„Die da oben“ ist ein ruhiger Roman mit viel Nachklang.
Willkommen in einem Leipziger Mehrfamilienhaus, wo die Türen knarzen, das Leben durch die Wände dringt und sich alles irgendwie gleichzeitig bewegt und stillsteht.
Es ziehen Tess und Moyra ein. Ein junges ...
Willkommen in einem Leipziger Mehrfamilienhaus, wo die Türen knarzen, das Leben durch die Wände dringt und sich alles irgendwie gleichzeitig bewegt und stillsteht.
Es ziehen Tess und Moyra ein. Ein junges PaarAnfang 30, das nicht nur (kaputte) Möbel, sondern auch jede Menge unausgesprochene Themen mitbringt. Tess, kreative Schneiderin mit großer Vision, bekommt durch Moyras Eltern die Chance ihres Lebens: ein eigenes Atelier im Haus. Moyra dagegen? Hängt plötzlich in der Luft, was Job und Richtung angeht und das wackelt dann schnell auch privat.
Im Haus leben seit 30 Jahren Heike und Rolf. Seit Ewigkeiten also. Rolf hatte früher einen Getränkeladen im Haus (jetzt Tess’ Schneiderei! Hallo Schicksal), Heike hält den Alltag irgendwie zusammen. Doch der Laden ist zu, die Zeit hat Spuren hinterlassen und der Blick auf die Welt wird zunehmend schärfer und skeptischer.
Zwischen Tess’ Mitgefühl, Moyras Abstand und der unterschwelligen Frage: Wie halten wir eigentlich alle miteinander aus?, spannt sich ein ganz eigenes Universum auf: still, leise, nah.
Meine Lesefalten:
Ich mochte es, wie dieses Buch so tut, als wäre es zurückhaltend und dabei voller feiner Beobachtungen ist. Kein Drama mit Knalleffekt, sondern diese Art von Alltagsknistern, bei dem man denkt: Jep, genau so wohnen Leute. Genau so reden sie nicht. Genau so spürt man, wenn etwas kippt.
Ich wollte dauernd reinrufen: Redet doch einfach! Aber eben, wie im echten Leben → das ist leichter gesagt.
Der Stil ist klar, nie überladen, und trotzdem steckt zwischen den Zeilen so viel Gefühl. So viel Unsicherheit, Liebe, Wut, Ratlosigkeit.
„Die da oben“ ist ein ruhiger Roman mit viel Nachklang. Er zeigt, wie sehr wir alle mit unseren kleinen Welten beschäftigt sind und wie schwer es ist, Brücken zu schlagen.
Nicht laut, nicht dramatisch, sondern ehrlich, liebevoll, manchmal bitter aber immer menschlich.