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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.10.2025

Streckenweise seltsam und überfordernd

All the Way to the River
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Elizabeth Gilbert kannte ich wie vermutlich viele andere auch von ihrem Bestseller Eat, Pray, Love. All the way to the river ist ebenso wie Eat, Pray, Love eine persönliche und autobiographische Schilderung ...

Elizabeth Gilbert kannte ich wie vermutlich viele andere auch von ihrem Bestseller Eat, Pray, Love. All the way to the river ist ebenso wie Eat, Pray, Love eine persönliche und autobiographische Schilderung des Lebens der Autorin - und schon daher war ich sehr interessiert an der "Fortsetzung". Bereits direkt von Anfang an allerdings war ich über den Schreibstil und die vielen Bilder in den Kapiteln und dazwischen sowie der Gedichte und Gebete zwischen den Kapiteln ein bisschen irritiert. Die Autorin beschreibt in ihrem Buch einerseits ihr eigenes Leben, wie es weiterging. Sie blieb nach Eat, Pray, Love zunächst mit ihrem Ehemann, den sie auf Bali kennen- und lieben gelernt hat, zusammen. Dann aber verliebte sie sich in ihre beste Freundin und sie wurden ein Paar, direkt nachdem diese die Diagnose Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs im Endstadium erhalten hat. Um die Zeit mit Rayya Elias, ihrer ehemals besten Freundin und nun Partnerin, für die sie auch ihre Ehe beendete, dreht sich ein Großteil des Buches. Rayya hatte zeit ihres Lebens mit ihrer Drogensucht zu kämpfen und verfällt dieser auch im Zuge der Krebsbehandlung erneut und brutal.
Beim Lesen des Buches habe ich einerseits sehr mit der Autorin mitgefühlt und mir gefiel auch der Schreibstil der Prosa-Texte gut. Sie spricht den Lesenden oft direkt an und es liest sich dadurch wie ein Gespräch mit einer Freundin. Aber - großes Aber - die vielen "Schnipsel" im Text, die Bilder, Gebete, Gedichte haben mich mehr und mehr gestört bis hin zum genervt-weiter-blättern, wenn schon wieder eine halbe oder ganze Seite "sowas" vorkam. Gegen Ende des Textes wird es mir dann auch leider viel zu abgedreht und ich fühlte mich, als wäre ich auf einem Süchtigen/Co-Abhängigen-Treffen dabei. Offensichtlich hat Gilbert viel zu verarbeiten gehabt, aber mir war es einfach zu viel. Und mir ist nach Beenden des Buches unklar, was nun genau das Thema war. Ging es um die Liebesgeschichte der beiden Frauen, um die Krebserkrankung und palliative Begleitung, ging es um Sucht/Abhängigkeit? Mir war es einfach ein bisschen überfrachtet und streckenweise wirklich zu viel des Guten bzw. eher Schlechten.
Alles in allem eine sehr eingeschränkte Leseempfehlung für ein etwas seltsames Buch.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Verstörende Kurzgeschichten

Das gute Übel
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Das Gute Übel beinhaltet 6 Kurzgeschichten. Alle haben mich auf ihre Art verstört und beschäftigt - auch wenn ich nicht sicher bin, ob ich jede wirklich verstanden habe.

Der Schreibstil ist wirklich ...

Das Gute Übel beinhaltet 6 Kurzgeschichten. Alle haben mich auf ihre Art verstört und beschäftigt - auch wenn ich nicht sicher bin, ob ich jede wirklich verstanden habe.

Der Schreibstil ist wirklich sehr gut und einige Sätze fast poetisch.

Mir persönlich gefiel die letzte Geschichte am besten, da hier die Atmosphäre wirklich beängstigend war. Allerdings muss ich sagen, dass alle Kurzgeschichten - wie es natürlich bei dem Genre typisch ist - etwas abrupt geendet haben und ich immer etwas ratlos zurück blieb.
Alles in allem eine gemischte Erfahrung und daher eine eingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Coming-of-age Geschichte mit Schweden-Atmosphäre

Beste Zeiten
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Beste Zeiten handelt von Siv, die sich nun Sickan nennt, und aus ihrer südschwedischen Heimatstadt nach Stockholm gezogen ist zum Studieren. Die Geschichte beginnt, nachdem sie etwa 2 Jahre in Stockholm ...

Beste Zeiten handelt von Siv, die sich nun Sickan nennt, und aus ihrer südschwedischen Heimatstadt nach Stockholm gezogen ist zum Studieren. Die Geschichte beginnt, nachdem sie etwa 2 Jahre in Stockholm wohnt und beschreibt ungefähr ein Jahr. Ich erwähne das, weil mir besonders am Buch gefallen hat, wie Stockholm beschrieben wird im Wandel der Jahreszeit. Wir waren in diesem Sommer in Stockholm im Urlaub und die Stadt hat mir sehr gefallen. Ich mag es auch sehr, wenn ich über Orte/Straßen/Stadtteile lese, die ich schon mal gesehen habe, das macht das Lesen nochmal greifbarer.
Sickan ist Anfang 20 und lebt endlich das Leben, das sie leben will, seit sie in ihrer Schulzeit gemobbt und ausgegrenzt wurde. Aber glücklich ist sie vor allem anfangs absolut nicht. Wie sie es dann aus ihrem Kokon heraus schafft, sich mit ihrer Vergangenheit beschäftigt und immer wieder die Frage stellt, wer sie eigentlich ist, das liest sich ruhig und trotzdem absolut fesselnd. Ihre erste richtige beste Freundin, die ersten sexuellen Erfahrungen und schließlich der erste Freund, in den sie wirklich verliebt ist, aber auch, die Frage, was sie im Leben machen will und ob ihr Studium das richtige Studium für sie ist, das sind typische Coming-of-age Themen, die mich auch deswegen sehr erreicht haben, weil meine älteste Tochter genau in Sickans Alter ist und fürs Studium weg gezogen ist.
Ich muss sagen, Sickan ist mir nicht so richtig nahe gekommen, aber das war nicht schlimm. Ich denke, die Autorin hat sie bewusst nicht so nahbar geschrieben, damit auch das, was wir nach und nach über ihre Vergangenheit erfahren, eine bestimmt Wirkung erzielt. Generell sind die Figuren im Roman oft irgendwie "unfertig" und ihre Handlungen sind nicht immer nachvollziehbar und verständlich - was sehr gut zu ihrem Alter passt.
Alles in allem ein Roman, der mir sehr gefallen hat und mich auch beschäftigt hat beim und mit Sicherheit noch länger nach dem Lesen. Und - ich liebte es, dass einige schwedische Wörter und Begriffe im Roman nicht übersetzt wurden, das hat die sowieso schon sehr starke Atmosphäre nochmals verstärkt und mich direkt wieder nach Stockholm gebracht.
Klare Leseempfehlung für einen besonderen Coming-of-Age Roman einer Autorin, die ich auf dem Schirm behalten werde!

