Cover-Bild Melken
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23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Hanser, Carl
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Seelenleben
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 160
  • Ersterscheinung: 17.03.2026
  • ISBN: 9783446284845
Sanna Samuelsson

Melken

Roman
Stefan Pluschkat (Übersetzer)

Eine der aufregendsten neuen Stimmen aus Schweden: »Sanna Samuelssons zärtliche Geschichte über Zugehörigkeit – was für ein Debüt.« Svenska Dagbladet

Als ihre Freundin Diana sich von ihr trennt, setzt Ellen sich kurzerhand ins Auto und fährt raus aus der Stadt, auf den Hof, auf dem sie aufgewachsen ist. Es ist Sommer, die neuen Besitzer scheinen verreist, doch der Schlüssel ist im selben Versteck wie früher. Ellen verschafft sich Zutritt zum Haus, streift umher, legt sich in ihr altes Zimmer – und bleibt. Wer sagt eigentlich, dass dieser Ort nicht mehr ihr gehört? Die Kühe sind verkauft, aber sie schmeckt die Milch wie damals, der Mistgeruch hängt ihr in der Nase, sie spürt die Wärme der Tierkörper. Dann taucht Max auf, der Freund aus Kindertagen, der nie weggezogen ist. Das Debüt einer der aufregendsten neuen Stimmen aus Schweden: Wer ist man, wenn es die Welt, aus der man kommt, nicht mehr gibt?

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Heimat, die unter die Haut geht!

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„Melken“ hat mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel erwischt. Die bildhafte Sprache malte den Hof, die Tiere und die raue Natur so plastisch vor mein inneres Auge, dass ich den Kuhmist gerochen, den Wind ...

„Melken“ hat mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel erwischt. Die bildhafte Sprache malte den Hof, die Tiere und die raue Natur so plastisch vor mein inneres Auge, dass ich den Kuhmist gerochen, den Wind auf der Haut gespürt und das Muhen der Kühe gehört habe. Als Frau vom Dorf, die in Berlin lebt, traf mich das mitten ins Herz. Jede Szene schleuderte mich zurück in meine eigene Kindheit, in diese schmutzige, echte Heimat mit ihren Gerüchen, Geräuschen und harten Wahrheiten, die ich manchmal vermisse und manchmal verdränge.

Das Buch lag Montagmorgen in meinem Briefkasten. Bei dem schönen Frühlingswetter habe ich mich mit einer Decke auf den Balkon gekuschelt und es in gerade mal zwei Tagen durchgelesen. So kurz, aber so unglaublich kraftvoll. Wie Heimat und Identität hier verwoben sind, fühlt sich für mich absolut gelungen an. Nicht diese heile Welt, sondern ehrlich, widersprüchlich, voller Biss. Es weckt in mir eine Sehnsucht nach meinen Wurzeln, die gleichzeitig tröstet und herausfordert.

Die queeren Elemente machen es für mich besonders besonders. Sie durchbrechen die starre Dorftradition mit so viel sensibler, mutiger Offenheit. Diese Identitätssuche mitten im Melkstall, zwischen Kühen und Feldern, mitten unter den Alten, die alles vorgeben. Das ist feministisch und queer auf eine Weise, die mich tief berührt. Es zeigt, dass man auch auf dem Land frei sein kann, sich selbst finden kann, trotz allen Normen und Blicken. Dieses Buch geht mir richtig unter die Haut und hallt lange nach. Jeder, der Heimat neu fühlen will, braucht „Melken“ jetzt sofort.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Ein stiller Besuch in der eigenen Vergangenheit

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Manchmal sind es Orte, die einen nicht loslassen. In "Melken" kehrt Ellen nach einer Trennung an den Hof zurück, auf dem sie als Kind aufgewachsen ist. Eigentlich gehört er längst anderen Menschen ...

