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Veröffentlicht am 23.07.2025

Großartig

Himmel ohne Ende
1

Julia Engelmann hat einen sehr lebensklugen Roman geschrieben. Ihr „Himmel ohne Ende“ hat mich, je weiter ich gelesen habe, mehr und mehr in seinen Bann gezogen.

Die 15jährige Charlie kommt sich ziemlich ...

Julia Engelmann hat einen sehr lebensklugen Roman geschrieben. Ihr „Himmel ohne Ende“ hat mich, je weiter ich gelesen habe, mehr und mehr in seinen Bann gezogen.

Die 15jährige Charlie kommt sich ziemlich verloren vor. Der Vater ist weg, ihre beste Freundin Kati spricht nicht mehr mit ihr, überhaupt ist sie eine Außenseiterin, die sich in ihr Schneckenhaus verkriecht. Bis zu dem Tag, als Pommes auftaucht. Er ermutigt sie, ihren eigenen Weg zu gehen, dabei darf sie ruhig auch ängstlich sein, sie muss nicht perfekt sein, darf Fehler machen. Es ist diese Prise Ich, wie er es nennt, die sie nie hintanstellen sollte.

„Und dann wusste ich es. Dass ich etwas Eigenes aus meinem Leben machen musste. Dass ich es wenigstens versuchen musste…“ Bis dahin ist es ein nicht immer einfacher Weg, er kann und wird durchaus auch mal steinig sein.

Julia Engelmann ist für mich eine Neuentdeckung, dabei ist sie schon lange sehr erfolgreich. Sie ist eine Wortakrobatin, sie ist Dichterin und Sängerin, sie nahm schon früh an Poetry-Slams teil, ihre Bücher sind Bestseller. Gebannt habe ich ihren Gedichten gelauscht, sie hat mich ganz einfach verzaubert.

Und auch mit ihrem „Himmel ohne Ende“ hat sie mich restlos begeistert. Sie ist eine scharfsinnige Beobachterin, Charlies Geschichte ist direkt aus dem Leben gegriffen. Es geht um Freundschaft und um Ausgrenzung, um die ersten zaghaften Bande und auch um Trauer und um das Erwachsenwerden. Die ganze Gefühlspalette einer Fünfzehnjährigen bringt die Autorin ihren Lesern nahe, untermalt mit einer Prise Humor. Das ganze Buch kommt trotz dieser Themen leichtfüßig daher, es ist ein intelligentes Buch, das nachdenklich macht und dabei ein gutes Gefühl zurücklässt. Es ist ein großartiges Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Klug, gewitzt – eine Tragikkomödie vom Feinsten

Das Geschenk
1

Einer Tragikkomödie gleich kommt „Das Geschenk“ daher. Nicht immer leichtfüßig, zuweilen sehr schwer – was der Anatomie eines Elefanten eher entspricht.

„Aktuell ist von achtunddreißig die Rede“ bekommt ...

Einer Tragikkomödie gleich kommt „Das Geschenk“ daher. Nicht immer leichtfüßig, zuweilen sehr schwer – was der Anatomie eines Elefanten eher entspricht.

„Aktuell ist von achtunddreißig die Rede“ bekommt Bundeskanzler Winkler zur Antwort auf seine Frage, wie viele es denn nun sind, die vor dem Reichstag stehen. Kurz darauf sind es vierundfünfzig, noch hält sich der Schaden in Grenzen, auch wenn es schon etliche Unfälle gegeben hat.

Der Präsident von Botswana ruft an, es geht um das von den Deutschen verschärfte Elfenbeingesetz. Er macht klar, was dies für sein Land bedeutet, er bedankt sich dafür mit 20.000 Elefanten, die ersten wurden schon in Berlin gesichtet, Winkler hat sie mit eigenen Augen gesehen.

Die Einfuhrbeschränkung des Elfenbeins stellt unser Denken gegen das des afrikanischen Landes, das die Population der Tiere genau regelt und das nun außer Kontrolle gerät. Probleme sind global, kein Land hat ein Alleinstellungsmerkmal.

Die Ausgangssituation ist brisant, es stellt Politiker und ihre Denkweise bloß. Das Wichtigste ist, Wahlen zu gewinnen, dafür schaut mal dem Volk aufs Maul, es darf nicht verprellt werden. Noch sind die Elefanten eine exotische, geschützte Spezies. Bald aber richten sie hohen Schaden an, Massenkarambolagen sind die Folge. Menschen sterben. Sind Abschüsse gerechtfertigt? Nicht der Moral, eher der Wiederwahl wegen.

Eine Realsatire, wie sie so oder so ähnlich sein könnte, ist „Das Geschenk“ allemal. Eine so kluge wie gewitzte Story, die trotz der riesigen Elefantenherde und ihrem großen Hunger mitsamt ihrer Hinterlassenschaften zuweilen zum Schmunzeln anregt. Aber nicht nur das, es macht nachdenklich und ein Stück weit betroffen. Man sollte es lesen – unbedingt.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Die drei ??? sind auferstanden – beste Unterhaltung ist garantiert

Die Auferstehung
1

Andreas Eschbach bürgt für intensive Lesestunden, bei seinen Büchern greife ich unbesehen zu, er hat mich noch nie enttäuscht. Und die drei ??? - welcher Junge kennt sie nicht, die Detektivgeschichten ...

