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Veröffentlicht am 08.10.2017

Sehr emotional

Kopfüber zurück
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Nach dem Tod von Kit zerbricht die Familie Stewart, dabei schienen sie doch solch eine perfekte Familie zu sein. Die Eltern leben nur noch nebeneinander her, der mittlere Sohn Jamie verschwand nach Kit’s ...

Nach dem Tod von Kit zerbricht die Familie Stewart, dabei schienen sie doch solch eine perfekte Familie zu sein. Die Eltern leben nur noch nebeneinander her, der mittlere Sohn Jamie verschwand nach Kit’s Tod und die nun 14 jährige Emma weiß auch nach fünf Jahren nicht so recht was passiert ist und wieso Jamie überhaupt weg ist. Als sie endlich mehr erfahren möchte, bringt sie etwas ins Rollen das schon längst hätte geschehen müssen. Der Schmerz und die Trauer sitzen tief und die Familienmitglieder müssen anfangen sich mit der Vergangenheit und auch mit sich selber auseinander zu setzen. Doch ist dies, wie so oft, leichter gesagt als getan..

Meine Meinung:
Rebecca Wait hat meine Erwartungen mit ‚Kopfüber zurück’ eindeutig mehr als übertroffen. Hätte nie erwartet in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde und wie emotional das Ganze für mich werden könnte. Wundervoller, eindringlicher Schreibstil bei dem mich sogar die ganz sachlich erzählten Passagen zu Tränen rührten. Sehr deutlich und vor allem einfühlsam beschreibt die Autorin die Geschehnisse rund um Kit’s Tod und die damit entstandene Situation für die Familie. Die Stimmung ist eher bedrückend und ging zumindest mir sehr nahe. Man kann gar nicht anders als mitzufühlen und sich in die Lage hineinzuversetzen.
Denn obwohl schon fünf Jahre seit Kit’s Tod vergangen sind ist keine Besserung oder gar Heilung zu sehen. Rose, Joe, Emma und Jamie versuchen jeder für sich die Tage zu überstehen, als wären sie alleine und absolute Fremde füreinander, wobei es vor allem für Jamie schlimm ist, da er sich von anderen Menschen einfach nur isoliert. Rose stürzt sich in die Hausarbeit um möglichst das Bild einer perfekten Familie aufrecht zu erhalten, Joe verbringt mehr Zeit in seinem Schuppen als im Haus und Emma findet Zuflucht im Glauben sowie einen Trost im Essen.
Gerade dass sie als Familie nicht in der Lage sind miteinander zu reden, das anzusprechen was sie bewegt, hat mich ganz wahnsinnig und traurig zugleich gemacht. Und doch ist es ihre Art so zu tun als wäre alles okay um nicht über die Vergangenheit reden zu müssen, es ist glaubhaft.
Nur Stück für Stück erfährt man als Leser wieso die Familie so auseinander gegangen ist. Gerade die Frage um Kit’s Tod bleibt länger unbeantwortet und lässt einen Seite um Seite umblättern, denn dass das der Auslöser für den Abstand zueinander ist, kann man nicht leugnen. Und je mehr man voran kommt, desto bewegender wird es.
Durch Perspektivwechsel und häufige Rückblenden bekommt man das ganze Bild der Ereignisse präsentiert und dabei handelt es sich um keine einfachen Themen. Mich hat es länger beschäftigt und zum nachdenken gebracht und wenn ich ehrlich bin, habe ich gegen Ende über Seiten hinweg geweint. Authentisch und bewegend setzt sich Rebecca Wait mit den Themen auseinander, wobei ganz besonders Depressionen im Vordergrund stehen und da die Autorin als Jugendliche selber daran litt wirkt alles umso realer und glaubhafter.
Das ist ein Roman bei dem es eigentlich nichts ausmacht, wenn man mal ein oder zwei Personen nicht mag, denn hier steht was viel Bedeutenderes im Vordergrund und das sollte jeder für sich selber herausfinden. Wirklich schwer nicht allzu viel zu spoilern.

Fazit:
Lesenswerter Roman, der mehr bietet als er verspricht. Bin hin und weg und würde mich wirklich freuen mehr von der Autorin zu lesen.

