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Veröffentlicht am 16.03.2025

Stadt unter Ruß

Lichterloh - Stadt unter Ruß
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Die Autorin Sarah M. Kempen hat ein mit dem Werk „Lichterloh – Stadt unter Ruß“ ein Jugendbuch geschrieben, welches ab 14 Jahren empfohlen wird. Dies ist der Auftakt zu einer Trilogie und kann ohne Vorkenntnisse ...

Die Autorin Sarah M. Kempen hat ein mit dem Werk „Lichterloh – Stadt unter Ruß“ ein Jugendbuch geschrieben, welches ab 14 Jahren empfohlen wird. Dies ist der Auftakt zu einer Trilogie und kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Klappentext:
Cleo und ihre Schwester Gwynnie leben in einer von Kohle dominierten Welt. Rauch verschleiert den Himmel und die Hoffnung auf hellere Tage liegt in weiter Ferne. Während Gwynnie heimlich umweltfreundliche Techniken erforscht, ist es Cleos größter Traum, den hochgeachteten Beruf der Schornsteinfegerin zu erlernen. Doch wie soll sie es als einfache Fabrikarbeiterin aus dem Volk in diese Elite schaffen? Nachdem ein schrecklicher Brand in einem Haus der unteren Schicht ausbricht und Cleo verbotenerweise zur Hilfe eilt, erhält sie überraschend die Chance, Schornsteinfegerin zu werden. Ihre Konkurrenten, allen voran der ehrgeizige Leander, sehen das nicht gerne. Ist Cleo der Erfüllung ihres sehnlichsten Traums ganz nah oder ist sie nur Zahnrad in einem perfiden Plan?

