Es gibt Traumata, die niemals vergessen werden
Die Mutter der Ich-Erzählerin Ruth war die jüngere Schwester eines talentierten Jungen. Sie litt sehr darunter, dass ihr Bruder bei der Mutter stets an erster Stelle stand. Ihr Vater wollte einer verfolgten ...
Die Mutter der Ich-Erzählerin Ruth war die jüngere Schwester eines talentierten Jungen. Sie litt sehr darunter, dass ihr Bruder bei der Mutter stets an erster Stelle stand. Ihr Vater wollte einer verfolgten jüdischen Familie helfen und landete im KZ. Als er zurück kam, war er ein gebrochener Mann. Er erhängte sich auf der Toilette eines Krankenhauses. Vorher erwartete er von seiner Tochter, dass sie ihn vor seinen Verfolgern beschützt. Die gab es allerdings nur in seiner Fantasie.
Nach dem Tod der Mutter fährt die Tochter mit zwei Urnen in die Heimat von Mutter und Großmutter. Das hat sie ihnen versprochen. Sie sollen im Grab ihres toten Sohnes und Bruders beigesetzt werden. Auf dem Weg nach Litauen denkt Ruth an die Zeit ihrer Kindheit zurück. Für sie galt es, etliche Hürden zu überwinden. Wie gut ihr das gelang, zeigt ihre Laufbahn bis zum heutigen Tag.
Die Erzählung wechselt von den Ereignissen während der Fahrt nach Litauen und den Erinnerungen an die Kindheit der Autorin. Die Zeitsprünge sind nicht immer klar und dadurch wird das Lesen zuweilen anstrengend. Was mich aber beeindruckte, das war die Stärke des Kindes. Wie sie ihrer Mutter half und sich stets gegen das Auseinanderbrechen der Familie wehrte. Ein lesenswerter Roman, der sehr gut die Spätfolgen von Traumata darstellt.