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Veröffentlicht am 10.08.2023

Der Iran inmitten unruhiger Zeiten

Zum Schweigen verdammt
2

„Zum Schweigen verdammt“ ist der lesenswerte vierte Band der Leise-Helden-Reihe aus der Feder von Melanie Metzenthin. Schon die Vorgängerbände haben mich tief berührt, jeder behandelt ein interessantes ...

„Zum Schweigen verdammt“ ist der lesenswerte vierte Band der Leise-Helden-Reihe aus der Feder von Melanie Metzenthin. Schon die Vorgängerbände haben mich tief berührt, jeder behandelt ein interessantes Thema. Nun führt sie ihre Leser in den Iran, zurück ins Jahr 1953, direkt hinein in eine turbulente Zeit.

Es ist auch die fiktive Geschichte um Eddy und Bruno - ersterer ist Journalist, der andere Fotograf -, die sich mit ihrem ausgebauten VW-Bus auf eine abenteuerliche Reise in den Iran machen. Ihre Reisereportage für die BBC führt sie mitten hinein in die Unruhen, die zum Sturz des Premierministers Mohammad Mossadegh führen, bei dem die Geheimdienste eine wesentliche Rolle spielen. Die historischen Ereignisse vor dem Hintergrund der Ölförderung, die in britischer Hand lag und von Mossadegh verstaatlicht wurde, fügt die Autorin gut verständlich ein in ihre unterhaltsame Geschichte um die Freundschaft zweier Männer, die ihre Beziehung zueinander im Verborgenen leben. Die Zeit ist noch lange nicht reif, um sich zu outen. Sie hat mir auch das Parteiensystem und den Einfluss der Sowjets und der Amis mitsamt ihrer Geheimdienste nähergebracht, hat mir Einblicke in die persische Gastfreundschaft und das gesellschaftliche Miteinander gewährt und natürlich auch die Rolle der Geistlichkeit und des Schahs Mohammad Reza Pahlavi, Mossadeghs Gegenspieler, verdeutlicht.

Viel Historisches habe ich über ein Land erfahren, das sich heute verschlossener denn je präsentiert. Die Demonstrationen werden brutal niedergeschlagen, die Sittenpolizei kennt keine Gnade.

Eine Reisereportage sollte es für Eddy und Bruno werden, ein eindrucksvoller Roman, ein interessantes Stück Zeitgeschichte ist daraus entstanden. Die fiktiven Charaktere sind geschickt mit der politisch aufgeheizten Stimmung verwoben. Tief bin ich eingetaucht in die geheimnisvolle Welt des Irans, es waren kurzweilige, spannende Lesestunden.

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Veröffentlicht am 03.08.2023

„Trip to yourself“

Mit dir den Himmel berühren
2

Mit der Architekturstudentin Line, die sich in Köln wohl fühlt, hat es mich direkt auf die Bergalm in Oberstdorf verschlagen. Lines Schwester Paula ist hochschwanger und schafft den täglichen Andrang auf ...

Mit der Architekturstudentin Line, die sich in Köln wohl fühlt, hat es mich direkt auf die Bergalm in Oberstdorf verschlagen. Lines Schwester Paula ist hochschwanger und schafft den täglichen Andrang auf der Hütte nicht mehr, zwei ihrer Mitarbeiterinnen sind ausgefallen und nun ist sie für die schwesterliche Hilfe dankbar. Der Bergführer Simon kehrt mit seinen Wandergruppen öfter in der Hütte ein und so bleibt es nicht aus, dass Line und er sich näher kommen.

Josefine Weiss beschreibt den Alltag auf der Hütte und die wenige Freizeit so anschaulich, dass ich mich direkt vor Ort wähne. Paula und ihr Martin mit den Kindern samt Schwiegermutter sind ein eingeschworenes Team, sie halten zusammen, wollen für jeden nur das Beste. Und natürlich will auch Paula, dass ihre kleine Schwester nicht auf einen Herzensbrecher hereinfällt. Doch gegen die Liebe, die unbändige Anziehungskraft, ist auch sie machtlos, wenngleich Line zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt alle Gefühlsregungen durchlebt. Mit Simon ist sie mutig, mit ihm möchte sie den Himmel berühren.

Es ist eine Liebesgeschichte, es ist aber noch viel mehr. Das ländliche Leben ist anschaulich geschildert, alle Charaktere sind facettenreich und glaubhaft gezeichnet. Simon ist zunächst der umschwärmte Guide, der jedes Herz zum Schmelzen bringt. Doch je tiefer der Blick in seine blauen Augen geht, desto mehr kommt der wahre Simon zum Vorschein.

Zum Schluss habe ich dann noch einige Tränchen verdrückt, es waren unterhaltsame Lesestunden.