Ein Buch, welches von einer Stadt handelt, welche quasi in ihrem eigenen Ruß versinkt? Wo Kohle eine essentielle Energiequelle ist und in der Schornsteinfeger einen hochgeachteten, da überlebenswichtigen Job ausüben – dies klang für mich recht interessant, mit einem Hauch von Gesellschaftskritik. Daher habe ich voller Vorfreude zu diesem Buch gegriffen und meine Erwartungen wurden diesbezüglich nicht enttäuscht.
Schon die Gestaltung des Buches hinterlässt einen ersten positiven Eindruck. Ich habe die Klappenbroschurausgabe, welche mit wunderbaren Illustrationen von Melanie Korte versehen wurden. Innerhalb der Klappenbroschur ist eine hilfreiche Karte abgebildet. Diese hat mir während des Lesens geholfen, mich in der Stadt zurechtzufinden und auch, die einzelnen Stadtteile besser einordnen zu können.
Der Schreibstil ist leicht verständlich und lässt sich flüssig lesen, auch entstehen Bilder vor dem geistigen Auge. All dies führt dazu, dass die Seiten bei diesem Jugendbuch nur so dahinfliegen und ehe man es sich versieht, ist man mitten im Geschehen und zusammen mit Cleo muss man sich als Lehrling der Schornsteinfeger behaupten. Auch schafft es die Autorin, dass eine dichte Atmosphäre aufgebaut wird, welche regelrecht greifbar ist, sodass man den Ruß in der Luft spürt. Innerhalb der Story gibt es einige unerwartete Wendungen, besonders zum Ende der Geschichte, gab es für mich die ein oder andere Überraschung. Insgesamt ist es spannend geschrieben und auf unterschiedliche Weise gelingt es der Autorin, Spannung zu erzeugen. Dieses Buch hat eine unterschwellige bedrückende und düstere Atmosphäre, welche wortwörtlich rußgeschwängert ist. Man merkt, dass die Stadt quasi im Ruß versinkt und dass die einfache Bevölkerung darunter leiden muss. Man spürt sowohl anhand der bedrohenden Atmosphäre als auch am Machtgefüge der Stadt, dass hier irgendwas im argen ist. Als Leser gerät man dabei immer mehr in einen gefährlichen Strudel und es gilt ein schwerwiegendes Geheimnis aufzudecken.
Das Worldbuilding fand ich hier sehr interessant. Im Mittelpunkt steht hier eine Stadt, welche Kohle als einzige Energiequelle nutzt und dies hat zur Folge, dass viel Ruß und Luftverschmutzung im Allgemeinen in der Luft liegt. Auch existiert oftmals Brandgefahr, sodass es wichtig ist, dass die Schornsteine gefegt werden und die Geräte gewartet werden, damit diese keinen technischen Defekt auslösen. Die Bevölkerung ist abhängig von der Kohle, weiß sich nicht anders zu helfen – Solarenergie wird hier kurzzeitig angeschnitten, aber auch, dass es in so einer Ruß dominierten Stadt nicht möglich ist. An sich finde ich die Grundidee wirklich gut, hat sie doch auch einen gesellschaftskritischen Unterton. Jedoch finde ich hier leider auch meinen Kritikpunkt – die Umsetzung. Die Geräte, auch welche aus dem Alltag, werden allesamt mit Kohle direkt betrieben. Sei es ein Bügeleisen, eine Lampe oder ein Gerät zum Erwärmen von Babyflaschen. Jedoch ist dies nach meinem technischen Verständnis nicht so einfach möglich, dass gewisse Geräte direkt mit Kohle betrieben werden. Auch finde ich es unrealistisch, dass die Protagonistin Cleo anhand eines Lötkolbens eine Schraube herstellen kann, welche eine industriell gefertigte Schraube ersetzen kann, quasi identisch mit dieser ist und damit als Ersatz dient, wenn die andere veraltet ist. Wenn man über diese Logiklücken hinwegsehen kann, dann kann dies wirklich ein unterhaltsames Buch sein. Ich persönlich habe mir ins Gedächnis gerufen, dass dies ein Jugendbuch ist und man wohl nicht zu viel technische Fragen in die Geschichte einbinden wollte.
Dafür fand ich die Protagonistin Cleo recht sympathisch. Sie ist ein cleveres Mädchen, welches versucht, einen Platz in dieser Stadt zu finden und dabei der einfachen Bevölkerung helfen möchte. Auch hat sie ein gewisses Verständnis für Technik und repariert veraltete Geräte. Gegenüber ihrer Schwester Gwynnie traut sie sich nicht, zuzugeben, dass sie gerne eine Schornsteinfegerin wäre, bis sie einen Ausbildungsplatz in dieser Gilde bekommt. Seitdem ist das Verhältnis zu ihrer Schwester leider gestört. Gwynnie hat einige interessante Ansätze zu bieten. Ich denke auch, dass sie noch das ein oder andere Geheimnis vor Cleo und damit auch den Leser hat. Deswegen hoffe ich sehr, dass Gwynnie im Verlauf der trilogie noch näher beleuchtet wird. Auch die anderen Schornsteinfeger in Ausbildung sind interessant dargestellt, wobei mir noch ein bisschen die Tiefe gefehlt hat. Aber „Lichterloh – Stadt unter Ruß“ ist auch erst der Reihenauftakt, dies kann noch später vertieft werden.
Der Epilog ist dann quasi noch mal ein zusätzlicher Cliffhanger. Hier werden noch ein paar Andeutungen gemacht, dass weiterhin die Fäden im Verborgenen betätigt werden und dass dies noch lange nicht das Ende ist. Auch schwebt Cleo weiterhin in Gefahr und es wird wohl noch die ein oder andere Hürde geben, welche sie meistern muss. Am liebsten würde man sofort weiterlesen wollen.

Insgesamt konnte mich die Autorin Sarah M. Kempen mit ihrem Reihenauftakt „Lichterloh – Stadt unter Ruß“ gut unterhalten. Cleo ist eine sympathische Protagonistin, sodass es mir eine Freude war, zusammen mit ihr die Stadt zu erkunden und mich an ihrer Seite der Ausbildung zum Schonsteinfeger zu stellen. Leider gibt es hier ein paar Logiklücken, aber wenn man über diese hinwegsehen kann, bekommt man einen unterhaltsamen und spannenden Jugendroman. Von mir gibt es 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 10.03.2025

Honey

Honey
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Der Autor Victor Lodato hat mit dem Roman „Honey“ ein eigenständiges Werk geschrieben, in dessen Mittelpunkt die bereits 82-jährige Honey steht.

Klappentext:
Honey ist 82. So alt, dass Beerdigungen sich ...

Der Autor Victor Lodato hat mit dem Roman „Honey“ ein eigenständiges Werk geschrieben, in dessen Mittelpunkt die bereits 82-jährige Honey steht.

