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Veröffentlicht am 20.08.2025

Ein Hoch dem traditionellen Frauenbild

Heimat
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Die Tradwife-Bewegung folgt einem traditionellen Frauenbild, eher rückwärtsgewandt, das der Ehefrau die Rolle der dienenden, gefügigen Gattin zuschreibt, die sich selbst stets hintanstellt und die ganz ...

Die Tradwife-Bewegung folgt einem traditionellen Frauenbild, eher rückwärtsgewandt, das der Ehefrau die Rolle der dienenden, gefügigen Gattin zuschreibt, die sich selbst stets hintanstellt und die ganz in ihrer Mutterrolle aufgeht. Hannah Lühmann schreibt davon in ihrem neuen Buch „Heimat“. Auch wird der Rechtsruck thematisiert, ich bin als eigenständiger, demokratisch denkender und handelnder Mensch gespannt, wie sie diese Themen umsetzt…

…und lege den Roman nach dem Lesen ernüchtert weg.

Jana zieht mit ihrem Partner Noah und den beiden gemeinsamen Kleinkindern aufs Land. Ihren Job hat sie bereits gekündigt, die Kinder sind in der Kita, sie genießt die Zeit, die sie nur für sich hat. Bald lernt sie die vielfache Mutter und Ehefrau Karolin kennen, die in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter aufgeht. Sie und noch einige ihrer Freundinnen vertreten die Meinung, dass Kinder in ihren ersten Lebensjahren nicht fremdbetreut werden sollten, auch ist Karo weitgehend Selbstversorgerin. Nur unbehandelte Lebensmittel erreichen ihre Küche. Und sie betreibt einen erfolgreichen Kanal auf Instagram.

Jana tritt ziemlich unbedarft auf, sie himmelt Karolin direkt an. Dass diese dabei ihre eisernen Regeln bricht, sieht die mittlerweile zum dritten Male schwangere Jana nicht. Karo raucht (darf eine brave Ehefrau und Mutter rauchen?) und nicht nur das, sie animiert Jana zum Rauchen. „Ein Zug wird dem Kleinen schon nichts anhaben.“ Karo und auch ihre Freundinnen sind Impfgegner, bringen krude Corona-Beispiele, führen an, dass es nahezu ausgeschlossen ist, dass ein Kind an Masern stirbt. In dem Tenor geht es weiter – hier sind Verschwörungstheoretiker am Werk. Und dann – irgendwann holen die Frauen um Karo die blauen Fähnchen hervor, sie ziehen in den Wahlkampf.

Die Diskrepanz zwischen dem traditionellen Frauenbild und der selbstbewussten Frau, die Social Media für sich zu nutzen weiß, sticht hervor, das herkömmliche Bild einer intakten Familie wird infrage gestellt, zwischendurch blitzt das Rechte Gedankengut dann mal kurz auf. Vieles wird eher angedeutet, verläuft aber dann im Sande, verliert sich im Nirgendwo. Positiv erwähnen möchte ich den Schreibstil der Autorin, der mich das Buch letztendlich mit drei Sternen bewerten lässt.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Einfühlsam erzählt

Die Sonne und die Mond
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Chris Kraus schreibt vom Tod, vom Loslassen und vom Leben und von Freundschaft schreibt er auch. Die Sonne, das ist Sonja, und Jana von Mond waren in jungen Jahren beste Freundinnen, bis sie es nicht mehr ...

Chris Kraus schreibt vom Tod, vom Loslassen und vom Leben und von Freundschaft schreibt er auch. Die Sonne, das ist Sonja, und Jana von Mond waren in jungen Jahren beste Freundinnen, bis sie es nicht mehr waren. Jana ist mittlerweile ein gefeierter Comedy-Star und nun steht sie vor Sonnes Tür, denn ihr Liebster muss bestattet werden und wer wäre da besser geeignet als Sonne und ihr Bestattungsunternehmen. Allerdings ist Sonne alles andere als begeistert, sie geht sogar so weit, Jana hinauszukomplimentieren. Diese aber denkt gar nicht daran, sie nistet sich in Sonnes Leben ein, gewinnt das Herz des 8jährigen Nicky und auch Sonnes Mitarbeiter Samuel ist von Jana angetan.

