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Veröffentlicht am 03.07.2025

Anna!

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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Zuerst einmal muss ich mich bei dem Autor dafür bedanken, dass er dieses interessante Thema aufgriff und über seine eigene Urgroßmutter recherchierte und schrieb: Damit das Leben unserer Vorfahren nicht ...


Zuerst einmal muss ich mich bei dem Autor dafür bedanken, dass er dieses interessante Thema aufgriff und über seine eigene Urgroßmutter recherchierte und schrieb: Damit das Leben unserer Vorfahren nicht verloren geht.

Denn wer denkt bei diesem Text nicht an die eigene Oma, Uroma und den vor ihnen gewesenen Mütter. Was für ein Leben führten sie, wie sind sie mit der historischen Situation zu recht gekommen, was hat sie im Leben bewegt. Wenn Tagebücher vorhanden – großartig. Ist aber meist nicht der Fall. Auch eine meiner Omis war sehr bemerkenswert, wenn auch widerspenstig und eigensinnig (zum Teil auch im Negativen, aber wer kann denn schon immer gut sein?) Die andere, fällt mir gerade auf, die war auch sehr eigensinnig, doch leider zu meinem Nachteil.

Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts. Lehrerinnen Zölibat. Kriege, Zwischenkriegszeit, Spanische Grippe. Beginn der NaziZeit. Wie setzt sich eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen, ärmlich, Waise, durch mit ihrem Wunsch nach mehr. Sie wird Lehrerin in einem kleinen Dorf. Und verliebt sich ausgerechnet in den Dorfprinzen. Und noch schöner, er sich in sie. Vier Jahre Altersunterschied, sie ist die Ältere. Der Vater des Dorfprinzen verbietet die Liaison. Zwölf Jahre Warten, doch das Glück währt nicht lange. Immerhin ein Sohn. Dann, Jahre später, der zweite Ehemann (und Uropa des Verfassers), auch dieses Mal ein Skandal. Großartig! Was für eine Frau!

Das Cover passt natürlich optimal zu diesem Buch, vor allem das Verwischte. Ein 204 Seiten starkes Büchlein: Gut recherchiert und noch besser geschrieben, denn dass der Urenkel schreiben kann hat der erfahrene Journalist bewiesen.

Eine traurige Geschichte einer bemerkenswerten Frau und ihr Urenkel hat ihr nun ein schriftliches Denkmal gesetzt. Gut getan!

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Veröffentlicht am 21.05.2025

Kokoro, Japanische Weisheiten für ein gelungenes Leben

Kokoro
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Japanologin Beth Kempton macht eine Pilgerreise durch das ländliche Japan. Sie hinterfragt ihr Leben und sucht (Ruhe und Schönheit im Chaos. Vergangenheit loslassen. Nicht mehr um die Zukunft zu sorgen).
Dieses ...


Japanologin Beth Kempton macht eine Pilgerreise durch das ländliche Japan. Sie hinterfragt ihr Leben und sucht (Ruhe und Schönheit im Chaos. Vergangenheit loslassen. Nicht mehr um die Zukunft zu sorgen).
Dieses wunderschön gestaltete Büchlein (vom Einband her und auch der Griffigkeit in der Hand) mag lebensbegleitend sein für andere Suchende. Wer sich für Japan interessiert oder beginnen möchte, sie mit dem Land und der Kultur Japans mehr zu beschäftigen – dies ist der beste Einstieg.

Beth auf ihrer Suche nach den Weisheiten Japans fährt in den Norden Japans, wandert durch – uralte - Wälder, nimmt den Mond mythisch an. Und, das Wichtigste, begegnet vielen weisen Menschen, die sie einführen: Köchen, Taxifahrern, Kaffeehausbesitzern, Dichtern, Philosophen und auch – Achtung - Geistern, die das Land bewohnen. Die Suche heißt 'Kokoro' – achtsames Herz und die Verbindung von Körper und Geist.

Ihre Krise überwindet Beth Kempton mit dieser bedeutsamen Reise, zu sich, zur intensiven Kultur des Landes. Kokoro, sagt sie, ist der Anfang und das Ende für ein gelungenes Leben. Und das Schöne daran, es kann für jeden Menschen etwas anderes bedeuten. Es gibt keine Festlegung.

Das Buch regt an, die Reise in das einst so verschlossene Land zu wagen. Es auch Empfehlungen für die Reise nach Japan. Doch eigentlich ist es ein Ratgeber, für mich, mein Leben und sich mit fernöstlicher Weisheit zu beschäftigen. Nicht unbekannt mit Achtsamkeit und Mediation, gelang mir der Einstieg sehr gut. Es sind aber auch Themen erwähnt, die zeitweise schmerzlich sind.

Sogar Hinweise für die Verwendung des Japanischen und für die kulturelle Sensibilität enthält das höchst angenehme Buch. Es könnte unter das Genre Ratgeber eingeordnet werden, für mich ist es mehr – es enthält vielseitige Facetten, Einführung in das japanische Leben, ja auch ein bisschen Hilfestellung für ein erträgliches Reisen nach Japan. Ich werde meinem Wunsch, dorthin zu reisen, folgen...

