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Veröffentlicht am 03.12.2024

Ist sie die Frau eines Killers in Serie?

Die Frau des Serienkillers
6

Beth und Tom Hardcastle leben mit ihrer Tochter Poppy in dem kleinen Ort Lower Tew – eine Bilderbuchfamilie schlechthin. Dennoch kommen erste Zweifel auf, denn Tom wird des Mordes beschuldigt. Er kommt ...

Beth und Tom Hardcastle leben mit ihrer Tochter Poppy in dem kleinen Ort Lower Tew – eine Bilderbuchfamilie schlechthin. Dennoch kommen erste Zweifel auf, denn Tom wird des Mordes beschuldigt. Er kommt in Haft und so nach und nach erfahren wir mehr von ihm. Beth lässt einen Blick hinter die Kulissen zu, sie erwähnt etwa wie nebenbei, dass er klammert. Man weiß nicht so recht, was man davon halten soll. Denn bald wird klar, dass Beth so einiges der Polizei gegenüber verschweigt. Will sie ihm helfen? Ihm beistehen? Ihn schnellstmöglichst aus dem Gefängnis herausholen? Das ach so glückliche Familienleben scheint ein Trugschluss zu sein.

Ich bin hin- und hergerissen zwischen Beth und Tom. Sie führt ein gutgehendes Keramikcafé, in dem auch die Leute von Lower Tew ein- und ausgehen. Diese scheinen Beth zunehmend kritisch zu beäugen, was angesichts Toms Haft nicht weiter verwundert. In dieser schweren Zeit ist ihr Adam, ein verwitweter Nachbar mit einer Tochter in Poggys Alter, eine große Stütze. Mir jedoch ist er nicht so ganz geheuer und auch wenn ich es nicht direkt benennen kann, so würde ich an Beths Stelle etwas mehr auf Abstand gehen. Tom wird derweilen von seinem Anwalt vertreten, auch von ihm erfahre ich mehr als mir lieb ist.

Alice Hunter versteht es perfekt, ihren Lesern häppchenweise Infos vorzusetzen, die jedoch mehr für Verwirrung denn für Klarheit sorgen. Zwischendurch bekommen wir noch Szenen vorgesetzt, die zwar hart zur Sache gehen, aus denen aber nicht ersichtlich wird, um welche Personen es sich handelt. Natürlich habe ich eine Vermutung – ob ich richtig liege, erschließt sich mir lange nicht. Auch Toms Gedanken bleiben mir nicht verborgen und auch bei ihm bin ich mir nicht sicher, ob seine Wahrnehmung getrübt ist, denn das, was ihm zur Last gelegt wird, liegt schon etliche Jahre zurück.

Schon allein der Titel „Die Frau des Serienkillers“ wirft Fragen auf. Wird sie lediglich als die aus allen Wolken fallende Ehefrau dargestellt, die nichts von den Taten ihres Angetrauten wusste? Oder geht es eventuell um sie direkt? Alles könnte möglich sein, lange bin ich ratlos, bin hin- und hergerissen. Die Story ist raffiniert konstruiert, was mir per se schon mal gefällt. Und nicht nur die Story an sich, auch die hier Agierenden, allen voran das Ehepaar Hardcastle, haben in mir überwiegend negative Gefühle ausgelöst.

Die durchweg rasante Story hatte kurzzeitig einige Längen, die jedoch angesichts der bald wieder anziehenden Spannung vernachlässigbar sind. Letztendlich habe ich doch einiges vorausgesehen, es mir auch so gewünscht - trotzdem oder gerade deshalb war es für mich ein schlüssiges Ende. Und nun bin ich auf „Die Tochter des Serienkillers“ gespannt, das zweite Buch erscheint Ende Januar 2025.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Ein wundervoller Traum voller Glanz und Glamour

Cartier. Der Traum von Diamanten
1

„Cartier. Der Traum von Diamanten.“ Der erste Band der Cartier-Saga weckt in mir den unbedingten Wunsch, noch mehr über das schillernde Leben dieser Juweliersfamilie zu erfahren. Das erste Buch beginnt ...

