Bei Junge sein handelt es sich um einen anschaulich gestalteten Ratgeber dazu, wie ein Junge sich verhalten kann/sollte, bzw. wie er sich nicht verhalten sollte, um in frauenfeindliche Denkmuster oder Handlungen zu verfallen, bzw. um möglichst die Menschen seines Umfeldes zu unterstützen. Dabei wird jedes Kapitel mit einem kurzen Comic eingeleitet, sowie anschließend durch einen Text genauer darauf eingegangen, worum es geht, welche Fakten dem zugrunde liegen, und woher bestimmte Verhaltensmuster stammen (können).
Ich persönlich habe mich dabei erwischt, wie ich manchmal gerne mehr Fakten und Wissenschaft gehabt hätte, habe an der ein oder anderen Stelle aber auch so was gelernt, und in Hinblick auf die Zielgruppe (zu der ich auf keinen Fall zähle) denke ich, dass es vermutlich gut so ist, dass nicht noch wissenschaftlicher gearbeitet wurde.
Für die Zielgruppe allerdings (kam mir vor wie Jungs zwischen 12 bis 16 vermutlich?) gab es ein paar andere Dinge, bei denen ich mich gefragt habe, ob das so passend ist. So setzt das Buch eindeutig voraus, dass ein Junge bereits den Wunsch hat, sich zu ändern, oder dass das Umfeld bei der Erziehung hinterher ist und Dinge auch erklären kann, denn wenn beides nicht gegeben ist, dann habe ich nicht das Gefühl, dass das Buch viel Einfluss haben dürfte. Ich glaube, es ist ein guter Ansatz, gerade wenn man sich ein paar Teenager vorstellt, die aber gegen alles irgendwie sind und Gefühle nicht zulassen können/wollen/andere dafür auslachen ... ich glaube nicht, dass an der Stelle dieses Buch einen guten Ansatz liefert, das zu ändern. Eher würde es sich auch um etwas handeln, das man beiseite schiebt. Außer natürlich der Wunsch des Änderns ist bereits vorhanden und die Umgebung arbeitet entsprechend mit.
Das soll auf keinen Fall heißen, dass ich das Buch schlecht finde, ganz im Gegenteil, ich finde es ist ein toller Ansatz und die Denkanstöße und Erklärungen darin sind in meinen Augen echt super, ich frage mich nur, inwiefern es tatsächlich etwas ändern kann, wenn die Person sich der Probleme nicht schon bewusst ist, denn als alleinstehendes Werk kommt es mir nicht sehr solide vor, da (was aber absolut logisch ist bei einem eher Kinder-/Jugendbuch) es natürlich vieles offen lässt und nicht alles erklären kann, für das müssten also weitere Werke herhalten, und wer bereits in einem "falschen" Verhalten steckt ist eventuell nicht bereit, die Arbeit hineinzustecken, diese weiteren Quellen zu finden, wenn niemand anderes das unterstützt.
Ändert aber nichts daran, dass ich das Buch trotzdem absolut solide finde und ich wünschte mir so ein bisschen, dass wir es damals in der Schule gelesen hätten, weil ich glaube wir hatten eine echt solide Schulbuch-Auswahl und das hier hätte ganz sicher auch reingepasst und meine Lehrerin hätte da einiges mit uns draus machen können.