Andreas Eschbach bürgt für intensive Lesestunden, bei seinen Büchern greife ich unbesehen zu, er hat mich noch nie enttäuscht. Und die drei ??? - welcher Junge kennt sie nicht, die Detektivgeschichten um Justus, Peter und Bob. Nun, sie sind erwachsen geworden, sie sind ihrer Wege gegangen und nun führt ein ziemlich mysteriöser Fall sie wieder zusammen.

Eine auf den ersten Blick verwahrloste Frau taucht bei einer Police Station am Rande des brasilianischen Regenwaldes auf mit der Bitte, die US-Botschaft zu verständigen. Vor sieben Jahren war sie mit einer Filmcrew unterwegs, diese kam in ein fürchterliches Unwetter. Es gab Tote und bis heute Vermisste, auch sie war eine von ihnen – Tracy Hitfield. Sie lebte im Amazonasdschungel mit einem indigenen Stamm, ihre Geschichte klingt unglaublich.

Eine alte Visitenkarte der drei ??? ist es, die die drei Detektive auf sehr verschlungenen Pfaden wieder zusammenführt. Tracys Tante Mary sucht Justus auf, um dieser Sache nachzuspüren. Und Tracy erzählt von einem Schamanen, den sie unbedingt finden will und nicht nur ihn gilt es zu suchen – es gibt viel zu tun.

Eine auch für mich aufregende Spurensuche beginnt. Bald nimmt ein ungeheurer Verdacht mehr und mehr Form an, er lässt immer wieder zweifeln, verfestigt sich aber dann doch. Neben der ganzen Detektivarbeit bleibt auch das Zwischenmenschliche nicht auf der Strecke. Justus und Peter haben sich damals entzweit, ihre Sprachlosigkeit dauert an und diese Ermittlungen sind es, die sie zusammenarbeiten lassen. Nicht zu vergessen Bob, der in gefährlicher Mission unterwegs ist.

Auch wenn ich anfangs ob dieser damals jugendlichen drei ??? ein wenig gezögert habe, so war doch Andreas Eschbach als Autor dieser „Auferstehung“ es, der mich zu dem Buch hat greifen lassen - es war eine gute Entscheidung. Sein Schreibstil spricht sowieso für sich, die so spannende Story hat mich sofort gefangen genommen, ich konnte und wollte das Buch nicht mehr weglegen. Und musste ich es doch, so waren meine Gedanken bei Justus Jonas, Bob Andrews und Peter Shaw, bei Tracy und Mary und noch so einigen Protagonisten und ihrem beileibe nicht immer fairen Spiel. Mehr sei nicht verraten, nur so viel – es lohnt sich für jeden Krimi- und Thriller-Fan, Eschbachs neuestes Werk, das sich von seinen anderen Büchern durchaus unterscheidet, zu lesen. Ach was, zu verschlingen.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

So wie das Leben eben ist

Ja, nein, vielleicht
1

Die Kinder sind aus dem Haus, der Mann hat sich schon lange verabschiedet - und sie? Ja, sie ist so frei wie sie sich fühlt. Bis auf Kleinigkeiten natürlich, die sind immer irgendwo da. Momentan ist es ...

Die Kinder sind aus dem Haus, der Mann hat sich schon lange verabschiedet - und sie? Ja, sie ist so frei wie sie sich fühlt. Bis auf Kleinigkeiten natürlich, die sind immer irgendwo da. Momentan ist es der Zahn, der ihr Kummer macht, denn er wackelt und nicht nur das, auch schmerzt er. Aber sonst? Hat sie es gut getroffen. Ihre kleine Stadtwohnung wird grad von ihrer Schwester belagert, was aber nicht weiter schlimm ist. Auf dem Land hat sie noch ein altes Haus, das idyllisch am Wasser liegt. Da fühlt sie sich wohl, da fühlt sie sich heimisch. Im nahen Supermarkt trifft sie auf Friedrich, einen Mann, der ihrer Vergangenheit angehört. Er wohnt nicht weit weg, also kommt er zu Besuch.

Doris Knecht (vielmehr ihre Protagonistin) habe ich vor geraumer Zeit beim Entrümpeln ihrer Wohnung (und ihres Lebens irgendwie auch) getroffen und nun ist sie einen Schritt weiter, sie ist fünfzig, sie lebt allein und das ziemlich gerne. Auch wenn sie gelegentlich damit hadert, denn manchmal ist man als Paar einfach besser dran. Nun, sie hinterfragt schon, ob Friedrich wieder in ihr Leben passen würde. Ja? Nein? Oder vielleicht doch?

