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Veröffentlicht am 26.09.2024

Spannend, dramatisch, nervenaufreibend

Wintersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 2)
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Wolf und Berg ermitteln zum nunmehr zweiten Mal. Während der erste Band „Sommersonnenwende“ schon allein vom Anblick her vor Hitze flirrt, so spürt man in der „Wintersonnenwende“ direkt die Eiseskälte, ...

Wolf und Berg ermitteln zum nunmehr zweiten Mal. Während der erste Band „Sommersonnenwende“ schon allein vom Anblick her vor Hitze flirrt, so spürt man in der „Wintersonnenwende“ direkt die Eiseskälte, das Cover spricht bei beiden Bänden für sich, der erste Eindruck ist schon mal sehr positiv…

…und die Geschichte wird weitererzählt, der Prolog erinnert an den Untergang der Estonia am 28. September 1994 kurz nach Mitternacht und endet mit einer Explosion. Am Samstag, den 31. Dezember 1994 dann wird es für Lucy eng, sie kann gerade noch vor ihrem Freier durchs Fenster fliehen. Er ruft sie bei ihrem richtigen Namen – der Schock sitzt tief, denn niemand kann wissen, wie sie wirklich heißt.

Tomas Wolf, den seine Vergangenheit immer wieder einzuholen droht, ermittelt zusammen mit seinem Kollegen, der von allen Zingo genannt wird, in einem Mordfall, der sich als sehr komplex herausstellt und in den auch die oben erwähnte Lucy irgendwie drinzuhängen scheint. Andere Todesfälle folgen, sie geraten in ein gefährliches Netz aus Geheimagenten und Prostitution, dies alles vor den unwirtlichen Witterungsverhältnissen Schwedens und auch hier mischt die unerschrockene Journalistin Vera Berg mit und auch bei ihr spielt Privates am Rande mit hinein.

Die vielschichtige, durch und durch rasante Story wechselt zwischen den Hauptprotagonisten Tomas Wolf und Vera Berg - beide sind sie charakterlich so unterschiedlich wie authentisch. Ihre Ermittlungen überkreuzen sich immer wieder kurz, jedoch handeln sie unabhängig voneinander. Die kurzen Kapitel enden meist dann, wenn es besonders spannend und dramatisch wird, wobei es mitunter brutal und nervenaufreibend zur Sache geht - man sollte also weder dünnhäutig noch prüde sein.

Die Ermittlungen um diese Morde sind in sich abgeschlossen, man muss also nicht unbedingt das Vorgängerbuch kennen. Natürlich wird Wolfs Geschichte und auch die von Vera weitererzählt, auch ist zum Schluss dieses zweiten Bandes ein klitzekleiner Cliffhanger erkennbar, der auf eine Fortsetzung schließen lässt. Eh klar, dass ich mir auch dieses dritte Buch nicht entgehen lassen werde.

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Veröffentlicht am 25.09.2024

Mrs. Potts ermittelt wieder

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bürgermeister
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Auch der dritte Fall für Judith, Becks und Suzie is very british - was sonst. Das waren die beiden Vorgängerbände auch, aber dieser hier legt nochmal eine Schippe drauf, wie ich finde.

Allen voran glänzt ...

Auch der dritte Fall für Judith, Becks und Suzie is very british - was sonst. Das waren die beiden Vorgängerbände auch, aber dieser hier legt nochmal eine Schippe drauf, wie ich finde.

Allen voran glänzt Judith Potts mit ihrem kriminalistischen Gespür. Trotz ihrer 78 Jahre ist sie geistig topfit, unter anderem erstellt sie nach wie vor Kreuzworträtsel für Tageszeitungen, auch ist sie keine Kostverächterin, ihr Schlückchen Whiskey ist sowas wie ihre tägliche Medizin. Und auch körperlich kann sie mit den Jüngeren locker mithalten, schwimmt sie doch regelmäßig in der Themse und das am liebsten textilfrei.