Klappentext:
Honey ist 82. So alt, dass Beerdigungen sich nicht mehr anfühlen wie ein Arrivederci, sondern eher wie ein A presto: ein Bis bald. Nach einem Leben als Kunstexpertin in den besten Auktionshäusern von Los Angeles ist sie nach New Jersey zurückgekehrt – in eine Heimat, die sie als Teenager gegen alle Widerstände verlassen hat. Die interessantesten Tage ihres Lebens liegen hinter ihr, glaubt sie. Aber sie irrt sich. Zurück in der Stadt ihrer Kindheit muss sich Honey ihrer Vergangenheit stellen. Und sie muss sich mit ihrer Familie auseinandersetzen, in deren Garten die Leichen nicht nur sprichwörtlich vergraben liegen. Und plötzlich ist sie sich nicht mehr sicher, was sie wirklich will – Vergebung oder Rache. Victor Lodato erzählt rasant und witzig von Gewaltstrukturen im italo-amerikanischen Milieu und von einer Frau, die mit Witz und Freiheitsliebe ihr ganz eigenes Leben gelebt hat. Ihm gelingt ein einzigartiges Porträt einer hochaltrigen Heldin, das mit seinen liebenswert schrägen Außenseiterfiguren, mit Ironie, Wortwitz und großartigen Dialogen eine Geschichte weiblicher Wut und Rache erzählt, wie man sie so noch nicht gelesen hat.

Mich hat der etwas andere Schwerpunkt von diesem Buch interessiert. In diesem Roman steht eine etwas ältere, aber dennoch adrette Dame mit dem wohlklingenden Namen Honey im Mittelpunkt und lässt den Leser an ihrem Leben Anteil nehmen. Ich hatte keine konkreten Erwartungen an dieses Werk, dennoch habe ich mich voller Vorfreude in dieses Abenteuer gestürzt.
Der Erzählstil von Lodato passt wahrlich perfekt zu dem Charakter der Honey. Mit viel Wortwitz wird hier das Leben von Honey, welche eigentlich Ilaria Fazzinga heißt, erzählt. Mit sarkastischem Unterton wird ihr Leben beleuchtet und zum Teil ist der Erzählstil sehr direkt, es wird nichts beschönigt. Und dann gibt es wieder blumigere Passagen, wo eher umschrieben wird – hier werden unangenehme Details schöngeredet oder zum Teil ganz verschwiegen. Mit viel Humor und einer gut in Szene gesetzten Sprachgewalt bekommt der Leser einen Eindruck in den Alltag dieser älteren Dame. Dieser Roman wird aus der Perspektive von Honey erzählt, sodass man einen vielseitigen Eindruck in ihre Gedanken und Gefühle bekommt. Auch ihre Erinnerungen werden näher beleuchtet, innerhalb des Buches gibt es ein paar Rückblenden. Dadurch erkennt der Leser, welche Anekdoten Honey geprägt haben, welche Erfahrungen sie bereits in jungen Jahren gemacht hat und wie die Bindung zu ihrer Familie, insbesondere zu ihrem Vater war. Die Erzählperspektive führt auch dazu, dass man sich der Protagonistin noch stärker verbunden fühlt. Man ist als Leser quasi direkt am Geschehen und hat das Gefühl, dass Honey die Rückblenden einem direkt erzählt, damit man die Zusammenhänge besser erkennt.
Nach dem Tod ihrer zwei besten Freundinnen kehrt Honey wieder zurück in ihre Heimatstadt. Dabei lässt es sich nicht vermeiden, dass sie wieder auf ihre Familie trifft, denen sie eigentlich den Rücken gekehrt hatte. Honey muss sich mit der Vergangenheit auseinander setzten. Stück für Stück erkennt der Leser die Zusammenhänge und muss auch erkennen, dass sie aus einer mafiösen italienischen Familie entstammt, welche nicht einfach zu handhaben ist. Honey ist damals in die weite Welt gezogen, um sich den schönen Sachen des Lebens – wie Kunst oder Mode – zu widmen. Auch dachte sie, dass sie dank Psychiater all dies verarbeitet hat. Als die toughe und modebewusste Dame von Welt dann wieder auf ihre Familie trifft, muss sie einiges überdenken. Honey hat wirklich einen interessanten Blickwinkel auf die Welt, ihr eigenes Leben und das Bestreiten des Alltags und ist dabei recht weltoffen, hat sie doch selbst auch schon einiges erlebt. Allgemein hat es mir viel Freude bereitet, diese starke Frau durch ihr Leben zu begleiten. Mitzuverfolgen, wie sie die Welt sieht und dabei die ein oder andere Hürde meistert, und dabei immer auf ihr Aussehen achtet, hat mir als Leser großes Vergnügen bereitet.
Gelungen fand ich hier auch die Darstellung der Nebencharaktere. Ihr Neffe der Familie Fazzinga ist ein machtgieriger Mann, der nur schwer Widerworte ertragen kann. Er möchte immer noch an alte Erfolge anknüpfen und schwört dabei auf das Familienunternehmen. An seiner Seite ist der gewaltbereite Sohn Peter, welcher wohl später seinen Platz in der Familienhierarchie einnehmen soll. Als starker Kontrast ist hier der zweitgeborene Sohn Michael. Dieser ist feinfühliger und sucht seinen Platz in der Welt und auch sich selbst. Honey erkennt seine missliche Lage erst später und gibt ihr Bestes, um Michael zu helfen. Ein wichtiger Part ist auch die Nachbarin Jocelyn. Auch sie wirkt eher verloren und sucht noch nach ihrem Platz. Leider hat sie auch einen Hang zu gewalttätigen, dominanten Männern, welche dieses Verhalten von Jocelyn ausnutzen. Die Beziehung zwischen den beiden Nachbarinnen fand ich immer recht faszinierend, wenn auch für mich nicht immer greifbar. Es ist nicht immer leicht zwischen den beiden und ab und zu haben sie ihre Differenzen. Ein ebenso wichtiger Charakter ist der Maler Nathan. Dieser ist offen und feinfühlig. Er hilft Honey in gewissen Situationen und ist für sie eine wichtige Stütze, aber auf der anderen Seite bereichert auch Honey das Leben von Nathan – es ist ein geben und nehmen. Den Umgang der beiden miteinander fand ich sehr gelungen dargestellt. Insgesamt lebt dieser Roman von seinen zwischenmenschlichen Beziehungen und im Mittelpunkt dieser steht Honey.

