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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.08.2025

Verhängnisvolle Entscheidungen

Water Moon
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In Tokio gibt es ein Pfandhaus, das nicht für jedermann zu finden ist. Man betritt ein Ramen-Restaurant, um seinen Hunger zu stillen und landet, wenn man zu den Auserwählten zählt, unverhofft an einen ...

In Tokio gibt es ein Pfandhaus, das nicht für jedermann zu finden ist. Man betritt ein Ramen-Restaurant, um seinen Hunger zu stillen und landet, wenn man zu den Auserwählten zählt, unverhofft an einen Ort, an dem getroffene Entscheidungen, die schwer auf der Seele lasten, eingetauscht werden können zur Befreiung des schlechten Gewissens.
Hana Ishikawa übernimmt von ihrem Vater Toshio, der in den Ruhrstand tritt, das Geschäft und findet an ihrem ersten Arbeitstag ihre Wirkungsstätte völlig zerstört und ausgeraubt vor. Noch bevor sie ihre Gedanken sammeln kann, um die Geschehnisse für sich einzuordnen, betritt der geniale Physiker Keishin den Raum der Verwüstung und bietet sofort seine Hilfe an. Es beginnt eine abenteuerliche Reise durch eine fantastische Welt auf der Suche nach Toshio. Dabei werden die beiden von seelenlosen Monstern gejagt, was der Geschichte immer wieder eine atemberaubende Spannung verleiht.
Die Geschehnisse schreiten rasant voran, während ein Puzzleteilchen nach dem anderen zu dem magischen Aufenthaltsort des Gesuchten führen, erstaunliche Zusammenhänge sich offenbaren und dennoch für Verwirrungen sorgen. Die Vielfalt der Fortbewegungsmöglichkeiten in diesem Land jenseits unserer Vorstellungen haben mich begeistert. So werden Hana und Keishin von einer Melodie getragen oder von Papierkranichen, werden zusammengefaltet, springen in Pfützen. Auch über Gerüchte kann man sein begehrtes Ziel erreichen.
Die Sprache der Autorin Samantha Yambao in ‘Water Moon‘ ist nüchtern und dennoch haucht sie ihrer Geschichte eine liebenswerte Lebendigkeit ein, die mit poetischen Formulierungen ausgeschmückt ist. Die magische Welt zeigt immer wieder Parallelen zur realexistieren Wirklichkeit auf, die durchaus gesellschaftskritische Momente beinhalten.
Ich habe mich gern von der Geschichte tragen lassen, ohne zu Beginn zu wissen, was mich erwartet und wurde angenehm überrascht.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Hilfreicher Ratgeber aus einer belastenden Co-Abhängigkeit

Too Much!
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An alle, die glauben ohne ihre aufopferungsvolle Fürsorge bricht die Welt zusammen, die immer und überall hilfreich zur Seite stehen müssen, die sich am Ende des Tages dann völlig ausgelaugt und kraftlos ...

An alle, die glauben ohne ihre aufopferungsvolle Fürsorge bricht die Welt zusammen, die immer und überall hilfreich zur Seite stehen müssen, die sich am Ende des Tages dann völlig ausgelaugt und kraftlos fühlen, richtet sich dieser wertvolle Ratgeber ‘Too Much‘ von Terri Cole. Die Autorin analysiert klar und verständlich an Hand von gut ausgewählten Beispielen, wo die Ursachen des ‘Zu viel‘ liegen. Dabei zeigt sie Wege auf, wie man zunächst erkennen kann, wo im Alltag die Stolperfallen liegen und weshalb man sich immer wieder darin verfängt. Sie gibt wertvolle Tipps zur mentalen Stärkung, um sich Stück für Stück diesem kräftezehrenden Prozess zu entziehen. Ihre Erfahrungen schöpft Terri Cole aus ihrer eigenen Biografie und aus unzähligen Gesprächen.
Das Zauberwort ist Selbstliebe, denn nur wenn ich in erster Linie fürsorglich mit mir selbst umgehe, stärke ich meine Resilienz aber auch meine physischen Kräfte. Das widerspiegelt sich in gesteigerter Lebensfreude und letztendlich auch in mehr Leistungsfähigkeit.
Einen Versuch ist es doch wert, die Anregungen aus dem Buch aufzunehmen und das Beste daraus zu machen.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Berührende Fürsorge in unmenschlichen Zeiten