Manchmal sind es Orte, die einen nicht loslassen. In "Melken" kehrt Ellen nach einer Trennung an den Hof zurück, auf dem sie als Kind aufgewachsen ist. Eigentlich gehört er längst anderen Menschen und vieles ist verändert. Trotzdem bleibt sie dort, läuft durch die Räume, schläft in ihrem alten Zimmer und lässt die Vergangenheit Stück für Stück wieder auftauchen.
Der Roman erzählt weniger eine klassische Geschichte als eine innere Bewegung. Erinnerungen an das Leben auf dem Hof mischen sich mit der Gegenwart. Kühe, Stallarbeit, Gerüche, Landschaft. Alles wirkt sehr körperlich und unmittelbar beschrieben. Man merkt schnell, dass hier keine romantische Landidylle gemeint ist, sondern ein Alltag, der genauso hart wie prägend war.
Der Schreibstil ist auffällig reduziert. Viele Gedanken bleiben nur angedeutet und manches erschließt sich erst zwischen den Zeilen. Das macht das Buch interessant, aber auch nicht immer ganz leicht zu lesen. Gerade die Übergänge zwischen Erinnerungen und Gegenwart haben mich gelegentlich kurz aus dem Rhythmus gebracht.
Trotzdem entsteht eine starke Stimmung. Es geht viel um Herkunft und um die Frage, wie sehr ein Ort einen Menschen formt, selbst wenn man ihn längst verlassen hat. Gleichzeitig zeigt der Roman auch, wie fremd ein vertrauter Platz werden kann, wenn Zeit vergangen ist und sich das eigene Leben verändert hat.
Mich hat das Buch nicht in jeder Passage komplett abgeholt. Einige Stellen wirkten etwas sprunghaft und ich brauchte manchmal einen Moment, um wieder hineinzufinden. Gleichzeitig hat die Geschichte etwas Eigenes, das im Kopf bleibt.
Für mich ein ungewöhnliches Debüt, das eher von Atmosphäre und Gedanken lebt als von Handlung. Nicht ganz leicht zugänglich, aber definitiv interessant zu lesen.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Wo früher Kühe standen

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Sanna Samuelssons Debütroman verbindet Erinnerungen an eine Kindheit auf dem Bauernhof mit der stillen Gegenwart eines Ortes, der seine ursprüngliche Funktion verloren hat. Ellen, die Tochter eines Bauern, ...

Sanna Samuelssons Debütroman verbindet Erinnerungen an eine Kindheit auf dem Bauernhof mit der stillen Gegenwart eines Ortes, der seine ursprüngliche Funktion verloren hat. Ellen, die Tochter eines Bauern, kehrt während der Ferien spontan auf den Hof zurück, auf dem sie aufgewachsen ist. Die neuen Besitzer sind verreist, der Schlüssel liegt noch immer unter dem Topf – und so betritt sie einen Ort, der gleichzeitig vertraut und fremd geworden ist.
Der Hof ist inzwischen zur eleganten Villa umgebaut: Die Weide ist leer, die Scheune verschlossen, und aus ehemaligen Stallmaterialien sind Designobjekte geworden. Ellen richtet sich in ihrem alten Kinderzimmer ein, trinkt den Kaffee der neuen Bewohner und bleibt länger, als geplant. Während sie durch Räume und Erinnerungen streift, tauchen Bilder ihrer Kindheit auf – von harter Arbeit, Nähe zu den Tieren und einem Leben, das untrennbar mit dem Hof verbunden war.
Der Roman erzählt von der Entfremdung zwischen Land und Stadt, Vergangenheit und Gegenwart. Ellen schämte sich früher für den Geruch von Mist in ihrer Kleidung und musste das Dorf einst mit ihren Eltern verlassen. Zwar brachte die Stadt ihr Freiheit, aber weder Ruhe noch Orientierung. Als sie zurückkehrt, stellt sich jedoch die Frage, ob es überhaupt noch etwas gibt, zu dem man wirklich zurückfinden kann.
Samuelsson beschreibt das Landleben ohne Nostalgie. Sie zeigt sowohl die harte Arbeit der Bauern als auch die ambivalenten Seiten der Tierhaltung. Immer wieder blitzen auch agrarpolitische Hintergründe auf, die zeigen, warum solche Höfe verschwinden. Gleichzeitig überrascht der Text mit ungewöhnlichen, manchmal bissig-humorvollen Bildern: Gedanken über Kühe, Menschen und sogar Darmflora werden zu eigenwilligen Vergleichen über Nähe, Prägung und Identität.
Am Ende wirkt Ellens Aufenthalt wie ein stiller Heilungsprozess – und wie ein verspäteter Abschied von einer Lebensform, die langsam verschwindet.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Anderer Bauernhofroman

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Der Roman „Melken“ beginnt mit einer originellen Ausgangssituation: Nach der Trennung von ihrer Freundin fährt Ellen zurück auf den Bauernhof, auf dem sie zwischen Milchkühen aufgewachsen ist. Die neuen ...

