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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2023

In einigen Aspekten nicht überzeugend

Das Chaos eines Augenblicks
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Evie und Scarlett sind nicht nur beste Freundinnen, sondern Scarlett ist für Evie auch ein sehr starker Halt im Alltag, seit sie die Diagnose MS bekommen hat. Doch nach einem Streit der beiden wird Scarlett ...

Evie und Scarlett sind nicht nur beste Freundinnen, sondern Scarlett ist für Evie auch ein sehr starker Halt im Alltag, seit sie die Diagnose MS bekommen hat. Doch nach einem Streit der beiden wird Scarlett bei einem Unfall tödlich verletzt und wird ganz plötzlich aus Evies Leben gerissen. Sie kann sich gar nicht vorstellen, wie sie nun ohne Scarlett weiterleben soll. Doch dann tritt Nate in ihr Leben - Nate, der Mann, dem Scarlett zur Hilfe eilte und in der Situaion sie dann tödlich verunglückte. Bald schon merkt Evie, dass Nate mehr als nur ein Mitschuldiger am Unfall für sie ist.

Becky Hunter schreibt flüssig und ich mochte den Ansatz der wechselnden Perspektiven. Einerseits erzählt Evie davon, wie sie Scarlett vermisst, wie sie ihren Alltag bestreitet, von ihrer Krankheit und den Treffen mit Nate. Andererseits wird aus Scarletts Perspektive, quasi in der Gegenwart beobachtet, bewertet und kommentiert, was Evie macht. Es ist also, als wäre Scarlett noch als Geist bei Evie, würde jeden ihrer Schritte sehen und sich dazu äußern. Dabei werden Rückblenden eingefügt.

Die Idee, dass eine Freundin stirbt und die andere in den kommenden Wochen noch begleitet, gefiel mir gut. Die Figurenentwicklung, gerade was Evie und ihre Krankheit angeht, und die Darstellung der Krankheit und Evies Umgang sowie den Umgang von Nate und den anderen Figuren fand ich jedoch nicht sonderlich glaubwürdig. Das wurde mir zu oberflächlich behandelt. Einerseits kann Evie ganz viel nicht machen und andererseits "versucht sie es dann einfach", sobald sie jemand bekräftigt oder aufmuntert und zack, kann sie die Dinge fast problemlos vollbringen. Bei allem, was ich über MS weiß, würde ich das bezweifeln.

Netter Roman, hätte in einigen Aspekten besser verarbeitet werden können.

Veröffentlicht am 30.11.2023

Ein schwächeres Buch von Arno Strobel

Der Trip – Du hast dich frei gefühlt. Bis er dich fand.
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Evelyn Jancke ist forensische Psychologin, hat jedoch privat einiges zu verarbeiten, was ihr anzumerken ist. Denn vor zwei Jahren verschwanden ihr Bruder Fabian und dessen Frau bei einem Urlaub mit dem ...

Evelyn Jancke ist forensische Psychologin, hat jedoch privat einiges zu verarbeiten, was ihr anzumerken ist. Denn vor zwei Jahren verschwanden ihr Bruder Fabian und dessen Frau bei einem Urlaub mit dem Wohnmobil in Frankreich spurlos. Nun wird sie als Unterstützung zu einer Mordserie gerufen, bei der ein Täter scheinbar wahllos Menschen auf Campingplätzen tötet. Als Evelyn das Phantombild sieht, stockt ihr der Atem: Zu stark ist die Ähnlichkeit mit ihrem verschwundenen Bruder Fabian.

Arno Strobel und seine Thriller stehen für mich für einen straffen Spannungsbogen, undurchschaubare Figuren und überrschende Wendepunkte. Diese Ewartungen wurden in "Der Trip" leider nur teilweise erfüllt.
Arno Strobel schreibt gewohnt flüssig, die Kapitel sind kurz und animieren zu schnellem Lesen. Den Anfang, die Schilderungen über Fabians Erlebnisse kurz vor seinem Verschwinden, emfpand ich noch als sehr spannend. Als Evelyn sich jedoch immer mehr darauf konzentriert, den Täter vor der Polizei zu finden und dabei fast schon wie im Wahn agiert, hat Arno Strobel mich etwas verloren. Zu konstruiert und zu langatmig waren mir einige Parts im Mittelteil. Was die Figuren angeht, sollten falsche Fährten gelegt werden, mich konnte Strobel damit jedoch auch nicht wirklich austricksen oder überraschen.
Das Ende war passend, da hatte ich mir jedoch mehr erwartet oder war auf eine andere Auflösung gefasst.

