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Marakkaram

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.01.2020

fulminantes Finale des Spin-offs

Die Falkenburg Chroniken / Die Falkenburg Chroniken: Der Retter
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* "Was ist schon schnöder Mammon", murmelte er vor sich hin, "wenn man den Schlüssel zur grenzenlosen Macht in Reichweite hat."

Kairo 1929:

Carl von Falkenburg macht einen sensationellen Fund, der beweist, ...

* "Was ist schon schnöder Mammon", murmelte er vor sich hin, "wenn man den Schlüssel zur grenzenlosen Macht in Reichweite hat."

Kairo 1929:

Carl von Falkenburg macht einen sensationellen Fund, der beweist, dass Tutenchamun der Sohn Echnatons ist und ihm eine Ausstellung im Ägyptischen Museum in Berlin verschafft. Elsa, hochschwanger, stärkt ihm bei jeder Entscheidung den Rücken. Es könnte also grad nicht besser laufen.

Doch in Berlin sind Hitlers Machtergreifung und die Folgen schon überall zu spüren....

* Eine Abenteuer-Reihe, die süchtig macht!**

"Der Retter" ist der krönende Abschluss der Falkenburg-Chroniken, einem Spin-off der Geheimakten. Und kaum hat man das Buch zugeklappt, will man sofort wissen, was es mit den diversen Geheimnissen auf sich hat, die Max später in den Geheimakten erforscht.

Ja, André Milewski hat schon sehr eindrucksvolle und authentische Figuren erschaffen und sie mit den beeindruckensten Entdeckern und Ägyptologen seiner Zeit vermischt. Diesmal kommen aufgrund des Zeitrahmens, jedoch auch die dunklen Machtinhaber hinzu. Und das ist schon großes Kino, wie der Autor Hitler & Co nur so weit wie nötig einbindet, aber dennoch die weitreichenden Auswirkungen auf das Leben, die Menschen und insbesondere auch auf die Archäologie, präzise schildert.

Diese Mischung aus Fiktion und Fakten macht die Reihe aus und ist auch hier perfekt gelungen. Die kompletten Falkenburg-Chroniken sind akribisch recherchiert und das merkt man beim Lesen einfach. Die Fakten sind übrigens im Anhang klasse aufgeschlüsselt.

Fazit: Abenteuer, wie ich sie liebe - lebendig, rasant und spannend, aber in diesem Band spielt auch das Private, das Emotionale eine große Rolle. Ich wünschte, diese kleine Reihe würde noch weiter gehen. Andererseits hat der Autor hier den perfekten Übergang zur Geheimakten-Reihe geschaffen und ich bin schon sehr gespannt auf den erwachsenen Max.

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Veröffentlicht am 17.01.2020

Loslassen, Ankommen, Einssein = Gleichgewicht

Bergsommer
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* So ist auch in diesem Sommer kein Tag wie der andere, und Momente in der Stille der Bergeinsamkeit wechseln sich mit dem Puls eines Taubenschlags ab. *

Aussteigen, einmal alles hinter sich lassen und ...

* So ist auch in diesem Sommer kein Tag wie der andere, und Momente in der Stille der Bergeinsamkeit wechseln sich mit dem Puls eines Taubenschlags ab. *

Aussteigen, einmal alles hinter sich lassen und 4 Monate auf einer Bergalp mit Rindern, Kühen und Ziegen verbringen. Kathi Afflerbach wagt diesen Schritt und macht eine einzigartige Erfahrung.

Oh ja, ich habe sie beneidet und wie, aber ich habe auch ganz flott gemerkt, dass ich körperlich sofort an meine Grenzen gekommen wäre - wohl schon beim ersten Zäunen. Und auch Wind, Regen, Kälte und Hitze setzen dem Körper ganz schön zu.
Deswegen bin ich total begeistert, diese Erfahrungen schon irgendwie hautnah und dennoch warm und eingekuschelt auf dem Sofa miterleben zu dürfen.

Kathi Afflerbach erzählt ganz offen von dem einfachen, reduzierten, körperlich anstrengendem Leben auf der Alp, wo sich noch jeder auf den anderen verlassen kann, wo das Wetter und die Tiere den Alltag bestimmen und wo die Realität und mit ihr die ganze übrige Welt in weite Ferne rückt.

Mich hat das sehr beeindruckt und ich fand diese Erfahrungen unheimlich interessant. Langweilig wird es auf einer Alp wohl nie. In kurzen Kapiteln und einem angenehmen Schreibstil, lässt sie uns teilhaben am "schönsten Arbeitsplatz der Welt". Im Mittelteil gibt es dazu noch wunderschöne Farbfotos von der Landschaft, den Tieren, Kathi und der Familie.

Mich hat das Buch und der Alltag auf einer Alp fasziniert, genauso wie der Spagat nach 4 Monaten immer wieder in das "normale" Leben zurückzufinden. Und dabei habe ich eigentlich so gar nichts über für Berge.