Der Roman „Melken“ beginnt mit einer originellen Ausgangssituation: Nach der Trennung von ihrer Freundin fährt Ellen zurück auf den Bauernhof, auf dem sie zwischen Milchkühen aufgewachsen ist. Die neuen Besitzer sind verreist, der Schlüssel liegt noch an seinem alten Platz. Aus einem kurzen Besuch wird ein längerer Aufenthalt, bei dem sie versucht sowohl den Verkauf des Bauernhofs in ihrer Jugend als auch die Trennung zu verarbeiten.

Schon ab den ersten Seiten hat mir der Roman sehr gut gefallen. Die Anfahrt aufs Land und die Eindrücke des Hofs sind dicht beschrieben. Dadurch wird schnell spürbar, wie sehr Ellen noch mit diesem Ort verbunden ist. Zwischen den Szenen in der Gegenwart tauchen immer wieder kurze Rückblicke auf Ellens Kindheit auf dem Hof auf, die ich besonders interessant fand, da ich wenig über die Milchwirtschaft wusste.

Für mich war „Melken“ ein origineller „Bauernhofroman“, der sich deutlich von romantisierenden Landgeschichten unterscheidet. Statt Nostalgie steht eher die Frage im Mittelpunkt, was von einem Herkunftsort bleibt, wenn sich das Leben in Schweden längst in eine andere Richtung bewegt hat. Man sollte allerdings auch Freude an ungewöhnlichen Fakten zu Milchkühen und Natur auf dem Land haben, die immer wieder eingestreut werden.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Sehr nachdenklich!

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Ellen flieht, nachdem sich ihre Freundin von ihr getrennt hat, zurück ins Dorf ihrer Kindheit. Dort nistet sie sich in ihrem Elternhaus ein, dass schon lange anderen gehört, die gerade auf Urlaub sind. ...

Ellen flieht, nachdem sich ihre Freundin von ihr getrennt hat, zurück ins Dorf ihrer Kindheit. Dort nistet sie sich in ihrem Elternhaus ein, dass schon lange anderen gehört, die gerade auf Urlaub sind.

Die Tage fließen für sie mit Gedanken an ihre Kindheit und ihre jetzige Situation einfach so dahin. Auch ihr Freund aus Kindertagen Max ist wieder im Ort und die beiden nähern sich etwas an.

Die Autorin lässt uns in ihrem Debütroman an dem harten Leben der Milchbauern in Schweden teilhaben und da ist nichts so richtig wie in „Bullerbü“. Ellen hat zwar ihre freie Kindheit als Einzelkind auf dem Hof, in Wiesen und auf Feldern genossen, aber genauso gesehen, dass ihre Eltern von morgens bis abends schuften mussten, ihre Mutter in ihrer Rolle feststeckte, und ihre eigene Stigmatisierung als unkultiviert und stinkend in der Schule ertragen müssen.

Die Eltern mussten den Hof wegen der Herzkrankheit des Vaters schließlich aufgeben und so ist Ellen in der Stadt gelandet, aber auch dort „Arbeitstier“ geblieben.

Im Wechsel der Erzählzeit von „Jetzt“ zu „Früher“ und zurück lässt uns die Autorin auch mit zahlreichen Metaphern in ruhigem Erzähltempo sehr nah an Ellens Gefühlsleben teilhaben. Sie kann nicht so richtig aus ihrer alten Haut, fühlt sich nicht wie sie selber und kämpft mit ihrer selbst empfundenen Gefühlszurückhaltung, dem Sich-nicht-fallenlassen-können.

Trotzdem sucht sie nach ihren Wurzeln, verstanden werden und Geborgenheit, die sie in der Stadt bisher nicht gefunden hat, aber auch hier im Dorf ihrer Kindheit und bei Max nicht findet, weil sie sich bei sich selber auch noch nicht gefunden hat.

So lässt die Geschichte konsequenterweise am Ende offen, wie es für sie weitergehen wird, als sie wieder in die Stadt zurückfährt, gezwungenermaßen, weil die Urlauber zurückkommen.

Sie blickt auf der Rückfahrt über die Felder und Wälder. „In meinem Körper spürte ich die Steine, die ich hätte wegschaffen können, aber die Zeit hatte nicht gereicht. Genug Steine für vier Jahre. Land wird vererbt, aber auch die Steine. (S. 157)“

Ein sehr nachdenklich machendes Buch!

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