Der Autor Victor Lodato konnte mich mit seinem Roman „Honey“ überzeugen. Im Mittelpunkt steht hier diese außergewöhnliche Frau, welche mit viel Sarkasmus und Weltoffenheit ihr Leben meistert. Ich habe mich wahrlich gut unterhalten gefühlt. Von mir gibt es 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.02.2025

A song to drwon rivers

A Song to Drown Rivers
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Die Autorin Ann Liang hat mit „A Song to drown rivers“ einen eigenständigen historischen Roman geschrieben, welcher sich sehr gut ohne Vorkenntnisse lesen lässt.

Klappentext:
China um das Jahr 500. Für ...

Die Autorin Ann Liang hat mit „A Song to drown rivers“ einen eigenständigen historischen Roman geschrieben, welcher sich sehr gut ohne Vorkenntnisse lesen lässt.

Klappentext:
China um das Jahr 500. Für die Menschen in Xishis Dorf ist die bezaubernde Schönheit der jungen Frau ein Segen, der ihrer Familie Wohlstand bringen wird. Doch Fanli, der Berater des Königs, sieht sehr viel mehr in ihr: Er bietet Xishi an, sie zur Spionin auszubilden. Denn der Herrscher des verfeindeten Nachbarkönigreichs Wu ist bekannt dafür, eine Schwäche für schöne Frauen zu haben. Xishi kann die Klinge werden, die ihn mit einem Stich ins Herz zu Fall bringt. Xishi, die bei einem Angriff von Wu-Soldaten ihre Schwester verloren hat, ist ebenso fasziniert von Fanli wie von den Möglichkeiten, die er ihr bietet. Sie lernt von ihm alles, was sie für ihre Mission braucht – vor allem zu lügen und ihre wahren Gefühle zu verbergen. Nur einander können Fanli und Xishi nicht täuschen. Als sie schließlich an den Hof von Wu gelangt, steigt die anmutige Xishi schnell in der Gunst des feindlichen Herrschers auf. Doch mit jedem Tag wächst die Gefahr, enttarnt zu werden. Und das würde nicht nur ihren eigenen Tod bedeuten, sondern auch den des Mannes, den sie liebt …

