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Veröffentlicht am 21.07.2025

So wie das Leben eben ist

Ja, nein, vielleicht
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Die Kinder sind aus dem Haus, der Mann hat sich schon lange verabschiedet - und sie? Ja, sie ist so frei wie sie sich fühlt. Bis auf Kleinigkeiten natürlich, die sind immer irgendwo da. Momentan ist es ...

Die Kinder sind aus dem Haus, der Mann hat sich schon lange verabschiedet - und sie? Ja, sie ist so frei wie sie sich fühlt. Bis auf Kleinigkeiten natürlich, die sind immer irgendwo da. Momentan ist es der Zahn, der ihr Kummer macht, denn er wackelt und nicht nur das, auch schmerzt er. Aber sonst? Hat sie es gut getroffen. Ihre kleine Stadtwohnung wird grad von ihrer Schwester belagert, was aber nicht weiter schlimm ist. Auf dem Land hat sie noch ein altes Haus, das idyllisch am Wasser liegt. Da fühlt sie sich wohl, da fühlt sie sich heimisch. Im nahen Supermarkt trifft sie auf Friedrich, einen Mann, der ihrer Vergangenheit angehört. Er wohnt nicht weit weg, also kommt er zu Besuch.

Doris Knecht (vielmehr ihre Protagonistin) habe ich vor geraumer Zeit beim Entrümpeln ihrer Wohnung (und ihres Lebens irgendwie auch) getroffen und nun ist sie einen Schritt weiter, sie ist fünfzig, sie lebt allein und das ziemlich gerne. Auch wenn sie gelegentlich damit hadert, denn manchmal ist man als Paar einfach besser dran. Nun, sie hinterfragt schon, ob Friedrich wieder in ihr Leben passen würde. Ja? Nein? Oder vielleicht doch?

Sie ist noch nicht alt, aber jung ist sie auch nicht mehr. Das Älterwerden an sich und der Blick auf das Leben ist es, was das Buch ausmacht. Vieles wird hinterfragt, Gewohnheiten haben sich eingeschlichen, in ihrem Umfeld könnte es auf eine Scheidung hinauslaufen, auch bahnt sich ein Neubeginn an. Ihre beste Freundin will es nochmal wissen, sie soll Trauzeugin sein. Es passiert noch so einiges, eigentlich ist es das ganz normale Leben, zuweilen könnte man dies als den ganz normalen Wahnsinn beschreiben. Braucht sie Friedrich? Braucht sie einen Mann? Tja, auch diesem Gedanken spürt sie nach. Und da sind Freunde, gute Freunde, Nachbarn, auf die Verlass ist.

Alltägliches vermischt sich mit Aufregendem und wenn man es genau bedenkt, kommt sie zu dem Schluss, dass sie ganz gut alleine zurechtkommt – oder? „Ja, nein, vielleicht“ ist direkt aus dem Leben gegriffen. Sie blickt ein wenig selbstironisch, mit einem Augenzwinkern, aber immer ehrlich auf ihr Dasein. Ein Buch, nicht nur für die Frau ab fünfzig, das sich locker wegliest.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Sommerfeeling und mehr

Das Versprechen eines Sommertags
1

Eine Sommerlektüre mit Tiefgang – so würde ich „Das Versprechen eines Sommertags“ mit wenigen Worten beschreiben.

Isabelle fliegt mit Mann und ihren beiden Kindern nach Mallorca zu ihren Eltern. Diese ...

Eine Sommerlektüre mit Tiefgang – so würde ich „Das Versprechen eines Sommertags“ mit wenigen Worten beschreiben.

Isabelle fliegt mit Mann und ihren beiden Kindern nach Mallorca zu ihren Eltern. Diese wollen ihr Eheversprechen nach fünfzig gemeinsamen Jahren erneuern und selbstredend sollte ihre Goldene Hochzeit dementsprechend gefeiert werden. Isabelles Bruder Daniel ist schon da, sein guter Freund Ben hat sich zu Isabelles Überraschung dazugesellt. Erinnerungen werden wach.

Damals, vor fünfzehn Jahren, hatten Ben und Daniel einen Roadtrip geplant, alles war gebucht, alles bezahlt und dann – hat sich Daniel den Fuß gebrochen. Er hat seine große Schwester bekniet, mit Ben statt seiner zu fahren und so sind sie mit dem Camper los, mit Zwischenstopps bis Amsterdam. Ben ist heute Galerist, er hat sich damals nach dem schönsten Sommer ihres Lebens gen Australien verabschiedet und wie es so ist – sie haben sich aus den Augen verloren. Und nun steht er da, vor ihr.

