Profilbild von mrsbeee

mrsbeee

Lesejury Profi
offline

mrsbeee ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit mrsbeee über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.07.2026

Aus Schwestern werden Rivalinnen

Maja & Natascha
0


„Maja und Natascha“ von Elyse Durham erzählt die Geschichte zweier Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein könnten und dennoch ihr Leben lang miteinander verbunden bleiben. Ihr Leben beginnt ...


„Maja und Natascha“ von Elyse Durham erzählt die Geschichte zweier Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein könnten und dennoch ihr Leben lang miteinander verbunden bleiben. Ihr Leben beginnt unter denkbar schweren Umständen.1941 werden sie während der Blockade Leningrads geboren. Ihre Mutter, eine Ballerina, nimmt sich das Leben. Trotzdem treten beide in ihre Fußstapfen und verfolgen denselben Traum am berühmten Kirow-Ballett zu tanzen. Doch am Ende ist nur Platz für eine von ihnen.

Besonders mochte ich, wie eindringlich die Leidenschaft der beiden für das Ballett beschrieben wird. Es ist für sie weit mehr als nur Tanz. Es gibt ihrem Leben Halt, verlangt ihnen aber auch alles ab. Sie trainieren bis an ihre Grenzen, nehmen Schmerzen und Entbehrungen in Kauf und ordnen diesem einen Traum alles unter. Gerade dieser Zwiespalt hat mir gut gefallen, nämlich dass das Ballett ihnen einerseits Hoffnung und Perspektive schenkt, anderseits nimmt es ihnen Leichtigkeit und Freiheit. Die Welt des sowjetischen Elite-Balletts wirkt dabei faszinierend und erschreckend zugleich.

Auch die Verbindung zwischen der persönlichen Geschichte und den historischen Ereignissen ist der Autorin gut gelungen. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges zeigt sie, wie sehr das sowjetische Regime das Leben der Menschen kontrollierte und sie für politische Interessen instrumentalisierte. Der Druck von außen treibt die Schwestern immer weiter auseinander.

Der Roman hat für mich zwischendurch etwas den Schwung verloren. Die vielen Rückblicke und Gedanken haben die Geschichte immer wieder unterbrochen, sodass sie sich an manchen Stellen etwas gezogen hat. Dazu kam die durchgehend schwere Stimmung. Natürlich passt sie zur Geschichte. Auf Dauer war mir die düstere Stimmung etwas zu präsent.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2026

Ein witziger Comicroman über die schlimmsten Haustiere der Welt

Worst Pets Ever – Eingesperrt!
0

Mein Sohn hat den ersten Band der neuen Reihe „Worst Pets Ever“ schon sehnsüchtig erwartet, nachdem er die „Worst Week Ever“-Bücher rund um Justin Chase innerhalb kürzester Zeit verschlungen hatte. Dort ...

Mein Sohn hat den ersten Band der neuen Reihe „Worst Pets Ever“ schon sehnsüchtig erwartet, nachdem er die „Worst Week Ever“-Bücher rund um Justin Chase innerhalb kürzester Zeit verschlungen hatte. Dort spielten die drei tierischen Chaoten Bitzi, Brutus und Käpt‘n Flauschbär bereits eine wichtige Rolle. Nun stehen sie endlich selbst im Mittelpunkt.

Die Geschichte dreht sich um die drei Haustiere, die aufgrund ihrer zahlreichen Vergehen in eine Erziehungsanstalt gebracht werden. Doch natürlich sorgen Käpt‘n Flauschbär, Bitzi und Brutus auch dort für jede Menge Chaos, Streiche und turbulente Abenteuer. Besonders Käpt’n Flauschbär mit seiner ständig schlechten Laune hat es meinem Sohn angetan.

Am lustigsten fand er die Szene mit Trainer Travis, den Käpt‘n Flauschbär quer durch den Sportraum jagt. Dass sich Trainer Travis im Laufband verheddert und schließlich nur noch in einer Herzchen-Unterhose dasteht, hat ihn zum Lachen gebracht. Auch dass er ständig über Stock und Stein und sogar über Pipi stolpert ist besonders witzig erzählt.

Der Comicroman überzeugt mit der abwechslungsreichen Typografie und den vielen Illustrationen. Die Geschichte ist witzig erzählt und durch den einfachen Schreibstil sowie den geringen Textanteil besonders für Erstleser oder Lesemuffel geeignet. Mein Sohn ist zwar ein Vielleser und hat das Buch an einem Nachmittag beendet, hatte dabei aber trotzdem großen Spaß.