Gemeinsam mit ihren Freundinnen Becks und Suzie mischt Judith wieder kräftig mit, ist doch der Bürgermeister direkt in einer Bauausschusssitzung zusammengesackt und – ist mausetot.

Da Suzie in ihrem Garten ein ganz besonderes Hotel errichten und dafür die Genehmigung erhalten will, ist sie in dieser Sitzung zugegen, sie ist sozusagen Augenzeugin. Die Polizei geht von Mord aus, da in des Bürgermeisters Kaffeetasse Spuren einer giftigen Pflanze gefunden werden. Die akribische Kleinarbeit beginnt nicht nur für die Polizei, sondern auch für die drei Freundinnen. Schließlich war Suzie hautnah am Geschehen und wer wäre da besser geeignet, die Hintergründe für diesen Mord am Bürgermeister zu ergründen, als Judith, Becks und Suzie es sind. Zunächst ist Tanika, die den Fall polizeilich bearbeitet, von der Mitarbeit der drei Ladys so gar nicht erfreut, lässt sich jedoch überzeugen, dass sie diese dringend als ihre zivilen Beraterinnen braucht.

Nun, die drei Meisterdetektivinnen sind ein unschlagbares Team, sie gehen forsch und unerschrocken zu Werke, werden von Mal zu Mal besser, sind draufgängerisch, schrammen oftmals gerade mal so am Erlaubten vorbei und schrecken auch vor zweifelhaften Methoden nicht zurück. So manche Szene ist herrlich skurril, anderes mutet schon arg überspitzt an.

Und natürlich wird der Fall gelöst – mit Judiths tatkräftiger Unterstützung, was sonst. Auch dieser dritte Band ist ein kurzweiliger Lesespaß – ein Cosy Crime, wie er sein soll.

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Veröffentlicht am 25.09.2024

Irlands Große Hungersnot

Sing, wilder Vogel, sing
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Jaqueline O’Mahony beschreibt in ihrem großartigen Roman „Sing, wilder Vogel, sing“ die Tragödie von Doolough 1849 inmitten der Großen Hungersnot (1845 bis 1852) in Irland. Es ist die junge Honora, der ...

Jaqueline O’Mahony beschreibt in ihrem großartigen Roman „Sing, wilder Vogel, sing“ die Tragödie von Doolough 1849 inmitten der Großen Hungersnot (1845 bis 1852) in Irland. Es ist die junge Honora, der wir in dieser Geschichte folgen werden.

„Du hattest schon immer Feuer im Blut, seitdem du ein kleines Mädchen warst, das niemand haben wollte. Dieses Feuer wird dir nützen. Und nun geh, Mädchen.“ Die alte Alice hat sich ihrer angenommen, nachdem Honoras Mutter bei der Geburt gestorben war, denn keiner sonst im Dorf war ihr wohlgesonnen, sie galt schon immer aus Außenseiterin. Und auch, wenn Alice sie gelehrt hat, zu überleben, so ist es doch die Große Hungersnot, die sie und die anderen im Dorf auf der Suche nach Nahrung ihre Hütten verlassen lässt.

Der Hungermarsch bringt nichts als Leid, viel zu viele überleben ihn nicht. Irgendwie schafft es Honora dann auf ein Schiff über den großen Teich, das gelobte Land bringt ihr jedoch nicht das erhoffte Leben, auch hier muss sie viel erdulden und erleiden. Und doch gibt sie nicht auf, sie ist eine Kämpfernatur, ihr wurde noch nie etwas geschenkt. Nicht in Irland, ihrem Geburtsland und auch später nicht, als sie sich in Amerika behaupten muss.

Die Autorin verwebt geschickt ihre fiktive Geschichte um ihre Protagonistin Honora mit der großen Hungersnot in Irland und der mit der indigenen Urbevölkerung Amerikas, die durch die Territorialansprüche der Einwanderer immer mehr zurückgedrängt wurden. Geprägt von Hunger, von Entbehrungen und dem stetigen Kampf ums Überleben blicken wir in so manch menschliche Abgründe. Auch blitzt Freundschaft immer mal wieder durch und Liebe oder das, was man dafür halten könnte.

