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Veröffentlicht am 18.09.2024

Unfassbares Beziehungschaos

Die schönste Version
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Jella und Yannick sind ein junges Paar, leben in einer gemeinsamen Wohnung, lieben sich und sind in der Anfangsphase ihrer Beziehung aufmerksam zueinander. Eines Tages beginnen kleine Eifersuchtsszenen ...

Jella und Yannick sind ein junges Paar, leben in einer gemeinsamen Wohnung, lieben sich und sind in der Anfangsphase ihrer Beziehung aufmerksam zueinander. Eines Tages beginnen kleine Eifersuchtsszenen seitens Yannick die Harmonie zu stören, die immer heftiger artikuliert ausgetragen werden. Jella nimmt kein Blatt vor den Mund, ist durch ihre Art provozierend. Die verbalen Auseinandersetzungen enden stets in heftigen körperlichen Versöhnungen – Sex. Die Spirale der gegenseitigen Verletzungen schraubt sich nach oben und es kommt zu körperlicher Gewalt im häuslichen Bereich, die Jella bei der Polizei anzeigt.
Rückblickend berichtet die Protagonistin wie sie Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts in einer kleinen Provinzstadt aufwuchs und das vorherrschende Frauenbild bediente, ihren Körper und damit auch sich selbst missbrauchen ließ, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Sehr fein und detailliert arbeitet die Autorin Ruth-Maria Thomas in ihrem Roman 'Die schönste Version' die Charaktere aus, die Wünsche und Sehnsüchte, die Gedankengänge und Gefühle, die inneren Kämpfe ihrer Ich-Erzählerin Jella. Sie webt ein Bild, das sehr stark von Emotionen geprägt ist, wo Worte fein und pointiert eingesetzt werden. Die vulgäre Sprache ihrer Protagonistin hat mich irritiert, ist aber ein Stilmittel das Extreme zu verdeutlichen.
Ich kann diesen Roman, der auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2024 steht, sehr gern empfehlen.

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Veröffentlicht am 18.09.2024

Lebensgeschichten, die nicht vergessen werden dürfen

Lichtungen
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Dieser Roman -Lichtungen- von Iris Wolff hat mich von der ersten Seite an begeistert. Er ist in seinem Aufbau ungewöhnlich gestaltet, denn die Autorin setzt uns Leser bereits zu Beginn ihrer Geschichte ...

Dieser Roman -Lichtungen- von Iris Wolff hat mich von der ersten Seite an begeistert. Er ist in seinem Aufbau ungewöhnlich gestaltet, denn die Autorin setzt uns Leser bereits zu Beginn ihrer Geschichte über die aktuelle Lebenssituation der beiden Schulfreunde Lev und Kato in Kenntnis. Er, Lev, besucht Kato in Zürich als er eine Ansichtskarte von ihr mit den Worten "Wann kommst du endlich?" erhält. Lev und Kato sind im diktatorisch regierten Ceausescu Regime, in Rumänien, aufgewachsen. Während Kato den Spitzelstaat bereits in sehr jungen Jahren verlässt und ihr Glück anderswo in der Welt sucht, bleibt Lev der rumänischen Heimat, einem kleinen Dorf, verhaftet und sucht dort seinen Weg als Waldarbeiter. Die beiden Außenseiter der Schulgemeinschaft verband eine Freundschaft, die in den pubertären Jahren einseitig von Lev als weitaus mehr gedeutet wurde. Nun trifft er seine große Liebe wieder und er will sich erinnern, erzählen von vergangener Zeit. Doch Katos Interesse in Erinnerungen zu schwelgen, ist nicht gegeben.
Die Autorin scheibt sehr einfühlsam, mit starken Worten Lebensgeschichten, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Für sie sind Erinnerungen über die Zeit verstreut wie Lichtungen. Der immerwährende Konflikt im Vielvölkerstaat zog sich hinein bis in die kleinste Zelle des Landes, die Familie, und zermürbte die Seelen der Menschen, die ein großes Bedürfnis nach Freiheit und Ungezwungenheit verspürten.
Ein wunderbarer Roman mit Herz und viel Verstand geschrieben zur Freude für uns Lesende.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Ein Stück chinesische Geschichte

Briefe aus Taipeh
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In der Graphic Novel 'Briefe aus Taipeh' berichtet der Autor Fish Wu über seine Familiengeschichte, die auf drei Generationen zurückblickt. In den neunzehnhundertvierziger Jahren tobte in China eine Revolution, ...

