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Veröffentlicht am 11.02.2025

Tödliche Geheimnisse

Kummersee
1

Die Suche nach einem Endlager gestaltet sich schwierig, denn keiner möchte diesen gefährlichen atomaren Müll in seiner Nähe haben. So auch hier, in dem kleinen, vergessenen Ort Horlow direkt an der ehemaligen ...

Die Suche nach einem Endlager gestaltet sich schwierig, denn keiner möchte diesen gefährlichen atomaren Müll in seiner Nähe haben. So auch hier, in dem kleinen, vergessenen Ort Horlow direkt an der ehemaligen Zonengrenze.

Die Fima Alphaplus Sonderbauplanung schickt zwei Leute – den Projektleiter Detlev Kosinski und den Vermessungstechniker Björn Thoms - an den See, dessen Tauglichkeit für dieses Vorhaben geprüft werden soll. Zu ihrem Schutz sind die beiden Polizisten Lena Wolff und Malik Nasiri abgestellt. Kaum angekommen, sehen sie sich einem Pulk aus Protestierenden, Presseleuten und einem massiven Aufgebot der örtlichen Polizei gegenüber. Auch sind die zuvor gebuchten Hotelzimmer plötzlich alle weg. Lena, die hier aufgewachsen ist, sieht den einzigen Ausweg darin, bei ihrer Mutter anzufragen, ob sie die erste Nacht bei ihr verbringen können.

Der „Kummersee“ hat mich mit diesem so drastischen Anfang sofort angezogen, ja aufgesaugt und lange nicht mehr losgelassen. Die ganze Dramatik um die Proteste, der spürbare Hass den Technikern, aber auch Lena und Malik gegenüber hat mich für sie, die scheinbar auf verlorenem Posten stehen, eingenommen. Haben sie überhaupt eine Chance, ihrer Arbeit nachzugehen? Es geht Schlag auf Schlag, die Ereignisse überstürzen sich.

Der Geschichte vorangestellt ist die Legende vom Müller und seiner Frau und deren lang ersehntem Kind, auch andere Storys rund um den See muten gar gruselig an.

Hat die Tragik um Lenas Bruder Tom, der vor dreißig Jahren im Kummersee ertrank, mit den jetzigen Vorkommnissen zu tun? Denn bald gibt es hier am See einen übelst zugerichteten Toten und es bleibt nicht bei diesem einen. Als „die verrückte Schwester des toten Jungen, dessen Bruder vom Monster geholt wurde“ wird Lena von gewissen Leuten bezeichnet und nun scheinen sich die Vorfälle zu wiederholen.

Ivar Niklas Schwarz Debüt ist an und für sich gelungen, wäre da nicht dieses drastische Ende, das ins Utopische abdriftet. Hier sehe ich Superkräfte am Werk, die alles rundherum platt machen. Die Frage, ob die hier Agierenden aus diesem Schlamassel herausfinden, stellt sich des Öfteren. Es geht um Umweltschutz, um die schwierige Suche nach einem Endlager, auch spielt die deutsch-deutsche Geschichte mit hinein um diesen “Kummersee“, den so einige am liebsten für immer im Dornröschenschlaf wissen wollen.

Der Thriller hat mich neugierig gemacht, mich vorwärts gedrängt, der drastische, der rigorose, ja unerbittliche Schluss jedoch gefällt mir so gar nicht. Da mich aber das Buch bis zu diesem bitteren Ende gut unterhalten hat, vergebe ich dennoch vier Sterne.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Was ist damals geschehen?

Die Villa
1

Jess Ryder hat mit „Die Villa“ einen spannenden Psychothriller vorgelegt, der die Hintergründe um Aoifes Tod näher durchleuchtet. Sie erzählt von damals, als fünf Freundinnen in der Villa Floriana residierten, ...

Jess Ryder hat mit „Die Villa“ einen spannenden Psychothriller vorgelegt, der die Hintergründe um Aoifes Tod näher durchleuchtet. Sie erzählt von damals, als fünf Freundinnen in der Villa Floriana residierten, um hier und im nahen Ferienort ihren Spaß zu haben. Und sie erzählt von heute, von dem Willen, mit dem noch immer unaufgeklärten Tod abzuschließen.