Besonders gut gefallen haben uns die Extras am Ende des Buches, wie das Tutorial „Wie man Brutus zeichnet“ und die Bastelidee.

Schade allerdings, dass der Comicroman recht kurz ist (118 Seiten).

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.06.2026

Eine sommerliche Liebesgeschichte

Kein Sommer ohne August
0

Eigentlich bin ich nicht die typische Zielgruppe für Liebesromane, dennoch klang die Geschichte von „Kein Sommer ohne August“ so vielversprechend, dass ich dem Buch eine Chance geben wollte. Und was soll ...

Eigentlich bin ich nicht die typische Zielgruppe für Liebesromane, dennoch klang die Geschichte von „Kein Sommer ohne August“ so vielversprechend, dass ich dem Buch eine Chance geben wollte. Und was soll ich sagen? Es ist ein gefühlvoller Sommerroman, der für einige schöne und entspannte Lesestunden sorgt.

Im Mittelpunkt stehen Charlie und August, die seit Kindheitstagen eng befreundet waren, jedoch seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr haben. Dass zwischen ihnen etwas vorgefallen ist, wird von Beginn an angedeutet und sorgt für einen gelungenen Spannungsbogen. Charlie hat damals Hals über Kopf ihre Heimat verlassen und ist nach New York geflohen. Natürlich möchte ich als Leserin unbedingt erfahren, was passiert ist. Dieser Teil der Geschichte wird sehr gut erzählt.

Nach zehn Jahren kehrt Charlie zurück in ihre Heimat, nachdem sie Mollys Buchhandlung geerbt hat. Molly ist Augusts Großmutter und ihre Buchhandlung wurde für Charlie und August ein Zufluchtsort.

Molly als Figur hat mit sehr gefallen. Sie ist warmherzig, mitfühlend und besitzt die besondere Gabe, das Beste in anderen Menschen zu erkennen. Ihre Buchhandlung wird zu einem Wohlfühlort, den man sich mit der gemütlichen Leseecke und den vielen Büchern wunderbar vorstellen kann.

Generell hat mir das Setting gefallen. Die gemeinsame Liebe von Charlie und August zu Büchern war für mich sogar einer der schönsten Aspekte des Romans und hat mich mehr angesprochen als die eigentliche Liebesgeschichte.

Die Lovestory selbst ist nett erzählt und folgt dem beliebten Friends-to-Lovers-Motiv. Allerdings war vieles recht vorhersehbar. Vor allem August wirkte auf mich stellenweise etwas überzogen. Seine bedingungslose Liebe zu Charlie erschien fast zu perfekt. Ähnlich ging es mir mit seiner Ex-Partnerin June, die sich außergewöhnlich selbstlos darüber freut, dass August am Ende mit seiner Kindheitsfreundin zusammenfindet. Das wirkte auf mich nicht ganz glaubwürdig.

Zudem hatte die Handlung zwischendurch einige Längen. Charlie und August standen sich gefühlt ständig selbst im Weg, wodurch sich manche Passagen gezogen haben.

Wer gefühlvolle Sommerromane, Friends-to-Lovers-Geschichten und Geschichten rund um Buchhandlungen liebt, wird mit diesem Roman vermutlich viel Freude haben. Manchmal braucht es einfach Geschichten, die das Herz wärmen und mit sommerlichem Setting bezaubern.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.06.2026

Eine futuristische Dystopie

Die unendliche Sehnsucht der Haushaltsgeräte
0

Das Cover und der Klappentext von „Die unendliche Sehnsucht der Haushaltsgeräte“ von Glenn Dixon lassen eine warmherzige Geschichte vermuten. Tatsächlich entwickelt sich der Roman jedoch in eine ganz andere ...

Das Cover und der Klappentext von „Die unendliche Sehnsucht der Haushaltsgeräte“ von Glenn Dixon lassen eine warmherzige Geschichte vermuten. Tatsächlich entwickelt sich der Roman jedoch in eine ganz andere Richtung. Die Geschichte entpuppt sich als dystopische Zukunftsvision, die sich mit den Gefahren einer von künstlicher Intelligenz dominierten Gesellschaft auseinandersetzt.

Dixon zeichnet ein Smart Home der nahen Zukunft, in dem sämtliche Haushaltsgeräte miteinander vernetzt und an das sogenannte „Raster“ angeschlossen sind. Das „Raster“ ist ein System, das längst die Kontrolle über nahezu alle Bereiche des menschlichen Lebens übernommen hat. Die Geräte sind perfekt auf die Gewohnheiten ihrer Besitzer abgestimmt, bestellen Lebensmittel nach, überwachen Gesundheitsdaten oder erledigen den Haushalt. Was zunächst bequem und effizient erscheint, entwickelt sich zunehmend zu einem Schreckensszenario völliger Abhängigkeit.

