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Veröffentlicht am 14.11.2025

Drei Frauen, drei Schicksale

Lebensbande
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Lene, Nora und Lotte – drei Frauen, drei Schicksale. Mechtild Borrmann erzählt von ihnen, sie spannt den Bogen vom Zweiten Weltkrieg bis hin zum Mauerfall.

Im Herbst 1991 bekommt eine von ihnen einen ...

Lene, Nora und Lotte – drei Frauen, drei Schicksale. Mechtild Borrmann erzählt von ihnen, sie spannt den Bogen vom Zweiten Weltkrieg bis hin zum Mauerfall.

Im Herbst 1991 bekommt eine von ihnen einen Brief der LVA Mecklenburg-Vorpommern mit der Bitte, Nachweise zu ihrer Tätigkeit vor 1953 und auch danach nachzureichen. Fast dreißig Jahre wohnt sie nun schon hier, sie hat als Krankenschwester gearbeitet, ihr Gustav ist schon einige Jahre tot und nun droht die Vergangenheit sie einzuholen. „Kühlungsborn, Oktober 1991. Ich bin 1953 in Frankfurt an der Oder angekommen, aber mein Entlassungsschein…“ So beginnt sie, ihre Erinnerungen niederzuschreiben.

Im September 1931 begegne ich der 17jährigen Lene, die an einem Tanzabend den jungen Holländer Joop kennenlernt. Ich lese von ihrem Schicksal und von dem ihrer Familie und auch von dem ihres Sohnes Leo, der bei der Schuleinschreibung eine niederschmetternde Diagnose erhält. Er wird in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen. Nora, die her als Krankenschwester arbeitet, hat ein Auge auf Leo und doch kann sie ihn nicht vor der Unbill der Nationalsozialisten beschützen. Leos Schicksal ist so eindringlich beschrieben, bei Lesen hatte ich Herzklopfen, konnte gar nicht glauben, mit welch Chuzpe mit diesen Kindern umgegangen wurde. Alle haben sie mitgemacht, sich freiwillig oder gezwungenermaßen dem Unrechtsregime untergeordnet.

Lotte dann lernt Nora kennen, als es für diese als Krankenschwester Richtung Osten geht. Das Schicksal verbindet sie, sie geben sich gegenseitig Halt, auch und gerade in schwersten Zeiten.

Von Mechtild Borrmann habe ich schon einige Bücher gelesen, keines davon möchte ich missen. Ihr neuestes Buch LEBENSBANDE basiert auf wahren Begebenheiten, sie erzählt auf zwei Zeitebenen von der Zeit des Nationalsozialismus, beginnend 1931 bis hin zum Zweiten Weltkrieg und darüber hinaus. Jede ihrer Figuren hat trotz der Tragik dieser Zeit auch ihre Glücksmomente und doch ist es eine tieftraurige, eine entsetzliche Geschichte, die ich hier lese. Wir wissen um die NS-Zeit, um die Aussortierung unwerten Lebens, um die Medikamententests. Frauen wurden in sowjetische Arbeitslager verschleppt, auch davon lese ich - viele überlebten die tägliche Schwerstarbeit bei Wasser und Brot nicht.

Dieser gut recherchierte, lesenswerte, intensiv erzählte historische Roman blickt auf eine sehr dunkle Zeit, dessen Schrecken wir nie vergessen dürfen, LEBENSBANDE erzählt davon.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Die Geschichte Israels, die Geschichte einer Familie

Adama
1

Im Mittelpunkt dieses Thrillers, den ich eher als Roman sehe, steht Ruth, eine ungarische Jüdin, die es nach Palästina verschlägt, in einen Kibbuz. Ruth ist politisch aktiv, sie ist überzeugte Zionistin. ...

Im Mittelpunkt dieses Thrillers, den ich eher als Roman sehe, steht Ruth, eine ungarische Jüdin, die es nach Palästina verschlägt, in einen Kibbuz. Ruth ist politisch aktiv, sie ist überzeugte Zionistin. Sie erlebe ich 1946 als junge Frau und folge bis hin zum Jahre 2009. Alles beginnt 2009 mit Hanna in Miami und es endet auch mit ihr in Florida im selben Jahr. Dazwischen sind wir 1989 im Kibbuz Trashim, um dann 1946 nach Haifa zu gehen, die Zeitebenen wechseln, auch die Orte und die Personen. Ruths Enkel Lior kommt an, als er von Dannys Tod erfährt. Er soll sich erschossen haben, was Lior jedoch nicht glaubt. Er ist im Kibbuz nicht gern gesehen, er sieht zu viel, sie alle wollen, dass er zurückgeht nach Tel Aviv.

Lavie Tidhar erzählt die Geschichte von Ruths Familie, vom Leben im Kibbuz, das gemeinschaftlich organisiert ist, von dem Kinderhaus und dem Gemeinschaftsverein, Privateigentum war nicht vorgesehen, diese Lebensform war mir so nicht bewusst. Immer wieder stehen andere Familienmitglieder mehr im Focus, dabei wird die israelische Geschichte lebendig. Von politischen Aktivitäten wird berichtet, vom Sechs-Tage-Krieg und dem Jom-Kippur-Krieg ist zu lesen, Drogenschmuggel scheint alltäglich zu sein, von Folter bis hin zu Mord spielt Gewalt immer mit, die Figuren sind nicht gerade zimperlich unterwegs.

