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Veröffentlicht am 28.08.2025

Berührende Fürsorge in unmenschlichen Zeiten

Wir sehen uns wieder am Meer
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‘Wir sehen uns wieder am Meer‘ ist der letzte und abschließende Teil einer Trilogie von Trude Teige, in der Junis auf den Spuren vergangener Zeit unterwegs ist, um mehr über ihre familiären Wurzeln zu ...

‘Wir sehen uns wieder am Meer‘ ist der letzte und abschließende Teil einer Trilogie von Trude Teige, in der Junis auf den Spuren vergangener Zeit unterwegs ist, um mehr über ihre familiären Wurzeln zu erfahren und dabei die drei lebenslang verbundenen Freundinnen Birgit, Thekla und Anneliese näher kennenlernt. Yara Blümel spricht sehr akzentuiert und mit angenehmer Stimme das Hörbuch.
Birgit hat sich als Krankenschwester ausbilden lassen und geht nach dem schmerzlichen Tod ihres russischen Freundes von Oslo in den Norden des Landes, um dort in einem Krankenhaus zu helfen, menschliches Leid zu lindern und um ihrer Einsamkeit zu entfliehen. Norwegen ist zu dieser Zeit mitten im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten besetzt. Unweit ihrer Arbeitsstätte befindet sich eine Fischverarbeitende Fabrik, in der Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen schuften müssen. In dem angrenzenden Lager sind die Lebensbedingungen unerträglich. Hinzu kommen unglaubliche Schikanen der Lageraufsicht. Birgit kann auf Grund ihrer russischen Sprachkenntnisse den Insassen kleine Vorteile verschaffen. Besonders mit der jungen Nadja aus der Ukraine freundet sie sich an. Mit Sascha, der aus Moskau stammt, verbindet sie ein sehr intimes Verhältnis. Ihre uneigennützige Hilfsbereitschaft bringt sie allerdings in eine lebensgefährliche Situation, als sie von den Nazis gefangen genommen wird. Jahre später arbeitet sie in der norwegischen Botschaft in Moskau. Hier gerät sie wiederum in arge Bedrängnis durch den KGB, als sie sich auf die Suche nach ihrer großen Liebe Sascha begibt.
Trude Teiges Schreibstil ist unaufgeregt, sehr fesselnd, weil sie in der Lage ist, historische Tatsachen unterhaltend darzustellen. Dabei gelingt es ihr die Charaktere lebendig und authentisch in die Geschichte einzubauen. Es ist ein Roman, der die verheerenden Zustände unter denen die Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg leiden mussten und die menschenverachtenden Lebensumstände unter der stalinistischen Herrschaft in der Sowjetunion schonungslos beschreibt.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Aufbegehren gegen das gesellschaftliche Korsett

Die Rheinreise
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Ann Schlee erzeugt in ihrem Roman ‘Die Rheinreise‘ eine Atmosphäre, die mich in das Zeitalter Königin Viktorias zurückversetzte. Die gesellschaftliche Rollenverteilung folgt einer strengen Vorgabe, in ...