In der Nachbemerkung erinnert O‘Mahony an die Tragödie von Doolough. „Was hätte eine Überlebende getan? Sie hätte Irland verlassen und wäre nach Amerika gegangen…“ Diese Gedanken waren es, die sie nach den historischen Verbindungen zwischen den Iren und den indigenen Amerikanern haben suchen lassen. Das Endergebnis – dieses Buch – ist ein äußerst lesenswertes Zeugnis dieser Zeit. Eindrucksstark, lebendig und absolut glaubhaft geschildert.

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Veröffentlicht am 20.09.2024

Einfühlsam erzählte Familiengeschichte über drei Generationen

Vaterländer
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Sabin Tambrea erzählt seine Geschichte, die Geschichte seiner rumänisch-ungarischen Familie. Er selbst hat das 10 Stunden und 28 Minuten dauernde, ungekürzte Hörbuch eingesprochen, das mich trotz des in ...

Sabin Tambrea erzählt seine Geschichte, die Geschichte seiner rumänisch-ungarischen Familie. Er selbst hat das 10 Stunden und 28 Minuten dauernde, ungekürzte Hörbuch eingesprochen, das mich trotz des in weiten Teilen beklemmenden Inhalts doch sehr angesprochen hat. Zum einen war es sein Erzählstil, der – so könnte ich mir vorstellen – auch gut lesbar ist und zum anderen ist es seine angenehme Erzählstimme, die „Vaterländer“ zu einem ganz besonderen Hörerlebnis macht. Dabei lässt er auch seinen Vater und seinen Großvater zu Wort kommen, der das Ceauceșcu-Regime hautnah erleben und erleiden musste. Hierbei hat er sich an die Memoiren seines Großvaters über die Zeit seiner Inhaftierung durch die Securitate zwischen 1949 und 1951 gehalten.

Bela Tambrea, sein Vater, kehrt nach einer Konzertreise nicht mehr zurück nach Rumänien. Er kann dann endlich, nach zwei langen, einsamen Jahren, seine Frau und die Kinder nach Deutschland holen. Sabin ist noch klein, als er staunend das schier überquellende Warenangebot hier sieht, wir befinden uns gegen Ende der 1980er Jahre, es war kurz vor dem Zusammenbruch des Ceauceșcu-Regimes. Seine Eltern sind etablierte Orchestermusiker, auch Sabins Schwester ist im Gegensatz zu ihm sehr talentiert, für ihn dagegen ist sein Spiel auf der Geige eher ein Muss.

Die Erzählung ist in drei Teile gegliedert, wobei der zweite Teil einen tiefen Einblick in die Machenschaften der Securitate, der rumänischen Geheimpolizei, gewährt. Einmal in deren Fängen, war ein Entkommen schier unmöglich. Diese so intensiv geschilderte Zeit macht nur allzu deutlich, dass keiner vor diesem Unrechtsstaat sicher war. Man musste nur jemandem zufällig begegnet sein, vielleicht auch mit ihm gesprochen haben und dabei beobachtet worden sein, so wurde man schlechtestenfalls inhaftiert und gefoltert und nicht genug damit, auch mussten die einzelnen Familienmitglieder darunter leiden. Diese schreckliche Ära veranschaulicht der Autor anhand vieler Begebenheiten. Es ist ein hochinteressantes Zeugnis einer dunklen, einer gefährlichen Zeit.

Sabin Tambrea zeichnet daneben den unbedingten Zusammenhalt der Familienmitglieder untereinander nach. Es ist ein sehr persönlicher Blick zurück hin in eine von Gewalt und Unterdrückung geprägten kommunistischen Ära hin zu Vaters Verbleib im Westen und zu den späteren Verwandtschaftsbesuchen nach Rumänien. Es ist eine eindringlich erzählte Geschichte, die mir vor allem die dunklen Zeiten des Ceauceșcu-Regimes nochmal allzu deutlich vor Augen geführt hat, die nicht vergessen werden darf.

