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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.11.2020

Ein kurzes Vergnügen

Asterix - Der Goldene Hinkelstein
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Der Barde Troubadix ist überzeugt von seinen Gesangskünsten, doch damit ist er der Einzige. Er will es allen zeigen und auf dem Gesangswettbewerb den goldenen Hinkelstein gewinnen. Asterix und Obelix befürchten, ...

Der Barde Troubadix ist überzeugt von seinen Gesangskünsten, doch damit ist er der Einzige. Er will es allen zeigen und auf dem Gesangswettbewerb den goldenen Hinkelstein gewinnen. Asterix und Obelix befürchten, dass es für ihn schlecht endet und begleiten ihn deswegen zu seinem Schutz. Dabei stolpern sie natürlich wieder über die Römer.

Anders als die bekannten Comics um Asterix und Obelix wurde diese Geschichte erstmals 1976 als Schallplatte mit Begleitheft und das nur in Frankreich herausgegeben. Geschrieben und gezeichnet wurde sie von den inzwischen verstorbenen Autoren René Goscinny und Albert Uderzo und nun etwas aufgefrischt in ein Bilderbuch gefasst. Die Erzählung ist dementsprechend eher kurz und übersichtlich, eben nur ein kleines Abenteuer. Der ganze Stil ist originalgetreu, die Handlung und die Charaktere gewohnt. Schön sind auch die ungewöhnlich großen Bilder. Das unterscheidet das Bilderbuch zum Comic, denn im Buch sind nur wenige, allerdings großformatige Bilder. Die Geschichte ist leider schnell vorüber und die Handlung sehr begrenzt. Da ist es vorteilhaft parallel zum Bilderbuch das Hörbuch zu hören. Die Gesänge machen schon was her.

Eine knappe Geschichte als Bilderbuch im kultigen Stil von Asterix und Obelix.

Veröffentlicht am 03.11.2020

Eine Wucht

Im nächsten Leben wird alles besser
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Hans Rath gibt in diesem Roman wieder interessante Einblicke in das Seelenleben eines Mannes. Arnold kommt mit seiner Schwarzseherei nicht weiter. Die Welt wird untergehen, davon ist er überzeugt. Ob seine ...

Hans Rath gibt in diesem Roman wieder interessante Einblicke in das Seelenleben eines Mannes. Arnold kommt mit seiner Schwarzseherei nicht weiter. Die Welt wird untergehen, davon ist er überzeugt. Ob seine Ehe das überstehen wird? Doch dann wacht er plötzlich in der Zukunft auf - hochtechnisiert und überwachend.

Dieser Roman lässt mich mit sehr ambivalenten Eindrücken zurück. Einerseits ist es gut möglich in das Geschehen einzutauchen und sich in die komplexe Zukunftsvision einzulesen. Diese ist beeindruckend kreativ und vielschichtig. Arnold's Erlebnisse sind berührend und die Charaktere realistisch und umfassend beschrieben. Besonders der liebenswürdige Gustav ist ein Herzstück des Romans. Die Geschichte liest sich gut und ist schlüssig aufgebaut. Extrem beeindruckend ist die thematische Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Drang nach Perfektion, dem Wunsch nach ewigem gesunden Leben ohne emotionale und körperliche Beschwerden sowie Ansichten zu lebenswerten und nützlichen Menschen. Dabei werden psychologische, philosophische und andere wissenschaftliche Ansätze miteingebunden. Das Lesen macht nachdenklich und ist sehr anregend, richtiggehend beeindruckend. Moralisch gesehen eine Wucht.

Andererseits bin ich froh, das Buch durch zu haben. Es ist anstrengend Arnold als Charakter zu erleben. Er wirkt nervig und naiv, ist anfänglich überkritisch und dann fast schon lethargisch. Seine Suche nach Möglichkeiten schlechte Entscheidungen von vor 25 Jahren zu ändern ist anstrengend. Das Ende des Ganzen ist schnell vorhersehbar. Darüber hinaus ist die Zukunftsvision, die Hans Rath zeichnet, sehr abschreckend und geht fast in Richtung eines Thrillers. So als sollte sie ausschließlich abschrecken und die Lesenden zum Umdenken bewegen. Umdenken im Bezug auf den Verschleiß der Natur, die übermäßige Technisierung, den unachtsamen und abwertenden Umgang mit schwächeren Menschen und die Geringschätzung von seelischem und körperlichen Schmerz. Sehr anspruchsvoll und intensiv. Keine leichte Unterhaltung, im Gegenteil. Es trifft mit voller Wucht.