Veröffentlicht am 08.10.2017

Mehr als nur perfekt, auch ich bin in dieses Buch verliebt

Eleanor & Park
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Wie soll ich eine würdige Rezension schreiben, die auch nur annähernd beschreiben kann wie sehr mich dieses Buch überzeugt hat? In meinem Wortschatz befinden sich, glaube ich, nicht genügend Worte um meine ...

Wie soll ich eine würdige Rezension schreiben, die auch nur annähernd beschreiben kann wie sehr mich dieses Buch überzeugt hat? In meinem Wortschatz befinden sich, glaube ich, nicht genügend Worte um meine Liebe zu Eleanor & Park auszudrücken.
Der Titel und das Cover sind so schön schlicht, sodass der Roman für mich allein dadurch auffällt und ich bin wirklich froh darüber, dass es von der Originalausgabe übernommen und nicht verändert wurde, weil es von Grund auf passt. Aber was man innerhalb der Seiten wiederfindet ist noch viel unglaublicher und phänomenaler. Wer aber atemraubende Spannung erwartet ist hier ganz falsch. Die Geschichte ist eher ruhig.
Bis halb fünf Uhr morgens habe ich durchgemacht um dieses Buch zu beenden, weil es mich so in den Bann gezogen und nicht mehr losgelassen hat und ohne zu wissen, wie es ausgegangen wäre hätte ich wahrscheinlich sowieso nicht schlafen können. Wobei ich danach immer noch eine Weile lang wach geblieben bin um über das Gelesene zu grübeln.
Wenn man erstmal anfängt ist es wirklich schwer mit dem Lesen aufzuhören. Ein absoluter Pageturner für den man sich besser Zeit nehmen sollte.
Rainbow Rowell hat einen flüssigen Schreibstil und trotz der ständig wechselnden Perspektive, auch innerhalb der Kapitel, zwischen den beiden Jugendlichen leidet der Lesefluss dadurch nicht und es ist ein Leichtes der Geschichte zu folgen und schnell voran zu kommen. Die Seiten fliegen nur so dahin.
Eleanor und Park könnten als Charaktere kaum echter und authentischer sein und es ist zauberhaft wie sich ihre Beziehung entwickelt und noch schöner ist es diese mitzuverfolgen. Von der anfänglichen Abneigung mit Vorurteilen über die ersten komischen Sätze miteinander bis hin zum Händchen halten, erleben wir alles hautnah mit und jeder dieser Momente ist absolut wundervoll, echt beschrieben. Dabei hätte ich nicht erwartet, dass allein einfaches Händchen halten in mir so viel hätte auslösen können. Diese erste Szene der Zuneigung war einfach nur herzerweichend. Es wirkt aber nie etwas zu kitschig, wovor ich schon große Angst hatte, sondern ganz normal. Gab auch öfter mal Momente in denen ich aufgelacht oder einfach nur mit einem Grinsen die Dialoge verfolgt habe.
Und doch geht es hier um viel mehr. Auch wenn beide als Außenseiter gelten, wird zumindest Park von seinen Mitschülern akzeptiert während sich alle auf Eleanor als das neue Opfer stürzen und sie wo sie nur können sticheln. Doch Eleanor verstellt sich nicht, bleibt tapfer, versucht es so gut es geht zu ignorieren und lässt sich nie unterkriegen, auch wenn sie sich des Öfteren am liebsten einfach nur verkriechen würde, wie sie es schon Zuhause macht um allem Ärger aus dem Weg zu gehen. Als Leser ist es schwer zu ertragen wie hart das Leben zu ihr ist. Und das Schlimme ist zu wissen, dass es solche und noch schlechtere Lebenssituationen tatsächlich gibt. Nicht einmal Zuhause findet Eleanor Halt. Den gibt ihr nur Park, bei ihm fühlt sie sich wohl, auch wenn sie sich manchmal viel zu unsicher fühlt und somit seine Komplimente nicht ernst nehmen kann. Sie ergänzen sich manchmal ganz wunderbar. Eine große Rolle in ihrem Näherkommen spielen auch Comics und Musik. Auf der Verlagsseite gibt es sogar ein Glossar mit den wichtigsten Songs dieses Buches. Park hat nicht nur Eleanor in diesem Gebiet geholfen sondern auch mir, habe mir nämlich bis dahin absolut unbekannte Lieder/Bands kennengelernt.
Eleanor & Park ist mehr als eine Liebesgeschichte, die verzaubert. Auch wenn dieser Roman in 1986 spielt zeigt er mitunter, gut in die Geschichte integriert, unsere gesellschaftlichen Probleme auf. Dass man gegen Mobbing logischerweise alleine nicht ankämpfen kann, selbst nicht durch das Ignorieren, dass selbst die Lehrer dagegen nichts tun können. Dass häusliche Gewalt größtenteils immer noch von den umgebenden Personen hingenommen wird, weil die Menschen sich nicht einmischen möchten. Auch die Probleme mit denen man als Jugendlicher zu kämpfen hat kommen nicht zu kurz und sind absolut authentisch beschrieben, denn sicherlich hat sich schon jeder mal so gefühlt. Die Rede ist zum Beispiel von dem Gefühl nirgendwo hinein zu passen, die Familiendifferenzen, die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen, die erste Liebe, die so neu und aufregend und gleichzeitig einschüchternd ist. Es fiel mir gerade deswegen so leicht mich mit Eleanor und Park zu identifizieren, sie zu verstehen und mit ihnen zu fühlen, weil Rainbow Rowell alles realistisch angeht, nie etwas verschönert und man immer das Gefühl hat, dass es tatsächlich real ist, als ginge es hier um ganz reale Personen.
Den Schluss hätte ich mir vielleicht etwas anders vorgestellt, nichtsdestotrotz kamen mir am Ende die Tränen und ich hätte am liebsten sofort wieder von vorne angefangen. Es gibt einige Zitate, die ich mir sofort notiert habe, weil sie dermaßen vor Perfektion sprühen und nicht vergessen werden dürfen. Wobei das ehrlich gesagt auf das ganze Buch zutrifft.

