Haptisch und optisch ein Traum, äußerst angenehme malerisch verträumte Lektüre
Angesprochen vom wunderschönen Aquarell-Cover in Kombination mit einer tollen Schriftart und der im Klappentext erwähnten Handlung in der viktorianischen Zeit habe ich mir eine größtenteils leichte und ...
Angesprochen vom wunderschönen Aquarell-Cover in Kombination mit einer tollen Schriftart und der im Klappentext erwähnten Handlung in der viktorianischen Zeit habe ich mir eine größtenteils leichte und unterhaltsame Lektüre erhofft. Diese Hoffnung wurde in Teilen erfüllt, da es letztendlich tiefer ging, als von mir erwartet. Dies empfand ich jedoch keinesfalls als negativ.
Die zwischenmenschlichen Interaktionen entfalten sich in spannenden Dialogen zwischen Charlotte und ihren Mitreisenden und die landschaftlichen und situativen Beschreibungen laden zum Träumen ein.
Das gefällt mir richtig gut: Man begibt sich auf eine doppelte Reise, entlang des Rheins und auch durch das Leben und die Gedanken der Protagonistin Charlotte. Sehr subtil und doch stetig verändert sich Charlotte im Laufe des Romans und gewinnt an neuem Selbstbewusstsein.Dadurch fühlt sich das Buch für mich sehr lebendig an. Dennoch hat es eine gewisse Verklärtheit, was sicherlich am Sprachstil liegt, der der viktorianischen Zeit nachempfunden ist.
Zu Beginn gibt es eine historische Anmerkung und am Ende eine Nachbemerkung, das klammert die Geschichte schön rund ein und man klappt es zufrieden zu, nur um erneut das äußerst hübsche Cover zu bestaunen.
Das gefällt mir nicht so gut: Ich habe rein gar nichts an dem Buch auszusetzen, es ist für mich durch und durch stimmig.
Mir fiel es etwas schwer, ein Beispielzitat auszuwählen, da die Gesamtgeschichte in sich so ein harmonisches Ganzes ist. Dennoch folgt nun ein kleiner Eindruck des Schreibstils von Ann Schlee: „Nach ihrem Gebet lag sie ungeduldig ausgestreckt im Bett und wartete auf den Schlaf. Sie genoss dieses Grenzgebiet zwischen Wachen und Schlafen, wenn die Gedanken, immer noch unter gewisser Kontrolle, einen eigenen Willen zu entwickeln und eigene Wege zu gehen begannen.“
Empfehlen würde ich das Buch allen, die sich vom Cover angesprochen fühlen und eine angenehme Lektüre zu lesen wünschen, die man zum Beispiel noch gut im müden Zustand vor dem Zubettgehen lesen kann. Was andere vielleicht als zu langweilig und nicht packend genug beschreiben würden empfinde ich als sehr angenehm.