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Veröffentlicht am 12.01.2020

Zwischen Botanik, Liebe und Familie

Die englische Gärtnerin - Blaue Astern
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* "Nur, wenn es um den Verdienst geht, wirst du als Botanikerin dort genauso schlecht bezahlt wie an der Universität. Wissenschaft und Forschung werden immer noch von Idealisten überschwemmt, die sich ...

* "Nur, wenn es um den Verdienst geht, wirst du als Botanikerin dort genauso schlecht bezahlt wie an der Universität. Wissenschaft und Forschung werden immer noch von Idealisten überschwemmt, die sich für einen Hungerlohn ein Bein ausreißen." <..> Charlotte spürte Unbehagen bei dem Gedanken, dass es auf Roberts Schultern lastete, ob sie das Haus in der Hunter Street halten konnten. *

England 1920: Schon als Kind hat Charlotte davon geträumt als Botanikerin in den prachtvollen Kew Gardens zu arbeiten; wie ihr Großvater auf Expeditionen zu gehen und vielleicht sogar eine neue Pflanze zu entdecken. Sie kämpft hart für die Verwirklichung ihres Traums und die Liebe zu einem Kollegen. Doch dann trifft ein familiärer Schicksalsschlag sie unerwartet heftig und Charlotte muss eine folgenreiche Entscheidung treffen...

"Blaue Astern" ist der Auftakt zur Gärtnerin-Trilogie und hat mich vollkommen in seinen Bann gezogen. Ich liebe die Botanik, mich faszinieren ihre Entdecker und ich stecke selber gerne bis zu den Ellbogen im Dreck. Allein schon deswegen war dieser Roman die perfekte Unterhaltungslektüre für mich.

Charlotte ist eine tolle Frau mit einem starken, sehr ehrlichen Charakter. Sie ist leidenschaftlich, idealistisch und geht in ihrem Beruf auf. Auf der anderen Seite stehen die Zwänge, die Erwartungen an eine Frau insbesondere eine Ehefrau in dieser Zeit.

Mir haben alle Figuren unheimlich gut gefallen. Sie sind vielfältig - vom Industriellen, einer ledigen Cousine, dem gehandicapten Bruder ... - und toll ausgearbeitet. Jeder kann in seiner Rolle überzeugen und hat eine interessante Persönlichkeit.

Die bildhaften Landschaftsbeschreibungen, üppigen und exotischen Blumen, aber auch das vernachlässigte Anwesen haben mich total in den Bann gezogen. Und auch die innerfamiliären Beziehungsgeflechte werden großartig geschildert. So bleibt es Seite um Seite spannend und interessant.

Ich freue mich schon unheimlich auf den zweiten Teil, der voraussichtlich im März erscheinen wird.

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Veröffentlicht am 03.01.2020

ganz leiser Roman über das Leben unverheirateter Frauen nach dem 1 Weltkrieg

Violet
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* Für eine Schreibkraft war das ein gutes Gehalt, doch immerhin arbeitete Violet auch schon zehn Jahre lang für dieselbe Gesellschaft und tippte außerdem schnell und akkurat. Als sie noch bei ihren Eltern ...

* Für eine Schreibkraft war das ein gutes Gehalt, doch immerhin arbeitete Violet auch schon zehn Jahre lang für dieselbe Gesellschaft und tippte außerdem schnell und akkurat. Als sie noch bei ihren Eltern lebte, konnte sie sich fast jeden Tag ein warmes Mittagessen leisten und musste nicht jeden Penny zweimal umdrehen, wenn sie sich Zigaretten oder einen neuen Lippenstift kaufen wollte. *

England 1932: Nachdem ihr Bruder und ihr Verlobter im Krieg gefallen sind, geht man davon aus, dass die Tochter als sogenannte "Alte Jungfer" im Haus der Mutter bleibt und diese versorgt. Ein Weg, den Violet nicht gehen will. Sie möchte selbst über ihr Leben bestimmen und zieht nach Winchester in ein kleines Kämmerlein. Beim Besuch der dortigen Kathedrale erfährt sie von einer Gruppe Frauen, die in einem Stickkreis wunderschöne Knie- und Sitzkissen anfertigen. Violet ist neugierig und schließt sich den Strickerinnen an. Findet sie dort nicht nur Freundinnen, sondern in Glöckner Arthur auch eine neue Liebe? Doch Arthur ist verheiratet....

"Violet" ist eine ruhige, unaufgeregte Geschichte, über ein bescheidenes, oft einsames, aber trotz allem erfülltes Leben einer alleinstehenden jungen Frau nach dem ersten Weltkrieg. Ein Sittenbild dieser Zeit.

