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Veröffentlicht am 30.06.2025

Männliche Depression sichtbar gemacht

Es gibt kein Zurück
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Aldus Wieland Mumme von manchen Willi genannt, hadert mit seinem Namen, seit er denken kann, deswegen nennt er sich einfach A. W. Mumme. Er arbeitet als Freiberufler für das Bundesradio und liest seine ...

Aldus Wieland Mumme von manchen Willi genannt, hadert mit seinem Namen, seit er denken kann, deswegen nennt er sich einfach A. W. Mumme. Er arbeitet als Freiberufler für das Bundesradio und liest seine eigenen Essays über skandalöse oder problematische Themen. Nach dreißig Jahren beim Sender weiß er alles über Rhetorik, Betonung und Stimme. Als er mit Halsschmerzen im Bett liegt, lauscht er seinem Ersatz, der weder die Größe des Entwurfs, die List des Angriffs, den Zorn über die schweigende Mehrheit so nötig verlauten lässt. Eher kommt die verbale Darbietung Mummes Essay rüber, wie beim Schulfunk für Erwachsene.

Mumme mag seine eigene Stimme eigentlich nicht. Wenn er sie hört, spürt er das Kind, das ohne Vater aufwuchs, das kehlige Schmusekind der Mutter. Schon in der Schule hatte Mumme Anpassungsschwierigkeiten. Er war nie einer Meinung, vor allem nicht mit großen Gruppen, aber auch Lehrer mussten Überzeugungsarbeit leisten. Er war das Kind des Zweifels, sein Mantra, das Dissens.

Seine Spezialität ist die Glosse, das nimmt den aktuellen und zweifelsfrei strittigen Themen die Schärfe. Als Mia Farrow Woody Allen im Zeichen des Rosenkriegs vorwarf, er habe sich an seinen Kindern vergangen, hat Mumme daraus eine Glosse gemacht. Er bezog selbst keine Stellung und bot wenig Angriffsfläche. Er ist einzigartig in seinem Metier. Jetzt ist er vierundsechzig und die Rentenversicherung hat ihm mitgeteilt, dass ihm knappe Tausendzweihundert zustehen, wenn er in zwei Jahren den Antrag einreicht. Da kommt die Idee seiner Agentin gerade recht. Er solle eine Autobiografie schreiben. Und Mumme geht ohne restlose Überzeugung in sich.

Fazit: Ulf Erdmann Ziegler verhandelt das Thema Depression. Mit viel Ruhe und Feingefühl zeichnet er einen Protagonisten, der überaus intelligent und kommunikationsbegabt ist. Seiner Mutter verdankt er, viel von der Welt gesehen zu haben, aber dadurch auch heimatlos und entwurzelt zu sein. Eine Vaterfigur hatte er nicht. Aus der unsteten Kindheit entsteht das Bedürfnis nach Sicherheit, weswegen er fast sein gesamtes Arbeitsleben beim gleichen Sender bleibt. Eine jahrelange Freundschaft ist an Corona zerbrochen. Seine Frau ist in der Geschichte physisch kaum anwesend, weil sie erfolgreich als Abgeordnete im Bundestag sitzt. Mumme hat beruflich eine Ausdrucksmöglichkeit gefunden, die ihn intellektuell fordert, doch bleibt er dabei vage und unangreifbar. Seine Hörer lieben ihn und das pimpt seinen Selbstwert. Im privaten bleibt er ebenso vage und harmoniebedürftig. Nichts stört ihn, er hat keinen Diskussionsbedarf. Bald ist er den Job los, mit dem er sich identifizieren konnte. Was bleibt, sind Erinnerungen. Es ist diese typische Gefahr bei Männern, Gefühle zu unterdrücken und Bedürfnisse zu bagatellisieren, die in die lavierte Depression führt. Niemand bemerkt den enormen Leidensdruck, den die Betroffenen selbst kaum als solchen wahrnehmen, weil sie es nicht anders kennen. Bricht dann durch Berentung oder Trennung ein Teil der Festung weg, kann es durchaus zu Kurzschlusshandlungen kommen. Der Autor hat das alles sehr versiert und überzeugend dargestellt und damit ein wichtiges Buch geschaffen. Und noch dazu ganz und gar unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Kurze knackige Story