Was mich im Nachhinein beschäftigt hat ist die Altersempfehlung, denn man muss schon bedenken, dass es sich hier um zwei Jugendliche handelt die auch weiter gehen als nur Händchen halten, hinzu kommen einige vulgäre Ausdrücke. Meiner Meinung nach sollten die Leser schon 15+ sein, aber es gibt natürlich immer mal Ausnahmen. Wenn man als Elternteil sicher gehen möchte, würde ich vorschlagen das Buch einfach selber zu lesen, ist keinesfalls vergeudete Zeit.

Fazit:
Absolute Leseempfehlung!
Eleanor und Park sind echt, ihre Liebe wahrhaftig und am liebsten würde ich mich an jeden ihrer Dialoge erinnern können, weil sie so besonders sind. Dieses Buch verzaubert durch ganz viele Momente, die einen emotional werden lassen.
Durch die Charaktere, den Schreibstil und die Emotionen, die der Roman in mir ausgelöst hat wurde Eleanor & Park innerhalb einer Nacht zu einem meiner Lieblingsbücher. Und ihr macht euch am besten einen eigenen Eindruck :)

Veröffentlicht am 08.10.2017

Realistisch, bewegend und ehrlich erzählt

Alles so leicht
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Die 17jährige Stevie hat nur noch ein Ziel, sie möchte am Todestag ihres Bruders sterben. Und damit das auch klappt hat sie schon lange vorher mit dem hungern angefangen. Ihr Plan ist perfekt bis ihr Vater ...

Die 17jährige Stevie hat nur noch ein Ziel, sie möchte am Todestag ihres Bruders sterben. Und damit das auch klappt hat sie schon lange vorher mit dem hungern angefangen. Ihr Plan ist perfekt bis ihr Vater ihr 27 Tage vor dem Todestag einen Strich durch die Rechnung macht und sie in ein Therapiezentrum für Essstörung nach Mexico fliegen lässt. Stevie ist alles andere als begeistert, verweigert die Therapie, das Essen, die Nähe der anderen Mädchen und hält an ihrem Ziel fest. Doch je mehr Tage vergehen, desto schwerer fällt es ihr…