Bei diesem Roman konnte mich die Gestaltung sofort in seinen Bann ziehen und hat mich dazu gebracht, mich näher mit dem Buch zu beschäftigen. Auch der Klappentext klang hier sehr vielversprechend, lese ich gerne mal ein Buch mit asiatischem Setting. Daher habe ich ohne große Hoffnungen, aber dennoch voller Vorfreude zu diesem historischen Roman gegriffen und habe mich zusammen mit den Protagonisten in das alte China begeben.
Dies war mein erstes Buch aus der Feder der Autorin und ich war schon sehr auf den Inhalt gespannt. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und gekonnt schafft es die Autorin mit ihren Worten eine dichte Atmosphäre zu erschaffen, sodass man sich als Leser in die damalige Zeit hineinkatapultiert fühlt. Der Erzählstil ist richtig malerisch und geschickt entstehen hier Bilder vor dem geistigen Auge. Wer hier actionreiche Szenen erwartet, der sucht diese – mit vielleicht eins, zwei kleineren Ausnahmen – vergebens. Dies ist eher ein ruhiger Roman, der aber dennoch auf seine Weise Spannung erzeugt.
Diesem Werk liegt eine chinesische Legende zugrunde. In dieser wird ein junges, wunderschönes Bauernmädchen als Konkubine ausgebildet und soll den König der Wu in ihren Bann ziehen. Dieses Buch wird aus der Perspektive von Xishi erzählt. Daher erhält der Leser einen umfangreichen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Mir persönlich hat es gefallen, dass das komplette Werk aus der Sicht von der Protagonistin Xishi erzählt wird, ist man als Leser dadurch immer an ihrer Seite und nah am Geschehen - weiß aber auch nicht mehr als sie.
Im ersten Drittel wird die Ausbildung von dem Bauernmädchen Xishi zur Konkubine erzählt. Sie bekommt eine vielseitige und umfangreiche Ausbildung in höfischer Etikette. Dabei ist der Berater des Yue- Königs namens Fanli ihr Ausbilder. Die Ausführungen dazu fand ich gelungen. Man erkennt, wie die Bindung zwischen den beiden stetig wächst, wie die beiden sich näherkommen und dennoch ihre Aufgabe im Hinterkopf haben. Dennoch fand ich es teilweise etwas unrealistisch, wie schnell Xishi gewisse Dinge gelernt hat und anschließend zur Perfektion vervollkommnet hat. An ihrer Seite ist ihre gute Freundin Zhengdan, welche ebenfalls aus ihrem Dorf stand und die sie schon ihr ganzes Leben kennt. Diese hat ihren Vater im Krieg verloren und möchte diesen rächen. Zhengdan hat sich selbst das Kriegshandwerk beigebracht und hat eine andere Art der Disziplin als Xishi vorzuweisen. Aber ich fand dennoch, dass beide gut miteinander harmonieren und sich gegenseitig eine Stütze sind.
Xishi ist ein einfaches Bauernmädchen, welches durch ihre Anmut und Schönheit aus der Masse hervorsticht. Daher soll sie vom Berater des Yue- Königs als Spionin ausgebildet werden, damit sie anschließend dem Wu- König den Kopf verdrehen kann und damit sein Königreich stürzen kann. Xishi wird als elegant und anmutig beschrieben. Aber sie ist noch viel mehr, sie hat ein gutes Herz, ist mutig und klug. Allgemein ist sie eine sympathische Protagonistin, welche mir mit ihrer Art ans Herz gewachsen ist. Zu gerne habe ich sie bei dieser Mission begleitet und mit Spannung verfolgt, wie sie den König der Wu von sich überzeugt.
Gelungen fand ich auch die Darstellung von König Fuchai, dem König der Wu. Er ist gar kein so schlechter Mann, wie zunächst dargestellt. Man muss erkennen, dass es hier Vorurteile gibt und das Bild, welches Xishi von ihm gezeichnet bekommen hat, nicht immer der Realität entsprach. Klar, er hat ein Reich zu regieren und muss auch mal schwierige Entscheidungen treffen. Oder er lässt sich zu weitgreifenden Ereignissen hinreisen, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Aber Xishi gegenüber verhält sich Fuchai sehr verliebt und dabei zeigt er sich von seiner weichen Seite. Die Art, wie er Xishi umwirbt, ist nicht immer ausgereift, aber mir persönlich hat es Freude bereitet, dies mitzuverfolgen.
Am Ende kommt ein Plottwist, mit dem ich nur zum Teil gerechnet hätte und auch nicht in diesem Ausmaß. Ich persönlich fand ihn stimmig. Auch sorgt dieser Twist, dass der Inhalt des Buches noch ein wenig nachklingt und es einem noch in Erinnerung bleibt.

Insgesamt konnte mich die Autorin Ann Liang mit ihrem historischen Roman „A song do drown rivers“ gut unterhalten. Es ist ein eher ruhiger Roman über eine chinesische Legende, in der ein Bauernmädchen als Spionin ausgebildet wird um ein Königreich zu Fall zu bringen. Mir persönlich hat dieser bildhafte Stil zugesagt. Daher möchte ich 4 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 29.01.2025

The Twenty

The Twenty
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Die Autorin Sam Holland hat mit dem Thriller „The Twenty“ ihren zweiten Band der Major Crimes Reihe geschrieben. Jedoch ist dies der ersten Band aus der Reihe, welcher ins Deutsche übersetzt wurde. Dies ...