Elena Sonnberg entführt mich an die Ostküste Mallorcas, in einen der schönsten Orte der Insel, nach Portocolom, in die Finca von Isabelles Eltern. Schon das Cover weckt Sehnsucht und die Beschreibung der zauberhaften Buchten, des kristallklaren Wassers, der Bergdörfer mit ihren Treppen und ihren hübschen Häusern machen Lust auf die Insel, dazu der Duft der Zitrusfrüchte und noch sehr viel mehr fangen den Inselflair perfekt ein. Dieser Roman hat noch sehr viel mehr zu bieten als Mandelkuchen, dessen Rezept auf der vorderen und rückwärtigen Coverinnenseite abgedruckt ist.

Die nach außen hin heile Welt ist gar nicht so rosig. Isabelle steht vor dem Aus ihrer Ehe. Ihr Mann Stefan, mit dem sie sich ihre Immobilienfirma aufgebaut hat, hat innerlich mit der Ehe abgeschlossen. Er zieht sich immer mehr zurück, hat für die Familie, für die Kinder, wenig Zeit. Stefans Alleingänge kann ich nicht viel abgewinnen, Isabelle dagegen möchte, dass die anderen unbeschwerte Tage genießen können. Sie schraubt mit ihrem Vater an seinem geliebten Oldtimer, ihre virtuellen Reisen schweißen sie zusammen. Auch er ist mit über siebzig nicht mehr so fit, seine Marianne achtet aber schon auf ihn, auch wenn er zuweilen etwas abseits vom Trubel sich seine Auszeiten gönnt.

„Es war nur ein Sommer“ und an den denkt Isabelle gerade jetzt zurück. Ben erinnert sie an ihr Zeichentalent, das sie zugunsten der Familie nicht weiter verfolgt hat. Die Autorin hat nicht nur diese beiden Figuren fein gezeichnet, sie sind nahbar, ihre Gedanken, ihre Gefühle nachvollziehbar. Sie spürt dem wahren Leben mit all den Problemen nach, zeigt auch die Schattenseiten auf. Und doch ist es ein stimmungsvoller, luftig-leichter Sommerroman, was schon allein der Umgebung geschuldet ist. Probleme sind da, um gelöst zu werden – wenn das nur immer so einfach wäre.

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Wer treibt hier sein grausames Spiel?

Das heimliche Zimmer: Thriller
1

Catherine Shepherd bereitet mir seit ihrem ersten Zons-Thriller schlaflose Nächte und nicht nur in Zons, auch in Berlin sind die Nächte kurz für die Spezialermittlerin Laura Kern und ihrem Kollegen Max ...

Catherine Shepherd bereitet mir seit ihrem ersten Zons-Thriller schlaflose Nächte und nicht nur in Zons, auch in Berlin sind die Nächte kurz für die Spezialermittlerin Laura Kern und ihrem Kollegen Max Hartung. Sie werden zu einer stillgelegten U-Bahn-Station gerufen, ein Obdachloser hat die Leiche eines Jungen gefunden. Er wurde geknebelt, an eine Säule fixiert, er ist voller Blut, alle Anzeichen sprechen für ein grausames Verbrechen. Bald gerät ein 16jähriger Mitschüler in Verdacht, dieser jedoch hat einen kompletten Filmriss.
Es ist der mittlerweile zehnte Band der Laura-Kern-Reihe, er ist in sich abgeschlossen, man kann also getrost damit anfangen, „Das heimliche Zimmer“ zu suchen.

In dieser U-Bahn-Station feiern Teenager Partys, Obdachlose suchen sich hier ihre Bleibe und nicht zuletzt dient dieser Ort als Umschlagplatz für Drogen aller Art. So einige zwielichtige Gestalten werden mir präsentiert, auch führt eine Spur in die Schule, ich schaue mich auch im Zuhause der Mitschüler des toten Jungen um, es sind definitiv so einige Typen, die mir sehr suspekt sind. Und dann – geschieht ein weiterer Mord.

Passt dieses zweite Verbrechen ins Schema? Kann vom selben Täter ausgegangen werden? Laura hat für ihr Privatleben keine Zeit, auch Max ist extrem eingespannt, die Ermittlungen haben nun mal Vorrag. Es sieht ganz danach aus, als ob hier ein Serienmörder sein Unwesen treibt.