„Cartier. Der Traum von Diamanten.“ Der erste Band der Cartier-Saga weckt in mir den unbedingten Wunsch, noch mehr über das schillernde Leben dieser Juweliersfamilie zu erfahren. Das erste Buch beginnt im Jahre 1910, es ist in drei Teile gegliedert und endet im Sommer 1915, wobei die Zeit mit Beginn des Ersten Weltkrieges eher kurz angerissen ist.

Wer kennt sie nicht, die glamouröse Marke Cartier - eine glanzvolle Welt, in die nicht jeder Zutritt hat. Auch die junge Näherin Jeanne Toussaint hätte sich nie träumen lassen, eines Tages bei Cartier eine Anstellung zu finden. Nun, sie verdankt ihr erstes Aufeinandertreffen mit Louis Cartier ihrer Tango-Leidenschaft und natürlich unterhält man sich daneben, schon allein die Etikette erfordert einen unverbindlichen Plausch. So ganz unverbindlich jedoch bleibt dies nicht, denn nicht nur ihre außergewöhnlichen Ohrringe sind es, die Louis auffallen, auch bemerkt er ihren stilsicheren Blick und ihr Gespür für das Besondere. An zwei Tagen die Woche entwirft sie ab sofort neue Kreationen, die auch nützliche Kleinigkeiten im Luxussegment beinhalten und sich bestens verkaufen.

Hier treffen Fiktion und Wirklichkeit aufeinander, der historische Hintergrund bleibt dennoch stets sichtbar. Neben den Brüdern Cartier und der jungen Jeanne Toussaint sind es viele heute noch bekannte Persönlichkeiten wie etwa Coca Chanel, denen wir hier begegnen.

Sophie Villard nimmt mich zunächst mit nach Paris zu Louis und seinem exklusiven Juweliergeschäft. Diskretion ist alles, die finanzkräftige Klientel fordert Individualität, dafür stehen neben dem Empfangssalon auch der Perlensalon oder etwa auch der Grüne Salon zur Verfügung. Man spürt das exquisite Ambiente, in dem die erlesenen Stücke präsentiert werden. Der Käuferkreis ist international, was selbstverständlich auch für das Haus in London gilt, in dem Jacques die Geschäfte leitet und selbstredend zählt auch das Königshaus zur vornehmen Kundschaft. Das Cartier-Geschäft in den USA wird von Pierre geleitet, es residiert auf der Fifth Avenue in New York.

Die Anekdote um die erste Fliegeruhr und deren Namensgeber Alberto Santos Dumont erzählt auch von dem ersten lenkbaren Luftschiff, wir reisen nach Russland, tauchen mit Perlenfischern, bestaunen den Panther-Ring und sind dem sagenumwobenen Hope-Diamanten auf der Spur, um nur einiges Wenige zu nennen, das uns hier bestens unterhält und uns in eine glamouröse Zeit zurückversetzt. Unser Weg führt direkt hinein in die Werkstätte der Goldschmiede und auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Neben der zauberhaften Jeanne in Paris sind es Elma in NY und Nelly in London, die für so manch Verwirrung sorgen.

Jeannes Geschichte geht weiter, sie bleibt erst mal zurück in Paris inmitten der Kriegswirren. Und sie bleibt uns auch im zweiten Band erhalten. Sie habe ich ganz besonders gemocht, aber auch die anderen Charaktere sind mir sehr vertraut, Sophie Villard hat sie mit Leben gefüllt, ihnen Glaubwürdigkeit und Echtheit mitgegeben. Ihr einnehmender Schreibstil verbindet die fiktiven Elemente mit dem historischen Hintergrund aufs Beste, sie hat mich vorzüglich unterhalten mit ihrem „Traum von Diamanten“, den ich nur zu gerne mitgeträumt und direkt miterlebt habe, so tief hat sie mich in diese mitreißende Geschichte voller Glanz und Glamour gezogen.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Eine durchaus rebellische junge Frau, die mutig ihren Zielen folgt

Rebellin der Hohen Schule
1

Im Wien des Jahres 1875, also vor hundertfünfzig Jahren, haben die Frauen zu heiraten und neben ihrem Angetrauten ihr anmutiges Äußeres zu präsentieren. Dafür werden sie erzogen, auch Margarete Böhm droht ...