Santa Tereza
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Der Kapuzenträger kommt zu Luchs an die Box und bittet um Feuer. Er gibt es ihm, weil er selbst gerade eine raucht und es komisch wäre, ihm dann kein Feuer zu geben. Im Licht der kurz auflodernden Flamme ...

Der Kapuzenträger kommt zu Luchs an die Box und bittet um Feuer. Er gibt es ihm, weil er selbst gerade eine raucht und es komisch wäre, ihm dann kein Feuer zu geben. Im Licht der kurz auflodernden Flamme sieht er, dass er eine sie ist und er riecht ihren Joint, aber dann ist sie auch schon verschwunden. Kurz darauf klingelt sein Handy und als er rangeht, sagt seine Chefin am anderen Ende, dass er jetzt nach Hause gehen kann, weil sie gerade erfahren hat, dass er einer Dreizehnjährigen Dope verkauft hat. Kurz darauf will die Polizei wissen, wie lange er kifft und seit wann er seinen Grasladen betreibt und es ist gerade einmal drei Uhr in der stockdunklen Nacht.

Schon vor der Gerichtsverhandlung glaubt ihm niemand, außer Conny, mit der er sich im Wechsel die Nächte auf dem Friedhof teilt. Das Mädchen sagt dann doch zu seinen Gunsten aus. Sie habe das Gras mit auf den Friedhof gebracht und ihren Eltern irgendwas erzählen müssen. Alle haben sich dann bei ihm entschuldigt und seine Chefin war froh, dass sie nicht siebzehn Jahre lang einen Grasverkäufer beschäftigt hatte.

Vor seiner Box findet er ein Päckchen mit einem Zettel, auf dem sorry steht. Als er es öffnet, erscheint eine Pink Floyd-CD. Die mit dem brennenden Mann, der einem anderen die Hand gibt. Für diesen Anlass kauft er sich ein Radio. Danach besuchte sie ihn öfter, auch weil sie dann ihrem Vater näher ist, der seit zwei Jahren um die Ecke liegt.

Fazit: Flurin Jecker hat einen Protagonisten geschaffen, der einmal großen Träumen folgte, bis das Leben dazwischengeriet. Das Leben, dargestellt durch einen Vater, der kaum anwesend war und seinen Sohn in Lohn und Brot sehen wollte, um aus der Unterhaltspflicht rauszukommen. Die Nächte der letzten siebzehn Jahre haben den einfach gestrickten Luchs resignieren lassen, obwohl er diesen Job gern macht, weil er auf dem Friedhof für gewöhnlich keinen Kundenkontakt hat. Als er das Mädchen besser kennenlernt, weckt sie ihn ihm alte Erinnerungen an den Jungen, der er einmal gewesen war. Er geht in die Rückschau und macht sich die Verluste bewusst, deren Schmerz er verdrängt hat. Die Stimme des Autors ist einfach gehalten, als erzähle mir ein junger Mann seine Geschichte. Die Verlustbewältigung fand ich sehr kreativ umgesetzt. Insgesamt eine kurze Coming -of- Age Story, der ich gerne gefolgt bin.

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Facettenreich und tiefsinnig

Kind der Liebe. Roman
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Die Familie Kids ist polymorph, polygam, polyglott und polyphon. Der Vater ist Diplomat und Ökonom und nimmt weltweit Aufträge an, die Mutter ist schön. Zusammen sprechen sie sieben tote Sprachen und fünf ...