Meine Meinung:
Meine Erwartungen den Roman betreffend waren hoch angesetzt, gerade weil die Autorin Meg Haston selber wegen einer Essstörung an einer Therapie teilgenommen hat, und sie wurden mehr als erfüllt.
„Alles so leicht“ ist ein flüssig zu lesender, faszinierender, authentischer, bildhaft erzählter und berührender Roman, der mich nicht mehr so schnell loslässt. Die Herangehensweise an ein solch schwieriges Thema finde ich mehr als gelungen und weil das Buch aus der Ich – Perspektive geschrieben ist, bekommt man einen guten Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt von Stevie, die sie vor den anderen Menschen verbirgt. Es öffnet einem die Augen. Hier wird nichts verherrlicht oder verschönert, man erhält einfach eine realistische Vorstellung von der Krankheit, dem ständigen Kampf mit sich selbst aber auch dem Therapiealltag. Wobei ich was das Essen angeht manchmal etwas erstaunt war. Fastfood und unter anderem Erdnussbutter? Sowas hätte ich da nicht erwartet, auch wenn sich die Mädchen auch daran gewöhnen sollten.
Der wundervolle Schreibstil trägt dazu bei, dass die Seiten nur so dahin fliegen und ich habe die ganze Zeit über für Stevie und die anderen Mädchen gehofft und gebangt, da ich sie alle schnell ins Herz geschlossen habe.
Die Fragen, die man sich vor allem am Anfang in Bezug auf Stevie stellt werden nur langsam beantwortet. Über Kapitel hinweg setzt man Puzzlestücke, die aus Erinnerungen und Gegenwart bestehen, zusammen und bekommt ein Gesamtbild, das verdeutlicht weshalb Stevie so ist wie sie ist und wie es überhaupt so weit kommen konnte. Es gibt mehrere Faktoren, die bei ihr zur Essstörung geführt haben, darunter auch die Mutter sowie ihre Freundin Eden, wobei der Tod ihres Bruders, an dem sie sich selbst die Schuld gibt, der letztendlich Entscheidende war.
Stevie war mir von Anfang an sympathisch, ich mag ihre Art und es ist einfach Verständnis für sie zu empfinden, hauptsächlich weil sie so ehrlich, authentisch ist und es auch bleibt. Darüber hinaus ist sie stark aber gleichzeitig innerlich auch ziemlich kaputt. Die Essstörung, das Kaputtsein, beides hat sie eingenommen und so möchte sie vor allem als dieses kaputte Wesen angesehen werden, sie braucht es, sonst ist ihr nichts anderes geblieben. Es gibt einen Satz, der mich länger beschäftigt hat und zwar:

„Aber diesmal war ich ihm voraus. Ich war besser im Kaputtsein, und Eden zog diese Art beschädigter Existenz ihm vor:“

Stevie lässt sich nicht so einfach von ihrem Ziel abbringen und plant heimlich wie sie es doch schaffen könnte an Joshua’s Todestag zu sterben. Es ist für sie nicht leicht sich auf die Therapie und die drei Mädchen Ashley, Cate und Teagan einzulassen, es bedarf Zeit.
Alle Charaktere wirken echt, lebendig, wobei es mir besonders Anna, ihre Therapeutin und Ashley, ihre Mitbewohnerin angetan haben, vielleicht weil man sie mitunter am besten kennenlernt. Vor allem Anna’s ruhige, entspannte Art hat mich verzaubert. Sie ist für Stevie da, weiß wie sie zu ihr vordringen muss, spornt diese an und hilft ihr auf eine vielleicht nicht ganz so typische Art.
Ich möchte diesem Roman noch zu Gute halten, dass hier nicht mit Zahlen oder Kalorien hantiert wurde, so weiß man auch nicht mal wie viel die Mädchen eigentlich wiegen und muss sich auf Stevies (wahrscheinlich verkehrte) Wahrnehmung und Beschreibung verlassen, was ich gut finde. Außerdem werden die Menschen mit einer Essstörung hier nicht angeklagt. Was mir jedoch als richtig erscheint ist, dass deutlich gemacht wird, dass diese Menschen Hilfe brauchen, weil es nun mal kein einfacher Heilprozess ist und ein bequemes ‚Iss doch mal was’ nicht ausreicht. So sollte man auch viel früher reagieren anstatt es einfach nur zu tolerieren oder gar ignorieren und so tun als würde nichts passieren.

