Ihrer Heiligkeit der Päpstin.“

Moment - Päpstin? Das deutet auf unsere Welt hin, auf unseren ...

„Es war der Fünfzehnte im Tugendmonat Treue; und Bruder Diaz verspätete sich auf dem Weg zu seiner Audienz bei Ihrer Heiligkeit der Päpstin.“

Moment - Päpstin? Das deutet auf unsere Welt hin, auf unseren Realismus - aber war das gesamte Papsttum nicht immer Männerdomäne? Korrekt, Joe Abercrombie schert sich aber nicht darum. Er hat unsere Welt, unsere Geschichte herrlich böse auseinandergezupft, in Augenschein genommen und die Filetstückchen noch mal extra in einer Schmutzpanade gewälzt, um ein düsteres, beinahe makaberes Europa zu kreieren, bevölkert mit blutrünstigen Elfen, Dämonen, rachsüchtigen Kirchenmännern und Werwölfen - und er hat das gesamte Gemisch noch einmal kräftig gewürzt und umgerührt - und ich hatte einen Wahnsinnsspaß daran, die auf den Kopf gestellte Welt mit all seiner Düsternis zu erkunden - oder mir vorlesen zu lassen (Danke, David Nathan!).

Worum gehts?
Der Krieg gegen die Elfen ist gewonnen, eine neue Kaiserin muss auf den Thron gehoben werden - und die Kaiserin kommt aus der Gosse. Alex traut ihren Ohren nicht, als Herzog Michael ihr ihre wahre Abstammung enthüllt - und sie von Rom nach Troja schaffen will. An ihrer Seite ein Orden, der nur aus Monstern besteht, angeführt von Bruder Diaz (einem Kirchenmann, der kein Monster ist und der die Welt nicht mehr versteht. Gemeinsam müssen sie sich einen Weg durch Dreck, Blut und Gedärme und neben noch an der halben adriatischen Küste entlang bahnen nach Troja.

Wer jetzt glaubt, er hat einen Grimdark Fantasy Roman vor sich, der liegt gar nicht mal so falsch. Viele Elemente, die dieses Genre auszeichnen, finden sich hier wieder. Die Figuren haben schon einiges hinter sich. (Ehrlich, ich möchte nicht wissen, was schon alles auf Viggas Speisekarte stand. Vigga ist die Werwölfin im Bunde). Es ist düster, Abercrombie schont seine Figuren nicht und die Story ist intrigenreich und komplex. Aber der sarkastische, nachtschwarze Humor spielt in diesem Buch eine tragende Rolle. Hier werden nicht nur große Reden geschwungen, sondern auch herzhaft geflucht und der düstere Witz lauert an jeder Ecke. Den unvorsichtigen Leser kann er auch schon mal in die Wade beißen und schütteln, sodass es ihm zu viel des Guten wird. Mir hat es großen Spaß gemacht! Über manche Szenen habe ich mich gekringelt vor Lachen.

Die Figuren waren komplex und streitbar, und so verschieden, dass eigentlich für jeden etwas dabei ist. Ich bin normalerweise eher der Typ, der liebe Nerds mag. Da es hier keine lieben Charaktere gab, musste ich mit dem Vorlieb nehmen, was in der Farbpalette war - und ich wurde fündig. Alex, die unerwartete Erbin, war reich an Entwicklungspotential und ich hatte Spaß daran, die Straßengöre (keine Beleidigung, so nennt sie sich selbst voller Stolz!) auf ihrem Weg zu verfolgen. Auch Sunny, die Elfe, taute auf, je weiter die Gemeinschaft zog. Wenn sie gemeinsam die Papierbühne betraten, hatte ich besonderen Spaß. Ich mochte die Vibes! Auch an dem heillos überforderten Bruder Diaz, der die Gemeinschaft zusammenhalten sollte, hatte ich meine Freude.

Die Geschichte war actiongeladen. Die Figuren stolperten von einer Misere in den nächsten Kampf und wurden des Fluchens nicht müde. Vielleicht hätte Joe Abercrombie die Geschichte nicht ganz so arg überspitzen müssen. Aber alles in allem hat mich der Roman sehr gut unterhalten und ich freue mich auf eine Fortsetzung.