Die Familie Kids ist polymorph, polygam, polyglott und polyphon. Der Vater ist Diplomat und Ökonom und nimmt weltweit Aufträge an, die Mutter ist schön. Zusammen sprechen sie sieben tote Sprachen und fünf lebendige. Sie sind auf der ganzen Welt zu Hause und doch nirgendwo. Der Vater kommt problemlos immer an diese Mitarbeiter, die ihnen folgen, um ihm zu assistieren und ihr eigenes Leben hintanzustellen. So auch Aias, der Liebhaber der Mutter. Aias ist anders als die anderen Mitarbeiter. Älter und klüger und er lässt sich nicht von der Autorität des Vaters einschüchtern.

Es kommt der Tag, der kommen musste. Die Eltern ziehen nach Sao Paulo und später nach Kuba und Kid muss in eine Schule, um von anderen Kindern umgeben zu sein und die Sinne in sozialen Interaktionen zu schärfen. Die Internatsmitglieder kommen alle aus elitären Kreisen. Nicht wenige leiden unter Panikattacken, weil sie jederzeit gegen ein Lösegeld entführt werden könnten, deswegen sind alle bewaffnet. Kid ist noch weit davon entfernt, sich eingelebt zu haben und erlebt schon einen Akt der Gewalt. Ein kurzer flehender Brief an die Mutter und Kid landet wieder im elterlichen Schoß.

Gemeinsam verbringen sie die Ferien in ihrer Villa am Rande eines italienischen Fischerdorfes. Kid wird Zeugin der starken mütterlichen Anziehung zu Aias. Jeder Tag ähnelt dem anderen. Nach einem gemeinsamen Frühstück sucht Kid den Strand auf, schwimmt und versinkt in dem Meer hormongetränkter jugendlicher Gedanken. Ihr Mittagessen, zumeist ein Fischgericht, nimmt die Familie gemeinsam in einer Strandbar ein. Zum Abendessen, treffen sie sich wieder in der Villa, wo die Dame des Haushaltes, eine italienische Nonna, das Abendessen zubereitet hat. Intensive philosophische Diskussionen und eine Menge Cognac runden die Familienabende ab. Die Tragödie nimmt ihren Lauf, als Kid sich brennend für die Verbindung zwischen Mutter und Aias interessiert.

Fazit: Die 1933 geborene, mehrfach ausgezeichnete Dichterin, Dramatikerin und Autorin war die erste Frau Englands, die sich Anfang der Sechziger-Jahre als lesbisch geoutet hat. Diese Geschichte entstand 1971 und wurde von Reclam erstmals in deutscher Sprache verlegt. Die Autorin hat eine facettenreiche, tiefsinnige Story entwickelt, die ich eher intuitiv als intellektuell erfasst habe. Der/die Protagonist
in ist geschlechtsneutral. Er/sie lebt in einer privilegierten, auf hohem Niveau gebildeten Familie, die sich auf dem gesamten Erdball bewegt. Alle Wünsche werden im Überfluss erfüllt. Was fehlt, nimmt man sich und dadurch entsteht eine allgemein knisternde erotische Spannung. Es wirkt, als hätten die Eltern eine offene Beziehung. Tatsächlich erinnert die Stimmung, die von Kid ausgeht, am ehesten an die wohlstandsverwöhnte Akteurin aus „Bonjour Tristesse. Die Geschichte ist symbolhaft. Die Autorin spielt mit unzähligen Beispielen der griechischen Mythologie, aber auch mit christlichen Einflüssen (Fischerdorf, Fische ernähren, beherrschen das Reich der Emotionen und erfüllen auch phallusartigen Charakter als Symbol für Lust und Begehren) Ebenso entsteht ein Bezug zur Psychoanalyse. Ist Kids Eifersucht auf die Mutter? ein Ödipuskonflikt, oder ist Aias, der ja die Mutter begattet, stellvertretend für den Vater und ist es somit ein Elektrakonflikt? Die Geschichte ist wirklich so tiefgreifend, tiefsinnig und klug, dass ich an dieser Stelle gar keinen Anspruch auf Vollständigkeit meiner Sichtweise erhebe. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Meiner Ordnungsliebe (Schubladendenken) stand im Wege, dass ich nicht eruieren konnte, ob Kid nun Junge oder Mädchen ist. Und vielleicht liegt darin auch der Sinn der Geschichte, zu zeigen, wie schwierig die Akzeptanz des Unbekannten fällt, dessen, welches anders ist als ich selbst.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Nicht ganz leicht zu folgen

