Cover-Bild Honey
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26,00
inkl. MwSt
  • Verlag: C.H.Beck
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 464
  • Ersterscheinung: 06.02.2025
  • ISBN: 9783406822421
Victor Lodato

Honey

Roman
Claudia Wenner (Übersetzer)

Bühne frei für Honey Fasinga - eine Heldin, die Sie nicht wieder vergessen werden

Honey ist 82. So alt, dass Beerdigungen sich nicht mehr anfühlen wie ein Arrivederci, sondern eher wie ein A presto: ein Bis bald. Nach einem Leben als Kunstexpertin in den besten Auktionshäusern von Los Angeles ist sie nach New Jersey zurückgekehrt - in eine Heimat, die sie als Teenager gegen alle Widerstände verlassen hat. Die interessantesten Tage ihres Lebens liegen hinter ihr, glaubt sie. Aber sie irrt sich.

Zurück in der Stadt ihrer Kindheit muss sich Honey ihrer Vergangenheit stellen. Und sie muss sich mit ihrer Familie auseinandersetzen, in deren Garten die Leichen nicht nur sprichwörtlich vergraben liegen. Und plötzlich ist sie sich nicht mehr sicher, was sie wirklich will - Vergebung oder Rache. Victor Lodato erzählt rasant und witzig von Gewaltstrukturen im italo-amerikanischen Milieu und von einer Frau, die mit Witz und Freiheitsliebe ihr ganz eigenes Leben gelebt hat. Ihm gelingt ein einzigartiges Porträt einer hochaltrigen Heldin, das mit seinen liebenswert schrägen Außenseiterfiguren, mit Ironie, Wortwitz und großartigen Dialogen eine Geschichte weiblicher Wut und Rache erzählt, wie man sie so noch nicht gelesen hat.

  • Sie hatte ihren Vater abgöttisch geliebt. Und sie hatte ihn gehasst. So einfach war das.
  • So hat man über weibliches Altern noch nicht gelesen
  • Liebenswert schräge Außenseiterfiguren, die in kein schwarzweißes Weltbild passen
  • Für Leserinnen und Leser von Elizabeth Strout und Rye Curtis, Cloris
  • Für alle Fans der Kult-Serie Sopranos" - mit weiblicher Patriarchin
  • Lodato erweckt eine unwiderstehliche Figur zum Leben, die ebenso komplex wie charmant ist. Washington Post

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.11.2025

Rache oder Vergebung?

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Aus gutem Grund lese ich Klappentexte und andere manipulative Werbung für Bücher erst, wenn ich die Lektüre hinter mir habe. Dass es hier um Rache oder Vergebung geht, wurde mir nicht gleich klar. Vielmehr ...

Aus gutem Grund lese ich Klappentexte und andere manipulative Werbung für Bücher erst, wenn ich die Lektüre hinter mir habe. Dass es hier um Rache oder Vergebung geht, wurde mir nicht gleich klar. Vielmehr habe ich ziemlich lange gerätselt, was das eigentlich für eine eigentümliche, aber gleichwohl geradezu hervorragend geschriebene Geschichte ist. Zwar habe ich beim Lesen weder geweint, noch gelacht und schon gar nicht geschrien, wie manch einer das von sich behauptet, aber dieser Roman hat etwas Besonderes.

Es ist Honey Fasinga mit ihrer Lebenshaltung, die diese Faszination ausmacht. Dass man mit 82 noch lustvoll sein und dabei die ganze Bandbreite ausnutzen kann, erschließt sich vielleicht Menschen aus der jüngeren Generation nicht. Aber auch sie werden einmal alt sein. Und hoffen, dass sie einen Partner wie Honey haben.

Es kann in diesem Zusammenhang nicht ausbleiben, dass sich auch dieser Autor dem Zeitgeist beugt. Denn dass man angeblich im falschen Körper geboren wird, scheint offenbar auch an italo-amerikanischen Mafia-Familien nicht vorbeizugehen. Wenn es sich dabei allerdings um einen Sohn des Bosses handelt, droht der Weltuntergang. Honey steckt mitten in diesem Drama, das sie anfangs ebenso wenig versteht wie der Leser. Der Autor baut das mit großer Geschicklichkeit in seine Geschichte ein, wobei man sich am Ende des Eindrucks nicht erwehren kann, dass es eigentlich genau darum ging.

Was bei mir von diesem Roman aber vermutlich hängen bleiben wird, ist nicht dieser Teil der Geschichte, sondern Honey selbst, denn sie wird mit einer Eindringlichkeit geschildert, dass man glaubt sie schon lange zu kennen. Wirklich faszinierende Menschen sind sehr selten. Honey ist eine solche Figur. Man würde sie aber nicht so in Erinnerung behalten, wäre nicht das Resultat eines unglaublichen erzählerischen Vermögens des Autors.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Witzig und doch berührend

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Wie schön, wenn das Neue Jahr gleich mit einem wunderbaren Buch beginnt, dessen Hauptprotagonistin einfach zum Verlieben ist.
Honey ist über 80 und kehrt nach langer Zeit in ihre Heimat zurück, die sie ...