Alles in allem sicherlich ein gutes Buch für alle, die Arno Strobel gern lesen. Als Strobel-Einstiegslektüre würde ich "Der Trip" jedoch nicht unbedingt empfehlen.

Veröffentlicht am 26.11.2023

Absolute Empfehlung

Das Ende der Unsichtbarkeit
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Hami Nguyen kam als Kleinkind mit ihrer Mutter aus Vietnam nach Deutschland, wo ihr Vater als Vertragsarbeiter in der DDR arbeitete. In "Das Ende der Unsichtbarkeit" stellt sie die Grundlagen, Mechanismen ...

Hami Nguyen kam als Kleinkind mit ihrer Mutter aus Vietnam nach Deutschland, wo ihr Vater als Vertragsarbeiter in der DDR arbeitete. In "Das Ende der Unsichtbarkeit" stellt sie die Grundlagen, Mechanismen und Hintergründe des anti-asiatischen Rassismus in Deutschland dar - beispielhaft an ihrer eigenen Lebensgeschichte, in der Rassismus vor allem in enger Verbindung mit Klasse eine große Rolle spielt(e).

Beginnend mit den Erinnerungen aus ihrer Kindheit, der ständigen Angst der Eltern - und später auch ihrer eigenen - abgeschoben zu werden, den ständigen Besuchen bei der Ausländerbehörde, den Schikanen, das Abwarten, Ausharren und Bangen zeichnet Nguyen nicht nur die ersten Jahre ihrer Familie in Deutschland, sondern stellvertretend für fast alle Familien aus Vietnam, über die das Damoklesschwert der Abschiebung hing. Das Kindsein fiel ihr mit der Angst und den Ausgrenzugen, den rassistischen Bezeichnungen in der Schule und der immer spürbareren rassistischen und diskriminierenden Behandlung immer schwerer.

Hami Nguyen erzählt natürlich sehr persönlich, verbindet ihre Erinnerungen jedoch konstant mit den historischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen, baut die Ergebnisse von Studien und Statistiken in ihre Abhandlung mit ein. Ich kenne sie und ihren Aktivismus - wenn man ihre Arbeit so bezeichnen möchte/kann - bereits aus den sozialen Medien, weshalb ich sehr gespannt auf ihr Buch war. Darin erläutert sie unter anderem die Unterschiede zwischen Vertragsarbeiterinnen und Bootsflüchtlingen, geht unter anderem auf die Mechanismen des positiven Rassismus gegen Asiatinnen, die Generalisierung der Bezeichnung "Asiatin" und die Progrome in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda sowie daran anschließende Abschiebungen und weitere rassistische Anschläge ein.
Schnell wird deutlich, dass anti-asiatischer Rassismus bisher keinen breit gefächerten Platz in den Rassismus-Debatten hat, weil Vietnames
innen häufig als sehr angepasst wirken und daher eher untergehen, was bereits dem Buchtitel zu entnehmen ist.
Hami Nguyen vereint ihre persönliche Lebensgeschichten mit gebündelten Informationen, fundierten sozialen, politischen und wirtschaftlichen Hintergründen und Ereignissen und schafft so mit "Das Ende der Unsichtbarkeit" eine sehr zu emfpehlende Abhandlung über anti-asiatischen Rassismus. Meiner Einschätzung nach ist das Buch für jede*n sehr zu empfehlen und eigentlich schon Lesepflicht!

Veröffentlicht am 26.11.2023

Ergreifend mit starker Schlagkraft

Endstation Malma
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Alex Schulman erzählt in "Endstation Malma" von drei Menschen, die alle im Zug nach Malma sitzen und deren Geschichten eng miteinander verwoben sind. Seine Werke "Die Überlebenden" und "Verbrenn all meine ...