Ein Junggesellinnenabschied muss heutzutage unbedingt sein, zumindest meinen dies Dani, Celine, Tiff und Beth, die es mit der zukünftigen Ehefrau Aoife nochmal so richtig krachen lassen wollen. Das Wochenende in der Nähe von Marbella mit allem Drum und Dran will sorgfältig vorbereitet werden, Tiff übernimmt die Planung. Drei Jahre ist es nun her, dass diese Tage, die unbeschwert sein sollten, völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Aoife liegt in ihrem Blut auf den Boden, der Notarzt kann nur noch ihren Tod feststellen.

Was ist damals passiert? Dani fehlen noch immer entscheidende Momente, also beschließt sie, die Freundinnen von damals nochmal zusammenzutrommeln. Vordergründig sollte der Todestag von Aoife gemeinsam begangen werden, aber eigentlich hofft Dani darauf, ihrem lückenhaften Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Und auch wenn es so scheint, als ob Celine, Tiff und Beth damit abgeschlossen haben, so lässt Dani nicht locker.

Die Kapitel wechseln vom Damals zum Heute. Sämtliche Locations werden nochmal aufgesucht, auch Aoifes Verlobter Nathan und so einige mehr werden näher betrachtet, das Bild jedes einzelnen setzt sich sukzessive zusammen und wie es so oft der Fall ist, trügt der äußere Schein. Überhaupt werden die Freundschaften untereinander näher durchleuchtet, die so unterschiedlichen, geheimnisumwitterten Charaktere bekommen mehr und mehr Kontur.

Die zwei Zeitebenen wechseln sich ab, beide sind sie spannend umgesetzt. Wie es denn zu dem Tod von Aoife kam, lässt mich aber doch unzufrieden zurück und ist für meine Begriffe nicht so ganz schlüssig. Ich lese eher von Feindschaften denn von Freundschaften, von Misstrauen und kriminellen Machenschaften, all das durchzogen von exzessivem Alkoholkonsum.

Nach etwa einem Viertel des Buches keimte in mir ein Verdacht auf. Ein Gedanke, der wieder verschwand, der aber immer wieder neue Nahrung bekam und der letztendlich auch in die richtige Richtung zielte. Ein durchweg fesselndes Buch, das gut unterhält.

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Veröffentlicht am 05.02.2025

Das nicht immer einfache Leben auf dem Land in den 1920er Jahren

Kronsnest
1

„Kronsnest“, ein holsteinisches Dorf, gibt es wirklich. Florian Knöppler erzählt davon, von den Dörflern und deren Gemeinschaft in den 1920er Jahren, von deren Sorgen, von deren Ängsten und Nöten.

Hannes ...

„Kronsnest“, ein holsteinisches Dorf, gibt es wirklich. Florian Knöppler erzählt davon, von den Dörflern und deren Gemeinschaft in den 1920er Jahren, von deren Sorgen, von deren Ängsten und Nöten.

Hannes lebt hier auf dem elterlichen Hof, seine kleine Welt besteht neben der Schule und den viel stärkeren Jungs aus der Mitarbeit auf dem Bauernhof, er kennt es nicht anders. Von jeher hat er sich viel zu viel gefallen lassen, er steckt lieber ein als dass er sich verteidigt, was seinem Vater so gar nicht gefällt. Der schwächliche Sohn kassiert nicht nur von den Gleichaltrigen Prügel, auch der Vater langt ordentlich hin. Hannes einziger Freund ist Thies, mit ihm will er zum Boxunterricht, was dem Vater zunächst nicht gefällt. Erst nachdem Hannes sich gegen die Brüder Albert und Eggert das gefühlt erste Mal zur Wehr gesetzt hat, darf er dann doch zum Boxen, Hannes verliert aber bald die Lust daran.

Es ist die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Florian Knöppler erzählt in seinem Erstlingswerk einfühlsam, aber doch sehr kraftvoll vom Leben auf dem Land. Er beobachtet genau, er wertet nicht, er zeichnet das Miteinander ohne erhobenen Zeigefinger nach, auch fließt der beginnende Nationalsozialismus mit hinein.