Wir sehen uns wieder am Meer
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‘Wir sehen uns wieder am Meer‘ ist der letzte und abschließende Teil einer Trilogie von Trude Teige, in der Junis auf den Spuren vergangener Zeit unterwegs ist, um mehr über ihre familiären Wurzeln zu ...

‘Wir sehen uns wieder am Meer‘ ist der letzte und abschließende Teil einer Trilogie von Trude Teige, in der Junis auf den Spuren vergangener Zeit unterwegs ist, um mehr über ihre familiären Wurzeln zu erfahren und dabei die drei lebenslang verbundenen Freundinnen Birgit, Thekla und Anneliese näher kennenlernt. Yara Blümel spricht sehr akzentuiert und mit angenehmer Stimme das Hörbuch.
Birgit hat sich als Krankenschwester ausbilden lassen und geht nach dem schmerzlichen Tod ihres russischen Freundes von Oslo in den Norden des Landes, um dort in einem Krankenhaus zu helfen, menschliches Leid zu lindern und um ihrer Einsamkeit zu entfliehen. Norwegen ist zu dieser Zeit mitten im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten besetzt. Unweit ihrer Arbeitsstätte befindet sich eine Fischverarbeitende Fabrik, in der Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen schuften müssen. In dem angrenzenden Lager sind die Lebensbedingungen unerträglich. Hinzu kommen unglaubliche Schikanen der Lageraufsicht. Birgit kann auf Grund ihrer russischen Sprachkenntnisse den Insassen kleine Vorteile verschaffen. Besonders mit der jungen Nadja aus der Ukraine freundet sie sich an. Mit Sascha, der aus Moskau stammt, verbindet sie ein sehr intimes Verhältnis. Ihre uneigennützige Hilfsbereitschaft bringt sie allerdings in eine lebensgefährliche Situation, als sie von den Nazis gefangen genommen wird. Jahre später arbeitet sie in der norwegischen Botschaft in Moskau. Hier gerät sie wiederum in arge Bedrängnis durch den KGB, als sie sich auf die Suche nach ihrer großen Liebe Sascha begibt.
Trude Teiges Schreibstil ist unaufgeregt, sehr fesselnd, weil sie in der Lage ist, historische Tatsachen unterhaltend darzustellen. Dabei gelingt es ihr die Charaktere lebendig und authentisch in die Geschichte einzubauen. Es ist ein Roman, der die verheerenden Zustände unter denen die Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg leiden mussten und die menschenverachtenden Lebensumstände unter der stalinistischen Herrschaft in der Sowjetunion schonungslos beschreibt.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Aufbegehren gegen das gesellschaftliche Korsett

Die Rheinreise
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Ann Schlee erzeugt in ihrem Roman ‘Die Rheinreise‘ eine Atmosphäre, die mich in das Zeitalter Königin Viktorias zurückversetzte. Die gesellschaftliche Rollenverteilung folgt einer strengen Vorgabe, in ...