„Alles war gerichtet. Und sie fühlte sich wie auf Wellen. Es gab keine Seekrankheit, die vergleichbar gewesen wäre mit ihrem Zustand. Sie begann zu weinen. Und doch hatte sie nicht die geringste Ahnung, welch perfekter Sturm sie an diesem Tag noch erwarten sollte.“ Jana wusste es nicht, auch nicht Samuel und Sonne war auch nicht darauf vorbereitet.

Während des Lesens bin ich durch eine Achterbahn der Gefühle gegangen. Ich mochte das Buch, dann wieder gar nicht. Zuweilen schrammt es an der Grenze des Erträglichen und doch konnte ich es nicht weglegen. Der Tod gehört zum Leben, wer kennt den Schmerz darum nicht. Auch der Autor weiß, wovon er schreibt, wie er im Nachwort verrät. Es ist seine Geschichte um Tod und Vergänglichkeit, um Abschied und Liebe und das unerträgliche, das tragische Ende eines geliebten Menschen.

Was das Buch so besonders macht, ist dieser feine Sinn für Humor, der auch den Schmerz und die Trauer erträglich macht. Zumindest ein wenig. Auch lässt es so einiges von den so unterschiedlichen Ritualen, die rund um das Sterben und den Tod in den verschiedenen Kulturen zelebriert werden, mit einfließen.

„Die Sonne und die Mond“ ist ein emotionales, ein einfühlsames Buch, nicht nur über den Tod. Auch und vor allem über Freundschaft, über verletzte Gefühle und das Sich-Wiederfinden.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Menschliche Abgründe tun sich auf

Mit kalter Hand
1

Zum nunmehr dritten Mal bekomme ich Einblicke in die Arbeit der Rechtsmedizinerin Dr. Sabine Yao. Sie hat viel zu tun, da kommt ihr überschaubares Privatleben wieder mal zu kurz, ihre Schwester Mailin ...

Zum nunmehr dritten Mal bekomme ich Einblicke in die Arbeit der Rechtsmedizinerin Dr. Sabine Yao. Sie hat viel zu tun, da kommt ihr überschaubares Privatleben wieder mal zu kurz, ihre Schwester Mailin und ihre Zwillinge werden wohl noch ne Weile warten müssen.

Diesmal erweitert sich der Blick hin zu einem Pferderipper, der auf dem Reiterhof Lindenhain sein Unwesen treibt. Schon drei dieser edlen Tiere hat er auf dem Gewissen und wie es den Anschein hat, wird das abscheuliche Gemetzel weitergehen. Es gibt sie gar nicht so selten, diese Pferderipper, wir lesen öfter über ihre Untaten. In der „Soko Ross“ arbeitet Yao mit dem Profiler Hasanović zusammen, sie schaut den Veterinärpathologen über die Schultern, ihre Arbeitsweise unterscheidet sich schon aufgrund der Größe der Tiere von ihrer.

Zunächst sind es andere, sehr ungewöhnliche Todesfälle, mit denen Yao zu tun hat. Bald aber ist sie mit einer Leichenzerstückelung vollauf beschäftigt und auch ihre Einbindung in die Soko Ross fordert sie. Im Spandauer Forst wird ein menschlicher Fuß gefunden. Eine Einsatzhundertschaft der Bereitschaftspolizei durchkämmt den Forst, mehrere Leichenteile werden gefunden, die vierte Mordkommission unter Leitung von Monica Monti ermittelt. Zwischendurch folgen wir einem online-süchtigen Mann in seine krude Fantasiewelt, die sich in seiner Wohnung in Berlin-Pankow abspielt. Ich ahne, wohin dieser Erzählstrang, der sich mit etlichen anderen abwechselt, führen wird.

Es ist mein mittlerweile dritter Rechtsmedizin-Thriller, der ähnlich konzipiert ist wie schon die beiden Vorgängerbände „Mit kalter Präzision“ und „Mit kaltem Kalkül“. Mit viel Fachwissen, das Prof. Dr. Michael Tsokos als Rechtsmediziner zweifelsfrei hat, bereichert er „Mit kalter Hand“ auch die neuesten Fälle für Dr. Sabine Yao. Aber doch ist es zu viel an Wissen, das sich für mich als Laien auf dem Gebiet etwas spröde liest. Dies ist jedoch jammern auf hohem Niveau, denn die Spannung, die durch diese Einschübe etwas gelitten hat, kommt schnell zurück. Durch die präzisen Zeit- und Ortsangaben, welche die kurzen Kapitel einleiten, behält man stets den Überblick, die gut beschriebenen Charaktere, allen voran Yao, die mir seit Buch eins sehr vertraut ist, sind gefühlt direkt aus dem Leben gegriffen. Als unsichtbarer Beobachter neben Yaos Seziertisch kämpfe ich mit den diversen, ziemlich unangenehmen Gerüchen und auch mein Magen rebelliert so dann und wann. Diesen Beschreibungen kann ich mich trotz allem nicht entziehen.