Das Land der aufgehenden Sonne (weil das Land im Osten von China liegt) und ich war bereits mehrere Monate in China, ich war in Indien, ebenfalls mehrere Monate, jetzt folgt ein weiteres wichtiges asiatisches Land.
Danke für das Buch!

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Veröffentlicht am 21.05.2025

Wiedersehen mit einer mir bekannten Region

Wilde Berge des Balkan
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Wilde Berge des Balkan, Ein Fernwander-Abenteuer der Bergfreundinnen, Antonia Schlosser, Katharina Kestler, Lina Bartelmus, Ullstein extra, Sachbuch

Klappentext und Ankündigung des Wanderbuches hören ...

Wilde Berge des Balkan, Ein Fernwander-Abenteuer der Bergfreundinnen, Antonia Schlosser, Katharina Kestler, Lina Bartelmus, Ullstein extra, Sachbuch

Klappentext und Ankündigung des Wanderbuches hören sich zuerst einmal gut an und macht neugierig. Es ist jedoch keine stille Alleinwanderung dreier Frauen, die sich durch die Wildnis schlagen müssen, sondern eine wohldurchdachte Expedition einer Wander- plus Filmgruppe von insgesamt acht Personen. Da ich bereits in der Region unterwegs war interessiert mich in erster Linie, was sie anders sehen als ich. Wobei ich auch keine Mehrtagewanderung unternommen habe, sondern lediglich Tagestouren (zu einer Zeit, wo nicht Bären oder Wölfe das größte Problem waren).

In echte Wildnis und unerschlossene Bergregionen. Dabei wollen sie Frauen treffen, deren Lebensrealität eine andere ist als die ihre (die drei Interviews sind sehr aufschlussreich und informativ, gut gemacht!). Sie machen den Dreiländer-Wanderweg „High Scardus Trail“, der durch Nordmazedonien, den Kosovo und Albanien führt. Dabei durchqueren sie sechs Nationalparks, fünf Gebirgszüge und eine Hochebene, „Little Mongolia“ genannt (nie davon gehört).

Zum Hintergrund: 'Bergfreundinnen' ist eine journalistische Produktion dreier Frauen, die gerne wandern. Das ist kein Jakobsweg mal eben loslegen auf dem Weg zu sich, sondern kalkuliertes Wandern (eigentlich sollte wandern immer gut vorbereitet sein). Doch es geht auf den Balkan! Dann war ich überrascht, dass sie versuchten in einem Sportladen in Pristina Bestandteile ihrer Tour zu kaufen. Ach ja, klar, sie sind angeflogen gekommen und Gaskartuschen darf man nicht im Flugzeug transportieren. Überrascht war ich auch über das Problem mit dem kaputten Schuh. Das ist doch eine der ersten Regeln beim Wandern, 'überprüfe gut dein Schuhwerk!'.
Interessant war auch zu erfahren, dass das Müllproblem in der Region immer noch immens ist. War schon damals so, wir sagten immer, die Blüten des Kosovos - die an den Bäumen hängenden dünnen Plastiktüten. In anderen Regionen der Welt sind sie schon viel rigoroser (ich erinnere an das Plastikverbot in Ruanda).

Während der zehn Tage erklimmen sie 10.000 Höhenmeter und legen 175 Kilometer zurück. Liest sich ganz gut, ist informativ. Obwohl ich als erfahrene Bergwanderin schon ganz andere Touren machte und meistens in sehr kleinen Gruppen, zu zweit oder höchstens zu viert.

Als Einstiegsbuch für Anfänger:innen ganz gut!

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Hervorragend! Die unerschütterliche Zuneigung von Mimo

Was ich von ihr weiß
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Jean – Bapiste Andrea, „Was ich von ihr weiß“, Luchterhand Verlag.

Der Einstieg in den Roman ist undurchsichtig. Jemand liegt auf dem Sterbebett. Gleichzeitig wird von einer geheimnisvollen Skulptur ...

Jean – Bapiste Andrea, „Was ich von ihr weiß“, Luchterhand Verlag.

Der Einstieg in den Roman ist undurchsichtig. Jemand liegt auf dem Sterbebett. Gleichzeitig wird von einer geheimnisvollen Skulptur gesprochen. Dieser Jemand wird von Mönchen betreut, die Sterberunde, sie sind bei ihm, so wie bei jedem der Brüder, aber er wurde nie ordiniert. Der Abt steigt in Keller zu einer Skulptur, die weggeschlossen wurde, über die nicht geschrieben werden durfte. Geheimnisvoll. Viele Geheimnisse.