In der Graphic Novel 'Briefe aus Taipeh' berichtet der Autor Fish Wu über seine Familiengeschichte, die auf drei Generationen zurückblickt. In den neunzehnhundertvierziger Jahren tobte in China eine Revolution, die den privaten Landbesitz reformieren und in Gemeineigentum umwandeln sollte. Sein Urgroßvater und dessen Bruder, beide Intellektuelle, stellen sich diesen neuen Herren und ihren revolutionären kommunistischen Ideen entgegen, haben mit Repressalien zu kämpfen. Ein Bruder sucht sein Glück im fernen Taiwan. Der andere bleibt mit der Familie zurück in der Heimat.
Wie es den Familienmitgliedern bis zum Wiedersehen ergeht, wird in Bild und Text sehr anschaulich und ergreifend dargestellt. Ein Stück chinesische Geschichte zeigt wieviel Mut und Durchhaltevermögen notwendig war, um die harten Zeiten zu überstehen.
Wer mag und vor allem in der Lage ist, kann den Text wahlweise in deutscher Sprache oder in chinesisch verfolgen.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Der etwas andere Kriminalroman

Das Haus in dem Gudelia stirbt
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Die Bewohner von Unterlingen haben ihre Häuser und Wohnungen verlassen, als eine verheerende Flutkatastrophe im Jahre 2024 über die kleine Ortschaft hinwegrollt. Doch die einundachtzigjährige Gudelia bleibt ...

Die Bewohner von Unterlingen haben ihre Häuser und Wohnungen verlassen, als eine verheerende Flutkatastrophe im Jahre 2024 über die kleine Ortschaft hinwegrollt. Doch die einundachtzigjährige Gudelia bleibt in ihren vier Wänden, arrangiert sich mit den Unannehmlichkeiten wie Stromausfall, Einstellung der Frischwasserversorgung und dem Nahrungsmangel, trotzt den Gefahren der Naturkatastrophe. Niemals würde sie ihr vertrautes, geliebtes Zuhause verlassen. Aber warum? Mit Schicksalsschlägen hatte sie gelernt umzugehen, ihnen zu trotzen als 1984 ihr geliebter Sohn ums Leben kam und 1998 ihr Mann sie verlies.
Sprachlich wunderbar ausgearbeitet schafft es Thomas Knüwer in seinem Debüt 'Das Haus in dem Gudelia stirbt' eine unheimliche Atmosphäre von Trauer und Enttäuschung zu schaffen, in der die Protagonistin und Ich-Erzählerin Gudelia charakterlich facettenreich brilliert. Spannend unterhält uns der Autor in seinem kurzen, prägnanten Sprachstil, der Sogwirkung besitzt und Spannung bis zur letzten Seite aufrechterhält.
Lesevergnügen ist garantiert, ebenso wie die Vorfreude auf nachfolgende Kriminalromane.

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Veröffentlicht am 16.09.2024

Das große Geschenk: Leben mit seinen Herausforderungen

9 Grad
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Elli Kolb präsentiert mit '9 Grad' ihren Debütroman, der sich mit einer Vielzahl von Herausforderungen in unserem modernen Alltag beschäftigt, die ernsthafte gesundheitliche Problem darstellen. Sie zeichnet ...

Elli Kolb präsentiert mit '9 Grad' ihren Debütroman, der sich mit einer Vielzahl von Herausforderungen in unserem modernen Alltag beschäftigt, die ernsthafte gesundheitliche Problem darstellen. Sie zeichnet eine Geschichte um die drei Freunde Josie, Rena und Anton, die im Alter von Ende zwanzig sind und mit schwerwiegenden Themen wie Essstörungen, vermindertes Selbstwertgefühl, Nahtoderfahrungen, Depressionen, Angst vor dem Outing zu kämpfen haben. Während die schwer kranke Rena immer passende Örtlichkeiten aussucht, um ihre Probleme den Freunden schön verpackt mitzuteilen, machen die beiden Frauen erste Erfahrungen mit dem Eisbaden. Für Josie entwickelt sich dieses Erlebnis zu einer Sucht von gefährlichem Ausmaß, bei dem Lee, ihr depressiver Freund, Schlimmeres verhindern kann.
Der Roman lässt uns eintauchen in eine vielschichtige Welt junger Erwachsener, die auf der Suche nach Erfüllung in ihrem Leben sind, den Sinn in unterschiedlichen Bereichen finden mit sehr differenten Vorstellungen von Glück und Zufriedenheit. Nachdenklich, mitunter sprachlos darüber, welche Probleme das Schicksal bereithält, lässt die Geschichte mich in Gedanken versunken zum Wert des Geschenks Leben zurück.

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