Fremde Welt Westberlin – und die Sehnsucht nach der Liebe und dem Leben
Mit 13 Jahren ist der Junge in diesem Alter: Das Leben hängt schief in den Angeln, der Alltag gerät zum Schwelbrand, die erste Liebe überwältigt ihn und lässt die Tage beben. 1969 steht die Zeit in Westberlin vielerorts noch still, und doch ändert sich für den Jungen alles. Von dieser Zerrissenheit erzählt Michael Wildenhain in seinem Roman so virtuos und episch, wie es nur einer kann, der dabei war.
Weil der Vater eine neue Stelle antritt, muss auch der Sohn in die Belziger Straße ziehen, in eine Atmosphäre der Wut gegen die ganze Welt. Hier droht die von den Traumata des Krieges geprägte Familie – der versehrte Vater, die gezeichnete Mutter – zu zerfallen; dort lockt die Wirklichkeit der Straße, brutal und zärtlich, derb und schön, die den Jungen in eine Entscheidung von beträchtlicher Tragweite treibt. Was zählt: die Nähe zu Körschi, Bandenchef und bester Boxer der Belziger. Und Alina, die Angebetete, die Körschi als sein Eigentum betrachtet und von der der Junge dennoch nicht lassen kann. Manchmal, das erfährt er, musst du etwas riskieren, selten sogar das Leben.
»Das Ende vom Lied« erzählt von einem Westberlin jenseits der 68er Ereignisse, einer Stadt, wie es sie nie wieder geben wird, vom unstillbaren Durst nach der ungezähmten Realität und vom Licht, in dem wir träumen.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1969 in Westberlin und es geht um einen 13-jährigen Ich-Erzähler, dessen Leben schief in den Angeln hängt. Er muss in die Belziger Straße umziehen, weil sein Vater eine neue ...
Die Geschichte beginnt im Jahr 1969 in Westberlin und es geht um einen 13-jährigen Ich-Erzähler, dessen Leben schief in den Angeln hängt. Er muss in die Belziger Straße umziehen, weil sein Vater eine neue Stelle antritt. Seine Familie ist vom Krieg geprägt und die Beziehung der Eltern steckt in einer Krise. Er sucht die Nähe zu Körschi, der Bandenchef und bester Boxer der Belziger ist. Er verliebt sich allerdings in dessen Angebetete Alina und beginnt zu begreifen, dass man manchmal im Leben etwas riskieren muss.
Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Die Geschichte ist sehr anspruchsvoll, aber lehrreich und es lohnt sich dran zu bleiben. Bei mir hat einzig schon gereicht, dass Lady in Black von Uriah Heep öfter genannt wird. Das ist ein Lieblingssong von mir, den ich dann immer zum Lesen gehört habe und der passt auch wunderbar zur Geschichte. Deshalb gibt es von mir sehr gerne 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
In seinem Roman „Das Ende vom Lied“ lässt der Autor das Berlin der späten 1960er Jahre lebendig werden. Aus Sicht des 13jährigen, namenlosen Protagonisten nehmen wir als Leser teil an einem Leben, dass ...
In seinem Roman „Das Ende vom Lied“ lässt der Autor das Berlin der späten 1960er Jahre lebendig werden. Aus Sicht des 13jährigen, namenlosen Protagonisten nehmen wir als Leser teil an einem Leben, dass voller Tragik und Schrecken ist. Die Familie ist zerrüttet, die Eltern psychisch und physisch vom Krieg gezeichnet und traumatisiert. Der Junge lässt sich treiben und erlebt auf der Straße sowas wie Zusammengehörigkeit und Freud und Leid der ersten Liebe, aber auch viel rohe Gewalt.
Leider ist das Buch stilistisch teilweise eine Herausforderung und unfassbar schwer zu lesen. Insbesondere in der ersten Hälfte konnte ich inhaltlich einiges nicht erfassen, was mir erst durch meine Teilnahme an einer Leserunde bewusst wurde. Danach wurde es besser oder ich konnte mich daran gewöhnen.
Der Autor passt sich an die Personen an - so ist der Text teilweise sprunghaft, knapp und abgehackt. Teilweise rauh und obszön in der Sprache der Straße. Dann gibt es wieder Passagen, in denen lange, verschachtelte Sätze sowie anspruchsvolle, wenig bekannte Wörter/Begriffe es schwer machen zu folgen.
