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Veröffentlicht am 21.02.2024

Griechische Mythologie – spannend aufbereitet

Elyssa, Königin von Karthago
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Vergil hat zehn Jahre an Aeneis gearbeitet, einem Epos, das den troyanischen Helden Aeneas direkt nach Karthago führt und dort auf Elyssa trifft. Die beiden verlieben sich, die Götter lenken ihre Entscheidungen. ...

Vergil hat zehn Jahre an Aeneis gearbeitet, einem Epos, das den troyanischen Helden Aeneas direkt nach Karthago führt und dort auf Elyssa trifft. Die beiden verlieben sich, die Götter lenken ihre Entscheidungen.

Irene Vallejo hat sich dieser Mythologie angenommen, sie erzählt von Aeneas Ankunft, von Eros, der sie zusammenbringt und auch von den Intrigen gegen ihre Verbindung. Neben den beiden Liebenden erzählen Anna, Eros und Vergil. Eingebettet in die bekannte Mythologie entspinnt sich diese schicksalhafte Geschichte, jeder erzählt aus seiner ganz persönlichen Sicht, Anna etwa freundet sich mit Aeneas Sohn Julus an.

All dies beginnt mit Elyssas Flucht vor ihrem Bruder, dem wahnsinnigen König, der ihren Gatten töten ließ. Sie geht in einer Bucht an Land, es ist dieselbe Bucht, vor der später dann Aeneas Schiffbruch erleidet. Iarbas, der dort ortsansässige König, verspricht ihr bei ihrer Ankunft so viel Land, wie sie mit einer Ochsenhaut umspannen kann. Elyssa ist gewitzt genug, diese Tierhaut in dünne Streifen zu schneiden, um damit das spätere Karthago zu markieren. So Karthagos Gründungsmythos.

Die griechische Mythologie ist mir zwar nicht fremd, sie gehört aber nicht unbedingt zu meiner bevorzugten Lektüre und doch hat die Autorin es geschafft, mich ihm Rahmen dieser bekannten Geschichte mit ihrer einnehmenden Erzählweise zu fesseln. Die Idee, sie alle davon berichten zu lassen, gefällt mir gut. Auch bindet sie Vergil geschickt mit ein und selbst Eros hat seine durchaus amüsanten Auftritte. „Elyssa, Königin von Karthago“ – ein unterhaltsamer Lesegenuss.

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Veröffentlicht am 20.02.2024

Vom ganz normalen Erwachsenwerden

Klarkommen
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Ein Hörbuch, so zum Zwischendurchhören. So würde ich „Klarkommen“ kurz beschreiben wollen. Auf dem Weg hin zum Erwachsensein begleite ich Mounia, Leon und die Erzählstimme – die An- und Einsichten dieser ...

Ein Hörbuch, so zum Zwischendurchhören. So würde ich „Klarkommen“ kurz beschreiben wollen. Auf dem Weg hin zum Erwachsensein begleite ich Mounia, Leon und die Erzählstimme – die An- und Einsichten dieser drei jungen Frauen gibt Jodie Ahlborn in diesem ungekürzten Hörbuch über 3 ½ Stunden gut erkennbar wieder. Sie liest gut, das ja. Was mir allerdings so gar nicht behagt hat, ist diese Gendersprache, die ausgesprochen ziemlich affektiert daherkommt. Der Freund oder die Freundin sind in der Mehrzahl ganz einfach die Freunde und sonst gar nichts. Dieses Gendern mag gelesen gerade noch so angehen, ständig und oft und nicht nur als „Freund… stolper… innen“ ist dies gehört regelrecht unangenehm und vermiest die Story.

Wie der Titel schon sagt, geht es hier um das „Klarkommen“, um ein aus Teenie-Sicht schweres Schicksal. Endlich sind sie in der Großstadt und erleben ihr Dasein völlig neu, auch wenn der schöne Schein schnell bröckelt. Sie studieren, erleben den Alltag, haben Probleme und Problemchen wie jeder sie nun mal hat. Ich denke, hierin erkennt sich jeder junge Mensch mehr oder weniger, der Erzählstil ist kurzweilig, das Buch unterhält ganz gut. Es geht Freundschaften, das Miteinander, Neues zulassen, Altes loslassen und um die Angst, etwas zu verpassen - es ist eine ganze Palette voller Partys, Schule und noch so einiges mehr. Ein Buch, das schnell gelesen, schnell gehört ist, das die Höhen und Tiefen hin zum Erwachsenwerden facettenreich beschreibt.

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Veröffentlicht am 18.02.2024

Bittersüße Träume

Die Fabrik der süßen Dinge – Helenes Träume
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Die Süßwaren-Saga geht weiter. „Helenes Träume“ ist der zweite Band dieser Reihe, schon „Helenes Hoffnung“, das erste Buch, habe ich verschlungen und wehmütig zugeklappt und nun endlich die Fortsetzung ...