Insgesamt ist dieser Roman sehr lesenswert, obwohl die Zukunftsvision sehr abschreckend und anmahnend ist.

Veröffentlicht am 30.10.2020

Herrlich unterhaltsam

Ein Mann der Kunst
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KD Pratz hat Jahrzehnte Einsamkeit auf seiner Burg am Rhein hinter sich. Seine Berühmtheit als Maler hat dies noch gesteigert. Vorallem gilt er als ungehobelt, kratzbürstig und unfreundlich. Nun macht ...

KD Pratz hat Jahrzehnte Einsamkeit auf seiner Burg am Rhein hinter sich. Seine Berühmtheit als Maler hat dies noch gesteigert. Vorallem gilt er als ungehobelt, kratzbürstig und unfreundlich. Nun macht sich ein Förderverein auf den Weg zu ihm, um ihn zu vereinnahmen. Es folgen chaotische und spannende Begegnungen, die aus jedem Einzelnen Erstaunliches hervorbringen.

Dieser Roman hat mir überraschend gut gefallen, erschien doch die Geschichte anfänglich nicht so spannend. Die ersten Kapitel sind auch etwas spröde, doch die Geschichte entwickelt sich zunehmend interessant. Dies liegt bestimmt auch an dem rundum sympathischen Constantin Marx, der als beteiligte Figur die Geschichte erzählt. Er und seine Mutter gehören zum Kunstverein des Museums, welcher KD Pratz ein eigenes Gebäude widmen möchte - jedoch sind noch nicht alle überzeugt, es gibt sogar Kritiker. Umso neugieriger sind alle auf die alles entscheidende Begegnung mit dem Künstler. Dieser ist aber so, wie sein Image erwarten ließ und doch nicht so, wie er gern sein soll.

Die Dynamik, die dadurch im Kunstverein entsteht, aber auch zwischen dem Künstler und den Einzelnen ist wirklich spannend. Vor allem aber komisch und unterhaltsam. Eine richtige Satire. So krisen- und konfliktreich die Situationen auch sind, so real und wahr sind sie doch. Bis zum Ende wird jeder Charakter entblöst und zur Schau gestellt, alle geraten außer sich. Die Einsichten, die man dabei über die Einzelnen bekommt, sind lehrreich und machen nachdenklich.

Dass die Charaktere eher grob gezeichnet und wenig detailiert sind macht garnichts. Lediglich am Ende wird es etwas zu "schön" und sehr versöhnlich. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Wendung zu erwarten und inhaltlich notwendig war. Insgesamt ist der Roman sehr gefällig - ob das nötig ist?

Unterhaltsame Einblicke in eine Horde Kunstwütige, die einen Künstler anders will, als er ist. Entblößend, krisenreich und sehr sympathisch. Aber etwas zu gefällig.

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Veröffentlicht am 21.10.2020

Begegnung mit sich selbst

Das Buch eines Sommers
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Nicolas stellt in den mittleren Jahren fest, dass er in seinem Job unzufrieden ist. Trotz großer Träume Schriftsteller zu werden, ist er seinem Vater in der Pharmafirma nachgefolgt. Zudem kriselt es in ...

Nicolas stellt in den mittleren Jahren fest, dass er in seinem Job unzufrieden ist. Trotz großer Träume Schriftsteller zu werden, ist er seinem Vater in der Pharmafirma nachgefolgt. Zudem kriselt es in seiner Ehe. Mit dem Tod seines geliebten Onkels beginnt er die Dinge infrage zu stellen.

Nicolas ist eine sympathische Hauptfigur, die mit schlechten Entscheidungen lebt. Sicherlich können viele Lesende nachvollziehen, wie schwer es ist, unabhängig von den Erwartungen anderer Entscheidungen zu treffen. Mit dem Tod seines Onkels bekommt er die Chance, über den Alltag hinaus zu denken. Das ist nachvollziehbar. Das macht das Thema so real und nahbar. Die Entwicklung, die Nicolas macht ist dadurch umso interessanter.

Die Geschichte ist schnell erzählt und sehr vorhersehbar. Es fehlt ihr an Tiefe. Zudem folgt sie dem üblichen Schema einer feel-good-Geschichte, bei der eine Hauptfigur über sich hinaus wächst. Ungewöhnlich, aber auch nicht übermäßig spannend ist das Fantasy-Element des geheimnisvollen Gesprächspartners.

