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Veröffentlicht am 19.01.2026

Viel Hollywooddrama, wenig Tiefe

Hazel sagt Nein
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"Hazel sagt nein" zielt auf eine wesentliche thematische Brisanz ("MeToo") und eine emotionale Stärke, landet schlussendlich aber bei einer überinszenierten Geschichte, die konstruiert und unglaubwürdig ...


"Hazel sagt nein" zielt auf eine wesentliche thematische Brisanz ("MeToo") und eine emotionale Stärke, landet schlussendlich aber bei einer überinszenierten Geschichte, die konstruiert und unglaubwürdig erscheint.

Kernthema des Romans ist die sexuelle Belästigung des Schulleiters gegenüber der 18-jährigen Schülerin Hazel. Ihr "Nein" ihm gegenüber stellt ihr Leben und das ihrer Familie auf den Kopf. Was privat beginnt, wird plötzlich öffentlich verhandelt.

Der Roman will Haltung zeigen, Mut feiern und eine klare Botschaft vermitteln, schafft es aber durch die hollywoodreife Inszenierung nicht. Die Geschichte setzt auf Empörung und klare Schuldzuweisungen. Das gelingt der Autorin mit der Handlung auch gut, dabei bleibt aber alles nur oberflächlich.

Generell finde ich problematisch, wie mit wichtigen Themen umgegangen wird. Auch die Cancel Culture gegenüber Hazels Vater, der nach einem größeren Faux-Pax um seinen Job fürchten muss, wird einfach nur emotional hochgekocht. Seine öffentliche Ächtung wird als schnelle, fast mechanische Reaktion gezeigt. Die Autorin nutzt das Thema vor allem für Spannung, nicht für eine echte Auseinandersetzung. Es gibt hier klare Rollen. Grauzonen fehlen völlig.

Die Handlung des Romans beginnt eigentlich mit einer Wucht. Als Leser ist man erst einmal sprachlos von der direkt und ohne Umschweife erzählten sexuellen Belästigung des Schulleiters. Man ist gespannt und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Dann rückt das Kernthema aber immer mehr in den Hintergrund. Plötzlich verschiebt sich der Fokus und Hazel steht als gefragte angehende Schriftstellerin mit eigener Lektorin und Agentin im Vordergrund.

"Hazel konnte kaum glauben, dass sie da war, im The Edge Hotel in Koreatown (...). In letzter Zeit war viel passiert, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Der Artikel in der "New York Times", das "Talk of the Town"-Porträt im "New Yorker". Und jetzt das? L.A. war eine ziemliche Steigerung. Denn Hazel musste zu Meetings. Hollywood-Meetings." (S.313)

Die plötzliche Wendung wirkt einfach nur unrealistisch und übertrieben inszeniert.

Um auch etwas Positives zu sagen: Hazel gefällt mir als Figur. Sie hat meine volle Sympathie. Ich mag, dass sie ehrgeizig ist, Ziele hat und sich dem widerlichen Direktor widersetzt. Außerdem ist der Roman leicht zugänglich und flüssig zu lesen.

Als Fazit ist zu sagen, dass der Roman wie ein Hollywoodfilm wirkt: emotional, zugespitzt, an vielen Stellen unglaubwürdig und nicht wirklich durchdacht.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Erinnerungen, die weh tun

Wiederholung
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Kurzmeinung: Der Roman zeigt, wie eine Frau durch die Wiederholung von Erinnerungen, ihre traumatische Vergangenheit und sich selbst neu begreift.
Erinnerungen, die weh tun

In "Wiederholung" von Vigdis ...

Kurzmeinung: Der Roman zeigt, wie eine Frau durch die Wiederholung von Erinnerungen, ihre traumatische Vergangenheit und sich selbst neu begreift.
Erinnerungen, die weh tun

In "Wiederholung" von Vigdis Hjorth kehrt eine Frau gedanklich immer wieder in ihre traumatische Jugend zurück. Auslöser ist der Wunsch, ein lang verdrängtes Erlebnis neu zu betrachten und zu bewerten und sich die eigene Geschichte zurückzuerzählen. Dabei kreist sie vor allem um die Beziehung zu ihren Eltern.