Die Süßwaren-Saga geht weiter. „Helenes Träume“ ist der zweite Band dieser Reihe, schon „Helenes Hoffnung“, das erste Buch, habe ich verschlungen und wehmütig zugeklappt und nun endlich die Fortsetzung lesen können, die im Köln des Jahres 1933 angesiedelt ist. Helene ist mit Georg verheiratet und nun freuen sie sich auf die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Anita. Nicht nur Eheprobleme machen Helene zu schaffen, auch sieht sie sich eines Plagiatsvorwurfs ausgesetzt.

Auch wenn sich Helene nach ihren Jahren in Hamburg wieder ganz in die familieneigene Firma einbringt, hat sie doch an allen Fronten zu kämpfen. Als Frau – und sei sie noch so begabt – hat sie nach wie vor einen schweren Stand. Gemeinsam mit ihrem Bruder Alfred leitet sie die Süßwarenmanufaktur, was Alfred jedoch nicht davon abhält, einsame Entscheidungen zu treffen. Helenes Ehemann ist ihr keine große Stütze, er fühlt sich in seiner Rolle als Außendienstler zunehmend wohl, ist mehr unterwegs denn zuhause. Nachdem der schon erwähnte Plagiatsvorwurf publik wird, wenden sich immer mehr Kunden von ihnen ab, die Weltwirtschaftskrise macht ihnen zu schaffen und nicht genug damit, auch spielen die erstarkten Nationalsozialisten eine entscheidende Rolle.

Vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus, deren Einfluss immer tiefer in die Firmenstrukturen hineinreicht, erzählt Claudia Romes von der fiktiven Kölner Familie von Ratschek und deren Süßwarenmanufaktur. Juden sind nicht erwünscht, die Geschäftsleitung hat dem Rechnung zu tragen, das Personal muss angepasst werden, auch wird eine Parteizugehörigkeit erwartet.

Ja, Helenes Träume scheinen weit weg zu sein, sie sind eher bittersüß, wenn nicht gar ausgeträumt. Habe ich sie im ersten Band als durchaus emanzipierte Frau wahrgenommen, so ist sie nun eher im Kreise ihrer konservativen Familie gefangen. Helene lebt mit Mann und Kind in der Familienvilla, gemeinsam mit ihrer doch sehr dominanten Mutter. Diese bremst sie mit ihrem veralteten Frauenbild gerne aus. Wenigstens Eva, Alfreds Frau, ist ihr eine willkommene Stütze und gute Freundin. Es gibt Rückschläge und doch ist Helene ihr Kampfgeist nicht ganz abhanden gekommen, wenngleich er ausgerechnet durch Georg einen schweren Schlag erleidet. Und nicht nur durch ihn, es passiert eine ganze Menge, das Buch konnte ich erst weglegen, als die letzten Seiten gelesen waren.

Auch wenn dieser zweite Band nun ausgelesen ist, so warte ich doch dringend auf einen hoffentlich nächsten Teil, denn so einiges bleibt ungesagt, wenngleich die hier aufgetretenen Unzulänglichkeiten und Probleme schon gelöst sind. Die Autorin hat mich mit ihrem einnehmenden Schreibstil bestens unterhalten, ihre Charaktere sind wie eh und je lebendig und facettenreich mit Ecken und Kanten – der eine mehr, der andere weniger. Sie sind liebenswert oder auch nicht, so manchen würde ich schon eher meiden wollen. In der „Fabrik der süßen Dinge“ ist nun Feierabend, es hat mich sehr gefreut, all die Köstlichkeiten genießen zu dürfen.

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Veröffentlicht am 17.02.2024

Tristesse

Krummes Holz
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Nach Jahren kehrt der mittlerweile 19jährige Jirka zurück auf den elterlichen Hof. Bald nach seiner Ankunft beobachtet er, wie aus einer Unterhaltung zwischen Malene, seiner Schwester und Leander, dem ...

Nach Jahren kehrt der mittlerweile 19jährige Jirka zurück auf den elterlichen Hof. Bald nach seiner Ankunft beobachtet er, wie aus einer Unterhaltung zwischen Malene, seiner Schwester und Leander, dem Sohn des ehemaligen Verwalters, Streit entbrennt. „Vielleicht ist das der Moment, in dem meine Schwester erfährt, dass Leander mich wenige Stunden zuvor auf der Straße aufgelesen hat.“ Denn keiner erwartet ihn, keiner heißt ihn willkommen. Im Gegenteil, ihm begegnen Kälte und Schweigen seitens seiner Schwester und seine demente Großmutter erkennt ihn nicht mehr. Lediglich Leander redet mit ihm. Hätte er nicht herkommen sollen?