Die Richtige
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Louis Creutz malt nur bei Tageslicht. Seine Präferenz ist der Akt, aber auch mit Porträts hat er nicht schlecht verdient. Jeden Morgen zur gleichen Zeit bekommt er Besuch von zwei ganz ähnlichen Vögeln. ...

Louis Creutz malt nur bei Tageslicht. Seine Präferenz ist der Akt, aber auch mit Porträts hat er nicht schlecht verdient. Jeden Morgen zur gleichen Zeit bekommt er Besuch von zwei ganz ähnlichen Vögeln. Sie kommen durch die gekippten Atelierfenster herein, schwirren umher und setzen sich auf die Leinwände, um tschilpend Zwiesprache miteinander zu halten.

Als mittlerweile erfolgsverwöhnter und über die Landesgrenzen hinaus bekannter Künstler, lassen ihn Kritiken sowohl positiv als auch negativ, kalt. Sind doch die Maßstäbe, die er an sich selbst setzt, bedeutend größer als der kurze Blick des Betrachters. In aller Ausschließlichkeit malt er Frauen, denn Frauen sind für ihn das Sujet der Ölmalerei.

Seine beiden Freunde Rudolf und Beate, die ihm aus erfolgloseren Anfangszeiten geblieben sind, folgen ihm auf jede Vernissage und halten ihm den Großteil derer, die ihn mit Fragen löchern wollen, weil sie nicht verstehen möchten, dass seine Bilder selbsterklärend sind, vom Leib. Beate war ihm schon zu Studienzeiten begegnet, ein streitbarer Geist, zuweilen vor Selbstgefälligkeit strotzend. Nachdem Beate in die Sicherheit der Familiendynastie hineingeheiratet und Rudolfs Bruder Dietmar gleich irgendwie mitgeheiratet hat, spielt sie sich gerne als Mittlerin in Dietmars Liebesleben auf und manipuliert den Künstler, sie darin zu unterstützen.

Nach der gestrigen Vernissage, die der Künstler frühzeitig verlassen hatte, berichtet ihm Beate nun, endlich die Richtige gefunden zu haben. Ein gefälliges Weibchen, hübsch, beredt und anpassungsbereit. Sie sollten gemeinsam nach Venedig fahren und Dietrich dabei helfen, die gute zu erobern.

Fazit: Martin Mosebachs Ränkespiel ist faszinierend und durchtrieben. Eine Frau empfindet den Bruder ihres Gatten als Zumutung ihrer Ehe und will ihn durch Heirat aus dem Haus treiben. Ein selbstverliebter Maler analysiert seine Mitmenschen und treibt manipulative Spielchen mit ihnen. Eine charakterstarke junge Frau geht ihm auf den Leim. Die Geschichte hat durchaus ihren Reiz, mir jedoch wegen der langen, verschachtelten Sätze alles abverlangst. Die Sprache ist die der elitären Oberklasse und passt gut zu den Charakteren. Die Epoche wird mir nicht ganz klar, allerdings gibt es schon Mobiltelefone. Ich empfinde die Geschichte als zeitlos. Alle Darsteller sind konsequent gut gezeichnet und von deren Handlungsweise lebt das ganze Konstrukt. Zum Ende hin wird es erstaunlich grausam. Ich meine die Handlungen eher intuitiv begriffen zu haben, als intellektuell verstanden. Doch mag ich kaum groß kritteln denn schreiben kann der Autor absolut. Ich empfehle den Roman den Anhängern des gehobenen Bildungsbürgertums ab fünfzig aufwärts.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Das Leben mit all seinen Strapazen

Der Schlaf der Anderen
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Janis Gast ist spät dran. Normalerweise kommen ihre nächtlichen Besucher zu früh und sitzen im Pyjama auf ihrem Bett, während sie den Raum betritt, um sie zu verkabeln. Janis hat schon seit zwanzig Jahren ...