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Veröffentlicht am 02.08.2023

Das andere Zwillingsmädchen

Düstergrab
4

Das Mädchen rennt so schnell es kann, der Mann hinter ihr will ihr nichts Gutes, wie es scheint. Schon der Prolog ist so dramatisch wie rätselhaft und bald sind wir mit Frida auf der Beerdigung ihres viel ...

Das Mädchen rennt so schnell es kann, der Mann hinter ihr will ihr nichts Gutes, wie es scheint. Schon der Prolog ist so dramatisch wie rätselhaft und bald sind wir mit Frida auf der Beerdigung ihres viel zu früh verstorbenen Schulfreundes. Kaum ist sie wieder daheim, kommt Enno Dahlsen, der Friedhofswärter, und bittet sie, mitzukommen. Die Kränze auf dem frischen Grab liegen anders als am Tag zuvor: „Es könnte sein, dass jemand die Leiche stehlen wollte.“ Nachdem das Grab und der Sarg darin wieder geöffnet sind haben sie Gewissheit – jemand hat zu dem Toten die Leiche eines Mädchens gelegt, gekleidet mit einer Art Tracht, in Händen hält sie einen Strauß des Tausendgüldenkrautes. Frida meint, dieses Mädchen schon einmal gesehen zu haben – aber wo?

Auch eine ganz andere Sache macht Frida schwer zu schaffen, wurde doch auf Leo, ihrem Partner, direkt vor dem Polizeigebäude geschossen – oder galt dieser Schuss ihr? Leo liegt im Krankenhaus und so wird Frida wieder Bjarne Haverkorn zur Seite gestellt. Haben diese beiden Vorkommnisse miteinander zu tun?

Es sind so einige Erzählstränge, über jedem schweben große Fragezeichen. Noch ist alles nebulös, ja mysteriös. Bald wissen sie, dass es sich bei dem Mädchen um Lilly handelt, die mit ihrer Zwillingsschwester Sophie bei Pflegeeltern gelebt hat, beide Mädchen sind seit vier Jahren spurlos verschwunden. Nun gilt es, die hoffentlich noch lebende Sophie zu finden. Und nicht genug damit, auch Leo verhält sich rätselhaft. Es scheint, dass er wesentlich mehr weiß, als er preisgibt.

Natürlich kommen auch die privaten Momente nicht zu kurz. Es sind Nebenschauplätze wie etwa stellvertretend für alle anderen Figuren die Beziehung zwischen Frida und Torben. Eine Entscheidung steht an, im nächsten Band werde ich vielleicht schon mehr erfahren. Die Charaktere sind nahbar, es ist, wie alte Bekannte wieder treffen. Sie entwickeln sich von Buch zu Buch weiter, jedoch ist auch „Düstergrab“, wie jeder Vorgängerband, in sich abgeschlossen, man kann also ohne Vorkenntnisse jederzeit in die Reihe einsteigen.

Zu guter Letzt kommt es geballt, wie im Schnelldurchgang. Alles muss aufgeklärt, viele lose Fäden zusammengeführt werden. Und ja, die einzelnen Versatzstücke fügen sich ineinander, nichts bleibt offen. Manches fühlt sich dabei schlussendlich ein wenig zu konstruiert an, jedoch bleibt auch dieser sechste Elbmarsch-Krimi durchgängig so spannend wie rätselhaft und undurchschaubar bis zum verblüffenden Schluss. Romy Fölck hat mich wieder gut unterhalten und auf so manch falsche Fährte gelockt. Ein solider Krimi mit einem Schuss Lokalkolorit, den ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 01.08.2023

Spannung fehlt über weite Strecken

Die letzte Nacht
2

Will Trent und Sara Linton sind zurück. „Die letzte Nacht“ ist der elfte Band der Georgia-Reihe aus der Feder von Karin Slaughter.

Alles beginnt auf Saras OP-Tisch, auf dem Dani Cooper um ihr Überleben ...

Will Trent und Sara Linton sind zurück. „Die letzte Nacht“ ist der elfte Band der Georgia-Reihe aus der Feder von Karin Slaughter.

Alles beginnt auf Saras OP-Tisch, auf dem Dani Cooper um ihr Überleben kämpft. Mit letzter Kraft bittet sie Sara, ihn aufzuhalten – wen auch immer sie damit gemeint haben mag. „Er hat mir wehgetan…“ Ihre letzten Worte bringt sie nur noch flüsternd hervor, zu schwach für mehr. Sara ist erschüttert, diese junge Frau hat sie fünfzehn Jahre zurückblicken lassen, als ihr eigenes Leben eine dramatische Wendung nahm. Sie sieht Parallelen zu ihrem eigenen Trauma, das sie nie verarbeiten konnte.

