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Veröffentlicht am 24.02.2021

Ein magischer Sommer

Hard Land
1

Hard-Land: „Geschichte des Jungen, der den See überquerte und als Mann wiederkam.“

Dieser Sommer macht was mit ihm, der Sommer 1985. Aus dem unsicheren Jungen, der gerne alleine war, wird ein 16jähriger ...

Hard-Land: „Geschichte des Jungen, der den See überquerte und als Mann wiederkam.“

Dieser Sommer macht was mit ihm, der Sommer 1985. Aus dem unsicheren Jungen, der gerne alleine war, wird ein 16jähriger Teenager, der gerade dabei ist, sich selbst zu finden. Sein bester Freund aus Kindertragen ist weggezogen, seine Mum krank und mit Dad ist das mehr ein Schweigen. Der Ferienjob im Kino bewahrt ihn davor, bei seinen Verwandten die Ferien verbringen zu müssen. Sie machen ihre Späße mit ihm, die anderen im Kino. Die Aufnahmeprüfung hier besteht er und wie nebenbei wird er als Sam - als Person - wahrgenommen. Der erste Kuss, die ausgelassene Stimmung, einfach jung sein – das kann er mit ihnen. Er wird ernst genommen.

Benedict Wells lässt mich einen Blick in die Seele von Sam werfen. Wie er vom lonesome cowboy, der lieber daneben steht als mittendrin zu sein, zur Clique findet. Ganz alleine hat er das geschafft. Wie es ihm immer besser geht, er in dieser Zeit 16 wird. Er das Leben in vollen Zügen genießt, immer mehr Selbstvertrauen gewinnt und in diesem Sommer geradezu aufblüht. „Übermütig und wach und mittendrin und unsterblich“ – so fühlt sich Sam und beim Lesen empfinde und spüre ich genau dies.

Eine behutsam erzählte Geschichte hin zum Erwachsenwerden. Der Schmerz eines Verlustes muss ertragen werden. Gewissensbisse nagen an ihm, aber auch ein unverstellter Blick auf all die wunderbaren Momente ist da. Diese vielen Kleinigkeiten, die zusammen genommen das große Ganze ergeben. Man darf, ja man muss Fehler machen dürfen. Nur dann weiß man, was zählt. Was gut war, was mies und was wirklich schlecht gelaufen ist. Sich mit dem Leben versöhnen, das sollte man. "Der zu sein, der du bist" und auch dazu stehen.

Ein Jahr nach diesem Sommer lässt Benedict Wells seinen Sam uns, den Lesern, die Geschichte unglaublich intensiver Momente erzählen. Umsichtig, sensibel aber unverkrampft und doch voller Sanftheit.

„Hard Land“ und die 49 Geheimnisse von Grady. Kirstie weiß es, sie ist hinter ein Geheimnis gekommen. Und Sam weiß es jetzt auch. Ein Buch, das tief berührt.

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Veröffentlicht am 23.02.2021

Italien und das italienische Lebensgefühl

Marina, Marina
1

Nino, Matteo und Beppe - sie sind Freunde und alle drei haben ihre Träume, Sehnsüchte und Wünsche. Der junge Nino ist sowas von verliebt und das ausgerechnet in die schöne Frau des hiesigen Friseurs. ...

Nino, Matteo und Beppe - sie sind Freunde und alle drei haben ihre Träume, Sehnsüchte und Wünsche. Der junge Nino ist sowas von verliebt und das ausgerechnet in die schöne Frau des hiesigen Friseurs. Marina heißt seine heimlich Angebetete. Um die Liebe geht es auch bei Matteo, jedoch wird seine neue Freundin strengstens von ihrem Vater bewacht. Beppe – ja, es gibt nicht nur Frauen…

Wie eine leichte Sommerbrise erlebe ich diese Jungen und ihre Familien, die in dem kleinen Küstenort Sant’Amato an der Riviera leben. Ob sie wohl alle ihre Leidenschaften leben können? Nino, der als Meeresbiologe seine Erfüllung sucht. Matteo, der unbedingt bei Juventus Turin spielen will und Beppe, der sich als Hotelbesitzer sieht. In seinen Gedanken baut er dieses Hotel bereits und natürlich kommen sie alle, die Großen der damaligen Zeit. Marina, Marina, Marina – Rocco Granata ist mir heute noch im Ohr. Und nicht nur er. In diesem Buch ist Musik drin – von Adriano Celentano über Gianni Morandi bis hin zu Luico Dalla und wie sie alle heißen mit ihren wunderbaren Songs. Lebensfreude pur.

Die titelgebende Marina hat auch wie so viele andere ihre Träume und eine leidenschaftliche, nicht endend wollende Affäre – bleibt sie geheim? Was kann man in einem kleinen Ort alles für sich behalten? Ein Blick werfen wir zurück in die Vergangenheit, ins Jahr 1944, in die Zeit der Partisanen.