Fazit:
Ein wunderschön erzählter Roman, der es in sich hat. Mit besonderen Charakteren, einer mehr als realistischen Geschichte und einer Thematik die authentisch und echt umgesetzt wurde, sodass das Buch noch lange nachklingt. Klare Leseempfehlung von mir!

Veröffentlicht am 08.10.2017

Realität, Fiktion oder nur ein Traum?

Der Ozean am Ende der Straße
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„Ich sehne mich nicht nach der Kindheit, aber ich sehne mich nach der Freude, die ich früher an kleinen Dingen empfand, selbst wenn weit wichtigere Dinge im Argen lagen.“


Die Handlung:

Ein erwachsener ...

„Ich sehne mich nicht nach der Kindheit, aber ich sehne mich nach der Freude, die ich früher an kleinen Dingen empfand, selbst wenn weit wichtigere Dinge im Argen lagen.“


Die Handlung:

Ein erwachsener Mann besucht wegen einer Beerdigung seinen Heimatort, hält aber zuerst an dem Haus der Hempstocks an mit der Bitte zu dem etwas entfernten Ententeich gehen zu dürfen. Und als er am Teich ankommt, kommt auch die Erinnerung an eine längst vergesse Zeit, als er gerade mal sieben Jahre alt war, zurück. Er erinnert sich an Lettie, die diesen Teich einen Ozean genannt hat, an ihre Freundschaft und an all die magischen und irrealen Erlebnisse.

„Niemand sieht so aus, wie er in Wirklichkeit im Inneren ist. Du nicht. Ich nicht.“


Meine Meinung:

Da ich vorher noch nie etwas von Neil Gaiman gehört oder gelesen habe, war ich umso gespannter auf diesen Roman – und wurde nicht enttäuscht. Es ist ein Gesamtkunstwerk entstanden, das vor allem sprachlich auf ganzer Linie überzeugt und einem viel Raum für eigene Interpretationen lässt.
Die Erinnerungen erlebt man aus der Sicht des siebenjährigen Jungen, dessen Name im ganzen Buch nicht genannt wird. Auch wenn man manchmal mit dem Jungen Mitleid haben möchte, kommt dieses Gefühl nicht wirklich auf, weil er es auch gar nicht benötigt. In machen Situationen wirkt er einfach viel erwachsener und tapferer als man es erwarten würde, jedoch mit einer Sicht auf viele Dinge wie es nur ein Kind kann. Immerhin ist es doch ganz logisch Würmer zu haben wenn auch die Nachbarskatze welche hatte. Oder etwa nicht?
Er ist ein einsamer, Bücher liebender Protagonist, der durch die Bekanntschaft mit Lettie Hempstock eine neue Welt kennenlernt, die man als Leser nicht unbedingt verstehen muss. Der Junge hinterfragt auch nichts, er nimmt es einfach hin und vertraut Lettie, seiner ersten Freundin überhaupt. Durch sie lernt er auch die anderen beiden Hemstock Frauen kennen, die sich rührend um ihn kümmern, es ist so ganz anders als er es von Zuhause gewohnt ist. Neben Freundschaft werden in diesem Buch auch ganz viele andere Themen angeschnitten wie zum Beispiel die Selbstfindung, Einsamkeit, elterliche Gewalt, Trauerbewältigung uns vieles mehr. Darunter dann noch der Kampf gegen das ‚Böse’. Gesamt betrachtet ist es trotz der vielen magischen Momente kein Buch für Kinder, sondern eine Art Märchen für Erwachsene mit einigen grausameren Abschnitten.
Dieser Roman bezaubert in seiner melancholischen Art und es könnte gut sein, dass auch etwas autobiografisches eingebaut wurde. Macht zumindest ab und zu solch einen Eindruck.
Die Entscheidung darüber ob die Erinnerungen nun real, fiktiv oder einfach nur ein Traum waren, ist jedem selbst überlassen.