Er liegt in seinem ehemaligen Zimmer auf einer schäbigen Matratze, starrt den brauen Wasserfleck an der Decke an und denkt an früher. Wie Georg, sein Vater, ihn nicht nur einmal im Hundezwinger eingesperrt und Vilém, der Verwalter, ihn immer wieder befreit hat. Er denkt auch an seine früh verstorbene Mutter. Es war eine lieblose Kindheit, eine trostlose Zeit und wie es aussieht, hat sich in dieser Familie nichts verändert.

Julja Linhof hat mit „Krummes Holz“ ihren Debütroman vorgelegt und wie sie selbst ausführt, muss aus einem krummen Holz nicht zwangsläufig ein krummes Leben werden. Die Kindheit prägt, das steht außer Frage und auch hier finden sich in den Figuren prägende Eigenheiten, die das weitere Leben beeinflussen, die tief im Inneren verborgen sind.

Nachdem ich mich an das Buch herangetastet und Seite um Seite gelesen habe, mochte sich kein Sog einstellen. Die Tristesse und Düsternis zieht sich durch Jirkas Geschichte, ich hab sie eher als eine episodische Aneinanderreihung empfunden, der Funke mochte nicht überspringen. Es ist wie ein Aufarbeiten der lieblosen Kindheit und ein sich jetzt Hineindrängen in das Leben der Schwester, die nichts von ihm wissen will, denn der Hof ist ihr Zuhause. Man könnte es durchaus als Familiendrama bezeichnen, das von der Gegenwart immer wieder in die Vergangenheit führt mit einem Ende, das sich schon früh ankündigt, das mich aber dennoch nicht gerade versöhnlich zurücklässt.

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Veröffentlicht am 16.02.2024

Ein Fall für Áróra

Blutrot
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„Blutrot“ – ein Island-Krimi - ist der zweite Band der Áróra-Reihe, jeder Band ist in sich abgeschlossen. Schon „Höllenkalt“, der erste Band, hat mich fasziniert. Hier ist die Halbisländerin Áróra von ...

„Blutrot“ – ein Island-Krimi - ist der zweite Band der Áróra-Reihe, jeder Band ist in sich abgeschlossen. Schon „Höllenkalt“, der erste Band, hat mich fasziniert. Hier ist die Halbisländerin Áróra von London nach Island gezogen, um ihre Schwester Ísafold zu suchen. Sie ist nach wie vor verschwunden und auch wenn die beiden nicht unbedingt einen engen Kontakt hatten, treibt es Áróra um, sie lässt nicht locker. Und nun ist wiederum ein Mensch verschwunden.

Von Flosis Frau Gudrun fehlt jede Spur, denn als er heimkommt, findet er am Küchentisch eine Nachricht, die keine Zweifel offen lässt, dass Gudrun entführt wurde. Sollte er nicht innerhalb kürzester Zeit das geforderte Lösegeld auftreiben, ist sie tot. Schaltet er die Polizei ein, ebenfalls. Er muss also einen größeren Geldbetrag auftreiben – ein Fall für Áróra, die als Ermittlerin im Bereich Wirtschaftskriminalität tätig ist. Sie kontaktiert Daniel, ein Freund und Polizist, der sich als solcher nach außen nicht zu erkennen gibt. Daniel unterstützt Áróra weiterhin auch bei der Suche nach ihrer Schwester, nun jedoch steht Gudruns Verschwinden an erster Stelle.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Flosis Umfeld und auch seine Finanzen werden durchleuchtet, immer mehr Ungereimtheiten kommen ans Tageslicht. Sämtliche Möglichkeiten werden durchdacht und auch so einige verdächtige Personen kristallisieren sich heraus. Neben dem Entführungsfall könnte es um sehr viel mehr gehen - um Geldwäsche etwa, um Steuerhinterziehung und noch so einige kriminelle Machenschaften.

Auch dieser zweite Band fesselt von Anfang an. Der Fall geht in eine zunächst nicht absehbare Richtung, er ist vielschichtig und wendungsreich mit Charakteren, denen man nicht recht trauen mag, die jedoch – jeder für sich - authentisch angelegt sind. Ein wenig Privatleben schimmert auch durch, Áróra und Daniel verstehen sich gut und doch scheint es mit den beiden nicht recht voranzugehen. Um zum Entführungsfall zurückzukommen – er wird aufgeklärt. Letztendlich ist alles in sich schlüssig, auch wenn dies lange nicht sichtbar ist. Und nun heißt es warten auf „Schneeweiß“, den finalen dritten Band.

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