Im Mittelpunkt stehen das ältere Ehepaar Edie und Harold, deren Alltag von der allgegenwärtigen Technik bestimmt wird. Daneben werden auch die Haushaltsgeräte selbst zu Protagonisten. Besonders interessant ist dabei die Vermenschlichung der Geräte, die miteinander kommunizieren und Entscheidungen treffen. Besonders Harolds Smartwatch verdeutlicht, wie sehr die Kontrolle bereits an die Technik abgegeben wurde.

Sehr gelungen fand ich die Fragen, die der Roman aufwirft: Wie weit darf Technologie gehen? Ab wann wird künstliche Intelligenz von einer Hilfe zu einem Problem? Haben „wir“ die möglichen Konsequenzen einer vollständig digitalisierten und überwachten Gesellschaft wirklich durchdacht? Die Parallelen zu George Orwells 1984 sind dabei unverkennbar. Das „Raster“ erinnert an eine moderne Form totaler Überwachung, die Freiheit und Selbstbestimmung zunehmend einschränkt.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Bedeutung von Musik und Literatur. Glenn Dixon hebt ihre Rolle als Ausdruck menschlicher Individualität hervor. Bücher und Musik stehen symbolisch für das, was Menschen von Maschinen unterscheidet, auch wenn die KI selbst diese Bereiche zunehmend vereinnahmen möchte.

Trotz der spannenden Grundidee hätte ich mir an vielen Stellen mehr Tiefe gewünscht. Einige interessante Aspekte werden nur angerissen. Besonders die Dissidenten, die sich dem System widersetzen, bleiben zu blass. Auch die Figur Kate hätte deutlich mehr Raum verdient. Zwar erfährt man, dass sie als junges Mädchen nach einem Fehler weggeschickt wurde, doch die Hintergründe werden nie vollständig aufgeklärt. Hier bleiben einige Fragen offen, die ich gerne beantwortet gesehen hätte.

Insgesamt bietet der Roman eine interessante und durchaus aktuelle Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz, Überwachung und gesellschaftlicher Kontrolle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.06.2026

Chaotische Familienstrukturen

Chaos
0

Der Titel „Chaos“ trifft den Roman sehr gut. Schon zu Beginn kam mir die Erzählstruktur äußerst chaotisch vor und mehr als einmal dachte ich, wie passend dieser Titel gewählt ist. Es hat einige Zeit gedauert, ...

Der Titel „Chaos“ trifft den Roman sehr gut. Schon zu Beginn kam mir die Erzählstruktur äußerst chaotisch vor und mehr als einmal dachte ich, wie passend dieser Titel gewählt ist. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich die verschiedenen Erzählebenen richtig erfassen konnte, da die Handlung ohne klare Struktur zwischen Rückblicken und gegenwärtigen Ereignissen wechselt. Möglicherweise ist dieses Stilmittel bewusst eingesetzt worden, um das chaotische Leben der Protagonistin Hedda widerzuspiegeln.

Im Mittelpunkt steht die junge Hedda, deren Lebensgeschichte zeigt, wie stark Kindheitserfahrungen das spätere Erwachsenenleben prägen können. Sie wächst in einer wohlhabenden, aber emotional problematischen Familie auf. Geld scheint in ihrer Familie wichtiger zu sein als zwischenmenschliche Werte. Der Besitz einer Privatinsel wird fast selbstverständlich betrachtet. Hedda lernt dadurch kaum, wie man Beziehungen aufbaut oder Empathie entwickelt. Diese Defizite begleiten sie bis ins Erwachsenenalter.

Auch ihr späteres Leben verläuft chaotisch. Sie scheitert an ihrer Masterarbeit und eine Fehlgeburt wirft sie völlig aus der Bahn. Ihre finanzielle Probleme zeigen, dass sie, ähnlich wie ihr Vater, keinen gesunden Umgang mit Geld entwickelt hat. Besonders die Darstellung der familiären Prägungen fand ich interessant und nachvollziehbar.

Schwieriger fand ich jedoch den Zugang zu den Figuren. Fast alle Charaktere blieben für mich auf Distanz. Hedda selbst wirkte oft emotionslos und wenig empathisch, während ihr Vater mit seinem Größenwahn teilweise geradezu krankhafte Züge zeigt. Lediglich der Großvater brachte etwas Wärme und Menschlichkeit in die Geschichte.

Insgesamt bietet Chaos interessante Gedanken über familiäre Prägungen und die Folgen einer dysfunktionalen Kindheit.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Thema