Darüber hinaus steckt das Buch voller Bezüge - zu Musik und Literatur aber auch zu historischen Persönlichkeiten, die zumindest mir als Kind der 1980er nicht alle geläufig sind.
So ist das Buch sicherlich sehr gut recherchiert, kreiert ein authentisches Bild der Zeit und erweckt einen intellektuellen Anspruch, erfordert aber auch einiges an Wissen, um alles durchblicken zu können.
Es ist kein Buch für Zwischendurch und erfordert viel Aufmerksamkeit. Wen das nicht schreckt oder wer Spaß an anspruchsvoller Literatur hat, wird hier eine intensive und bewegende Geschichte finden.
Westberlin, 1969. Eine Stadt zwischen Aufbruch und Stillstand – und mittendrin ein dreizehnjähriger Junge, der versucht herauszufinden, wie man in dieser Welt überhaupt lebt. In Das Ende vom Lied von Michael ...
Westberlin, 1969. Eine Stadt zwischen Aufbruch und Stillstand – und mittendrin ein dreizehnjähriger Junge, der versucht herauszufinden, wie man in dieser Welt überhaupt lebt. In Das Ende vom Lied von Michael Wildenhain wird das Erwachsenwerden nicht romantisiert. Es ist roh, widersprüchlich und manchmal erschreckend brutal.
Der namenlose Ich-Erzähler zieht mit seiner Familie in die Belziger Straße. Zuhause herrscht eine Schwere, die aus der Vergangenheit kommt: Der Vater ist vom Krieg gezeichnet, die Mutter von ihren Erinnerungen ebenso. Die Familie wirkt wie ein Haus mit Rissen in den Wänden – jederzeit könnte etwas einstürzen. Draußen wartet eine andere Welt: die Straße, Banden, Mutproben, Gewalt, aber auch Freundschaft, Loyalität und diese erste, alles verschlingende Liebe.
Der Junge gerät in den Bann von Körschi, dem charismatischen Bandenführer und Boxer der Gegend. Gleichzeitig verliebt er sich ausgerechnet in Alina – Körschis Freundin. Ein gefährliches Dreieck, das den ohnehin brüchigen Alltag immer weiter zuspitzt. Zwischen Boxkämpfen, Straßenritualen und stillen Lesestunden in der Bibliothek sucht der Erzähler nach einem Weg aus dieser Welt. Bildung wird zu einer möglichen Rettung – doch die Straße lässt einen nicht so leicht gehen.
Was diesen Roman besonders macht, ist der Schreibstil. Wildenhain schreibt nicht glatt oder gefällig. Seine Sprache hat Kanten. Manche Passagen wirken knapp, fast abgehackt, als würde der Erzähler die Ereignisse im Atem der Erinnerung wiedergeben. Dann wieder folgen lange, poetische Sätze voller Bilder und Anspielungen auf Literatur und Musik. Dieser Wechsel kann fordern – aber genau dadurch entsteht eine intensive, manchmal fast körperliche Leseerfahrung.
Der Text wirkt dabei wie eine Mischung aus Erinnerungsstrom, Milieustudie und literarischer Chronik. Westberlin erscheint nicht als nostalgische Kulisse, sondern als rauer Ort, geprägt von Kriegsfolgen, politischer Spannung und sozialer Härte. Gewalt gehört zum Alltag dieser Jungen – und sie wird nicht beschönigt. Manche Szenen sind schwer auszuhalten, gerade weil sie so direkt erzählt werden.
Gleichzeitig liegt in diesem Roman auch etwas Zärtliches: der Blick eines Jungen, der inmitten dieser Härte nach Zugehörigkeit sucht. Nach Liebe. Nach einem Platz in der Welt.
Das Ende vom Lied ist kein Buch für nebenbei. Es verlangt Aufmerksamkeit und manchmal auch Geduld. Aber wer sich darauf einlässt, bekommt einen intensiven literarischen Blick in eine Zeit und ein Berlin, das längst verschwunden ist – und eine eindringliche Geschichte über Jugend, Gewalt, Sehnsucht und den Versuch, sich selbst zu retten.
Eigentlich klang "Das Ende vom Lied" nach einem spannenden Coming of Age Roman im Jahr 1969 in Westberlin. Aber die Geschichte des bis zum Schluss für den Lesenden namenlos bleibenden Ich-Erzählers ist ...