Karin Slaughter schreibt und beschreibt menschliche Abgründe, die schwer auszuhalten sind. Auf der einen Seite sind die Reichen und Schönen, die sich alles erlauben können, die doch nur spielen, ihre Abartigkeit ausleben wollen. Und das auf eine menschenverachtende Weise, die man sich nicht vorstellen mag und dies als Normalo auch gar nicht kann. Mit viel Geld lässt sich alles kaufen, das Angebot ist zu verlockend.

Will und Sara, unterstützt von Wills Partnerin Faith, gegen den Rest der Welt. So habe ich viele Passagen wahrgenommen. Der Schlüssel zu allem liegt in der Vergangenheit, also arbeiten sie sich akribisch durch diese Zeit vor fünfzehn Jahren, zu einer Clique aus angehenden Ärzten, zu der auch Sara gehört, auch wenn sie eher am Rande steht als mittendrin zu sein.

Diese Akribie war mir zu kleinteilig, zu langatmig. Von Spannung war über weite Strecken nicht viel zu spüren, ich hab das Buch immer wieder weglegen und mich zum Weiterlesen regelrecht zwingen müssen. Es muss nicht jedes Gespräch bis ins Letzte wiedergegeben werden, hier wären kürzere, knackigere Dialoge wesentlich mehr gewesen. „Die letzte Nacht“ ist eines von Karin Slaughters schwächeren Büchern, der Schluss hat der zu weitschweifenden Story gut getan, diese letzten Sequenzen haben mich dann doch noch versöhnlicher gestimmt.

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Veröffentlicht am 30.07.2023

Behutsam erzählt, bestens recherchiert

Zwischen den Sommern
2

Der zweite Band der Heimkehr-Trilogie hallt noch nach. Schon „Die karierten Mädchen“ haben mich innehalten lassen, „Zwischen den Sommern“ hat mich zurückversetzt in eine dunkle Zeit, in der der Größenwahn ...

Der zweite Band der Heimkehr-Trilogie hallt noch nach. Schon „Die karierten Mädchen“ haben mich innehalten lassen, „Zwischen den Sommern“ hat mich zurückversetzt in eine dunkle Zeit, in der der Größenwahn eines Mannes zu spüren war. Einer, der von der Weltherrschaft geträumt und dabei so viel Leid und Elend angerichtet hat. Nicht nur einmal ist mir schwer ums Herz geworden. Die Verzweiflung, die Hilflosigkeit angesichts der Grausamkeiten des Regimes und des Krieges war nur zu deutlich spürbar.

Alexa Hennig von Lange hat nach dem Tod ihrer Großmutter, die in ihren letzten Jahren mehr als 130 Tonbandkassetten besprochen hat, diese gehört und aus deren Erinnerungen vieles in ihre Heimkehr-Trilogie einfließen lassen. Das zweite Buch erzählt vom Nationalsozialismus und den Schrecken des Zweiten Weltkrieges aus der Sicht von Klara. In diese fiktive Figur hat sie viel von ihrer Großmutter mit einfließen lassen, sie hat viel recherchiert, hat die Dramatik der damaligen Zeit mit den Schilderungen auf den Kassetten verwoben, hat Fiktion und Wirklichkeit zu einem homogenen Ganzen vermengt.

Klara leitet das Frauenbildungsheim, das ab 1939 eine nationalsozialistische Erziehungsanstalt war, in der junge Mädchen nach den Richtlinien des Regimes erzogen und ausgebildet wurden. Sie schliddert wie so viele in diese Ideologie, es war zunehmend ein Spagat zwischen der eigenen Überzeugung und den vorgegebenen Zielen. Nicht alle waren überzeugte Nationalsozialisten. Um überleben zu können, waren sie gezwungen, über vieles hinwegzusehen, sie mussten sich stets im Griff haben. Als der Krieg ausbricht, ist sie verheiratet und auch ihr Ehemann wird eingezogen.

Das Schicksal der Mädchen im Heim und deren Angehöriger wird anschaulich geschildert, für so manchen bricht ihre kleine Welt entzwei. Klaras Geschichte hat mich innehalten lassen, die menschlichen Tragödien überschatten immer wieder das Leben so vieler unschuldiger Menschen. Trotz der ganzen Dramatik ist es der Autorin mit ihrem behutsamen, ihrem so fesselnden Erzählstil gelungen, nicht anzuklagen und doch all diese Grausamkeiten deutlich zu machen.

Und nun hoffe ich, dass der finale dritte Band nicht allzu lange auf sich warten lässt. "Zwischen den Sommern" empfehle ich uneingeschränkt weiter, das Buch gibt einen tiefen Einblick in unsere allzu schreckliche Vergangenheit, die wir und unsere Nachfahren so hoffentlich nie mehr erleben müssen.

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