Die Autorin Sam Holland hat mit dem Thriller „The Twenty“ ihren zweiten Band der Major Crimes Reihe geschrieben. Jedoch ist dies der ersten Band aus der Reihe, welcher ins Deutsche übersetzt wurde. Dies habe ich jedoch erst bemerkt, als ich den Thriller gelesen habe. Es gab ein paar Andeutungen zum vorherigen Geschehen, jedoch lässt sich „The Twenty“ auch gut ohne Vorkenntnisse lesen.

Klappentext:
So etwas hat DCI Adam Bishop noch nie gesehen: einen Tatort mit fünf ausgebluteten Leichen. Und was er als Nächstes bemerkt, erschüttert ihn zutiefst. Die Toten wurden durchnummeriert und offenbaren eine grausame Tatsache: Der Killer zählt von Zwanzig herunter. Aber mit welchem Ziel? Adam ist ratlos – bis Dr. Romilly Cole mit belastenden Beweisen an seine Tür klopft, die auf eine dreißig Jahre zurückliegende Mordserie hindeuten. Die Ermittler müssen schnell handeln, denn jeden Tag gibt es neue Opfer. Und während sich der Countdown des Täters der Null nähert, kommt der Killer auch ihnen immer näher ...

Meine Neugier wurde durch den Klappentext geweckt. Dieser hat einen spannenden und blutigen Thriller versprochen. Bisher hatte ich von der Autorin noch nichts gehört gehabt, daher hatte ich keine großen Erwartungen. Daher war ich überrascht, dass dieser Thriller meine Hoffnungen nicht nur erfüllt, sondern noch übertroffen hat.
Der Schreibstil von Holland ist packend und führt dazu, dass dieser Thriller fesselnd ist. Der Spannungsbogen wird permanent oben gehalten. Es gab hier auch die ein oder andere Wendung, welche mich persönlich überrascht hat oder zumindest so nicht komplett erwartet hätte. Es gab ein paar Überraschungen, und die Autorin Holland hat hier wirklich einiges zu bieten. Auf vielseitige Art und Weise wird hier Spannung erzeugt und ich habe quasi an den Seiten geklebt. Dieses Buch hat sich zu einem richtigen Pageturner entwickelt, sodass ich dieses Werk nicht mehr aus der Hand legen wollte. Ich wollte einfach wissen, wie die Geschichte und auch die Ermittlungen in den Mordfällen weitergehen. Auch sollte erwähnt werden, dass dieses Buch nicht für Leser mit schwachen Nerven geeignet ist. Innerhalb von diesem Werk gibt es einige blutige Szenen und auch gewalttätige Szenen. Zum Teil werden hier auch ein paar Details in die Story eingebunden und es werden einige Aspekte eingebracht, bei denen vielleicht zartbesaitetere Leser an ihre Grenzen kommen könnten. Man sollte sich vor dem Lesen bewusst sein, dass dieser Thriller wirklich nicht für alle Leser geeignet ist, es gibt hier ein paar gewaltsame und grausame Seiten. Interessant waren hier auch die Rückblenden. Es gibt einige Kapitel, welche die Vergangenheit beleuchten und Stück für Stück erkennt man hier die Zusammenhänge. Diese sind recht interessant und geben einen weiteren Einblick in einen Teil der Geschichte.
Dieser Thriller wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Dadurch werden die einzelnen Protagonisten näher beleuchtet, man bekommt einen Eindruck von ihren Gedankengängen. Auch erhält man dadurch einen vielseitigen Einblick in das Geschehen und hat einen umfangreichen Eindruck von der Handlung, ist oftmals mitten im Geschehen. Man hat das Gefühl, dass man den jeweiligen Charakteren dabei über die Schulter blickt. Auch erhält der Leser dadurch einen Eindruck vom Täter. Diesen Aspekt fand ich sehr spannend und mir haben diese Kapitel immer zugesagt, haben sie das Buch doch noch um einen weiteren Aspekt bereichert.
Gelungen bei „The Twenty“ fand ich auch die Chrakterdarstellung. Der Protagonist Adam Bishop ist nicht immer ein einfacher Charakter, er hat seine Ecken und Kanten. Auch hat er nicht gerade ein kleines Paket, welches er auf seinen Schultern tragen muss. Ich mochte seine Art recht gerne, er hadert mit sich selbst und ist auch kritisch sich selbst gegenüber. Er hadert mit sich, aber auch mit dem Fall und dessen Fortschritt. Mein kleiner Kritikpunkt sind vielleicht so seine Ermittlungsarbeiten. Besonders am Anfang der Ermittlungen hatte er seine Startschwierigkeiten. Dafür, dass Bishop so ein toller Ermittler ist, fand ich seine Arbeit eher schwach. Im Verlauf des Buches gab es eine Szene, bei der ich mich während des Lesens gefragt habe, musste das jetzt unbedingt sein. Doch am Ende des Thrillers hat sich auch dies geklärt. Ich fand, dies hat die Autorin echt gut aufgeklärt und geschickt eingefädelt. Aber auch die anderen wichtigen Charaktere fand ich gut dargestellt. Dr. Romilly Cole ist die Exfrau von Adam Bishop und hat hier ebenfalls einen wichtigen Part. Stück für Stück lernt man Romilly besser kennen. Auch bei ihr gibt es einige Facetten zu entdecken und so langsam setzt sich ein besseres Bild von ihr zusammen. Aber auch den Partner von Bishop namens Jamie fand ich interessant, man hat richtig mit ihm mitgelitten und er ist einem ans Herz gewachsen. Nur zu gerne würde ich noch mehr von diesem tollen Team lesen, jeder war auf seine eigene Art interessant, sodass ich sie gerne innerhalb der Story begleitet habe. Auch die Entwicklung der einzelnen Charaktere konnte mich begeistern und nur zu gerne möchte ich noch mehr von ihnen lesen.
Gelungen fand ich hier auch den Mix aus Mordfall bzw. Ermittlungsarbeit und dem Privatleben der Ermittler. Hier wurde eine gelungene Balance gefunden und ich hatte an beiden Aspekten der Story meine Freude.