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Veröffentlicht am 20.09.2024

Reihenauftakt um die Berghebamme

Die Berghebamme – Hoffnung der Frauen
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Das Angebot der Stadthebamme Hilde Garhammer hat Maria Roßacker gleich nach ihrer mit Bravour abgelegten Prüfung gerne angenommen. Den Brief, den sie von Max, ihrem Freund aus Kindertagen, erhalten hat, ...

Das Angebot der Stadthebamme Hilde Garhammer hat Maria Roßacker gleich nach ihrer mit Bravour abgelegten Prüfung gerne angenommen. Den Brief, den sie von Max, ihrem Freund aus Kindertagen, erhalten hat, hat sie verdrängt, denn was soll sie in Brannenburg? Dort wurde sie, das Findelkind, nie akzeptiert und nicht nur das, als Bankert wurde sie beschimpft. Max bittet sie dennoch, zurückzukommen, um die Nachfolge der alten Hebamme Alma anzutreten, was Maria nach reiflicher Überlegung dann doch macht. Zurück im Dorf spürt sie auch jetzt diese feindselige Stimmung ihr gegenüber, allen voran ist es die alte Hebamme Alma, die gegen sie wettert, die seit mehr als vierzig Jahren hier die Kinder zur Welt holt. Dass sie nun vom Bürgermeister und dem Gemeinderat in den Ruhestand versetzt worden ist und die junge Maria als ihre Nachfolgerin bestimmt wurde, ficht sie nicht an und so manche werdende Mutter auch nicht, sie schwören nach wie vor auf Alma. Auch der örtliche Pfarrer hält an Althergebrachtem fest wie etwa die von der Hebamme seit jeher ausgeführte Nottaufe - dafür hat Alma immer Weihwasser dabei, was Maria als unhygienisch ablehnt. Ihre fortschrittliche Arbeitsweise missfällt so manchen hier, aber davon lässt sie sich nicht beeindrucken.

Wir sind in Brannenburg, das liegt in Oberbayern, im Jahr 1893. Mangelnde Hygiene bei der Geburt war oftmals für die Müttersterblichkeit und auch die ihrer Neugeborenen verantwortlich. Im Nachwort weist die Autorin auf den Arzt und Geburtshelfer Ignaz Semmelweis hin, der vor 200 Jahren die Ursachen des Kindbettfiebers entdeckt hat. Heute wissen wir, wie wichtig Hygienestandards sind, Ende des 19. Jahrhunderts aber war dies eher nicht der Fall. Am Beispiel dieser beiden so unterschiedlich denkenden und agierenden Hebammen und auch so manch verbohrtem Dörfler wird dies nur allzu deutlich.

Vor diesem Hintergrund erzählt Linda Winterberg Marias Geschichte. Sie ist mit Leib und Seele Hebamme, ihre fortschrittlichen Methoden gefallen nicht jedem. Ihre Außenseiterrolle als lediges Kind, das im Waisenhaus aufwächst, ist gut nachvollziehbar geschildert, auch die damals betriebenen Gebäranstalten, in denen sich die Mütter ihrer Kinder diskret entledigen konnten, ist Thema. Und natürlich spielt auch die Liebe mit hinein. Die Diskrepanz der ewig Gestrigen und derer, die Neues annehmen können und es auch wollen und auch die so unterschiedlichen Charaktere sind gut herausgearbeitet.

Der erste Teil der „Berghebamme – Hoffnung der Frauen“ schildert die damalige Zeit, den vielfach verbreiteten Aberglauben, auch die Ausgrenzung derer, die anders leben, deren Start ins Leben unter schwierigen Bedingungen nicht einfach war und macht den medizinischen Fortschritt in punkto Schwangerschaft und Geburt deutlich, auch wenn für meine Begriffe dann und wann etwas zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt wird. Davon mal abgesehen ist es ein durchaus gelungener Reihenauftakt.

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