Wie gesagt – ich konnte auch dieses Buch nicht weglegen. Den geschickt gelegten Spuren bin ich gefolgt, die Autorin hat mich wieder mal ganz schön in die Irre geführt. Ihre Charaktere sind gut ausgearbeitet. Ob gut oder böse oder irgendwas dazwischen – allesamt sind sie glaubhaft. Bis zuletzt war mir nicht klar, wie es denn enden wird, was es mit diesem heimlichen Zimmer auf sich hat. Und ja – die losen Fäden werden letztendlich dann doch verknüpft, die komplexe, äußerst schwierige Ermittlungsarbeit hat ihnen alles abverlangt, die Auflösung hat mich dann fassungslos zurückgelassen.

Der mittlerweile zehnte Laura-Kern-Thriller ist brillant, voller Spannung und überraschenden Wendungen, die Aufklärung hat mich dann nochmal total verblüfft, sie ist so gar nicht vorhersehbar. Die Ermittlung hat mir so etliche Schockmomente beschert, ich hatte bis zuletzt keinen Durchblick. Perfekt!

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Berührend

Wir sehen uns wieder am Meer
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„Ich hatte niemals vor, eine Trilogie zu schreiben“ lässt Trude Teige wissen. Und doch ist es mit diesem hier das dritte Buch, das von wahren Geschehnissen während des Zweiten Weltkrieges erzählt. Schon ...

„Ich hatte niemals vor, eine Trilogie zu schreiben“ lässt Trude Teige wissen. Und doch ist es mit diesem hier das dritte Buch, das von wahren Geschehnissen während des Zweiten Weltkrieges erzählt. Schon „Als Großmutter im Regen tanzte“ hat mich tief bewegt und auch den zweiten Roman über ihren Ehemann musste ich danach unbedingt lesen. Ja, „Und Großvater atmete mit den Wellen“ geht unter die Haut, beide Bücher möchte ich nicht missen, genau so ergeht es mir mit diesem letzten Buch „Wir sehen uns wieder am Meer“.

Die meisten Bücher über die schlimmen Schicksale, die der Zweite Weltkrieg verursacht hat, handeln von Männern. Frauen werden leicht vergessen, obwohl ihre Kriegserlebnisse genauso schrecklich sind. Als Trude Teige die Geschichte einer Frau erfährt, die ursprünglich aus Weißrussland stammt und 1943 von den Deutschen nach Norwegen verschleppt wurde, um dort als Zwangsarbeiterin ihr Dasein zu fristen, hat sie das Thema nicht mehr losgelassen.

Juni Bjerke erzählt hier von ihrer Großmutter Tekla, die als „Deutschenmädchen“ verachtet wird. Ihre Freundin Birgit geht als Krankenschwester in den Norden, dort begegnet sie der 16jährigen Nadja, die aus der Ukraine zur Zwangsarbeit in einer Fischfabrik verschleppt wird. Wir gehen zurück ins Jahr 1944, die Deutschen haben Norwegen besetzt.

Birgit will helfen, darum ist sie in diesem Krankenhaus. Bald jedoch gerät sie zwischen die Fronten. Der stramme Nazi Sven Svendsen umwirbt sie, irgendwann dann verfolgt er sie – eine gefährliche Konstellation für Birgit, die in einer Widerstandsgruppe aktiv ist. Dieser Svendsen macht für den Gestapochef Holck die Drecksarbeit, ich bin ganz nah dabei, ich bin entsetzt. Ein mehrstöckiges Haus dient als Hauptquartier und Folterkammer, des Öfteren musste ich ganz tief durchatmen. „Nicht alle Deutschen sind Nazis“ sagt der Lagerarzt. Das glaube ich schon, aber viele, viel zu viele waren es doch. Die einen tragen ihre Gesinnung ganz offen zur Schau, andere eher verkappt und später dann will es keiner gewesen sein.

Mit Nadja wird gnadenlos umgesprungen. Was der Mensch alles aushalten kann, ist unvorstellbar und noch schlimmer ist es, was diese rechte Gesinnung aus Menschen macht. Wie verroht und gefühlskalt muss man sein, dass sichtlich kranke, extrem geschwächte junge Frauen zur Arbeit gepeitscht werden. Nadjas Freundin Daria hält diesem Druck nicht mehr stand und auch viele andere klappen zusammen, fallen, bleiben liegen.