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Liest sich wie ein Teenie-Horrorfilm

Let's Split Up - Ein verfluchtes Haus. Vier Freunde. Eine verhängnisvolle Entscheidung.
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Die Geschichte Let´s split up hat einfach alles, was zu einem 90er Jahre Teenie Horrorfilm gehört - eine Gruppe Jugendlicher, 2 Jungs, 2 Mädchen, eine gruselige Ausgangssituation, eine spannende, aber ...

Die Geschichte Let´s split up hat einfach alles, was zu einem 90er Jahre Teenie Horrorfilm gehört - eine Gruppe Jugendlicher, 2 Jungs, 2 Mädchen, eine gruselige Ausgangssituation, eine spannende, aber nicht allzu brutale Handlung und ein fulminantes Finale, bei dem absolut alles aufgeklärt wird.
Cam, der Sportler und Jonesy, der süße Nerd, sind schon ewig befreundet. Gemeinsam mit Amber bilden sie ein Trio und befinden sich im Abschlussjahr der Highschool. Als mit der neuen Schülerin Buffy aus ihrem Trio ein Quartett wird und gleichzeitig ein Serienkiller (oder Geist/Ghul???) in der verschlafenen Kleinstadt anfängt zu morden, fangen die 4 auf eigene Faust an, die Morde aufzuklären - und bringen sich dabei in tödliche Gefahr.
Das Cover mit Farbschnitt und die Charakterkarte sind wirklich sehr gelungen und gemeinsam mit einer queeren Lovestory und einer Teenie-Gruppe, wie man sie auch aus Netflix Serien kennt, eindeutig gewählt, um die junge Zielgruppe anzusprechen.
Ich als ältere Leserin, die bei den 90er Jahre Teenie-Horrorfilmen ein Teenie war, liebte es aber sehr, wie auf "meine" Filme und Serien Bezug genommen wird.
Die Geschichte ist gut geschrieben und auch solide spannend, nie zu brutal und furchtbar, so dass die junge Zielgruppe auch nicht überfordert wird. Das Ende bzw. die Auflösung war mir dann ab dem letzten Viertel klar, aber das hat dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan. Ich kann das Buch eindeutig weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Moderne Frauenliteratur mit Humor und Tiefgang

Crushing
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Als Marnie schon wieder von ihrem festen Freund verlassen wird, überwindet sie den wirklich erfrischend kurzen Liebeskummer und stellt sich der Frage, wer sie sein will und was zur Hölle in den letzten ...

Als Marnie schon wieder von ihrem festen Freund verlassen wird, überwindet sie den wirklich erfrischend kurzen Liebeskummer und stellt sich der Frage, wer sie sein will und was zur Hölle in den letzten Jahren immer falsch gelaufen ist bei ihr.
Statt sich wieder sofort in die nächste Langzeitbeziehung zu stürzen und für den nächsten Freund die Art Mensch / Partnerin zu werden, die dieser sich wünscht, versucht sie, sich selbst zu finden.
Dummerweise trifft sie auf den süßen Isaac, der ihr Herz höher schlagen lässt und bei dem sie ihre Flirt-Skills vertiefen kann. Der Haken? Er ist kein Single und hat nicht vor, seine Freundin ihretwegen zu verlassen...
In Crushing begleiten wir zwar hauptsächlich Marnie durch ihr Leben und suchen mit ihr nach der Frage, wer sie ist, was sie machen will und wie sie lieben will. Aber die Nebencharaktere machen einen großen Reiz des Buches aus. Sei es Marnies ältere Schwester Nicola, verheiratet und Mutter - die sich mit den Tücken des Mental Load auseinander setzt, sei es ihre Freundin Claud, die sich in einer schwierigen Beziehung wiederfindet oder ihr Chef, der sich von seinem Langzeit-Partner getrennt hat und nun alleine zu leben lernt oder Marnies geschiedene Eltern, die beide sehr unterschiedliche neue Beziehungen führen und und und. Überall treffen wir auf Lebensentwürfe und Beziehungen und immer gibt es zu denken.
Der Ton des Buches ist locker und wirklich sehr humorvoll. Ich musste oft lachen oder schmunzeln und fand Marnie sympathisch und sehr authentisch. Kleiner Abzug dafür, dass der Konsum von Alkohol ziemlich verherrlicht wird und für den Schluss, der mich nicht ganz begeistert hat.
Aber alles in allem ein sehr gut lesbares Buch voller Wärme, Humor und Tiefgang, das ich von Herzen weiterempfehlen kann!

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