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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.06.2026

Die Geschichte Chinas

Fliegt, Wilde Schwäne
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„Fliegt, wilde Schwäne“ ist bereits der zweite Roman der Autorin Jung Chang. Ihren großen Erfolg „Wilde Schwäne“ schrieb sie bereits vor 40 Jahren.

Ihr aktueller Roman ist ein autobiographisches Werk, ...

„Fliegt, wilde Schwäne“ ist bereits der zweite Roman der Autorin Jung Chang. Ihren großen Erfolg „Wilde Schwäne“ schrieb sie bereits vor 40 Jahren.

Ihr aktueller Roman ist ein autobiographisches Werk, indem sie ihre Kindheit in China unter Mao und ihre Auswanderung und weiteres Leben in Großbritannien beschreibt. Den engen Kontakt zu ihrer alten Heimat und ihrer zurückgebliebenen Familie hat sie dabei nie verloren. Und so erfährt man in ihrem Buch nicht nur ihr eigenes Schicksal und das ihrer Verwandten, sondern auch eine breite Ausführung der jüngeren chinesischen Geschichte, von Mao bis zum Aufstieg des heutigen Chinas zu einer globalen Macht.

Das Buch ist in einer äußerst sachlichen und schlichten Sprache gehalten, was ich bemerkenswert angesichts der geschilderten Erlebnisse finde. Teilweise wirkt diese Sprache sehr distanzierend und eher wie aus einem Sachbuch. Trotzdem fühlt man sich von den vielen Schicksalsschlägen, dem entbehrungsreichen Leben der Familie, aber auch der großartigen Leistungen von Jung Chang sehr betroffen.

Die Bilder im Mittelteil des Buches geben einen noch besseren Eindruck in das Leben der Autorin. Die Karte Chinas auf den Klappeninnenseiten vermitteln einen guten Einblick über das Riesenreich. Das Cover ist genauso schlicht gehalten wie der Text im Innenteil. Mit der Farbgebung und den Schwänen passt es aber sehr gut zu dem Buch.

Insgesamt gibt das Buch einen guten Einblick über die jüngere Geschichte Chinas und dessen Einwohner. Es besticht weniger durch sprachliche Brillanz als durch den Inhalt des Geschriebenen und ist aufgrund seiner reichen geschichtlichen Schilderungen empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 15.06.2026

Ein Denkmal für die Frauen

Das Mosaik der Frauen
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Rafik Schami erzählt in seinem Roman „Das Mosaik der Frauen“ über Nadim Suri, dessen Leben von so einigen beeindruckenden Frauen geprägt ist. Sein Weg und damit seine Bekanntschaften führen ihn von Syrien ...

Rafik Schami erzählt in seinem Roman „Das Mosaik der Frauen“ über Nadim Suri, dessen Leben von so einigen beeindruckenden Frauen geprägt ist. Sein Weg und damit seine Bekanntschaften führen ihn von Syrien über Umwege bis nach Deutschland und er blickt auf ein langes Leben zurück.

Ich denke, dass der Roman in großen Teilen von den eigenen Erfahrungen und Erlebnissen des Autors erzählen. Die Lebenswege der beiden gleichen sich in vielen Details und so werden auch die beschriebenen Frauen Personen entsprechen, die Rafik Schami in seinem Leben selbst begegnet ist. Ich finde es eine interessante und nette Geste den eigenen Werdegang im Lichte des Einflusses der vielen Frauen darzustellen, die das Leben des Autors geprägt und beeinflusst haben und ihnen damit ein Denkmal zu setzten.

Aber nicht nur die Frauen spielen in diesem Werk eine große Rolle, sondern auch die Erzählungen landestypischer Gegebenheiten oder politischer Ereignisse rund um seine syrische Heimat; und vor allem speziell die christliche Gemeinschaft in Syrien.

Das Cover mit dem orientalischen Ornament passt gut zur Heimat des Autors und ist mal ganz anders gestaltet als die seiner bisherigen Romane die eher in farbenfrohen und fantasievollen Stil gezeichnet sind.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

"Wem gehört ein Ort?"

Melken
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Ellen wuchs auf einem Bauernhof auf. Doch ihre Familie ist schon lange weggezogen und hat den Hof verkauft. Nach der Trennung von ihrer Freundin empfindet Ellen jedoch so große Sehnsucht nach ihrem alten ...

Ellen wuchs auf einem Bauernhof auf. Doch ihre Familie ist schon lange weggezogen und hat den Hof verkauft. Nach der Trennung von ihrer Freundin empfindet Ellen jedoch so große Sehnsucht nach ihrem alten Leben, dass sie kurzerhand auf den Hof fährt. Die neuen Besitzer sind verreist, doch der Schlüssel liegt in seinem angestammten Versteck.