Die Italien-Sehnsucht der Deutschen in den Jahren um 1960 und danach entlang der ligurischen Küste, dieser „schroffen Schönheit“, ist verpackt in la dolce vita, baci, amore… Ein schön zu lesendes Sommermärchen. „Eine große Liebesgeschichte mit viel italienischem Flair.“ Italien – amore mio.

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Veröffentlicht am 22.02.2021

Die Magie der Wünsche

Der Zirkus von Girifalco
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„Der Zirkus von Girifalco„ ist eine Reise nach Kalabrien ins Dorf Girifalco. Hier lerne ich die unterschiedlichsten Charaktere inmitten ihrer Familien kennen und begleite sie für die Zeit des Patronatsfestes. ...

„Der Zirkus von Girifalco„ ist eine Reise nach Kalabrien ins Dorf Girifalco. Hier lerne ich die unterschiedlichsten Charaktere inmitten ihrer Familien kennen und begleite sie für die Zeit des Patronatsfestes. Währenddessen hat sich ein Zirkus hierher verirrt. Sie haben sich verfahren, die Leute vom Zirkus Engelmann. Wollten woanders hin, sind aber nun zu spät dran. „Normalerweise entscheiden wir über den Weg, aber heute hat der Weg über uns entschieden.“ Sie bleiben.

In einer wundervollen, sehr poetischen Sprache erzählt Domenico Dara über das Zusammenleben im Dorf. Erwartet habe ich eine ganz andere Geschichte als das, aber was ich bekommen, was ich gelesen habe. Ganz tief bin ich eingetaucht in diese Dorfgemeinschaft mit all ihren Eigenheiten. Diese so unterschiedlich gelebten Leben – die einen sind sich ihrer Vorzüge, ihrer Fähigkeiten durchaus bewusst, andere haben keine Wahl, das Universum war von Anfang an nicht gnädig zu ihnen. Werden sie trotzdem ein erfülltes Leben haben? Trotzdem glücklich werden? Alle Facetten des Lebens, alles das, was möglich scheint und auch das, was wir für unmöglich halten, passiert hier in Girifalco wie überall auf der Welt.

Kalabrien – ich war immer gerne da und werde immer wieder kommen. Genau solche Dörfer wie Girifalco eines ist ziehen mich magisch an. Da spüre ich das Italien, dieses unverfälschte, erdverbundene, das ich so gerne mag. „Den Duft nach Rosmarin und frischem Klee – sie verbinden sich in der Luft miteinander und dann atmet man dieses Aroma ganz tief ein.“

Domenico Dara lässt seine Leser am Leben so einiger Dorfbewohner teilhaben, erzählt von deren Geburt und ihren Familien. Die einen hadern ob ihrer Kinderlosigkeit, andere wiederum sind im Liebeswahn. Es geht um Lulu, der nicht ganz richtig ist im Kopf, aber mit einem Blatt die schönsten Melodien zaubert. Um die Glücklichen und die Unglücklichen und solche, deren Lästermaul und Bosheit, ja deren Lügen so manchem das Leben schwer machen. Verstoßene und Ausgestoßene begleite ich ebenso wie einen, der seinen Bruder schon lange Zeit vermisst.

Seinen eigenen Weg finden. Jeden spricht etwas anderes an, jeder hat andere Talente, Vorlieben. Sind wir nicht alle Suchende? Das Leben bietet immer wieder eine zweite Chance aber erkennen wir sie, wenn sie da ist? Ein sehr lebenskluger Roman, leise erzählt vom Wünschen und vom Träumen.

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Veröffentlicht am 21.02.2021

Lesegenuss im Schnee

Totentanz im Pulverschnee
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Meine erste Begegnung mit Arno Bussi und der Mama war eine sehr vergnügliche Reise ins eiskalte Maria Schnee. Muss doch der Bub anstelle des für die Marrrina ganz und gar gestorbenen Lorenzo herkommen, ...

Meine erste Begegnung mit Arno Bussi und der Mama war eine sehr vergnügliche Reise ins eiskalte Maria Schnee. Muss doch der Bub anstelle des für die Marrrina ganz und gar gestorbenen Lorenzo herkommen, der hat sie nämlich versetzt. Das Eisfestival steht an, die Suite ist gebucht und bezahlt von dem Lorenzo mit seinem Ferrari. Wär doch zu schade, wenn diese Hotelreservierung ungenutzt verfällt. Etwas widerwillig macht Arno sich auf den Weg, weil eigentlich möchte er viel lieber mit der Franzi in Wien für den Triathlon trainieren. Aber was hilfts, wenn die Mama ruft, dann kommt er halt. Kaum angekommen, ist nicht nur auf der Eisfläche die Hölle los. Rosa, die sehr schöne Eisprinzessin, ist verschwunden. Und was dann noch so alles passiert – man möchte es kaum glauben.