Im Wien des Jahres 1875, also vor hundertfünfzig Jahren, haben die Frauen zu heiraten und neben ihrem Angetrauten ihr anmutiges Äußeres zu präsentieren. Dafür werden sie erzogen, auch Margarete Böhm droht dieses Schicksal. Ihre Mutter hält Ausschau nach einem passenden Heiratskandidaten und wird direkt bei der reichen Familie Hoffmann mit August, ihrem vielversprechenden Spross, fündig. Margaretes rebellischer Charakter jedoch lehnt diesen freiweg ab und auch August scheint von ihr gänzlich abgeneigt zu sein. Nicht die besten Voraussetzung für eine familiäre Verbindung, zumal Mutter sich dadurch noch so einiges mehr verspricht.

Margarete ist mit ihren zwanzig Jahren eine junge Frau mit ihren ureigenen Vorstellungen und diese gehen eher Richtung Hofreitschule denn in den Ehehafen. Ihr sehnlichster Wunsch ist es seit jeher, einmal hier als Bereiterin tätig zu werden. Die Spanische Hofreitschule zu Wien kennt sie von klein auf, ist doch ihr Vater der Erste Oberbereiter. Sie und ihr Zwillingsbruder Wenzel gehen hier immer noch ein und aus und im Gegensatz zu ihrem Bruder ist Margarete eine Naturbegabung, aber leider bleiben die Türen in beruflicher Hinsicht für sie als Frau verschlossen.

Nora Lynn erzählt von der Rebellin, die mir sofort sympathisch war. Sie lässt die Zeit anno dazumal aufleben, sie nimmt ihre Leser mit in den Alltag der Hofreitschule, sie klärt wie nebenher etwa über die Namensgebung der Hengste der Kaiserlichen Hofreitschule auf, lässt uns einen tiefen Blick auf die Kaiserin werfen und hat noch viele interessante Geschichten und Anekdoten parat. Und natürlich folgt sie ihrer Hauptakteurin, der fortschrittlichen Margarete, deren Weg auch ins Gestüt Lipica führt. Auch erfahren wir mehr über Wenzel, den ich neben ihr sofort ins Herz geschlossen habe und auch August behalten wir im Auge – eh klar.

Neben der unterhaltsamen Story und dem aufschlussreichen historischen Bezug ist es auch der einnehmende, fesselnde und kurzweilige Schreibstil, der mich sofort ins Buch gezogen hat. Voller Emotionen, voller Dramatik und Intrigen entspinnt sich eine Geschichte mit einem intensiven Schluss, der sich letztendlich gut in die ganze Geschichte einfügt. „Rebellin der Hohen Schule“ ist ein New-Adult-Liebesroman, der mir sehr gut gefallen hat und den ich sehr gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 28.11.2024

Gute Story, die an dem zu gewollt Witzigen leidet

FriesLandFang (Nordseekrimi)
1

Der Nordseekrimi „FriesLandFang“ ist der zweite Fall für das Ermittlerduo Carsten Wolf und Fabiu Covaci. Es kann – wie schon das erste Buch dieser Reihe „FriesLandOpfer“ unabhängig voneinander gelesen ...

Der Nordseekrimi „FriesLandFang“ ist der zweite Fall für das Ermittlerduo Carsten Wolf und Fabiu Covaci. Es kann – wie schon das erste Buch dieser Reihe „FriesLandOpfer“ unabhängig voneinander gelesen werden. Jeder Fall ist in sich abgeschlossen.

Ein arbeitsreicher Tag neigt sich dem Ende zu, jedoch sorgt der Fund einer verstümmelten Leiche, die sich im Schleppnetz eines Krabbenfischers verfangen hat, für helle Aufregung. Die beiden Kommissare Carsten Wolf und Fabiu Covaci übernehmen den Fall, der sie auf die kleine Ostfriesland-Insel Baltrum führt. Das Opfer ist Ole Böhringer, ein 46jähriger Landwirt, der schon seit Tagen vermisst wird. Er war ein bekennender Umweltschützer, der sich durch seine Penetranz nicht unbedingt Freunde gemacht hat. Er lebte mit seiner Frau und den drei Kindern auf dem Hof, auf dem er so ziemlich autark lebte, dort betrieb er Schafszucht und neben seiner Familie war ihm auch sein Bruder eine große Hilfe.