Dieses dritte Buch ist in vier Teile gegliedert, bis Juli 1945 sind wir im Zwangsarbeiterlager, in der Fabrik, bei den Gestapo-Leuten und deren menschenverachtenden Methoden. Wir sind im Krankenhaus, treffen einen Kollaborateur, Birgit dolmetscht dank ihrer Russischkenntnisse. Ab August 1947 erfahren wir, wie es mit den Freundinnen weitergeht. Ich möchte nicht detailliert darauf eingehen, aber einmal in diesen Strudel hineingezogen, ist es schier unmöglich, dem jemals zu entkommen. Oder doch?

Trude Teige ist eine wunderbare Erzählerin, die Geschichten um die drei Frauen sind fiktiv, sie basieren jedoch auf wahren Begebenheiten, sie erzählen von einer Zeit, die nie vergessen werden darf. Ich bin erschüttert, ich bin zutiefst bewegt. Auch dies ist ein Buch, das man lesen sollte.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Gelungener Auftakt der Thalmeyer-Saga

Die Porzellanmanufaktur – Zerbrechlicher Frieden
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Das erste Buch „Die Porzellanmanufaktur - Zerbrechlicher Frieden“ der Thalmeyer-Saga aus der Feder von Stefan Maiwald ist nun auch als ungekürztes Hörbuch (9 Stunden und 43 Minuten) erhältlich, gesprochen ...

Das erste Buch „Die Porzellanmanufaktur - Zerbrechlicher Frieden“ der Thalmeyer-Saga aus der Feder von Stefan Maiwald ist nun auch als ungekürztes Hörbuch (9 Stunden und 43 Minuten) erhältlich, gesprochen von Nils Kretschmer. Mit seiner ausdrucksstarken, wandelbaren Stimme hat er mir die einzelnen Protagonisten nahegebracht, sodass ich sie gut unterscheiden konnte. Die kurzen Pausen zwischen den Kapiteln machen das Hören einfach, der Erzählfluss ist stets gegeben. Er spricht auch die Frauenrollen, allen voran Sophie und Marie. Auch diese beiden Stimmlagen sind angenehm zu hören, überhaupt gefällt mir sein Sprechstil und sein Erzähltempo gut.

Wir sind in Selb, der Heimat des weißen Goldes, im Jahre 1947. Der Krieg ist vorbei, die Auswirkungen dessen, die Entbehrungen, der Mangel an vielem ist noch deutlich spürbar. Das Kaolin ist, neben Feldspat und Quarz, ein wichtiger Bestandteil des Porzellans, ist jedoch äußerst schwer zu beschaffen. Karl Metsch, ein mächtiger Papierfabrikant, der ebenfalls auf dieses Rohprodukt angewiesen ist, macht ihnen ein Angebot, das sie zähneknirschend annehmen müssen.

Ludwig Thalmeyer, der Patriarch des Unternehmens, stirbt überraschend und so ist es Marie, die älteste Tochter, die von nun an die Firmengeschicke leitet, unterstützt von ihrer jüngeren Schwester Sophie, ihr Bruder Joachim ist noch immer verschollen. Er ist Pianist, für das familieneigene Unternehmen hatte er sich noch nie interessiert und doch wird seine Rückkehr sehnsüchtig erwartet, denn in dieser Nachkriegszeit wird eine Frau an der Firmenspitze nicht ernst genommen.

Stefan Maiwald hat diese Zeit gut eingefangen. Der Krieg ist zwar vorbei, die damaligen Größen sichern sich auch jetzt gute Posten. Karl Metsch etwa versteht es, sich qua Bürgermeisteramt und auch dank seiner Papierfabrik das zu holen, was ihm vermeintlich zusteht. Frauen werden als willige Objekte betrachtet, auch seine Ehefrau deckt ihn ganz selbstverständlich. Und da ist John McNarney, stellvertretender US-Militärgouverneur, der Marie unterstützt, der aber in seine Heimat zurückbeordert wird.

Neben den historischen, gut recherchierten Fakten sind es auch die fiktiven Elemente rund um die Familie Thalmeyer, die diese Saga so hörenswert machen. Man spürt ihr Engagement, ihre Ängste und Sorgen, ihre glücklichen Momente und die Aufbruchsstimmung, eingebunden in die engstirnige Denkweise dieser Zeit.

Der Auftakt der Thalmeyer-Saga hat mich neugierig auf die weiteren Hörbücher gemacht, „Zerbrechliche Hoffnung“ und „Zerbrechliche Träume“ werden noch im Juli 2025 erscheinen.

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