Und so verschafft sich Ellen Zutritt zu ihrem alten Zuhause. Alles sieht ganz anders aus, ist anders eingerichtet und die Kühe, ein ehemals elementarer Bestandteil des Hofes, sind weg. Ellen legt sich in ein Bett, benutzt die Toilette und schwelgt immer mehr in ihren Erinnerungen. Die heimliche Inbesitznahme des alten Hofs wird auch nicht unterbrochen, als Max, ein ehemaliger Schulfreund und Nachbar, der sich während der Abwesenheit um den Hof kümmert, die Anwesenheit Ellens bemerkt.

Der gesamte Roman besteht größtenteils aus Erinnerungen. Die Handlung ist wenig spektakulär, sondern beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Gefühlswelt von Ellen. Eine melancholische Stimmung liegt über dem gesamten Roman. Kurze Kapitel mit kurzen Gedankengängen prägen den Schreibstil. Es bleibt viel Raum für eigene Gedanken. Auch insgesamt ist das Buch mit etwas mehr als 150 Seiten sehr knappgehalten.

Ich konnte mich sehr gut in die Protagonistin hineinversetzten. Ein altes Zuhause kann tiefe Gefühle hervorrufen. Ein Ort kann für den einen so viel bedeuten und für den anderen gar nichts. In diesem Zusammenhang fand ich folgende Überlegung Ellens besonders aussagekräftig: „Wem gehört ein Ort? Die mit dem nötigen Geld oder, denjenigen die geschuftet haben…?

Das Cover des Romans mit dem Ausschnitt eines Gesichts und den Milchflecken ist genauso besonders wie der Inhalt des Buches. Mir hat der Roman gut gefallen und ich kann ihn nur weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Konnte mich nicht überzeugen

Die Geister von La Spezia
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Mary Shellys Mann ist bei einer Schiffsreise ums Leben gekommen. Angeblich war es ein Unfall. Doch der Vater des Verstorbenen verdächtig Mary des Mordes. Die Privatermittlerin und übernatürlich begabte ...

Mary Shellys Mann ist bei einer Schiffsreise ums Leben gekommen. Angeblich war es ein Unfall. Doch der Vater des Verstorbenen verdächtig Mary des Mordes. Die Privatermittlerin und übernatürlich begabte Pat soll den Fall aufklären.

In dem Roman werden wahre historische Begebenheiten und Fantasie miteinander verwoben. Leider ist dem Autor dies aus meiner Sicht nicht besonders gut gelungen. Gleich im Teil ein, nach Abschluss der Rahmenhandlung werden eine Vielzahl von Personen eingeführt, von denen man nicht weiß wer sie sind. Dieses Kapitel war sehr undurchsichtig und anstrengen. Ab dem zweiten Kapitel wird die Handlung dann wieder etwas übersichtlicher, bis dahin muss man sich aber erst mal durchquälen. Sehr seltsam kam mir auch Gus vor, der durch verschiedene Tiere spricht sowie das alternative Ich. Auch dass Pat in den Erinnerungen Marys wie eine ganz normale Person in der Handlung teilnimmt, obwohl sie ursprünglich doch gar nicht dabei war, ist merkwürdig.

Insgesamt kam mir die ganze Handlung sehr konstruiert, stellenweise auch schwer verständlich und langatmig vor. Aus dem Potenzial der Geschichte hätte man sicher mehr machen können. Leider konnte mich der Roman aber nicht wirklich überzeugen. Das Cover hat mir hingegen gut gefallen, anhand des Titelbildes hätte ich mir einen spannenden Abenteuerroman vorgestellt.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Reise durch die Zeit

Das White Octopus Hotel
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Eve Shaw leidet unter einem schrecklichen Ereignis, das sich in ihrer frühesten Kindheit zugetragen hat. Sie ließ an ihrer Geburtstagsfeier das Tor offenstehen, so dass ihre kleine Schwester auf die Straße ...

Eve Shaw leidet unter einem schrecklichen Ereignis, das sich in ihrer frühesten Kindheit zugetragen hat. Sie ließ an ihrer Geburtstagsfeier das Tor offenstehen, so dass ihre kleine Schwester auf die Straße rannte und überfahren wurde. In der Folge zerbrach ihre heile Familie und somit ihre ganze Welt. Die Mutter gab ihr die Schuld und konnte ihr nie verzeihen.

Als Erwachsene besitzt Eve ein Tattoo mit einem Octopus, der sich auf magische Weise über ihren Körper bewegen kann und Tinte absondert. Außerdem bewundert Eve die Musik des früheren Komponisten Max Everly. Als plötzlich ein alter Herr auftaucht, der verblüffende Ähnlichkeit mit dem Musiker aus dem letzten Jahrhundert hat, beginnt ein spannendes Abenteuer zu einem abgelegenen Hotel in der Schweitzer Alpen und durch die Zeiten.

Der Roman ist zwar nicht besonders tiefgründig aber durchaus unterhaltsam und spannend. Gut gefallen hat mir die fantasievolle Einarbeitung des Octopusthemas. Auch das Cover ist sehr schön gestaltet.

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