Cover-Bild Die da oben
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Wallstein Erfolgstitel - Belletristik und Sachbuch
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Regional
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 275
  • Ersterscheinung: 23.07.2025
  • ISBN: 9783835359772
Anselm Oelze

Die da oben

Roman
Drei Frauen und ein Haus, in dem sie aufeinandertreffen - und entscheiden müssen, was sie retten wollen: ihre Überzeugungen oder die Beziehungen zu den Menschen, die sie lieben.

Als Tess mit ihrer Freundin Moyra in eine schöne Altbauwohnung im Leipziger Zentrum zieht, gehen für sie gleich mehrere Träume in Erfüllung. Ihre Beziehung hat endlich ein Zuhause und mit der Unterstützung von Moyras Eltern kann sie sogar ihre eigene Schneiderei eröffnen: und zwar im Erdgeschoss des Hauses, wo Rolf, der Mann ihrer Nachbarin Heike, einen Getränkeladen betrieben hatte, bis dieser der Konkurrenz durch die Lieferservices und der steigenden Ladenmiete zum Opfer fiel.
Seit über dreißig Jahren lebt das ältere Paar im obersten Stock des Hauses. Als ihm nun auch die Wohnung gekündigt wird, bieten die jungen Frauen Hilfe an. Aber je mehr Heike und Rolf auf »das kaputte System« und »die korrupten Eliten« schimpfen und allerorten Verschwörungen wittern, desto entschlossener geht Moyra auf Distanz. Tess dagegen gerät in arge Solidaritätskonflikte, und schließlich sind alle gezwungen, zu entscheiden, was sie retten wollen: ihre eigenen Überzeugungen oder die Beziehungen zu den Menschen, die sie lieben.

In seinem neuen Roman erzählt Anselm Oelze nicht nur die Geschichte eines Hauses und dreier Frauen. Einfühlsam und lebensnah befasst er sich auch mit den Spaltungen in der Gesellschaft und fragt danach, wie Zusammenleben wider alle Erwartungen gelingen kann.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2025

„Die da oben“ ist ein ruhiger Roman mit viel Nachklang.

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Willkommen in einem Leipziger Mehrfamilienhaus, wo die Türen knarzen, das Leben durch die Wände dringt und sich alles irgendwie gleichzeitig bewegt und stillsteht.
Es ziehen Tess und Moyra ein. Ein junges ...

Willkommen in einem Leipziger Mehrfamilienhaus, wo die Türen knarzen, das Leben durch die Wände dringt und sich alles irgendwie gleichzeitig bewegt und stillsteht.
Es ziehen Tess und Moyra ein. Ein junges PaarAnfang 30, das nicht nur (kaputte) Möbel, sondern auch jede Menge unausgesprochene Themen mitbringt. Tess, kreative Schneiderin mit großer Vision, bekommt durch Moyras Eltern die Chance ihres Lebens: ein eigenes Atelier im Haus. Moyra dagegen? Hängt plötzlich in der Luft, was Job und Richtung angeht und das wackelt dann schnell auch privat.

Im Haus leben seit 30 Jahren Heike und Rolf. Seit Ewigkeiten also. Rolf hatte früher einen Getränkeladen im Haus (jetzt Tess’ Schneiderei! Hallo Schicksal), Heike hält den Alltag irgendwie zusammen. Doch der Laden ist zu, die Zeit hat Spuren hinterlassen und der Blick auf die Welt wird zunehmend schärfer und skeptischer.
Zwischen Tess’ Mitgefühl, Moyras Abstand und der unterschwelligen Frage: Wie halten wir eigentlich alle miteinander aus?, spannt sich ein ganz eigenes Universum auf: still, leise, nah.

Meine Lesefalten:

Ich mochte es, wie dieses Buch so tut, als wäre es zurückhaltend und dabei voller feiner Beobachtungen ist. Kein Drama mit Knalleffekt, sondern diese Art von Alltagsknistern, bei dem man denkt: Jep, genau so wohnen Leute. Genau so reden sie nicht. Genau so spürt man, wenn etwas kippt.
Ich wollte dauernd reinrufen: Redet doch einfach! Aber eben, wie im echten Leben → das ist leichter gesagt.
Der Stil ist klar, nie überladen, und trotzdem steckt zwischen den Zeilen so viel Gefühl. So viel Unsicherheit, Liebe, Wut, Ratlosigkeit.

„Die da oben“ ist ein ruhiger Roman mit viel Nachklang. Er zeigt, wie sehr wir alle mit unseren kleinen Welten beschäftigt sind und wie schwer es ist, Brücken zu schlagen.
Nicht laut, nicht dramatisch, sondern ehrlich, liebevoll, manchmal bitter aber immer menschlich.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Zwischen Altbau, Absturz und Alltagswahnsinn

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Manchmal zieht man in eine Wohnung ein – und bekommt gratis gleich noch die Gesellschaftsstudie des Jahres mitgeliefert. So ungefähr fühlt sich „Die da oben“ an. Drei Frauen, ein Haus, eine Handvoll Ideale ...

Manchmal zieht man in eine Wohnung ein – und bekommt gratis gleich noch die Gesellschaftsstudie des Jahres mitgeliefert. So ungefähr fühlt sich „Die da oben“ an. Drei Frauen, ein Haus, eine Handvoll Ideale und jede Menge unterschwellige Explosionen zwischen Türrahmen und Teekocher. Tess und Moyra wollen einfach nur lieben, leben und nähen – und zack, stehen sie zwischen Verschwörungsdenken, Klassenschmerz und Altbaupolitik.

