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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2026

Amália muss sich behaupten

Die Hoffnung, die uns trägt
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‘Die Hoffnung, die uns trägt‘, geschrieben von Kerstin Lange, ist der zweite und abschließende Teil eines Fortsetzungsomans, der völlig unabhängig von der vorangegangenen Geschichte gelesen werden kann. ...

‘Die Hoffnung, die uns trägt‘, geschrieben von Kerstin Lange, ist der zweite und abschließende Teil eines Fortsetzungsomans, der völlig unabhängig von der vorangegangenen Geschichte gelesen werden kann. Natürlich komplettiert sich ein fantastisches Gesamtbild, wenn auch der Vorgänger gelesen wurde oder noch wird. Der Roman ist fesselnd und berührend zugleich und bietet lebensnahe Einblicke in die dunkle Vergangenheit Portugals.
Angesiedelt in den beginnenden sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wird der Leser bekannt gemacht mit Amália, einer jungen Frau, die mit ihrer Familie in ärmlichen Verhältnissen im Stadtteil Alfama von Lissabon aufwächst. Mit gerade einmal siebzehn Jahren stirbt ihr zehn Jahre jüngerer Bruder Pedro und das schwache Gefüge zwischen den Eltern und ihr zerbricht. Völlig allein auf sich gestellt, findet sie durch ihre nahbare, liebenswürdige Art Arbeit in einem Café, deren Inhaber ihr Kost und Logie gewähren. Doch das Glück eine glückliche Zukunft gefunden zu haben, währt nicht lange. Immer wieder muss sie neu beginnen, sich ihr Leben aufzubauen. Die politischen Verhältnisse des Salazar-Regimes bringen sie in der Sorge um ihren Freund Marcelo in arge Bedrängnis.
Die Autorin setzt sich mit Themen wie Armut, Verzweiflung aber auch mit dem Mut im Kampf für politische Veränderung menschenverachtenden Strukturen einzutreten, dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Liebe intensiv auseinander. Ihr schriftstellerisches Talent schafft authentische Settings und Charaktere, sorgt für unterhaltendes Lesevergnügen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2026

Lebenskampf

Der Schrein der Könige
13

Nicolaus von Verdun beherrscht sein Handwerk der Goldschmiedekunst wie kein anderer zu jener Zeit des ausklingenden 12. Jahrhunderts und des beginnenden 13. Jahrhunderts. Die in Mailand eroberten Gebeine ...

Nicolaus von Verdun beherrscht sein Handwerk der Goldschmiedekunst wie kein anderer zu jener Zeit des ausklingenden 12. Jahrhunderts und des beginnenden 13. Jahrhunderts. Die in Mailand eroberten Gebeine der Heiligen Drei Könige sollen im Kölner Dom in einen prunkvollen Schrein aufbewahrt werden, um die Pilger anzulocken, die der Stadt zu Ansehen aber auch zu weiterem Reichtum verhelfen sollen. Nicolaus wird mit diesem Auftrag betraut, obwohl er nicht in dieser Stadt beheimatet ist. Das sorgt für Neid und Missgunst unter den einheimischen Goldschmieden, gegen deren Widerstand er sich zur Wehr setzen muss, um für seine Kinder und sich ein neues Heim zu schaffen. Es erfordert sehr viel Kraft und mentale Stärke sich gegen diese ablehnende Haltung der Bruderschaft zu behaupten und dem über die Jahre immer wieder sich verändernden Willen der kirchlichen und weltlichen Macht zu gehorchen, ohne seine künstlerischen Ambitionen ganz und gar aufzugeben.
Die Differenzen mit seinem ältesten Sohn Louis, den es in die Welt hinaus und in den Kampf zieht, anstatt die Werkstatt seines Vaters eines Tages zu übernehmen, bringen Nicolaus in arge Bedrängnis. Anne und Bastien, seine beiden anderen Kinder, hingegen sind der Sonnenschein im Kampf seines Lebens.
Sabine Weiss liefert mit ihrem Historischen Roman ‘Der Schrein der Könige‘ eine fesselnde, lebendige Fiktion rund um die Entstehung des Dreikönigsschreins im Kölner Dom, die das Leben und Wirken der Menschen jener Zeit authentisch wiedergibt. Ihre bildhafte Sprache lässt den Leser tief eintauchen in das Geschehen. Hilfreich für ein tieferes Verständnis der Geschichte sind das vorangestellte Personenregister, ein Glossar als auch historische Anmerkungen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
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  • Thema
Veröffentlicht am 09.03.2026

Geld, Macht und Rock ‘n Roll

Die Reise ans Ende der Geschichte
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In seinem exzentrischen Roman ‘Die Reise ans Ende der Geschichte‘ legt Kristof Magnusson den Finger in die schmerzliche Wunde menschlicher Unvernunft.
Anfang der Neunzigerjahre mit der Auflösung der gesellschaftlichen ...