Und das von einer Leserin, die den ersten Band seiner Klingensaga entnervt in die Ecke geworfen hat, weil sie mit der Charakterisierung einer Figur überhaupt nicht klar kam. Das sind Bücher, das sind Geschichten und ich bin so froh, dass der Autor mich mit seinem neuen Werk so abholen konnte.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt

Der Baum der verborgenen Erinnerungen
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Ein Buch über Erinnerungen und Andenken, über das Erwachsenwerden und das komplizierte Finden der eigenen Träume. Eines mag ich vorweg nehmen: Vielleicht war es ganz gut so, dass ich weder dem Titel noch ...

Ein Buch über Erinnerungen und Andenken, über das Erwachsenwerden und das komplizierte Finden der eigenen Träume. Eines mag ich vorweg nehmen: Vielleicht war es ganz gut so, dass ich weder dem Titel noch dem Klappentext große Beachtung geschenkt habe. „Kleine Wunder um Mitternacht“ hat mich verzaubert - und das hat den Ausschlag für meinen zweiten Higashino gegeben. Wenn ich genau darüber nachdenke, wird eigentlich im Titel schon zu viel verraten.

Reiko begeht eine Dummheit - um nicht im Gefängnis zu landen, geht er auf den Vorschlag seiner mysteriösen Tante ein, Schreinwächter zu werden und die Besuche beim Kampferbaum zu überwachen. Zunächst ist Reiko nicht so glücklich über seinen neuen Job - bis er mehr über die Menschen erfährt, die Andacht im Kampferbaum halten.

Es ist ein leises Buch, mit einem mystischen Element, um das sich die Charaktere sammeln und wie das Netz einer Spinne verweben. Die Art, wie Higashino seine Geschichte aufbaut, kann ich in „Kleine Wunder um Mitternacht“ wiederfinden. Junge Protagonisten, die auf die schiefe Bahn geraten und plötzlich und unverhofft in einen neuen Sinn hineingestoßen werden, ganz egal was sie davon halten. Ich persönlich mag Higashinos Protagonisten - und Reiko ist ein streitbarer junger Erwachsener, dessen einfache Herkunft sich auch in seiner Sprache niederschlägt und in seiner Haltung zu Anfang des Buches. Er ist kein Charakter, den ich auf Anhieb liebte und dessen Haltung ich in manchen Situationen kaum nachvollziehen konnte. Trotzdem war er spannend, gerade wegen seinem inneren Zwiespalt und seinem Entwicklungspotential. Ihm gegenüber hat Higashino Chifume, die Halbschwester seiner verstorbenen Mutter gesetzt, die welterfahren und wortgewandt ist. Eine spannende Mischung. Die Geschichte wird aus Reikos Perspektive erzählt - ich habe seine Unzufriedenheit und sein Straucheln oft gespürt.

Das Buch schlägt ein langsames Tempo an und erzählt mit leisen Tönen vom Alltag, vom Schreinleben, vom ständigen Fegen und von den mitternächtlichen Andachten, zu denen die verschiedensten Menschen kommen. Reiko ist faktisch gezwungen sich mit den Sichtweisen auseinanderzusetzen und andere Perspektiven einzunehmen. Und ich habe gesehen, wie er daran gewachsen ist, wie er Mut gefasst hat und einen anderen Blick auf sein eigenes Leben gewonnen hat. Wie Beziehungen sich vertieften - und das ist es eigentlich, was das Buch für mich so reich gemacht hat.

Ganz nebenbei werden solche Themen wie die harte Geschäfts- und Immobilienwelt in Japan aufgegriffen, der Umgang mit unehelicher Geburt oder ähnliches.

Die einzige kleine Kritik, mir störend aufgefallen ist, ist, dass Higashino bisweilen in einen Erzählmodus fällt, in dem er die Geschichte einer Figur über mehrere Seiten ausbreitet. Das war mir dann schon ein bisschen viel Info-Dump.

Eine Geschichte, die mich berührt hat.

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