Ann Schlee erzeugt in ihrem Roman ‘Die Rheinreise‘ eine Atmosphäre, die mich in das Zeitalter Königin Viktorias zurückversetzte. Die gesellschaftliche Rollenverteilung folgt einer strengen Vorgabe, in der keinerlei Abweichungen geduldet werden. Wer dient und wer sich bedienen lassen darf ist streng reglementiert. Stimmungsvoll entführt uns die Autorin in das Jahr 1851. Das Volk begehrt auf gegen die sich in zunehmendem Maße verschlechternden Lebensbedingungen. Ein nicht zu überhörender Schrei nach Befreiung aus den bourgeoisen Fesseln hallt durch Europa.
Doch man traut sich wieder zu reisen und so betreten der englische Reverend Charles Morrison mit seiner Frau Marion und der siebzehnjährigen Tochter Ellie in Koblenz einen Raddampfer, der die illustre Gesellschaft Richtung Köln befördert. Charlotte Morrison, die Schwester des Geistlichen wird eher als Dienstleistende anstatt eines Familienmitgliedes behandelt. Sie hat ihr Leben lang nicht aufbegehrt und sich den vorgeschriebenen Anweisungen zu einem ihr zugebilligten Lebenskonzept gefügt. Nun vererbt ihr ihr verstorbener Dienstherr ein hübsches Sümmchen Geld, welches sie befähigt in bescheidenen Verhältnissen unabhängig von jeglicher Bevormundung zu leben. Es gehörte Mut dazu, das gesellschaftliche Korsett abzulegen und sich auf eine unabhängige Zukunft einzulassen.
Ann Schlee schreibt feinfühlig, verleiht ihren Charakteren eine bewundernswerte Lebendigkeit. Den Zeitgeist fängt sie geschickt mit authentischen Dialogen und Gedankengängen ein. Sie legt große Sorgfalt in die landschaftlichen Beschreibungen, das Brodeln des Flusses. Man spürt beim Lesen förmlich die Aufbruchstimmung, die den inneren Druck unerfüllter menschlicher Bedürfnisse wiedergibt und richtungsweisend in eine neue Zeit der Befreiung führt.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Traumatische Begegnungen

Monstergott
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Ben und Esther sind Geschwister, die sich gut verstehen, gegenseitig aufeinander achten und immer füreinander da sind. Sie teilen sich ein Zuhause und leben in Wohngemeinschaft.
Seit frühester Jugend ...

Ben und Esther sind Geschwister, die sich gut verstehen, gegenseitig aufeinander achten und immer füreinander da sind. Sie teilen sich ein Zuhause und leben in Wohngemeinschaft.
Seit frühester Jugend werden sie, durch ihr Elternhaus forciert, mit den strengen Regeln eines allmächtigen Gottes konfrontiert, sind aktiver Teil einer strikt auf die Worte der Bibel ausgerichteten Glaubensgemeinschaft. Jeden Schmerz, den sie erleiden, versuchen sie durch Worte aus der Heiligen Schrift zu erklären. Wegweisend dabei ist ein äußerlich attraktiv erscheinender und modisch gekleideter Pfarrer, der seine Gemeinde sektenähnlich führt und begleitet. Seine Predigten gleichen einem inszenierten musikbegleitendem Spektakel mit strengen Worten der Mahnung zur Abkehr jeglicher Verfehlungen im Alltag, die den religiösen Vorstellungen ihres Gottvaters widersprechen. Gesellschaftliche Freiheiten werden als abscheuliche Sünde gewertet. Dieser Konflikt zwischen dem Arbeitsalltag mit freiheitlich denkenden und handelnden Menschen und den mentalen Einschränkungen im privaten Lebensbereich führt zu traumatischen Belastungen und schreit nach Emanzipation.
Caroline Schmitt setzt den Fokus in ‘Monstergott‘ auf religiös abhängige Menschen, die in ihrem Gedankengut und ihren Handlungen stark eingeschränkt werden und einen inneren, erbitterten Seelenkampf austragen. Ihre Sprache ist klar, mitunter eigenwillig mit schnell wechselnden Gedanken und szenischen Darstellungen, aber immer ehrlich und sogleich schonungslos ansprechend. Sie zeigt deutlich die Verletzlichkeit der menschlichen Persönlichkeit in ihrem Drang nach unabhängiger Entwicklung.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Interessantes Wissen aus dem Mittelalter

Hildegards Schatzkiste
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Maria R. Kaiser beschäftigt sich nach eigener Aussage schon viele Jahre mit der Kloster- und Kräuterfrau Hildegard von Bingen, die im Mittelalter lebte und ihr Wissen um die heilende Kraft von Pflanzen ...