„Ich fand, dass Erwachsene nicht weinen sollten. Sie hatten keine Mütter, die sie trösteten.“


Fazit:

Auch wenn ich von dem Ende nicht ganz überzeugt bin, so war es ein besonderer Lesegenuss, der mir Spaß bereitet hat. Man bekommt in diesem Roman nicht alle Antworten auf die Fragen die man hat.. doch wer sich auf dieses Buch einlassen möchte, sollte sich darauf gefasst machen überrascht zu werden.
Werde mir auf jeden Fall ein weiteres Buch von Neil Gaiman kaufen :)

Veröffentlicht am 08.10.2017

Kann man lesen, muss man aber nicht

Untreue
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Die 31jährige Journalistin Linda hat ein Leben von dem andere nur träumen können. Mit ihrem wunderbaren Ehemann, der zu den 300 reichsten der Schweiz gehört und ihren zwei Söhnen scheint ihr auf den ersten ...

Die 31jährige Journalistin Linda hat ein Leben von dem andere nur träumen können. Mit ihrem wunderbaren Ehemann, der zu den 300 reichsten der Schweiz gehört und ihren zwei Söhnen scheint ihr auf den ersten Blick an nichts zu fehlen. Doch Linda ist keinesfalls glücklich, sie möchte vor dem Alltag flüchten, endlich mal was erleben und sich nicht fragen müssen ob es denn schon alles sei, was das Leben für sie zu bieten hat.

Meine Meinung:
Das Buch ist zwar sehr gut zu lesen und die Seiten fliegen nur so dahin, doch habe ich mir von meinem ersten Coelho eindeutig mehr versprochen. Untreue hat mich an sich ziemlich schnell angesprochen, es wurde etwas Interessantes versprochen, doch scheitert es gnadenlos an der Umsetzung. Dieser Roman hat nichts Fesselndes an sich oder etwas, an das man sich auch im Nachhinein gerne erinnern würde, stattdessen war ich eher froh als ich endlich mit dem Buch fertig war. Es gab einige Stellen, bei denen ich mich anstrengen musste konzentriert zu bleiben, weil mir viele der Monologe zu weit hergeholt, von der Handlung ablenkend und unpassend erschienen. Hatte manchmal sogar das Gefühl, man wolle mich belehren. Muss jedoch auch sagen, dass es Abschnitte gab, die es geschafft haben mich zu überzeugen.
Eine wichtige Information, die meines Erachtens nirgendwo erwähnt wurde ist, dass Linda an einer Depression leidet. Und dabei weiß ich nicht einmal ob man es so benennen kann, denn das wird in diesem Roman nicht unbedingt behandelt, eher nur immer wieder erwähnt. Man hat als Leser schnell den Eindruck bekommen, dass mit Linda etwas nicht stimmt und auch ihre Gedanken kreisen immer wieder um ihren Zustand ohne, dass etwas Sinnvolles daraus entsteht und sie sich viel mehr die ganze Zeit über gedanklich im Kreis dreht.
Mir ist es trotz der Ich-Perspektive nicht gelungen eine Verbindung zu Linda aufzubauen, weil mir ihre Handlungen und Gedanken, teilweise durch die Krankheit bedingt, größtenteils sehr unlogisch erschienen und sie mir generell sehr unsympathisch war. Weder der Ehemann noch die Söhne werden namentlich genannt, von den Söhnen ist sogar im gesamten Buch vielleicht nur an die fünf Mal die Rede. Hätte man sie nach der ersten Seite nicht mehr erwähnt, wäre es ein leichtes gewesen zu vergessen, dass es sie überhaupt gibt. Über Jacob König, ihre Affäre, erfährt man deutlich mehr als über ihre Familie, doch auch dieser konnte mich nicht für sich einnehmen. Die Nebencharaktere wurden eben nur oberflächlich dargestellt, sodass ich ihnen gegenüber gar keine Gefühle hegte.
Das Ende ist für mich das Ausschlaggebende für die zwei Sterne. Es kam viel zu abgehakt ohne einen Sinn zu ergeben, als hätte der Autor die maximale Seitenanzahl erreicht und müsste nun schnell eine Lösung für die Probleme finden. Zufriedenstellend war es keinesfalls und ich hätte wenigstens an diesem Punkt etwas mehr erwartet.

Fazit:
Ein Buch, das man lesen kann aber nicht unbedingt muss. Man würde eindeutig nichts verpassen.

Da ich aber schon gelesen habe, dass auch einige Coelho Fans von diesem Buch nicht begeistert sind, werde ich mir mal eins seiner früheren Werke durchlesen.