Und dann beginnt die Geschichte des jungen Mimo. Des Ich – Erzählers. Über sein Elternhaus. Weggabe zu dem brutalen Onkel, Nicht-Onkel. Umzug nach Pietra d'Alba. Das Kennenlernen von Viola. Die großartige Landschaft, das inspirierende Umfeld. Sein Talent. Seine Freunde.
Da bereits auf der Rückseite des Buches und in der Einführung von der intensiven Beziehung zwischen zwei Menschen gesprochen wird, die eigentlich nicht sein dürfte, liegt die Vermutung nahe, dass Mimo und Viola die beiden sind. Sie eine Orsini (wer auch immer diese Orsini sind, Geld haben sie jedenfalls), er – der als Bauerntölpel bezeichnet wird. Der Roman führt durch das Italien der damaligen Zeit. Mit allen Höhen und Tiefen.

Der Roman liest sich gut. Es ist keine alltägliche Geschichte - die Geschichte des Jungen Mimo. Schlecht behandelt. Aber mit einem unglaublichen Talent.
Das Cover vom Buch entführt sofort nach Italien. Genauer in die Toskana, wo eigentlich Zypressen mehr oder weniger der Hinweis auf die Region sind. Nebel wabbert durch die morgendliche Szene. Ein herrschaftliches Haus. Dieses Cover ist sehr schön und stimmig für das Buch. Die Eindrücke von dem Buch bleiben - nachhaltig. Es ist kein Wohlfühlroman. Ein Roman, der wohl dem Bereich 'Hohe Literatur' zuzuordnen ist. Einfühlsam. Sensibel. Romantisch. Hintergründig. Aber auch anklagend. Gegen die verbohrte, einseitig denkende Gesellschaft.

Der Autor Jean-Baptiste Andrea wird hochgelobt, er erhielt sogar einen wichtigen Literaturpreis. Das Buch habe ich mit viel Genuss und tiefer Versenkung gelesen.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Anita Berber – die Tanzende, die Sterbende, die Tanzende

Der ewige Tanz
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Erst vor kurzem habe ich das berühmte Bild von Otto Dix über 'die Berber' in einem Kunstmuseum gesehen. Daneben hingen noch weitere Bilder zu Anita Berber. Lasziv. Erotisch. Sexy. Eine emanzipierte Frau, ...


Erst vor kurzem habe ich das berühmte Bild von Otto Dix über 'die Berber' in einem Kunstmuseum gesehen. Daneben hingen noch weitere Bilder zu Anita Berber. Lasziv. Erotisch. Sexy. Eine emanzipierte Frau, eine freie Frau, zu einer Zeit als die Frauen noch nicht so frei waren. Und kurze Zeit darauf wieder in das alte Schema 'Kirche, Kinder, Küche' gepresst wurden. Sicher, Anita Berber lebte in den 'roaring twenties', aber sie war oft das Vorbild für viele der 'Roaring Twenties'. Anita Berber – die Tänzerin und Schauspielerin.

Der Roman spielt im Sommer 1928. Anita Berber, schwer krank in Berlin, im Krankenhaus. Erinnerungen überwältigen sie. An die Großmutter Lu, den Maler Otto Dix, an Fritz Lang. Die Eifersucht ihrer ebenfalls tanzenden und dazu noch singenden Mutter. Die junge, zarte Anita, die ihre ersten Versuche auf der Bühne macht. Und im Bett, um eine Frau zu werden. Anita, die ihren eigenen Stil entwickelt (Frau im Smoking, Frau mit Monokel), ihr Tanz (heute würde man Performance sagen). Außerordentlich, ausdrucksstark, nackt. Alle wollten sie sehen. Sie war gefragt. Doch viele fühlten sich auch provoziert, sprachen schlimm und würdelos über sie.

Dabei suchte sie etwas, was sie nie erhielt, weder in der Kindheit noch später: Liebe. Und um die Leere zu verdecken, trank sie, nahm alle Arten von Drogen zu sich. Was ihren jungen Körper schnell auszehrte. Exzessives Leben, Alkohol, Drogen. Sie erkrankte an Tuberkulose. Mit 29 Jahren starb sie.

„Ihr Vater, der lebenslang ersehnte, steht plötzlich in der Tür. Damit hat sie nicht gerechnet. … Als der Vater die Geige ans Kinn setzt, noch bevor der erste Ton erklingt, versteht sie, warum er gekommen ist. Schrill erklingt die Eröffnung des Danse Macabre, des Totentanzes. … All die Angst, die sie in den letzten Tagen immer wieder sprunghaft überkam, ist mit einem Male verschwunden. Ein Lächeln geht über ihr Gesicht.“ Seite 296-7

Steffen Schroeder, selbst Schauspieler, und seit einiger Zeit Autor, schreibt ein Buch über die Berber. Es ist wie eine Liebeserklärung an ihr Leben. Schroeder schreibt mitreißend, als habe er sie gekannt, als wäre er neben ihrem Bett in jenem Sommer 1928 gesessen und hätte vielleicht auch ihre Hand für eine Zeitlang gehalten und ihr zugehört.

Auffallend ist natürlich das tomatenrote Cover. So rot wie das Bild von Dix.
Ein poetisches Buch, ein dramatisches Buch. Ein Lese-Erlebnis!

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