Was Oelze hier macht, ist ziemlich clever. Er nimmt ein ganz normales Mietshaus in Leipzig, dreht es einmal auf links und zeigt, wie unterschiedlich Menschen auf Druck reagieren. Die alten Mieter, die sich vom System verraten fühlen, treffen auf junge Idealistinnen, die es gut meinen – bis die Realität ihnen die Nähmaschine aus der Hand reißt. Das Ganze liest sich streckenweise wie eine WG-Diskussion auf Speed: mal klug, mal schräg, manchmal einfach nur zum Augenrollen – aber nie langweilig.

Oelze hat ein Händchen für Dialoge, die gleichzeitig wehtun und schmunzeln lassen. Und obwohl ich zwischendurch gern mal in den Seiten geschrien hätte „Jetzt redet doch einfach miteinander!“, liegt genau darin der Reiz. Die Figuren sind so echt, dass man sie am liebsten auf einen Kaffee einladen – oder höflich rausschmeißen – würde.

Ein bisschen mehr Tempo hätte dem Mittelteil gutgetan, aber das emotionale Finale fängt vieles wieder ein. „Die da oben“ ist kein Wohlfühlroman, sondern ein leiser, schlauer Realitätscheck über Nachbarschaft, Überzeugungen und die wackelige Kunst, Mensch zu bleiben. Vier Sterne, weil’s weh tut, nachklingt – und weil ich das Gefühl habe, mein eigenes Treppenhaus jetzt ein bisschen anders sehe.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Komplizierte Liebesgeschichte

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Tess und Moyra ziehen in ihre erste gemeinsame Wohnung. Um die kostenpflichtigen Parkverbotsschilder zu umgehen, haben sie Flatterbänder zwischen zwei Mülltonnen gebunden, abe die hatte jemand verschoben ...

Tess und Moyra ziehen in ihre erste gemeinsame Wohnung. Um die kostenpflichtigen Parkverbotsschilder zu umgehen, haben sie Flatterbänder zwischen zwei Mülltonnen gebunden, abe die hatte jemand verschoben und nun stand dort ein himmelblauer Twingo. Tess parkte ihren Lieferwagen minutiös dahinter. Moyra drückte ihr einen Kuss auf die Lippen. Eigentlich wollte Moyra erst ihr Studium beenden. Sie wusste nicht, wohin es sie danach ziehen würde. Tess hatte angenommen, dass Moyra das Vertrauen in sie fehlte und das hatte sich halb gar angefühlt.

Im Erdgeschoss des schönen Leipziger Altbaus befindet sich ein leer stehender Laden, der hatte dem Mann in der dritten Etage als Getränkeshop gedient. Er wohnt seit dreißig Jahren mit seiner Frau da oben und war an der Konkurrenz und der Pachterhöhung gescheitert. Dank Moyras Eltern hatte Tess das Geschäft anmieten können. Sie würde eine kleine Schneiderei eröffnen und ihre ersten Stücke verkaufen, designt bei Tess.

Als Moyra auf einer Tagung in Göteborg war, hatte Tess sich gelangweilt und Fabians Einladung zu seinem Geburtstag angenommen. Dort hatte sie Larissa kennengelernt. Sie verstanden sich blendend. Nach der Party hatten sie immer noch Gesprächsbedarf und so nahm Tess Larissa mit in ihre neue Wohnung. Moyra und Tess waren sich einig, dass es passieren konnte, dass man auch andere Frauen attraktiv fand und sich kaum jeder Verführung erwehren könne und sie wollten gnadenlos ehrlich zueinander sein. Als Moyra wieder zurück war, schien es Tess, als stünde sie am Anfang einer komplizierten Affäre. Und dann fehlte einfach jede Gelegenheit, das Thema anzusprechen.

Fazit: Anselm Oelze hat zwei Frauen in die Mitte der Handlung gesetzt. Moyra ist die Ernste, die ein Päckchen zu tragen hat. Nach dem Studium findet sie keinen rechten Sinn mehr in ihrer Berufswahl. Sie dümpelt unentschlossen vor sich hin und fühlt sich schlecht. Tess ist die Quirlige, die ihre Entscheidungen trifft, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken. Durch den Vertrauensbruch zu Moyra fühlt sie sich ebenfalls schlecht und die beiden driften auseinander. Der Autor erzählt in der dritten Person mit angenehmer Stimmfarbe. Der Klappentext versprach einen Generationenkonflikt und das Thematisieren der gesellschaftlichen Spaltung. Ich habe die Geschichte als Liebesgeschichte gelesen und als solche funktioniert sie. Ja, es entsteht ein Konflikt, weil Tess dem älteren Paar helfen will und Moyra deren Verhalten wenig abgewinnen kann, aber das ist eher ein Nebenschauplatz, der zu weiteren Reibungen in ihrer Beziehung führt. Der Autor hat meines Erachtens größeres Augenmerk auf den Prozess der Selbstfindung gelegt. Deshalb mag ich diesen flockig lesbaren Roman eher allen empfehlen, die sich für eine komplizierte Liebesgeschichte zwischen Frauen interessieren.

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