Cover-Bild Die Rheinreise
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19,99
inkl. MwSt
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Historische Romane
  • Ersterscheinung: 12.08.2025
  • ISBN: 9783755811275
Ann Schlee

Die Rheinreise

Roman | »Erschütternd schön und schön gegenwärtig« DIE WELT
Werner Löcher-Lawrence (Übersetzer)

1851: Nur drei Jahre, nachdem Arbeiterrevolten Europa im Kern erschüttert haben, kehren die ersten englischen Touristen auf den Kontinent zurück. Sie legen in Baden-Baden ab und fahren mit dem Schaufelraddampfer das für seine romantischen Landschaften berühmte Rheintal hinunter. Neben Franzosen und deutschen Familien befinden sich auch Reverend Charles Morrison mit Frau und Tochter sowie seine unverheiratete Schwester an Bord: Charlotte, eine scheinbar sanftmütige Frau mittleren Alters, hat ihr Leben damit verbracht, sich um die Bedürfnisse anderer zu kümmern. Doch wie der Fluss, auf dem die Gesellschaft reist, birgt auch Charlottes Seele verborgene Abgründe. Als sie in Koblenz einem fremden und doch eigentümlich vertrauten Mitreisenden begegnet, wird sie in einen Strudel aus verdrängten Erinnerungen und unterdrücktem Verlangen gestoßen. Ein so zarter wie eindringlicher Roman über Reue und unerfüllte Träume, aber auch über die Hoffnung, entgegen gesellschaftlichen Widerständen selbstbestimmt zu leben.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2025

Eine besondere Rheinreise

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Ann Schlee nimmt uns in ihrem Roman mit auf eine Dampfschifffahrt im Jahr 1907. Im Mittelpunkt steht Charlotte, die ihren Bruder begleitet. Er ist Historiker, anerkannt und selbstbewusst, während Charlotte ...

Ann Schlee nimmt uns in ihrem Roman mit auf eine Dampfschifffahrt im Jahr 1907. Im Mittelpunkt steht Charlotte, die ihren Bruder begleitet. Er ist Historiker, anerkannt und selbstbewusst, während Charlotte ihr Leben bisher im Schatten verbracht hat. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass die Reise nicht nur eine Fahrt über den Rhein ist, sondern für sie auch ein Wendepunkt werden könnte.
Die Geschichte ist ruhig erzählt und entfaltet sich Schritt für Schritt. Die Eindrücke der Fahrt, die Orte am Ufer, die Begegnungen an Bord – all das fügt sich zu einem stimmungsvollen Bild zusammen. Besonders gelungen finde ich, dass die Landschaft nicht nur als Hintergrund dient, sondern fast wie ein Spiegel wirkt. Sie unterstreicht die inneren Bewegungen von Charlotte, die beginnt, über ihr Leben und ihre Rolle nachzudenken.
Die Figuren wirken lebendig und glaubwürdig. Charlotte bleibt dabei immer im Zentrum, aber auch die Nebenfiguren tragen dazu bei, die Atmosphäre zu verdichten. Man spürt die gesellschaftlichen Erwartungen jener Zeit, die Pflichten, die man zu erfüllen hat, und die wenigen Möglichkeiten, auszubrechen. Gerade dieser leise Konflikt macht das Buch spannend, ohne dass es große Dramen braucht.
Ann Schlee schreibt in einer klaren, ruhigen Sprache. Sie verzichtet auf große Gesten und überlässt es den Leserinnen und Lesern, zwischen den Zeilen zu spüren, was sich in Charlotte verändert. Das macht die Geschichte besonders intensiv. Man liest nicht einfach nur eine historische Episode, sondern taucht in ein feines Geflecht aus Stimmungen und Gedanken ein.
„Die Rheinreise“ ist eine stille, eindringliche Erzählung. Sie verbindet historische Genauigkeit mit psychologischer Tiefe und bleibt lange im Gedächtnis. Für mich war es eine bereichernde Lektüre, die zeigt, dass gerade die leisen Töne viel zu sagen haben. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Charlotte

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Charlotte Morrison ist eine ledige Frau mittleren Alters im England der 1850er. Ihr ganzes Dasein hat sie ihr bisheriges Leben lang in den Dienst anderer gestellt. Aus ihrer letzten Anstellung wurde ihr ...