Sie ist noch nicht alt, aber jung ist sie auch nicht mehr. Das Älterwerden an sich und der Blick auf das Leben ist es, was das Buch ausmacht. Vieles wird hinterfragt, Gewohnheiten haben sich eingeschlichen, in ihrem Umfeld könnte es auf eine Scheidung hinauslaufen, auch bahnt sich ein Neubeginn an. Ihre beste Freundin will es nochmal wissen, sie soll Trauzeugin sein. Es passiert noch so einiges, eigentlich ist es das ganz normale Leben, zuweilen könnte man dies als den ganz normalen Wahnsinn beschreiben. Braucht sie Friedrich? Braucht sie einen Mann? Tja, auch diesem Gedanken spürt sie nach. Und da sind Freunde, gute Freunde, Nachbarn, auf die Verlass ist.

Alltägliches vermischt sich mit Aufregendem und wenn man es genau bedenkt, kommt sie zu dem Schluss, dass sie ganz gut alleine zurechtkommt – oder? „Ja, nein, vielleicht“ ist direkt aus dem Leben gegriffen. Sie blickt ein wenig selbstironisch, mit einem Augenzwinkern, aber immer ehrlich auf ihr Dasein. Ein Buch, nicht nur für die Frau ab fünfzig, das sich locker wegliest.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Sommerfeeling und mehr

Das Versprechen eines Sommertags
1

Eine Sommerlektüre mit Tiefgang – so würde ich „Das Versprechen eines Sommertags“ mit wenigen Worten beschreiben.

Isabelle fliegt mit Mann und ihren beiden Kindern nach Mallorca zu ihren Eltern. Diese ...

Eine Sommerlektüre mit Tiefgang – so würde ich „Das Versprechen eines Sommertags“ mit wenigen Worten beschreiben.

Isabelle fliegt mit Mann und ihren beiden Kindern nach Mallorca zu ihren Eltern. Diese wollen ihr Eheversprechen nach fünfzig gemeinsamen Jahren erneuern und selbstredend sollte ihre Goldene Hochzeit dementsprechend gefeiert werden. Isabelles Bruder Daniel ist schon da, sein guter Freund Ben hat sich zu Isabelles Überraschung dazugesellt. Erinnerungen werden wach.

Damals, vor fünfzehn Jahren, hatten Ben und Daniel einen Roadtrip geplant, alles war gebucht, alles bezahlt und dann – hat sich Daniel den Fuß gebrochen. Er hat seine große Schwester bekniet, mit Ben statt seiner zu fahren und so sind sie mit dem Camper los, mit Zwischenstopps bis Amsterdam. Ben ist heute Galerist, er hat sich damals nach dem schönsten Sommer ihres Lebens gen Australien verabschiedet und wie es so ist – sie haben sich aus den Augen verloren. Und nun steht er da, vor ihr.

Elena Sonnberg entführt mich an die Ostküste Mallorcas, in einen der schönsten Orte der Insel, nach Portocolom, in die Finca von Isabelles Eltern. Schon das Cover weckt Sehnsucht und die Beschreibung der zauberhaften Buchten, des kristallklaren Wassers, der Bergdörfer mit ihren Treppen und ihren hübschen Häusern machen Lust auf die Insel, dazu der Duft der Zitrusfrüchte und noch sehr viel mehr fangen den Inselflair perfekt ein. Dieser Roman hat noch sehr viel mehr zu bieten als Mandelkuchen, dessen Rezept auf der vorderen und rückwärtigen Coverinnenseite abgedruckt ist.

Die nach außen hin heile Welt ist gar nicht so rosig. Isabelle steht vor dem Aus ihrer Ehe. Ihr Mann Stefan, mit dem sie sich ihre Immobilienfirma aufgebaut hat, hat innerlich mit der Ehe abgeschlossen. Er zieht sich immer mehr zurück, hat für die Familie, für die Kinder, wenig Zeit. Stefans Alleingänge kann ich nicht viel abgewinnen, Isabelle dagegen möchte, dass die anderen unbeschwerte Tage genießen können. Sie schraubt mit ihrem Vater an seinem geliebten Oldtimer, ihre virtuellen Reisen schweißen sie zusammen. Auch er ist mit über siebzig nicht mehr so fit, seine Marianne achtet aber schon auf ihn, auch wenn er zuweilen etwas abseits vom Trubel sich seine Auszeiten gönnt.

„Es war nur ein Sommer“ und an den denkt Isabelle gerade jetzt zurück. Ben erinnert sie an ihr Zeichentalent, das sie zugunsten der Familie nicht weiter verfolgt hat. Die Autorin hat nicht nur diese beiden Figuren fein gezeichnet, sie sind nahbar, ihre Gedanken, ihre Gefühle nachvollziehbar. Sie spürt dem wahren Leben mit all den Problemen nach, zeigt auch die Schattenseiten auf. Und doch ist es ein stimmungsvoller, luftig-leichter Sommerroman, was schon allein der Umgebung geschuldet ist. Probleme sind da, um gelöst zu werden – wenn das nur immer so einfach wäre.

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