Ja, Tsokos transportiert nicht nur diese Gefühle aufs Anschaulichste wider, er weiß, wovon er schreibt. Er gibt einen realistischen Einblick in den Alltag einer Rechtsmedizinerin und ihrem polizeilichen Umfeld. Interessant, fesselnd, zuweilen ganz schön nervenaufreibend und nicht immer leicht zu ertragen, auf jeden Fall aber lesenswert.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Schünemann & Kurz zum Zweiten

Der Narbenschneider (Thriller)
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„Der Narbenschneider“ ist nach „Und tot bist du“ der zweite Fall des Ermittlerduos Tabea Kurz und Frank Schünemann, er ist in sich abgeschlossen, kann also ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Die tote ...

„Der Narbenschneider“ ist nach „Und tot bist du“ der zweite Fall des Ermittlerduos Tabea Kurz und Frank Schünemann, er ist in sich abgeschlossen, kann also ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Die tote Frau, die in einer dunklen Ecke des Hamburger Hafens gefunden wird, ist übelst zugerichtet. Schünemann wird auf den Fall angesetzt und da seine langjährige Partnerin bei einem Einsatz ums Leben kam, wird ihm die Streifenpolizistin Tabea Kurz zur Seite gestellt, mit der er schon einmal erfolgreich zusammengearbeitet hat. Tabea ist mittendrin im Studium zur Kriminalkommissarin und da der Leiter der Hamburger Mordkommission große Stücke auf sie hält, fordert er sie erneut an. Und sie macht sich auch bei dieser Ermittlungsarbeit gut. Tabea und Frank befragen die Freundin des Opfers, die angibt, am Abend vorher einen kompletten Filmriss gehabt zu haben, nachdem die beiden Freundinnen in einer Bar von einem netten Unbekannten ein Getränk spendiert bekommen hatten.

Der Fall gibt Rätsel auf. Neben den tiefen Wunden und den auf der ganzen Haut sichtbaren Schleifspuren, die das Opfer erlitten hat, hält sie eine Locke in der Hand. Es dauert nicht lange, bis die nächste ähnlich schlimm zugerichtete Frauenleiche entdeckt wird. Spätestens jetzt wird klar, dass sie es mit einem Serientäter zu tun haben. Die Zeit läuft ihnen davon, denn wer weiß, wann er wieder zuschlägt. Auch das Warum ist noch unklar, die Ermittlungen gestalten sich nicht gerade einfach.

Zwischendurch ist da noch eine Stimme, die sich mit jemandem zu unterhalten scheint, sich vor jemandem rechtfertigt, diesem Jemand etwas schuldet. Es dauert eine ganze Weile, bis ich einigermaßen erfasse, worum es dieser Stimme geht.

Schon lange schätze ich Gunnar Schwarz und seinen Schreibstil. Gut, er geht nicht gerade zimperlich mit seinen Lesern um, denn es wird zuweilen ganz schön brutal und abartig, spannend sind seine Bücher allemal. Auch dieses hier verlangt ein gutes Nervenkostüm, nicht immer mag ich mir die arg zugerichteten Opfer zu lange vorzustellen. Das Ermittlerteam um Tabea und Frank arbeitet gut zusammen, sie ergänzen sich perfekt und mögen sich auch privat. Wobei beide das zu Private unbedingt vermeiden, auch wenn sie sich zueinander hingezogen fühlen, wäre dies unprofessionell. Die Mordermittlung wird durch diese kurzen privaten Einschübe schon etwas aufgelockert, was der Story gut bekommt. Denn im Vordergrund stehen schon die Morde, wie es sich für einen Thriller nun mal gehört und auch wenn ich vor dem rasanten Schluss einen Durchhänger hatte, der mir etwas zu langatmig war, so hat die Story dem Ende zu wieder enorm angezogen - und nun bin ich auf den nächsten Schünemann & Kurz-Thriller gespannt, ich freu mich schon drauf.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Tatort Malmö zum Zweiten

Schwüre, die wir brechen
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Der Frachter „Star Clipper“ kollidiert in der Nacht auf den 18. Januar 1980 mit einem Brückenpfeiler der mächtigen Bogenbrücke. Wir sind an der schwedischen Westküste. Der Lotse muss zusehen, wie ein ...