Insgesamt konnte mich die Autorin Sam Holland mit ihrem Thriller „The Twenty“ von sich und ihrem Erzähltalent überzeugen. Dieses Buch war spannend und blutig, ein wahrer Pageturner mit einigen Überraschungen. Auch die Charaktere konnten mich überzeugen, ich werde auf jeden Fall noch weitere Bücher von der Autorin lesen. Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung für Liebhaber von blutigen Thrillern.

Veröffentlicht am 27.01.2025

Kiki und die neue Magie

Kikis kleiner Lieferservice 2: Kiki und die neue Magie
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Das Kinderbuch „Kikis und die neue Magie“ stammt aus der Feder von Eiko Kadono und wurde damals schon als Literaturverfilmung/ Anime bekannt. Nun wurde es als Buch neu aufgelegt. Dies ist bereits der zweite ...

Das Kinderbuch „Kikis und die neue Magie“ stammt aus der Feder von Eiko Kadono und wurde damals schon als Literaturverfilmung/ Anime bekannt. Nun wurde es als Buch neu aufgelegt. Dies ist bereits der zweite Band der Reihe rund um die kleine Hexe Kiki und ihre schwarze Katze Jiji. Es lässt sich jedoch auch ohne Probleme ohne Vorkenntnisse lesen.

Klappentext:
Es ist nun ein Jahr her, dass Kiki ein neues Leben begonnen hat. Die – nicht mehr ganz so kleine! – Kurierhexe ist mittlerweile eine echte Berühmtheit. Doch diese beispiellose Popularität hat nicht nur Vorteile: Kiki ist mit immer gefährlicheren Aufträgen überfordert, während ihre Freunde Jiji und Tombo ihr immer mehr zu entgleiten scheinen. Als Zweifel in ihrem Kopf aufkeimen, stellt die junge Hexe sogar ihren Lieferservice in Frage… Entschlossen, eine Lösung zu finden, muss Kiki ihren Mut verdoppeln, um sich ihren Ängsten zu stellen. Vielleicht muss sie sich sogar einer ganz neuen Art von Magie zuwenden …