Adama bedeutet auf hebräisch Erde. Und wie es im Roman heißt, gibt es kein Adama ohne dam. Was, wie ich gelernt habe, übersetzt „Kein Land ohne Blut“ bedeutet. Auf das Heute bezogen hat dieser Satz leider noch immer seine Gültigkeit, wir hören und lesen täglich davon.

Das Buch fordert Aufmerksamkeit und Zeit sollte man auch mitbringen, dann aber weiß man mehr um die Geschichte Israels, eingebettet ist diese in eine weit verzweigte Familie und deren Geschichte, Gewalt spielt immer eine Rolle. Ein für mich eher historischer Roman denn ein Thriller.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Perfekt inszeniertes Verwirrspiel

Verstummte Narben: Thriller
1

„Verstummte Narben ist das nunmehr zehnte Buch um die Kölner Rechtsmedizinerin Julia Schwarz. Schon der Prolog lässt mich ratlos zurück und als dann mitten im Winter eine leichtbekleidete tote Frau vor ...

„Verstummte Narben ist das nunmehr zehnte Buch um die Kölner Rechtsmedizinerin Julia Schwarz. Schon der Prolog lässt mich ratlos zurück und als dann mitten im Winter eine leichtbekleidete tote Frau vor dem Grab eines 15jährigen gefunden wird, bin ich wiederum infiziert, die raffiniert konstruierte Story lässt mich nicht mehr los. Catherine Shepherd beweist einmal mehr, dass sie eine Meisterin des morbiden Verwirrspiels ist.

Unter dem Leichnam dieser Frau liegt das Foto einer jungen Frau, das darauf geschriebene Datum lässt auf ein unumstößliches Ultimatum schließen. Am 19. Januar um 23 Uhr, also in drei Tagen, wird was geschehen? Noch sind die Kriminalkommissare Florian Kessler und sein Partner Martin Sandhoff samt Team ratlos. Die Zeit spielt gegen sie. Julia entdeckt bei der Obduktion über dem rechten Hüftknochen der Leiche drei kleine Kratzer, die sie nur zu gut kennt. Damals hat ein Serienkiller sein Unwesen getrieben, an seinen Opfern hat er exakt solche Kratzer hinterlassen und nun deutet wiederum alles auf diesen Inhaftierten hin, der den Hochsicherheitstrakt nie wieder verlassen wird. Und doch scheint es so, als sei es ihm gelungen, sich wieder sichtbar zu machen. Ist ein Nachahmungstäter am Werk? Zieht er gar in seinem Auftrag eine erneut mörderische Spur?

Wie nicht anders von Catherine Shepherd erwartet, ist auch dieser neueste, sehr komplexe Fall klug konstruiert. Sie präsentiert so manch undurchsichtigen Typ, lässt hinter die Kulissen blicken, allerdings perfekt dosiert. Denn wenn man meint, man hätte den Durchblick, kommt alles ganz anders. Es bleibt nicht bei diesem einen Mord, weitere folgen. Und da ist dieser eiskalte Kimpel im Gefängnis, seine kryptischen Anmerkungen muten überheblich an. Mit ihm hatte Julia schon in der Vergangenheit zu tun und nun brechen alte Wunden wieder auf.

Das nervenaufreibende, perfekt inszenierte Verwirrspiel zieht sich durchs Buch, so etliche Fährten erweisen sich als falsch und dem Ende zu bin ich wiederum verblüfft, wie sich die losen Fäden gekonnt verbinden. Diese absolut spannende, erbarmungslose Story ist ein Leckerbissen für jeden Thriller-Fan.

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Veröffentlicht am 08.11.2025

Fesselnder Abschlussband der Maya-Topelius-Trilogie

Dann ruhest auch du (Ein Fall für Maya Topelius 3)
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Johan zieht es immer wieder in diese Schlossruine von Borgholm auf Öland. Und nicht nur das, er sieht (verbotenerweise) auch hinter die für Besucher ausgewiesenen Räume. Es durchzucken ihnen regelrecht ...

Johan zieht es immer wieder in diese Schlossruine von Borgholm auf Öland. Und nicht nur das, er sieht (verbotenerweise) auch hinter die für Besucher ausgewiesenen Räume. Es durchzucken ihnen regelrecht Blitze, als er seine Handflächen auf ein Brett legt, das einen Hohlraum verbirgt. Seine Neugier ist geweckt, er hebelt das Brett auf, er sieht einen verdrehten Körper, mit Genickschuss und einem zweiten Fangschuss hingerichtet. Nie hat er Grauenvolleres gesehen.

Ein Fall für die Kriminalinspektorin Maya Topelius und ihren Kollegen Pär. Bald darauf wird eine weitere, ähnlich zugerichtete Leiche gefunden. Alle Spuren führen in ein rechtextremistisches Milieu, das sich bestens zu tarnen weiß.