Alex Schulman erzählt in "Endstation Malma" von drei Menschen, die alle im Zug nach Malma sitzen und deren Geschichten eng miteinander verwoben sind. Seine Werke "Die Überlebenden" und "Verbrenn all meine Briefe" wurden in der Kritik gelobt, weshalb ich sehr neugierig auf Schulmans Figurenarbeit und seinen Schreibstil war.
Bereits im ersten Kapitel wird klar, dass Emotionen, unterdrückte Gefühle, Erinnerung und Schweigen eine große Rolle spielen. Dieser Eindruck verstärkte sich in den folgenden Kapiteln. Erzählt wird aus drei wechselnden Perspektiven und den verschiedenen Zeitebenen - aus Harriets, Oskars und Yanas Sicht, die noch nicht wissen, wie sehr ihre Leben miteinander in Beziehung stehen und voneinander abhängen. Auch die Leser*innen erfahren erst im Voranschreiten der Zugfahrt die Ereignisse und Entwicklungen der Brüche innerhalb der Familie. Schulman verdeutlicht anhand der Figuren, wie tief die erlebten Traumata sitzen, wie das Schweigen diese gefestigt und schließlich an die nächste Generation weitergegeben haben.

Ich war von der spürbaren Melancholie, der greifbaren Sprachlosigkeit und der starken Distanz der Figuren zueinander und teilweise auch zu sich selbst sehr überrascht. Schulman erzählt auf sehr emotionaler Ebene, ohne große Worte der emotionalen Ansprache zu verwenden. Harriet, Oskar und Yana sind so sorgfältig ausgearbeitet und spürbar dargestellt, dass das Gefühl für sie stetig steigt.

"Endstation Malma" ist ein ergreifender Roman, der sich exemplarisch mit Brüchen und Traumata innerhalb einer Familie auseinandersetzt und den es zu lesen lohnt!

Veröffentlicht am 26.11.2023

Fesselnder Fantasy-Horror

Das Nachthaus
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Jo Nesbø hat mit "Das Nachthaus" mal ein ganz anderes Buch geschrieben als seine Harry-Hole-Reihe, die ich von ihm kenne. Ich war zunächst überrascht, jedoch von der ersten Seite an gefesselt und wollte ...

Jo Nesbø hat mit "Das Nachthaus" mal ein ganz anderes Buch geschrieben als seine Harry-Hole-Reihe, die ich von ihm kenne. Ich war zunächst überrascht, jedoch von der ersten Seite an gefesselt und wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Nachdem seine Eltern bei einem Brand ums Leben gekommen sind, landet der 14-jährige Richard bei seinem Onkel und dessen Frau. Die bemühen sich sehr um ihn, damit er einen guten Start in der Kleinstadt Ballantyne hat. Besonders beliebt ist er in der Klasse jedoch nicht, er hat nur einen Freund, Tom. Tom, der bei einem gemeinsam verbrachten Nachmittag spurlos verschwindet. Da Richard zuletzt mit ihm auf der Brücke des reißenden Flusses gesehen wurde, ist er für die Polizei nicht nur hauptverdächtig, sondern der Schuldige. Dass Tom auf grausame Art durch den Hörer einer abgelegenen Telefonzelle gesaugt wurde, glaubt ihm niemand. Als dann ein zweiter Junge spurlos verschwindet, der zuletzt mit Richard zusammen war, gerät er verschärft erneut in den Blick der Polizei und Richard beginnt, sich selbst auf die Suche zu machen und stößt dabei auf das Nachthaus und schwarze Magie.

Ich mag Jo Nesbøs Schreibstil total gern, weil er sehr flüssig schreibt, von Beginn an Spannung aufbaut und mich mit überraschenden Wendungen und der Auflösung überrascht hat. Ich habe mir fortfährend die Frage gestellt, wie viel wir Richard glauben können und was damals passiert ist.
Die düstere Atmosphäre von Ballantyne, den Wald und den Fluss, wird sehr gut dargestellt.
"Das Nachthaus" verbindet die verschiedenen Elemente (Jugend)Roman, Horror und Mystik/Fantasy. Ich hatte Gänsehaut, mir lief ein Schauer über den Rücken und ich war gespannt und voller Neugier, war geradezu genauso gefesselt vom Nachthaus, wie Richard es war. Auch die anderen Figuren, allen voran Karen, mochte ich sehr gern.


Ein ganz anderes Buch von Jo Nesbø als seine bisher veröffentlichen Thriller, das mich an Stephen King erinnert hat. Eine absolute Empfehlung für alle, die für Horrorelemente offen sind.