Er braucht dazu keine Gewaltszenen, er lässt Bilder entstehen, erzählt seine Geschichte wie nebenbei und doch sehr präzise und man spürt dabei eine Intensität, die aus jedem Wort, aus jeder Zeile spricht. Er beschreibt die Natur, nimmt seine Leser mit zur Feldarbeit, berichtet von so mancher Missernte, nicht immer trägt die Witterung die Hauptschuld. Und wenn wieder einmal ein Tier verletzt ist, spürt man auch da, was los war. „Böltje geht’s besser. Die Beine heilen schon, Vater hat sie wohl gut geschient.“ Der Hund hat einiges abgekriegt. Im Nachhinein wird eher angedeutet denn dies angesprochen, jeder weiß auch so, wer Böltje so zugerichtet hat.

Es ist der tägliche Kampf ums Dasein und damit das Leben mit den Tieren auf dem Bauernhof, das lebendig und scharfsinnig nachgezeichnet wird. Hannes, Vater, Mutter – es geht um die Familie. Hannes wird erwachsen und natürlich spielen Freundschaften, die ersten zarten Bande und die aufkeimende Liebe mit all ihren Höhen und Tiefen mit hinein. Es ist die NSDAP, die immer mehr Anhänger gewinnt, die die Dorfgemeinschaft mit ihren Reden und ihren Taten vergiftet. Es ist Knöpplers erzählerisches Können, das diesen scharfsinnigen Roman so lebendig, so lesenswert macht.

Es ist ein starkes Debüt, es ist kein Buch, das man nach dem Lesen schnell wieder vergisst. Nein, es bleibt und es erweckt den Wunsch, mehr von Florian Knöppel zu lesen. „Habichtland“ wird mein nächstes Buch von ihm sein, es erzählt Hannes Geschichte weiter.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Thriller trifft Mystik

Apartment 5B
3

Lisa Unger inszeniert ihr APARTMENT 5B in vier Akten. Zunächst erfahren wir von der „Erbschaft“. Dieses Apartment, über das wir noch eine ganze Menge erfahren werden, hat Chads Onkel Ivan ihm und seiner ...

Lisa Unger inszeniert ihr APARTMENT 5B in vier Akten. Zunächst erfahren wir von der „Erbschaft“. Dieses Apartment, über das wir noch eine ganze Menge erfahren werden, hat Chads Onkel Ivan ihm und seiner Frau Rosie hinterlassen. Es ist nicht irgendeine Wohnung, nein. Das luxuriöse Apartment befindet sich im „Windermere“-Gebäude, von dem der zweite Akt mehr preisgibt, danach begegnen uns „Geister und Gargoyles“. Mit „Auferstehung“ wird der vierte Akt eingeleitet und abschließend sehen wir noch einige Monate in die Zukunft.

Rosie und Chad sind arm, aber glücklich. Sie schreibt Bücher, er ist ein eher unterbeschäftigter Schauspieler. Beide sind überrascht, dass Ivan sie und nicht seine Tochter Dana als seine Erben eingesetzt hat. Nun, sie machen sich schon Gedanken, wie sie die extrem hohen Fixkosten, die ihre derzeitige Miete übersteigen, aufbringen können und doch entschließen sie sich, ins Windermere zu ziehen.

Lisa Unger versteht es, ihre Leser sofort mitzunehmen. Von Anfang an ist die Atmosphäre bedrückend. Das Windermere hat eine düstere Geschichte, schon früher kam es zu Selbstmorden, die – so meint man zwischen den Zeilen zu lesen - vielleicht Morde waren. Ein Paar, das hier gelebt hat, taucht auf, daneben sind es diese durchscheinenden Gestalten, die Rosie immer mal wieder sieht. Übersinnliches zieht sich durchs Buch, nichts davon ist rational erklärbar. Seltsame Dinge geschehen, das Haus scheint zu leben, mysteriöse Todesfälle werfen Fragen auf, die Nachbarn benehmen sich durchweg befremdlich.

Die Charaktere sind von bieder, unsicher und gutgläubig bis hin zu durchtrieben, rational, stark, selbstbewusst und manipulativ sehr differenziert dargestellt. Sie sind durchweg glaubhaft angelegt, ich war bei so einigen hin- und hergerissen, wusste nicht so recht, was ich von denen halten sollte. Sie sind undurchschaubar bis zuletzt, genau so, wie ich es von einem Thriller erwarte.