In seinem exzentrischen Roman ‘Die Reise ans Ende der Geschichte‘ legt Kristof Magnusson den Finger in die schmerzliche Wunde menschlicher Unvernunft.
Anfang der Neunzigerjahre mit der Auflösung der gesellschaftlichen und politischen Strukturen des Völkerbundes Sowjetunion setzt ein erbitterter Kampf um die Neuverteilung materieller Ressourcen ein. Das Zeitalter der Oligarchen ist angebrochen. Der Kalte Krieg zwischen den politischen Ausrichtungen kommunistischer Träume und Marktwirtschaft scheint zu Gunsten der westlichen Gesellschaftsformen entscheiden worden zu sein. Das Spiel der Spione und Agenten der Geheimdienste hat einen gefährlichen, herausfordernden Punkt der Neuorientierung erreicht. Verunsicherung bleibt da nicht aus. Doch das Ziel ist klar. Es geht immer nur um Geld, Macht und Rock ‘n Roll.
Die Absurdität menschlicher Gier, ihre unglaublichen Ausmaße zum persönlichen Vorteil ausgebaut, beschreibt der Autor mit einer großen Portion Humor, indem er langgediente Geheimdienstler mit einem abenteuerlustigen, in gewisser Weise auch naiven Poeten anzuerkennender Erfolge bei seinen Lesern, ins Spiel bringt, der die alte Garde durch seine humanistischen Überlegungen aufmischt. Hier darf sich jeder seine ganz eigene Meinung bilden, ob Idealismus als eine Wunschvorstellung oder knallharte Kalkulation einer bevorzugten Wertevorstellung zum Tragen kommen.
Kristof Magnusson vermag es, mit Witz und Verstand die großen Herausforderungen unserer Zeit auf unterhaltsame Weise mit konstruktiven Denkanstößen darzustellen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.03.2026

Schmerzhafte Gefühle

Melken
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Ellen, die Protagonistin des Debütromans ‘melken‘ der schwedischen Schriftstellerin Sanna Samuelsson, hat Liebeskummer. Die Trennung von ihrer Freundin Diana macht ihr schwer zu schaffen. Eigentlich weiß ...

Ellen, die Protagonistin des Debütromans ‘melken‘ der schwedischen Schriftstellerin Sanna Samuelsson, hat Liebeskummer. Die Trennung von ihrer Freundin Diana macht ihr schwer zu schaffen. Eigentlich weiß sie gar nicht, ob es überhaupt einer Trennung ist und trotzdem sucht sie Trost in ihrem alten Zuhause fernab der Großstadt auf einem Bauernhof ohne Adresse, der längst kein Bauernhof mehr ist. Der Schlüssel zum Haus liegt noch immer da, wo er immer lag und so betritt Ellen das Elternhaus, das längst von einer anderen Familie bewohnt wird. Ihre Kindheitserinnerungen wirken heilend aber auch schmerzhaft zugleich. Sie stellt sich die Frage, ob die Veränderungen in ihrem Leben, die sie sich doch so sehnlichst gewünscht hatte, richtig waren.
Die Autorin setzt sich in ihrer Geschichte mit den Gefühlen einer jungen Frau auseinander, die die Bodenhaftung verloren hat, sich in einer Identitätskrise befindet und Trost in der Vergangenheit sucht. Dabei werden Bilder einer heilen Welt unbeschwerten Tage lebendig, die nicht wiederkehren werden. Die Schilderungen der Gegenwart sind lebendig und wirken dennoch im Verhalten der jungen Frau unwirklich, wirklichkeitsfremd.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.03.2026

Herausfordernde Jugendjahre

Das Ende vom Lied
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Michael Widenhain zeichnet in seinem Roman ‘Das Ende von Lied‘ das Bild einer Stadt, die es heute so nicht mehr gibt. Der zwölfjährige Ich-Erzähler, dessen Namen wir nicht erfahren, berichtet darüber, ...

Michael Widenhain zeichnet in seinem Roman ‘Das Ende von Lied‘ das Bild einer Stadt, die es heute so nicht mehr gibt. Der zwölfjährige Ich-Erzähler, dessen Namen wir nicht erfahren, berichtet darüber, welche Erfahrungen er Ende der neunzehnhundertsechziger Jahre in Berlin-Schöneberg gemacht hat. Wir begleiten ihn über nahezu zwei ereignisreiche und turbulente Jahre mannigfaltiger Herausforderungen.
Mit dem Umzug der Familie in die Belziger Straße macht der Protagonist die Bekanntschaft mit Mitgliedern von Straßenbanden, die alles andere als zimperlich untereinander umgehen. Er selbst begeistert sich für die schulischen Aufgaben, die er spielend meistert, liest viel, sieht jedoch die Bedrohung, die von seinem neuen Umfeld ausgeht und meldet sich in einem Boxclub an. Ausdauer und ein eiserner Wille verhelfen ihm, sich im Alltag den Anfeindungen zu stellen und sich eine gewisse Art von Respekt zu verschaffen.
In der Geschichte werden sehr viele Themen wie Kriegstraumata, familiäre Spannungen, außereheliche Verhältnisse, gesellschaftliche und politische Ereignisse, Gewalt, erste Liebe, um nur einige zu nennen, angesprochen aber nicht in jedem Fall abschließend ausgeführt. Die Handlung wird zum größten Teil durch die Betrachtungen des Jungen wiedergegeben. Die Beschreibungen des Settings sind bildhaft gehalten. Der temporäre Verlauf ist nicht linear. Zeitliche Sprünge erfordern ein äußerst konzentriertes Lesen, um im Geschehen zu bleiben und dem sprachlich anspruchsvollen Text in different gewählten Stilformen zu folgen. Schockierend und verwirrend sind die dargestellten derben Gewaltszenen unter den Jugendlichen.

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  • Handlung
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