Der Fall an und für sich und die damit einhergehenden Ermittlungen sind gut und durchaus plausibel beschrieben, auch die Kommissare, die Familie und die Anwohner von Baltrum sind in sich schlüssig dargestellt. Was mich – je weiter ich las – extrem gestört hat, war das zu gewollt witzige Miteinander. Die permanenten Frotzeleien, die vielen Flachwitze, die sie als fortlaufenden Wettbewerb zum Besten geben, waren nervig, ebenso die auf Dauer lästige Betitelung von Wolf, der Fabiu Covaci als Welpe, wahlweise als Frischling anredet, was wohl der Auflockerung dienen sollte, war aber eher spaßbefreit denn amüsant. Es war schlichtweg zu viel. Es war lästig, es war störend. Es hat der Story eher geschadet denn genützt.

Die Story an sich war spannend, die Ermittlung logisch aufgebaut und auch das Ende war in sich stimmig. Die auf Dauer zermürbende Bespaßung unter Kollegen hat mir den Lesegenuss jedoch vermiest.

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Veröffentlicht am 27.11.2024

Düster, geheimnisumwittert, nervenaufreibend

Nachtwald
1

Nach Tríona Walshs durchweg spannendem Thriller „Schneesturm“ kommt auch „Nachtwald“ fesselnd und geheimnisvoll daher, wenngleich er die Spannung nicht durchgehend hält.

Claire und George haben geheiratet. ...

Nach Tríona Walshs durchweg spannendem Thriller „Schneesturm“ kommt auch „Nachtwald“ fesselnd und geheimnisvoll daher, wenngleich er die Spannung nicht durchgehend hält.

Claire und George haben geheiratet. Um die Kinder des jeweils anderen kennenzulernen, bietet sich Georges abgelegenes Herrenhaus direkt an. Es steht mitten im Wald, mit Fahrzeugen ist es nicht erreichbar, also machen sie sich auf einen längeren Fußmarsch gefasst.

Die Story wird überwiegend aus Lizzies Sicht erzählt. Sie ist Claires Tochter, mit dabei sind auch ihr Bruder Liam sowie Freya, Georges Tochter, mit Hudson, ihrem frisch Angetrauten sowie die Köchin Mia.

Schon der Prolog lässt den „Nachtwald“ düster und unheimlich erscheinen und weckt in mir den Wunsch, nie zu diesem Herrenhaus gehen oder eher stolpern zu wollen. Aber auch der Drang, mehr von dieser kleinen „Wandergruppe“ und ihrem Wochenende zu erfahren, ist da.

Kaum sind sie angekommen, erscheint ein ungebetener Gast, der ihre Pläne gehörig durchkreuzt. Schon allein das Haus ist mir nicht ganz geheuer, genau so jeder einzelne der überschaubaren Truppe. Seltsame Dinge geschehen, Lizzie forscht nach, sie gräbt in der Vergangenheit und nicht zuletzt durch ihre Umtriebigkeit werden bei mir Zweifel geweckt, um diese dann doch wieder zu verwerfen. Die Story zieht sich eine ganze so Weile dahin, sie dreht sich irgendwie um sich selbst, um dann – endlich - umso gewaltiger anzuziehen. Es geht Schlag auf Schlag, nichts ist so, wie es zunächst den Anschein hat, eine neue Erkenntnis jagt die nächste. Die losen Fäden wollen sich jedoch lange nicht verbinden, bis die Fassaden peu à peu zu bröckeln beginnen und das Ende eingeläutet wird.

Nach dem starken Anfang war es mir eine ganze Weile zu langatmig, der spannende Schluss hat mich dann wieder abgeholt. Ein durchaus solider Thriller, der gelesen werden will.

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