Maya kennt die Gegend um Borgholm gut, sie ist hier aufgewachsen, sie und ihre Freundinnen Clara, Sanna und Emely, mit denen sie auch heute noch in Verbindung ist, waren das vierblättrige Kleeblatt. Diese beiden Morde bringen Maya an ihre Grenzen, deutet doch vieles auf eine lange vermisste Person hin und auch, wenn sie seinerzeit nichts tun konnte, so lassen ihr die damaligen Vorkommnisse keine Ruhe. Dabei bringt sie sich selber in Gefahr.

Die beiden Vorgängerbände habe ich verschlungen und auch dieser finalen dritten Band der Maya-Topelius-Trilogie steht ihnen in nichts nach. Die Ermittlungen stehen im Vordergrund, die privaten Elemente sind fein dosiert, dabei trägt so manches davon direkt und auch indirekt zur Aufklärung bei, alles fließt gekonnt ineinander. Johan Magnelius, der den ersten Toten findet, ist ein eigenwilliger und zudem ein ziemlich undurchsichtiger Charakter, den ich – wie so einige andere – kritisch gesehen habe. Die fesselnde, logisch aufgebaute Story ist durchgehend spannend zu lesen, das Thema um ein rechtsradikales, staatenübergreifendes Netzwerk gut eingebunden. Der Fall ist - wie auch die der beiden vorangegangenen Bücher - in sich abgeschlossen, kann also ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Gerne wäre ich dem sympathischen Ermittlerduo Maya und Pär noch bei weiteren Ermittlungsarbeiten gefolgt, aber nun heißt es Abschied nehmen, die Autorin Sandra Åslund jedoch werde ich im Auge behalten.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Spannender dritter Teil der Åre-Morde

Blutbuße
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„Blutbuße“ ist Viveca Stens drittes Buch der Polarkreis-Reihe. Kurz zuvor habe ich bereits Band vier gelesen und ihn als TOP bewertet, ganz kommt diese Blutbuße nicht an „Lügennebel“ heran, allerdings ...

„Blutbuße“ ist Viveca Stens drittes Buch der Polarkreis-Reihe. Kurz zuvor habe ich bereits Band vier gelesen und ihn als TOP bewertet, ganz kommt diese Blutbuße nicht an „Lügennebel“ heran, allerdings hat mich auch dieses Buch nicht losgelassen, an Schlaf war nicht zu denken.

Charlotte legt gleich mal einen absolut unsympathischen Auftritt hin. Man spürt förmlich ihre unverfrorene Art. Sie liebt es, andere zu beherrschen und auf Gedeih und Verderb ihren Willen durchzusetzen. Nun, es ist sozusagen Charlotte Wretlinds letztes Aufbegehren, denn am Tag darauf wird sie tot aufgefunden. Sie liegt erstochen in ihrem Hotelzimmer, das Bett voller Blut, sie ist an ihrem eigenen Blut erstickt.

Wir sind im Bergdorf Åre, hoch oben im Norden Schwedens, es ist ein Skiparadies und wie bald bekannt wird, wollte Charlotte das alte, leer stehende Luxushotel abreißen und durch einen spektakulären Neubau ersetzen lassen. Dazu brauchte sie angrenzende Grundstücke, deren Ankauf so gut wie abgeschlossen war, jedoch sollte dieser Grundstückskauf rückgängig gemacht werden. Charlotte reagiert ungehalten, zu viel hat sie schon investiert.

Im Mordfall Charlotte Wretlind ermitteln Hannah Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog. Bald führt eine erste Spur zu einem Hotelmitarbeiter, den sie jedoch merkwürdigerweise nicht antreffen. Unterstützt werden sie von ihrem Kollegen Anton, in dessen Privatleben wir kurze Einblicke bekommen und auch bei Hanna und Daniel ist privat so einiges los - die Ermittlungsarbeit steht aber schon im Vordergrund. Diese Ermittlung jedoch bringt sie nicht recht voran, bis dann ein weiterer Mord geschieht.

Hanna und Daniel – beide sind sie gefordert und beide lassen nicht locker. Zwischendurch lesen wir von DAMALS, um die Weihnachtstage des Jahres 1973 - was es damit auf sich hat, wird zunehmend klar. Im Heute dann verschwindet ein junger Mann spurlos – noch hoffen sie, dass er noch lebt. Alles spitzt sich zu, es gilt, unverzüglich zu handeln, denn sie meinen, endlich auf der richtigen Spur zu sein. Was dann geschieht, ist nervenaufreibend, allerdings war mir die Aufklärung, die sich über viele Seiten hinzog, viel zu lange. Gefühlt dreht sich Hanna im Kreis, es passiert viel und doch tritt sie auf der Stelle, dies hätte durchaus abgekürzt werden können, wenngleich es ein trotzdem spannender dritter Teil der Åre-Morde war. Gerne mehr von Viveca Sten, gerne bin ich lesend an den Polarkreis gereist.

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