Es geht um Loyalität, Schuld und vor allem um das Schweigen innerhalb einer Familie.

Im typischem Hjorth-Stil erzählt die Autorin sehr nüchtern und ohne große Ausschmückungen. Die Erinnerungen machen sichtbar, wie fest Schuld, Scham und auch Wut in einem sitzen können. Der Roman verzichtet weitgehend auf äußere Handlungen und konzentriert sich voll ganz auf den inneren Prozess der Protagonistin.

Meiner Meinung nach ist dieses Buch das schwächste von Vigdis Hjorth.

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Veröffentlicht am 01.01.2026

Ein einfühlsamer Mutter-Tochter-Roman

Niemands Töchter
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Mit "Niemands Töchter" ist Judith Hoersch ein einfühlsamer und tiefgründiger Mutter-Tochter-Roman gelungen. Es geht um Familienwunden, Zugehörigkeit, Identität, um das Schweigen über die Vergangenheit ...

Mit "Niemands Töchter" ist Judith Hoersch ein einfühlsamer und tiefgründiger Mutter-Tochter-Roman gelungen. Es geht um Familienwunden, Zugehörigkeit, Identität, um das Schweigen über die Vergangenheit und letzten Endes um die Neubewertung von Familie und Herkunft und um die Versöhnung mit der eigenen Geschichte.

Im Mittelpunkt stehen die vier Frauen Marie, Gabriele, Alma und Isabell, deren Verbindungen zueinander erst nach und nach aufgedeckt werden. Dieses fragmentarische Enthüllen der vier Frauenleben macht das Buch spannend und man kommt als Leser immer mehr dahinter, was in der Vergangenheit passiert ist. So erkennt man als Leser immer mehr Zusammenhänge, die den Figuren selbst zunächst verborgen bleiben, da wichtige Infos über Herkunft und Beziehungen nicht sofort preisgegeben werden. Im Laufe des Romans wird deutlich, wie die Lebenswege miteinander verbunden sind.

Die Figuren sind authentisch. Man erhält Einblicke in die verschiedenen Lebenswelten, Gedanken und Gefühle. Es werden Erinnerungen, Andeutungen und innere Monologe der vier ganz unterschiedlichen Frauen erzählt. Dabei liegt der Fokus auf der inneren Entwicklung der Figuren. Besonders Almas Entwicklung finde ich berührend. Ihre innere Zerrissenheit ist so nachvollziehbar und die Versöhnung mit ihrer Vergangenheit tröstlich.

Der Aufbau mit den wechselnden Zeitebenen hat mir sehr gefallen, weil sich die Lebensgeschichten der vier Frauen so Stück für Stück erschließt. Mit dieser Erzählweise gelingt es der Autorin, dass man unbedingt weiterlesen möchte, weil immer mehr Geheimnisse und Geschehnisse ans Licht kommen, die alles wie ein Puzzle zusammenfügen.

Lesenswert!

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Ein warmherziges Adventskalenderbuch

Der Wunschzetteldieb
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„Der Wunschzetteldieb“ von Amelie Benn ist ein warmherziges Adventsbuch. Es ist eine gelungene Mischung aus weihnachtlicher Magie und abenteuerlicher Detektivgeschichte.
Das Buch ist in 24 Kapitel eingeteilt, ...

„Der Wunschzetteldieb“ von Amelie Benn ist ein warmherziges Adventsbuch. Es ist eine gelungene Mischung aus weihnachtlicher Magie und abenteuerlicher Detektivgeschichte.
Das Buch ist in 24 Kapitel eingeteilt, sodass es sich gut als Adventskalenderbuch eignet. Die Kapitel haben genau die richtige Länge für Grundschüler und Leseanfänger. Auch die hervorgehobenen Worte und Teilsätze erleichtern das Lesen ungemein. Die eingefügten Bilder auf jeder Seite unterstreichen die Handlung visuell. Sie erzeugen eine heimelige, wohlige und weihnachtliche Stimmung.