Eigentlich klang "Das Ende vom Lied" nach einem spannenden Coming of Age Roman im Jahr 1969 in Westberlin. Aber die Geschichte des bis zum Schluss für den Lesenden namenlos bleibenden Ich-Erzählers ist leider sehr verworren erzählt. Es wird über seine Familiensituation geschrieben mit dem kriegsversehrten Vater, der schwangeren und vielleicht depressiven Mutter, dem Bruder, der ein Internat besucht. Sein Schulwechsel auf das Gymnasium und das Leben in den Straßen wird thematisiert, ebenso wie seine erste Verliebtheit in Alina, die mit dem gewalttätigen "Körschi" zusammen ist.
Mir fehlte bei der Geschichte, in die ich bis zum Schluss immer nur schwer rein fand, ein roter Faden und der Bezug zu allem und allen. Weder konnte ich die Personen wirklich fühlen, noch die Orte und Gedanken. Zeiten und Orte springen hin und her, Sichtweisen wechseln, Stränge werden angerissen, aber nicht zu Ende geführt und vieles bewusst im Dunkeln gelassen. Der Stil, der bereits von Beginn an nur schwer lesbar ist, wird gegen Ende nochmal schlimmer, weil der Autor aus mir unbegreiflichen Gründen streckenweise in Gedichtform wechselt.
Auch gibt es für meinen Geschmack zu viele unnötige Gewaltszenen und Stellen, die ich ehrlicherweise einfach nicht verstehen konnte.
Das einzige, was mir wirklich gut gefallen hat, war der Schlussteil mit dem Vater-Sohn-Gespräch und die kursiv gesetzten Stellen jeweils an den Anfängen der 3 Buchteile, in denen die Zeit und das, was damals politisch und gesellschaftlich Brisanz hatte, gut zusammengefasst wurde. Daher gebe ich auch drei statt 2 Sterne.
Ich bleibe dennoch etwas ratlos zurück und kann das Buch leider wirklich nur sehr, sehr eingeschränkt weiterempfehlen.
Michael Widenhain zeichnet in seinem Roman ‘Das Ende von Lied‘ das Bild einer Stadt, die es heute so nicht mehr gibt. Der zwölfjährige Ich-Erzähler, dessen Namen wir nicht erfahren, berichtet darüber, ...
Michael Widenhain zeichnet in seinem Roman ‘Das Ende von Lied‘ das Bild einer Stadt, die es heute so nicht mehr gibt. Der zwölfjährige Ich-Erzähler, dessen Namen wir nicht erfahren, berichtet darüber, welche Erfahrungen er Ende der neunzehnhundertsechziger Jahre in Berlin-Schöneberg gemacht hat. Wir begleiten ihn über nahezu zwei ereignisreiche und turbulente Jahre mannigfaltiger Herausforderungen.
Mit dem Umzug der Familie in die Belziger Straße macht der Protagonist die Bekanntschaft mit Mitgliedern von Straßenbanden, die alles andere als zimperlich untereinander umgehen. Er selbst begeistert sich für die schulischen Aufgaben, die er spielend meistert, liest viel, sieht jedoch die Bedrohung, die von seinem neuen Umfeld ausgeht und meldet sich in einem Boxclub an. Ausdauer und ein eiserner Wille verhelfen ihm, sich im Alltag den Anfeindungen zu stellen und sich eine gewisse Art von Respekt zu verschaffen.
In der Geschichte werden sehr viele Themen wie Kriegstraumata, familiäre Spannungen, außereheliche Verhältnisse, gesellschaftliche und politische Ereignisse, Gewalt, erste Liebe, um nur einige zu nennen, angesprochen aber nicht in jedem Fall abschließend ausgeführt. Die Handlung wird zum größten Teil durch die Betrachtungen des Jungen wiedergegeben. Die Beschreibungen des Settings sind bildhaft gehalten. Der temporäre Verlauf ist nicht linear. Zeitliche Sprünge erfordern ein äußerst konzentriertes Lesen, um im Geschehen zu bleiben und dem sprachlich anspruchsvollen Text in different gewählten Stilformen zu folgen. Schockierend und verwirrend sind die dargestellten derben Gewaltszenen unter den Jugendlichen.