Dabei bekommt man als Leser tiefe Einblicke ins Sticken und Glockenläuten. Das war zu erwarten und hätte mich im Vorfeld beinahe abgeschreckt, aber es fügt sich wunderbar in die Geschichte ein und sie bleibt auch in diesen Passagen sehr flüssig und unterhaltsam.

Es ist ein leiser, unheimlich ruhiger Roman, der auch bei Drama nicht lauter wird und sich wirklich angenehm liest.Tracy Chevalier hat sehr unterschiedliche, vielschichtige und authentisch wirkende Frauen geschaffen und nicht wenige von ihnen haben ihr Päckchen zu tragen. Mir persönlich waren es beinah schon zu viele Themen auf 350 Seiten. Es wirkt fast, als wollte die Autorin alles einbringen.

Wer einen Liebesroman erwartet, der ist hier falsch. Es geht vor allem um Freundschaft, Selbstbewusstsein, füreinander einstehen und sich nicht verstecken müssen.

"Violet" ist ein schöner Roman, den ich an einem regnerischen Sonntag verschlungen habe. Trotzdem bezweifel ich, dass er mir nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

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Veröffentlicht am 31.12.2019

Gegensätze ziehen sich an

Sinking Ships
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* Weil sie mich nicht wirklich hasste. Weil ich sie durcheinanderbrachte. Weil ihr Atem ins Stocken geriet, wenn ich sie berührte und ich zumindest die Hoffnung hatte, dass es sich für sie genauso unglaublich ...

* Weil sie mich nicht wirklich hasste. Weil ich sie durcheinanderbrachte. Weil ihr Atem ins Stocken geriet, wenn ich sie berührte und ich zumindest die Hoffnung hatte, dass es sich für sie genauso unglaublich anfühlte wie für mich. *

"Sinking Ships" ist bereits der zweite Teil der Fletcher University Reihe, doch man muss den Vorgänger "Burning Bridges" nicht unbedingt kennen und kann sie unabhängig voneinander lesen/hören.

Für Carla war Mitchell immer nur der zu nette, zu gutaussehende Bruder ihrer Freundin Savannah. Die taffe Latina hätte für die Liebe sowieso keine Zeit. Ihr Studium, ihr Job in der Bar und ihre beiden Brüder halten sie auf Trab. Mitch hingegen hat schon lange ein Auge auf das unnahbare Mädchen mit der harten Schale geworfen. Als Carla bei der Party seiner Schwester in den Pool stürzt und er sie rettet, bröckelt ihre Fassade für einen kurzen Augenblick.... Doch bekommt der nette Kapitän des Schwimmteams tatsächlich eine Chance?

Diese vertauschten Rollen, der nette Junge und das Bad Girl, verleihen der Geschichte einen ganz besonderen Charme.

Mitchell hat einen wirklich tollen, sympathischen und sehr offenen Charakter. Carla hingegen ist unheimlich verschlossen, kratzbürstig und glaubt ihr Geheimnis mit niemandem teilen zu können, so dass sie ihren Mitmenschen oft vor den Kopf stösst. Sie ist unglaublich stark, keine Frage, aber auch sehr stur und kein einfacher Charakter. Und trotzdem hatte ich sie vom ersten Moment an gern...

Auch die Nebenprotas sind klasse. Man merkt, wie viel Liebe in ihnen steckt. Vom Barkeeper (auf den ich mich jedes Mal gefreut habe) bis hin zum Frisiersalon voller mexikanischer Chicas. Das macht einfach Spaß! Auch Carla flucht auf spanisch, wenn sie emotional wird.

Die Liebesgeschichte baut sich ganz langsam auf. Es strotzt nicht so vor Erotikszenen, sondern knistert oftmals ganz gewaltig. Die elektrisierende Atmosphäre kann man regelrecht hören.

Und damit wären wir beim Knackpunkt, den Sprechern. Fanny Bechert ist zwar keine Latina, passt aber sprachlich sehr gut zu Carla. Was man von Oliver Dupont nicht unbedingt sagen kann. Er hat eine großartige Charakterstimme, keine Frage, aber er klingt Welten zu alt und passt nicht zu Mitchell. Das hat es mir anfangs etwas schwer gemacht.

Tami Fischer hat einen unglaublich tollen Schreibstil. Ich werde "Sinking Ships" auf jeden Fall auch noch einmal selber lesen und denke, dass mich die Geschichte dann noch tiefer erreicht.

Das Hörbuch ist übrigens leicht gekürzt, aber sehr geschickt und passend. Mir ist es nicht ein einziges Mal aufgefallen, das kenne ich auch anders.

Fazit: Ich bin großer Fan der Fletcher University Reihe. "Sinking Ships" ist ein großartiger zweiter Teil, der zwar an Drama, Ecken und Kanten nicht ganz an "Burnning Bridges" herankommt, aber das muss auch gar nicht immer sein. Ich freue mich schon sehr auf den 3. Band.

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