Ann Schlee erzeugt in ihrem Roman ‘Die Rheinreise‘ eine Atmosphäre, die mich in das Zeitalter Königin Viktorias zurückversetzte. Die gesellschaftliche Rollenverteilung folgt einer strengen Vorgabe, in der keinerlei Abweichungen geduldet werden. Wer dient und wer sich bedienen lassen darf ist streng reglementiert. Stimmungsvoll entführt uns die Autorin in das Jahr 1851. Das Volk begehrt auf gegen die sich in zunehmendem Maße verschlechternden Lebensbedingungen. Ein nicht zu überhörender Schrei nach Befreiung aus den bourgeoisen Fesseln hallt durch Europa.
Doch man traut sich wieder zu reisen und so betreten der englische Reverend Charles Morrison mit seiner Frau Marion und der siebzehnjährigen Tochter Ellie in Koblenz einen Raddampfer, der die illustre Gesellschaft Richtung Köln befördert. Charlotte Morrison, die Schwester des Geistlichen wird eher als Dienstleistende anstatt eines Familienmitgliedes behandelt. Sie hat ihr Leben lang nicht aufbegehrt und sich den vorgeschriebenen Anweisungen zu einem ihr zugebilligten Lebenskonzept gefügt. Nun vererbt ihr ihr verstorbener Dienstherr ein hübsches Sümmchen Geld, welches sie befähigt in bescheidenen Verhältnissen unabhängig von jeglicher Bevormundung zu leben. Es gehörte Mut dazu, das gesellschaftliche Korsett abzulegen und sich auf eine unabhängige Zukunft einzulassen.
Ann Schlee schreibt feinfühlig, verleiht ihren Charakteren eine bewundernswerte Lebendigkeit. Den Zeitgeist fängt sie geschickt mit authentischen Dialogen und Gedankengängen ein. Sie legt große Sorgfalt in die landschaftlichen Beschreibungen, das Brodeln des Flusses. Man spürt beim Lesen förmlich die Aufbruchstimmung, die den inneren Druck unerfüllter menschlicher Bedürfnisse wiedergibt und richtungsweisend in eine neue Zeit der Befreiung führt.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Traumatische Begegnungen

Monstergott
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Ben und Esther sind Geschwister, die sich gut verstehen, gegenseitig aufeinander achten und immer füreinander da sind. Sie teilen sich ein Zuhause und leben in Wohngemeinschaft.
Seit frühester Jugend ...

Ben und Esther sind Geschwister, die sich gut verstehen, gegenseitig aufeinander achten und immer füreinander da sind. Sie teilen sich ein Zuhause und leben in Wohngemeinschaft.
Seit frühester Jugend werden sie, durch ihr Elternhaus forciert, mit den strengen Regeln eines allmächtigen Gottes konfrontiert, sind aktiver Teil einer strikt auf die Worte der Bibel ausgerichteten Glaubensgemeinschaft. Jeden Schmerz, den sie erleiden, versuchen sie durch Worte aus der Heiligen Schrift zu erklären. Wegweisend dabei ist ein äußerlich attraktiv erscheinender und modisch gekleideter Pfarrer, der seine Gemeinde sektenähnlich führt und begleitet. Seine Predigten gleichen einem inszenierten musikbegleitendem Spektakel mit strengen Worten der Mahnung zur Abkehr jeglicher Verfehlungen im Alltag, die den religiösen Vorstellungen ihres Gottvaters widersprechen. Gesellschaftliche Freiheiten werden als abscheuliche Sünde gewertet. Dieser Konflikt zwischen dem Arbeitsalltag mit freiheitlich denkenden und handelnden Menschen und den mentalen Einschränkungen im privaten Lebensbereich führt zu traumatischen Belastungen und schreit nach Emanzipation.
Caroline Schmitt setzt den Fokus in ‘Monstergott‘ auf religiös abhängige Menschen, die in ihrem Gedankengut und ihren Handlungen stark eingeschränkt werden und einen inneren, erbitterten Seelenkampf austragen. Ihre Sprache ist klar, mitunter eigenwillig mit schnell wechselnden Gedanken und szenischen Darstellungen, aber immer ehrlich und sogleich schonungslos ansprechend. Sie zeigt deutlich die Verletzlichkeit der menschlichen Persönlichkeit in ihrem Drang nach unabhängiger Entwicklung.

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