Schon der erste Band „Kikis kleiner Lieferservice“ konnte mich positiv überraschen und nur allzu schnell hat sich die kleine Hexe mit ihrem schwarzen Hexenkater in mein Leserherz geschlichen. Daher wollte ich unbedingt wissen, wie es mit den beiden weitergeht.
Allein die Gestaltung fällt mir sofort positiv ins Auge. Innerhalb des Buches sind einige liebevolle schwarz- weiße Illustrationen beigefügt wurden, welche das aktuelle Kapitel gut wiedergeben. Es ist ein kleiner Blickfang innerhalb des Buches und mir persönlich haben sie gefallen.
Der Schreibstil ist, wie ich es aus dem vorherigen Buch gewohnt war, leicht und einfach gehalten. Hierbei schwingt immer ein gewisser Humor mit – all dies führt dazu, dass sich das Buch zügig und angenehm lesen lässt. Bei mir hatte es den Effekt, dass ich den Alltag vergessen konnte und ich habe mich auf die zauberhaften und unterhaltsamen Abenteuer der kleinen Hexe mit ihrem Kater Jiji gefreut. Dieses Buch ist kurzweilig und perfekt für einen gemütlichen Abend geeignet. Man fliegt hier quasi mit Besentempo durch die Seiten und begleitet die kleine Hexe Kiki bei ihren Aufgaben.
In „Kiki und die neue Magie“ muss sich Kiki neuen Hürden und Aufgaben meistern. Ihre Lieferungen werden teilweise recht verzwickt, es hat sich herumgesprochen, dass sie quasi alles transportiert. Etwas schade finde ich, dass die Lieferaufträge von Kiki nur bedingt mit Erfolg gekrönt werden. Die meisten Lieferungen werden eigentlich nicht korrekt ausgeführt und Kiki gerät in Erklärungsnot. Klar, hier wird ein gewisses Konfliktpotential aufgebaut, welches anschließend gemeistert werden muss. Aber ich hätte es schön gefunden, wenn auch mal eine Lieferung ohne Zustellprobleme innerhalb des Buches Thema gewesen wäre.
Dafür merkt man dem zweiten Band rund um Kiki an, dass die kleine Hexe gereift ist. Sie ist jetzt schon das zweite Jahr von zu Hause weg. Kiki ist an ihren Aufgaben gewachsen und hat sich in der neuen Stadt etabliert. Dennoch bekommt sie Zweifel. Sie zweifelt hier an sich, aber auch an ihren Hexenfähigkeiten. Dies hat Auswirkungen auf ihre Hexenkraft und Kiki muss lernen, damit umzugehen. Auch fühlt sie sich stellenweise etwas alleine. Sie denkt, dass sie keine richtigen Freunde hat und auch ihr Kater Jiji ist ihr dabei leider keine große Hilfe. Allgemein schwingt hier unterschwellig ein etwas ernsterer Ton an. Kiki ist nachdenklicher geworden und hinterfragt auch mal gewisse Tatsachen. Sie fühlt sich ein wenig verloren und versucht, mit dieser Situation umzugehen, Ich persönlich fand dies recht authentisch. Kiki ist im jungen Alter von zu Hause weg und dass sie nun gewisse Aspekte ihres Lebens hinterfragt, finde ich nur logisch. Man merkt dem Buch an, dass die kleine Hexe an ihren Aufgaben gewachsen ist und nicht immer alles nur positiv sieht. Im Vergleich zum ersten Band ist dieser Folgeband auf jeden Fall melancholischer. Aber dennoch bleibt der positive Grundgedanke erhalten. Dieser ernstere Unterton nimmt in diesem Kinderbuch keine Überhand. Ich finde, dass die Autorin Kadono hier eine gelungene Balance gefunden hat.
In „Kiki und die neue Magie“ begegnet man auch wieder den bekannten Stadtbewohnern und bekommt einen erneuten Einblick in ihren Alltag. Aber auch neue Stadtbewohner begegnen einen und dadurch wird die Stadt immer belebter und lebendiger. Es hat mir Spaß gemacht, diese Aspekte kennen zu lernen und immer wieder neue Facetten zu entdecken.
Am Ende erlernt Kiki, wie es der Titel bereits vermuten lässt, auch eine neue Magie. Im Prinzip fand ich dies ganz gelungen, steckt hier auch eine wichtige Botschaft dahinter. Jedoch hätte ich mir vielleicht gewünscht, dass diesem Thema mehr Raum gegeben wird und sich vielleicht auch über ein paar Kapitel mehr entwickelt hätte.

Insgesamt konnte mich das Kinderbuch „Kiki und die neue Magie“ aus der Feder von Eiko Kadono wieder überzeugen. Es ist wirklich ein herzerwärmendes und kurzweiliges Buch. Dabei kann man wunderbar den Alltag vergessen und wird in eine magische und so warmherzige Stadt mit einer wunderbaren Hexe samt Hexenkater entführt. Von mir gibt es 4 Sterne.