Maria R. Kaiser beschäftigt sich nach eigener Aussage schon viele Jahre mit der Kloster- und Kräuterfrau Hildegard von Bingen, die im Mittelalter lebte und ihr Wissen um die heilende Kraft von Pflanzen schriftlich festgehalten hat. Diese uralten Dokumente sind noch heute ein Quell von Interessantem und Wissenswertem aus dem Mittelalter.
Die Autorin stellt in ‘Hildegards Schatzkiste – Kräuterwissen, Rezepte und Heilsames für die Seele‘ mit Unterstützung des Herder Verlages auf sehr unterhaltsame Weise einerseits das Leben und Wirken dieser berühmten Frau, die im Mittelalter lebte, einer Zeit, in der die Wissenschaft noch in den Kinderschuhen steckte und die Heilmethoden nur sehr rudimentär vorhanden waren, in den Mittelpunkt und beschenkt den Leser andererseits mit erstaunlichen Einblicken in die Verwendung von heimischen Pflanzen und deren Wirkung auf den menschlichen Organismus aber auch auf den seelischen Zustand.
Ich finde es immer wieder höchst Interessant wie sich Stück für Stück unser Wissensvorrat vermehrt, ergänzt wird durch neue Sichtweisen und gerade uralte Erkenntnisse, die im Laufe der Zeit aus dem Fokus verschwanden, mit neuen wissenschaftlichen Untersuchungen gepaart in unserer modernen Zeit ihre Renaissance erleben.
Dieses kleine Büchlein, ideal als Geschenk, vermittelt dem interessierten Leser nicht nur faszinierende Einblicke in die Welt vor vielen hundert Jahren, sondern liefert auch Rezepturen zum Nachmachen und Genießen.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Fesselnde Familiengeschichten

Die Freiheit so weit
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Theresa Kern stellt in ihrem Roman ‘Die Freiheit so weit‘, dem zweiten Teil einer Dilogie nach ‘Der Unendlichkeit so nah‘, starke Frauen in den Mittelpunkt. Frauen, die aus den verschiedensten Gründen ...

Theresa Kern stellt in ihrem Roman ‘Die Freiheit so weit‘, dem zweiten Teil einer Dilogie nach ‘Der Unendlichkeit so nah‘, starke Frauen in den Mittelpunkt. Frauen, die aus den verschiedensten Gründen in ihrem Leben nicht immer alles richtig gemacht haben, die Einsicht zeigten und sich mutig zu ihren Fehlern bekannten, die allerdings auch in schwierigen Zeiten ihren, wenn auch steinigen Weg gingen, sich gegen Vorurteile und bösartiges Gerede wussten zur Wehr zu setzen.
Es ist die Geschichte von zwei Freundinnen, die sich in den Wirren des ersten Weltkrieges aus den Augen verloren, einerseits aus Scham vor unverzeihlichen Geschehnissen und andererseits, weil ein Ozean sie trennte. Marie und Susanna durchlebten schwere Zeiten und mussten beide um ihre Liebe kämpfen, gegen den Widerstand der Familien des Partners.
Jahrzehnte später wird es Emma sein, die Urenkelin von Susanna, die ihren Traum eines Tages als Astronautin in den weiten Sphären des Weltraums tätig zu sein, verfolgt, auf den Spuren der Vergangenheit wandelt und so manches Geheimnis lüftet. Während Emma sich selbst quälender Fragen stellt, bangt sie um die Zukunft mit ihrer großen Liebe Elias, der nach einem schweren Verkehrsunfall in seiner Heimat Hawaii sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat.
Theresa Kern beweist ihr schriftstellerisches Talent einmal mehr mit dieser fesselnden, über mehrere Generationen zweier Familien erzählten Geschichte, die immer wieder Spannung ins Geschehen bringt durch die aus unterschiedlichen Sichten der Protagonisten sich abwechselnden Erzählstränge. Dabei werden die sich wandelnden Charaktere durch äußere Einflüsse der Lebensumstände, aus meiner Sicht, nachvollziehbar und sehr gelungen in Szene gesetzt.
Wer gern auf den Spuren alter Familiengeheimisse unterwegs ist, dabei blendend unterhalten werden möchte und sich damit in den Sog einer spannenden, berührenden Story begibt, der ist hier bestens aufgehoben.

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