Das Mystische zwischendurch ist gut integriert, solange es nicht zu sehr ins Übersinnliche abdriftet – was schon auch der Fall ist. Hier war ich raus. Und das zwar überraschende, aber zu süßliche Ende mochte ich gar nicht. Und doch war der Thriller ein spannender Nervenkitzel, den ich - mit den vorgenannten Abstrichen - gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 01.02.2025

Ist das „Mörder-Gen“ vererbbar?

Die Tochter des Serienkillers
1

Hat die Tochter des Schmetterlingskillers, wie er genannt wird, das „Mörder-Gen“ geerbt? Die Antwort auf diese Frage erhalte ich ziemlich spät, zunächst jedoch erfahre ich so einiges von Jane, die ihren ...

Hat die Tochter des Schmetterlingskillers, wie er genannt wird, das „Mörder-Gen“ geerbt? Die Antwort auf diese Frage erhalte ich ziemlich spät, zunächst jedoch erfahre ich so einiges von Jane, die ihren Namen geändert hat, sobald sie sich aus den Fängen ihrer Eltern befreien konnte. Jenny nennt sie sich nun, sie ist mit Mark verheiratet, Ella und Alfie sind ihre beiden entzückenden Kinder und wäre da nicht der Vertrauensbruch von Mark gewesen, hätten sie als Bilderbuchfamilie durchgehen können. Jenny betreibt eine erfolgreiche Tierarztpraxis, auch Mark ist beruflich gefestigt – so weit, so in Ordnung. Wäre da nicht der Tierkadaver, der Jenny in einer schwarzen Mülltüte verpackt vor die Haustür gelegt wird. Sie findet noch mehr dieser anrüchigen Pakete, behält dieses Wissen aber für sich. Ziemlich zeitgleich verschwindet Olivia, mit der Mark eine kurze Affäre hatte, die Polizei sucht fieberhaft nach ihr, auch Jenny und Mark werden befragt.

Da ich vor Kurzem „Die Frau des Serienkillers“, das erste Buch der Reihe um die Serienkiller-Familie, gelesen habe, habe ich geradezu auf diesen Nachfolgeband hingefiebert. Hier treffe ich eine andere Familie, was ich so nicht vermutet hätte. Dies nur am Rande, denn auch diese Familie eines mittlerweile überführten Serienkillers, der Zeit seines Lebens einsitzt, hat Geheimnisse en masse, denn bald ist klar, dass nicht nur Jenny ihre Herkunftsfamilie verleugnet, auch Mark scheint so einiges aus seinem früheren Leben verbergen zu wollen.

Seit nunmehr elf Jahren verbirgt Jenny ihre wahre Identität, keiner weiß um ihren Mörder-Vater und keiner weiß wirklich, wie manipulativ und einengend ihre Mutter war. Es tauchen vor ihrem inneren Auge Szenen eines weißen Distelfalters auf, sie verhält sich oftmals ziemlich seltsam, hat Blackouts, wacht desorientiert auf, sie steht so dann und wann komplett neben sich. Sie hat Erinnerungslücken, auch die Überwachungskameras fördern eher Versatzstücke denn die Wirklichkeit zutage. Jenny ist zunehmend verzweifelt, sie wird immer tiefer in die Ermittlungen um die verschwundene Olivia hineingezogen.

Auch mich zieht Alice Hunter in diesen so undurchsichtigen Fall, ich bin ihren ausgelegten Fährten gefolgt, bin direkt in ihre gut getarnte Falle getappt, bin letztendlich dem Irrtum aufgesessen, der von ihr durchaus gewollt war. Gut gemacht, Frau Hunter! Und sie hat noch so einiges mehr gut hinbekommen, vor allem dem Ende zu ist alles nochmal gerade gerückt worden, auch wenn mir mach Passage zwischendurch zu ausschweifend war. Jenny bin ich gefolgt, habe sie ob ihres Mutes bewundert, dann wieder hätte ich sie am liebsten geschüttelt und ihr gute Ratschläge erteilt. Nicht nur sie, auch die anderen Figuren sind glaubhaft angelegt, die ganze Story hat mich gefesselt und mich gebannt weiterlesen lassen. Bis zum doch sehr überraschenden Ende – aber lesen Sie selbst.

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