Als besondere Attraktion sind bei diesem Festival die Eisschnitzer am Werk, die aus den riesigen Blöcken exklusive Kunstwerke zaubern wollen. Bis die erste Tote auftaucht - da ist Schluss mit lustig. Erna Katz aus Innsbruck ermittelt, auch wenn das dem Dorfpolizisten so gar nicht in den Kram passt. Noch dazu mischt Arno mit, wenngleich er hier nichts zu melden hat und obendrein nur urlaubsmäßig da ist. Köstlich amüsiert habe ich mich über die spritzigen Dialoge zwischen der Katz (sie berlinert, was das Zeug hält) und Arno Bussi, dem Tiroler Buben.

Einen unterhaltsamen Kriminalfall aus Tirol hat Joe Fischler sich da einfallen lassen. Der „Totentanz im Pulverschnee“ ist der dritte Teil um den herrlich erfrischenden Arno Bussi, der so liebenswert daherkommt, sich viel zu schnell verliebt, auch wenn diese seine Liebe immer wieder ziemlich einseitig ist. Ein Gespür für das Verbrechen hat er allemal, da ist er ganz und gar Polizist.

Sehr kurzweilig und zum Schmunzeln sind diese kleinen, feinen Alltagssituationen, die den Aufenthalt in Maria Schnee so einzigartig machen. Auch wenn ich die Vorgängerbände (noch) nicht kenne, war ich schnell mittendrin und hatte nie das Gefühl, dass Wichtiges fehlt. Das dringende Bedürfnis, die andern Fälle nachzulesen, habe ich allemal. Ab sofort werde ich Arno Bussi folgen, egal wohin es ihn verschlägt.

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Veröffentlicht am 20.02.2021

Eine fremde Welt - faszinierend

Das Verschwinden der Erde
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„Das Verschwinden der Erde“ von Julia Phillips – ein gelungenes Debüt.

Die Schwestern Sofija und Aljona verbringen an der Küste Kamtschatkas einen schönen Sommertag, kommen danach nicht mehr heim. Sie ...

„Das Verschwinden der Erde“ von Julia Phillips – ein gelungenes Debüt.

Die Schwestern Sofija und Aljona verbringen an der Küste Kamtschatkas einen schönen Sommertag, kommen danach nicht mehr heim. Sie verschwinden spurlos. Dieser Fall erinnert an Lilja. Auch sie war einfach weg und niemand weiß, wo sie ist, ob sie noch lebt. Nach den Schwestern wird gesucht, jedoch wird die Suche bald eingestellt, die Polizei tut ihr Verschwinden lapidar als Ertrinken ab.

Es sind hauptsächlich die Frauen, von denen Julia Phillips erzählt. In deren Leben wir ein wenig Einblick bekommen. Ich hatte schon das Gefühl, hier in einer ganz anderen, für mich sehr fremden Welt zu sein. Zum Teil sehr stereotype Wesen, seltsam anmutend, begleite ich ein Stück ihres Weges. Zunächst unklar, ob dies Einzelgeschichten bleiben, wurde mir dann doch immer mehr bewusst, dass all diese Schicksale ineinander greifen. So konnte ich einiges kennenlernen, ihre Lebensweise wie aus der Ferne betrachten. Ein ganz und gar außergewöhnlicher Roman. Die Geschichten verbinden sich, Zusammenhänge werden sichtbar.

Gewalt gegen Frauen aus unterschiedlichen Perspektiven wird hier thematisiert. Kann eine Frau in einer männerdominierenden Gesellschaft ein selbstbestimmtes Leben führen? In das Leben ganz verschiedener Frauen werfe ich einen Blick und was mich beim Lesen gewundert hat ist, dass das Verschwinden wie nebenbei immer mal wieder erwähnt wird. Aber nicht mehr. Und so entwickelt sich diese Geschichte so ganz anders, als ich zunächst dachte. Was aber durchaus seinen Reiz hat.

Vor dem „Verschwinden der Erde“ habe ich nicht mal gewusst, dass es dieses Kamtschatka gibt. Natürlich musste ich nachschauen und war gleich fasziniert ob dieser beeindruckenden Landschaft. Der Lebensstil lässt Russland-Bilder in mir entstehen, was natürlich hier genau passend ist. All die fremd klingenden Namen – das Personenverzeichnis am Anfang war da sehr hilfreich.

Nachdenklich lässt mich das Buch zurück. Ich lasse das Gelesene ein wenig sacken, nachhallen. Immer weiter wurde in die Geschichten hineingezogen, als ob ich in das Leben der Frauen hineingelassen werde. Das Ende ist stimmig, es passt sich dem Ganzen perfekt an. Auf dieses Buch sollte man sich einlassen, ganz ohne Erwartung einfach anfangen zu lesen.

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