Gut finde ich, dass Themen wie „Mut“, „Zusammenhalt“ und „sich gegenseitig helfen“ hier in dem Buch ihren Platz finden.

Zwei kleine Kritikpunkte habe ich dennoch: Die beiden Geschwister wirken etwas zu „perfekt“ und auch die Handlung ist vorhersehbar, sodass vor allem geübte Leser oder Vielleser sich eher langweilen würden. Auch der Satzbau und die Formulierungen sind einfach gehalten. Deshalb denke ich, dass das Buch vor allem für ungeübte Leser und eher für Vorschulkinder / 1./2. Klasse geeignet ist.

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Veröffentlicht am 05.12.2025

Die Kraft des Erzählens

Elf ist eine gerade Zahl
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Puh, eine Rezension zu dem Buch "Elf ist eine gerade Zahl" von Martin Beyer fällt mir nicht leicht. Dies liegt definitiv an der Schwere des Themas.

Paula, ist ein 14-jähriges Mädchen, das schwer erkrankt ...

Puh, eine Rezension zu dem Buch "Elf ist eine gerade Zahl" von Martin Beyer fällt mir nicht leicht. Dies liegt definitiv an der Schwere des Themas.

Paula, ist ein 14-jähriges Mädchen, das schwer erkrankt ist. Der Autor erzählt von dem Krankenhausaufenthalt, den Schmerzen, denen Paula ausgesetzt ist, vom Hoffen und Bangen. In dieser schweren Zeit wird Paula von ihrer Mutter Katja unterstützt und begleitet. Vor allem erfährt man als Leser, wie es in Katja aussieht. Die Hilflosigkeit und die seelische Belastung, die mit der tückischen Krankheit einhergehen, schildert Beyer authentisch und menschlich. Das Innenleben Paulas kommt, meiner Meinung nach, etwas zu kurz.

In aller Unbegreiflichkeit dieses Schicksals fängt Katja an, eine Geschichte zu erzählen, um ihrer Tochter Trost und Hoffnung zu spenden und wieder einen Zugang zu ihr zu finden, da sich beide durch die Krankheit und die einhergehende Pubertät immer mehr voneinander entfernt haben.
Diese fantastische Parallgeschichte nimmt die zweite Erzählebene ein. Es sind dann quasi zwei Geschichten in einem Buch.

Der Roman verbindet somit die harte Realität mit einer fantastischen Parallelgeschichte, die Trost und Hoffnung spendet.

Alle Gefühle und Gedanken sind so menschlich beschrieben und nachvollziehbar. Martin Beyer zeigt in dem Roman, wie stark, aber auch zerbrechlich die Beziehung zwischen Eltern und Kindern sein kann. Zugleich wird man mit den Fragen konfrontiert, wie viel Last man als Elternteil tragen kann und wie viel ein Kind ertragen muss. Wie kann man so etwas Unbegreifliches überhaupt aushalten? Wie würde man nach einem so schweren Verlust weiterleben?


Der Roman ist keine leichte Kost. Er ist vor allem für Leserinnen und Leser geeignet, die emotionale und authentische Geschichten mögen. Auf gar keinen Fall ist das Buch für jemanden geeignet, der bedrückende Themen wie "Krankheit" oder "Verlust" nur schwer ertragen oder verkraften kann.

Auch die märchenhafte Parallelgeschichte ist bestimmt nicht für jedermann. Da ich überhaupt nicht gern Fantasy o.ä. lese, empfand ich die Parallelgeschichte als zu langatmig. Dennoch ist die Idee gut umgesetzt und zeigt, was für eine Kraft im Erzählen steckt.

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