Die Geschichte liest sich gut, aber durch die fehlende Spannung eher in gemächlichem Tempo. Trotz geringer Seitenzahl zieht sich das Lesen in die Länge. Dies ist jedoch nicht nur schlecht. Die Geschichte enthält einige kluge Gedanken, die zu berühren vermögen. Neue Erkenntnisse sind es jedoch nicht. Trotzdem bleibt einem beim gemächlichen Lesen Zeit sich die ein oder anderen Gedanken darüber zu machen.

Insgesamt eine berührende feel-good-Geschichte, nach dem üblichen Schema - sehr vorhersehbar. Spannung und Tiefe fehlt.

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Veröffentlicht am 21.10.2020

Solider englischer Krimi

Mord in Highgate
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"Mord in Highgate" ist der zweite Band um das Ermittlerduo Hawthorne und Horowitz. Die Geschichte entwickelt sich eigenständig gegenüber dem ersten Band, kann also unabhängig davon gelesen werden.
In diesem ...

"Mord in Highgate" ist der zweite Band um das Ermittlerduo Hawthorne und Horowitz. Die Geschichte entwickelt sich eigenständig gegenüber dem ersten Band, kann also unabhängig davon gelesen werden.
In diesem klassischen englischen Krimi stellt sich der Autor erneut selbst als aktive Figur, als Chronist des genialen Ermittlers Hawthorne dar. Der ehemalige Polizist Hawthorne wird als Privatdetektiv zu einem Fall gerufen, in dem die Polizei nicht weiter kommt. Hawthorne dagegen ermittelt unbeirrbar in die richtige Richtung, fällt durch seine scharfsinnige Beobachtungs- und Kombinationsgabe auf.

In einem reichen Stadtteil Londons wird ein berühmter Scheidungsanwalt durch eine Weinflasche erschlagen vorgefunden. An die Wand wurden seltsame Zahlen geschrieben und schnell sind eine Handvoll Verdächtige ausgemacht. Hawthorne und Horowitz müssen sich nicht nur durch das Beziehungsgeflecht und die unvollständigen Aussagen der Beteiligten wühlen, sie werden auch von den ermittelnden Polizisten unter Druck gesetzt, die in den Beiden Konkurrenz sehen.

Ähnlich wie im Vorgängerband ist der Umgang zwischen Hawthorne und Horowitz durch viel Ironie und Spannung geprägt. Sie erinnern an Holmes und Watson. Es ist interessant zu sehen, wie sich die Beziehung zwischen den Beiden entwickelt. Schon im ersten Band waren die ewigen Spannungen und der ewig schwache Horowitz schwer erträglich, doch in diesem zweiten Band zeigen die Beiden vermehrt sympathische Züge.

Die Geschichte entwickelt sich sehr vielschichtig und ist in keinster Weise vorhersehbar. Dadurch entsteht eine Spannung, die durch die Nebenhandlung zwischen den zwei Ermittelnden verstärkt wird. Die Beschreibungen der Schauplätze und Charaktere tragen ebenfalls zur Atmosphäre bei. Die Erzählung ist stellenweise düster und bedrückend.

Die Lesenden werden in das Geschehen miteinbezogen. Schon im ersten Band fiel mir auf, dass durch das Auftreten von Horowitz als Assistent, der seine Gedanken, Vermutungen und Beobachtungen darlegt, eine Verbindung zu den Lesenden hergestellt wird. Das gemächliche Tempo, in dem der Fall untersucht wird, ermöglicht es den Lesenden zudem mitzurätseln und alles gut mitzuverfolgen. Trotzdem bleiben die Lesenden bis zum Schluss im Dunkeln, die Auflösung ist umso überraschender.

War ich nach dem Lesen des ersten Bandes eher skeptisch, bin ich es nach diesem zweiten Teil weniger. Die Geschichte entwickelt sich sehr unterhaltsam, ist sehr klug und vielschichtig erzählt. Die Ermittelnden zeigen ihr Entwicklungspotential und profitieren voneinander. Wenig überzeigend ist das bekannte Holmes-Watson-Motiv und die nervigen Charaktereigenschaften und Spannungen zwischen den Ermittelnden.

Fazit: Nicht vollkommen begeisternd, aber solide. Klug und vielschichtig erzählt mit nervigen Charakteren und einer düsteren Stimmung.

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