Charlotte Morrison ist eine ledige Frau mittleren Alters im England der 1850er. Ihr ganzes Dasein hat sie ihr bisheriges Leben lang in den Dienst anderer gestellt. Aus ihrer letzten Anstellung wurde ihr nun ein unerwartetes Erbe vermacht, das ihr ein selbstbestimmtes Leben als Frau ermöglichen könnte. Doch wie selbstbestimmt leben, wenn sich dieses Selbst nie zuvor wirklich entfalten durfte? Als naheliegende Zukunft und Zuflucht sieht sie daher ein Leben mit der Familie ihres Bruders, einem Reverend. Wie sich dies gestalteten würde, darauf erhascht Charlotte einen allzu realistischen Blick auf einer gemeinsamen Reise entlang des Rheins. In einer Mischung aus Zofe ihrer Schwägerin, Kindermädchen für ihre Nichte und stets unter dem strengen Blick ihres Bruders reist Charlotte von Baden Baden bis nach Köln. Und vielleicht wäre genau das ihr Leben geworden, wenn nicht in Koblenz ein Mann zugestiegen wäre, der sie an ein lang zurückliegendes Begehren und Aufbegehren erinnert hätte. Die Auseinandersetzung damit stößt einen Prozess des Hinterfragens in ihr an, der gemeinsam mit der Reise und dem Verlauf des Rheins immer mehr Formen annimmt.

Die Rheinreise ist ein ruhiges Buch, mäandernd bewegen wir uns durch Charlottes Gedanken, begleiten ihre Emanzipation, die so behutsam, leise und ganz und gar nicht revolutionär daher kommt, dass man sie fast nicht bemerken könnte. Doch Charlotte verändert sich auf dieser Reise, Stück für Stück überdenkt sie ihre Haltung zum Leben, ihren Platz darin und ihre Zukunft. Aus heutiger Perspektive wirkt dies oft fremd, man möchte Charlotte schütteln, denn mir war der Weg zu Erkenntnis zuweilen zu schwerfällig und lang. Neben Charlottes Emanzipation standen für mich die schönen Landschaftsbilder entlang des Rheins im Mittelpunkt der Erzählung, sowie die besondere politische Situation in Deutschland und Europa im Jahr der Reise 1851.

Sprachlich ist der Roman sehr poetisch, verliert sich jedoch stellenweise darin, sodass die Sätze zuweilen fast etwas sperrig auf mich wirkten.

Die Rheinreise ist ein zartes, ruhiges Buch über die behutsame Emanzipation einer Frau, eingebettet in die besondere geschichtliche Situation im Europa der 1850er, garniert mit wunderschönen Landschaftsbildern entlang des Rheins.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Eine historische Rheinreise

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„Die Rheinreise“ von Ann Schlee ist ursprünglich 1981 erschienen und wurde nun neu aufgelegt. Im Buch geht es um die englische Charlotte Morrison, welche 1851 ihren Bruder, seine Frau und Tochter auf eine ...

„Die Rheinreise“ von Ann Schlee ist ursprünglich 1981 erschienen und wurde nun neu aufgelegt. Im Buch geht es um die englische Charlotte Morrison, welche 1851 ihren Bruder, seine Frau und Tochter auf eine Rheinreise begleitet.
Eine langsame, entschleunigende Lektüre, zart und atmosphärisch. Es werden einige historische und gesellschaftliche Einblicke gegeben. Die Hauptfigur wird voller Träume, Sehnsucht, Enttäuschungen und innerem Erwachen beschrieben. Ich fand es zudem interessant, den Rhein aus historischer Perspektive zu bereisen. Ich lese nur ab und zu Bücher aus diesem Bereich, kann mir aber gut vorstellen, dass es für große Liebhabende dieses Genres ein Highlight ist.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Ein zartes feines Buch

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Als Leserin fühle ich mich beim Lesen des Buches ins Viktorianische Zeitalter hineinversetzt. Die Geschichte spielt 1851 - ein Reverend aus England unternimmt mit seiner Frau Marion, seiner Tochter Ellie ...

Als Leserin fühle ich mich beim Lesen des Buches ins Viktorianische Zeitalter hineinversetzt. Die Geschichte spielt 1851 - ein Reverend aus England unternimmt mit seiner Frau Marion, seiner Tochter Ellie und seiner Schwester Charlotte eine Dampfschiffsreise von Baden-Baden bis nach Köln.

Im Vordergrund steht Charlotte, eine Frau mittleren Alters, unverheiratet, die das Dienen anderer als ihre Pflicht begreift. Charlotte vollzieht langsam aber stetig eine kleine innere Revolution. Dennoch ist es anfangs schwer zu ertragen, wie sie sich immer wieder unterordnet, sich schikanieren lässt und eigentlich auch nicht als vollwertiges Familienmitglied angesehen wird.

Auf der Rheinreise wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, als sie einem Passagier begegnet, der sie an eine vergangene Liebe erinnert. Charlotte werden mehr und mehr ihre verpassten Chancen und ihre unterdrückten Bedürfnisse bewusst.

"Die Rheinreise" von Ann Schlee (1934-2023) ist ein zartes feines Buch in poetischer Sprache. Bereits 1981 erschien der Roman und stand auf der Shortlist des Booker Prize. Nun wurde dieser historische Roman zum Glück wiederentdeckt und neu herausgebracht. Ein wundervolles, wertiges Buch.

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