Ein Coming-of-Age-Roman
PrepCurtis Sittenfelds Roman „Prep“ erzählt die Geschichte der 14-jährigen Lee Fiora, die dank eines Stipendiums das Eliteinternat „Ault“ in Boston besuchen darf. Lee findet sich plötzlich in einer Welt wieder, ...
Curtis Sittenfelds Roman „Prep“ erzählt die Geschichte der 14-jährigen Lee Fiora, die dank eines Stipendiums das Eliteinternat „Ault“ in Boston besuchen darf. Lee findet sich plötzlich in einer Welt wieder, die von Reichtum, Selbstbewusstsein und sozialen Codes geprägt ist, die ihr völlig fremd sind. Als Mädchen aus einfachen Verhältnissen fühlt sie sich unter ihren wohlhabenden Mitschülerinnen und Mitschülern oft fehl am Platz und isoliert.
Im Fokus des Romans steht Lees intensive Gefühls- und Gedankenwelt. Lee ist im Inneren sehr unsicher und ängstlich, beobachtet ihre Umgebung ständig und versucht verzweifelt, ihren Platz in dieser neuen sozialen Ordnung zu finden. Gerade diese Selbstzweifel und ihr starkes Bedürfnis dazuzugehören machen sie zu einer glaubwürdigen Figur. Sittenfeld gelingt eine authentische Figurenzeichnung, die typische Wünsche, Unsicherheiten und sozialen Ängste von Jugendlichen einfängt. Der Roman beschreibt ehrlich, wie stark Klassenunterschiede das Selbstbild prägen können und wie schwierig es sein kann, in einer neuen Umgebung Freundschaften zu schließen. Trotz ihrer Unsicherheit findet Lee schließlich eine wichtige Bezugsperson. Ihre Mitschülerin Martha wird zu ihrer engsten Freundin.
„Prep“ ist ein klassischer Coming-of-Age-Roman, der die Entwicklung einer Jugendlichen über mehrere Jahre begleitet. Gerade junge Leserinnen und Leser dürften sich in Lees Unsicherheiten gut wiederfinden. Aus heutiger Perspektive bin ich allerdings nicht mehr ganz die Zielgruppe des Buches. Als Jugendliche hätte mir der Roman sicher noch besser gefallen.
Ein Kritikpunkt ist die Länge. Mit fast 600 Seiten wirkt die Handlung stellenweise sehr langatmig. Da der Roman stark auf innere Beobachtungen und weniger auf äußere Ereignisse setzt, bleibt die Spannung manchmal gering. Für die kleinen High-school-Dramen ist der Roman, meiner Meinung nach, etwas zu lang.
Insgesamt ist „Prep“ dennoch ein ehrliches und fein beobachtetes Buch über Selbstzweifel, soziale Unterschiede und das Erwachsenwerden. Trotz einiger Längen überzeugt der Roman durch seine authentische Darstellung jugendlicher Gedanken und Gefühle.