Der Frachter „Star Clipper“ kollidiert in der Nacht auf den 18. Januar 1980 mit einem Brückenpfeiler der mächtigen Bogenbrücke. Wir sind an der schwedischen Westküste. Der Lotse muss zusehen, wie ein Auto von der Brücke direkt in den Abgrund stürzt, dann noch eins und noch einige mehr. Dass die Straße plötzlich weg war, konnte der Autofahrer nicht sehen. Fünf PKW und ein LKW wurden später gefunden, acht Personen konnten nur noch tot aus den Fluten geborgen werden. Der Lotse wundert sich, denn er hat ein Auto mehr gezählt. Er muss sich wohl geirrt haben.

Nach dem Prolog, den ich lange nicht zuordnen kann, bin ich im heutigen Schweden. Ein lebloser Körper wird in einem schmalen Boot, das am Uferrand liegt, gefunden. Schon allein der Leichenfund an sich ist schlimm, der Zustand der Leiche jedoch lässt einen schaudern. Ein Krokodilkopf, der mit engen Stichen an den Hals genäht wurde, ersetzt den menschlichen Kopf.

Ein Fall für Jon Nordh und seine Kollegin Svea Karhuu. Nach „Tode, die wir sterben“ ist es der zweite, nicht minder nervenaufreibende Fall für die beiden Kommissare, deren Privatleben auch nicht ohne ist. Nordhs Ehefrau ist tödlich verunglückt und noch heute drängt es ihn, die Hintergründe zu durchleuchten. Auch Karhuu lässt ihre Vergangenheit nicht los, auch sie muss dem Ganzen auf den Grund gehen. Dabei haben sie für ihre privaten Ermittlungen gar keine Zeit, denn diesem Krokodilmann folgen weitere Tote. Allesamt mit festgenähten Tierköpfen. Eine True-Crime-Podcasterin mischt kräftig mit, sie plaudert um des Erfolges willen zu viel, dann verschwindet ein junges Mädchen. Wie es aussieht, haben sie es mit einem Serienmörder zu tun.

Diesmal führt mich das deutsch-schwedische Autorenpaar Voosen/Danielsson in die Welt der altägyptischen Götter. Ich lese von Hieroglyphen, die entziffert werden wollen und von den Krokokiller-Morden, wie Pernille Friis, die Podcasterin, ihre True-Crime-Ergüsse nennt. Dazwischen bin ich immer mal wieder in Chile bei Colonia Dignidad, was mich zunächst verwirrt, ich aber bald einen Zusammenhang sehe.

Es sind einige Erzählstränge, denen ich gebannt folge, wobei mir die Gottheiten und deren Bedeutung zu viel Raum einnimmt und die ansonsten spannende Story ausbremst. Wie werden die Opfer ausgewählt? Klima und Umweltschutz klingen an, aber auch Wut, Diebstahl und Habgier. Ist das Motiv für die grausamen Taten hier zu suchen? Oder treibt den Täter etwas ganz anderes um? Lange tappe ich im Dunkeln, auch wenn ich dieser Spur zu Chile näherkomme. Ansonsten aber bin ich lange ratlos und zuweilen muss ich ob so manch brutaler Details ganz schön schlucken.

Die Charaktere sind vielschichtig angelegt, allen voran Nordh und Karhuu, zwei ganz und gar unterschiedliche Persönlichkeiten, beide sind sie greifbar trotz oder gerade wegen ihrer privaten Momente, die sie sehr nahbar machen. Und doch sind sie in erster Linie Polizisten, die ihren Job ernst nehmen. Diesen Kroko-Fall wollte Nordh zunächst ablehnen, da er um die psychische Belastung wusste. Für Karhuu aber kam das nicht infrage, also ziehen beide an einem Strang. Und sie ziehen ihre komplexen Ermittlungen durch bis zum Schluss, der ihnen beiden ziemlich zusetzt.

Tatort Malmö, Band zwei, ist in sich abgeschlossen, man muss den ersten Band nicht unbedingt gelesen haben. Das Wichtige, also das Private und der Werdegang von Jon Nordh und Svea Karhuu, ist in die Story gut eingeflochten. Ich habe beide Bücher im Rekordtempo gelesen und nun bin ich auf die „Opfer, die wir bringen“ gespannt.

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