Janis Gast ist spät dran. Normalerweise kommen ihre nächtlichen Besucher zu früh und sitzen im Pyjama auf ihrem Bett, während sie den Raum betritt, um sie zu verkabeln. Janis hat schon seit zwanzig Jahren keinen normalen Schlafrhythmus mehr. Zuerst leistete sie Schichtdienst auf der Station und seit zwei Jahren den Nachtdienst im Schlaflabor. Sie lebt allein und hat sich mit sich arrangiert.

Sina Jott, wie der Buchstabe, heißt ihre Besucherin, die sie jetzt präparieren wird. Sie legt Bauch- und Brustgurt an, um Herz und Atmung zu überwachen, verkabelt Beinarterien und Kopfhaut. Sina macht ein Selfie für die Kinder und Janis entschlüpft ein Du, was sie sofort einen Schritt zurücktreten lässt, um den Raum zwischen ihnen zu vergrößern. Sie hat noch nie einen Gast geduzt, versucht immer Distanz zu wahren. Sie weiß selbst wie unangenehm es ist, von Patienten mit Liebes oder Herzchen oder einfach mit Du angesprochen zu werden. Wie es ist, wenn Patienten die WC Türe offen lassen, ihre Genitalien nicht bedecken oder sich einfach in ihre Arme fallen lassen. Dann setzt sie Grenzen und erinnert daran, dass auch sie eine Intimsphäre hat.

Sina leidet schon lange unter Schlaflosigkeit. Es fing mit der wütenden Ida an, ihre Erstgeborene. Sie hat nächtelang durchgeschrien. Matthias interessierte das nicht, der weicht heute noch keinen Millimeter von seinen Ritualen ab. Als sie Ben gebar, war es ähnlich. Jede Nacht um 2 Uhr 7 rattert die Nordwestbahn nach Delmenhorst durch ihren Garten und pflügt sich durch ihr Gehirn. Ihre Hausärztin hatte ihr seit Jahren Zolpidem verschrieben, aber jetzt ist sie in den Ruhestand gegangen.

Fazit: Tamar Noorts zweiter Roman verhandelt das Leben mit all seinen Strapazen, unerfüllten Erwartungen und erloschenen Träumen. Sina ist Lehrerin und versucht ihren Beruf und das familiäre Wohlbefinden zu händeln. Ihr selbstbezogener Mann ist ihr dabei keine Hilfe. Wie sehr sie unter ihrer Schlaflosigkeit leidet, kann sich nur vorstellen, wer selbst damit Erfahrung hat. Die ruhige, geerdete Janis bewegt sich in einem völlig anderen Leben als die humorvolle, quirlige Sina. Zwischen beiden entwickelt sich eine Freundschaft, die scheinbar nur von kurzer Dauer ist. Ich mochte die Geschichte sehr. Die Konflikte zwischen den Charakteren sind verständlich dargestellt. Das mangelnde Verständnis, das Sina entgegengebracht wird und sich in dem Erwartungsdruck entlädt, sie müsse funktionieren, ist tragisch. Was sie in ihrem Leben nicht findet, bekommt sie von Janis, die gerne ihr Ohr öffnet und sich kümmert. All das ist hervorragend rübergebracht. Eine ganz interessante tiefe Geschichte über die Möglichkeit von Veränderung, die mich glänzend unterhalten hat.

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