Wie schön, wenn das Neue Jahr gleich mit einem wunderbaren Buch beginnt, dessen Hauptprotagonistin einfach zum Verlieben ist.
Honey ist über 80 und kehrt nach langer Zeit in ihre Heimat zurück, die sie jung hinter sich gelassen hat, um sich von ihrer brutalen Familie zu distanzieren.
Sie ist wohlhabend, unabhängig und sieht jünger aus als sie ist.
Lodato hat mit Honey eine wunderbar liebenswerte Figur erschaffen, die durch Authentizität besticht und in eine gute Geschichte eingebettet ist.
Durch aktuelle - unschöne - Geschehnisse wird Honey mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, vor allem mit ihrer Erfahrung mit Männern ihrer Familie, die sich durch Brutalität und mafiösem Gebahren auszeichneten.
Eine Geschichte, die von Lebensbeichte, Befreiung, familiäre Bande, Liebe und vor allem Freundschaft handelt - unterhaltsam, witzig aber auch berührend.
Claudia Wenner hat dieses sehr empfehlenswerte Buch großartig übersetzt.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Honey

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Der Autor Victor Lodato hat mit dem Roman „Honey“ ein eigenständiges Werk geschrieben, in dessen Mittelpunkt die bereits 82-jährige Honey steht.

Klappentext:
Honey ist 82. So alt, dass Beerdigungen sich ...

Der Autor Victor Lodato hat mit dem Roman „Honey“ ein eigenständiges Werk geschrieben, in dessen Mittelpunkt die bereits 82-jährige Honey steht.

Klappentext:
Honey ist 82. So alt, dass Beerdigungen sich nicht mehr anfühlen wie ein Arrivederci, sondern eher wie ein A presto: ein Bis bald. Nach einem Leben als Kunstexpertin in den besten Auktionshäusern von Los Angeles ist sie nach New Jersey zurückgekehrt – in eine Heimat, die sie als Teenager gegen alle Widerstände verlassen hat. Die interessantesten Tage ihres Lebens liegen hinter ihr, glaubt sie. Aber sie irrt sich. Zurück in der Stadt ihrer Kindheit muss sich Honey ihrer Vergangenheit stellen. Und sie muss sich mit ihrer Familie auseinandersetzen, in deren Garten die Leichen nicht nur sprichwörtlich vergraben liegen. Und plötzlich ist sie sich nicht mehr sicher, was sie wirklich will – Vergebung oder Rache. Victor Lodato erzählt rasant und witzig von Gewaltstrukturen im italo-amerikanischen Milieu und von einer Frau, die mit Witz und Freiheitsliebe ihr ganz eigenes Leben gelebt hat. Ihm gelingt ein einzigartiges Porträt einer hochaltrigen Heldin, das mit seinen liebenswert schrägen Außenseiterfiguren, mit Ironie, Wortwitz und großartigen Dialogen eine Geschichte weiblicher Wut und Rache erzählt, wie man sie so noch nicht gelesen hat.

Mich hat der etwas andere Schwerpunkt von diesem Buch interessiert. In diesem Roman steht eine etwas ältere, aber dennoch adrette Dame mit dem wohlklingenden Namen Honey im Mittelpunkt und lässt den Leser an ihrem Leben Anteil nehmen. Ich hatte keine konkreten Erwartungen an dieses Werk, dennoch habe ich mich voller Vorfreude in dieses Abenteuer gestürzt.
Der Erzählstil von Lodato passt wahrlich perfekt zu dem Charakter der Honey. Mit viel Wortwitz wird hier das Leben von Honey, welche eigentlich Ilaria Fazzinga heißt, erzählt. Mit sarkastischem Unterton wird ihr Leben beleuchtet und zum Teil ist der Erzählstil sehr direkt, es wird nichts beschönigt. Und dann gibt es wieder blumigere Passagen, wo eher umschrieben wird – hier werden unangenehme Details schöngeredet oder zum Teil ganz verschwiegen. Mit viel Humor und einer gut in Szene gesetzten Sprachgewalt bekommt der Leser einen Eindruck in den Alltag dieser älteren Dame. Dieser Roman wird aus der Perspektive von Honey erzählt, sodass man einen vielseitigen Eindruck in ihre Gedanken und Gefühle bekommt. Auch ihre Erinnerungen werden näher beleuchtet, innerhalb des Buches gibt es ein paar Rückblenden. Dadurch erkennt der Leser, welche Anekdoten Honey geprägt haben, welche Erfahrungen sie bereits in jungen Jahren gemacht hat und wie die Bindung zu ihrer Familie, insbesondere zu ihrem Vater war. Die Erzählperspektive führt auch dazu, dass man sich der Protagonistin noch stärker verbunden fühlt. Man ist als Leser quasi direkt am Geschehen und hat das Gefühl, dass Honey die Rückblenden einem direkt erzählt, damit man die Zusammenhänge besser erkennt.
Nach dem Tod ihrer zwei besten Freundinnen kehrt Honey wieder zurück in ihre Heimatstadt. Dabei lässt es sich nicht vermeiden, dass sie wieder auf ihre Familie trifft, denen sie eigentlich den Rücken gekehrt hatte. Honey muss sich mit der Vergangenheit auseinander setzten. Stück für Stück erkennt der Leser die Zusammenhänge und muss auch erkennen, dass sie aus einer mafiösen italienischen Familie entstammt, welche nicht einfach zu handhaben ist. Honey ist damals in die weite Welt gezogen, um sich den schönen Sachen des Lebens – wie Kunst oder Mode – zu widmen. Auch dachte sie, dass sie dank Psychiater all dies verarbeitet hat. Als die toughe und modebewusste Dame von Welt dann wieder auf ihre Familie trifft, muss sie einiges überdenken. Honey hat wirklich einen interessanten Blickwinkel auf die Welt, ihr eigenes Leben und das Bestreiten des Alltags und ist dabei recht weltoffen, hat sie doch selbst auch schon einiges erlebt. Allgemein hat es mir viel Freude bereitet, diese starke Frau durch ihr Leben zu begleiten. Mitzuverfolgen, wie sie die Welt sieht und dabei die ein oder andere Hürde meistert, und dabei immer auf ihr Aussehen achtet, hat mir als Leser großes Vergnügen bereitet.
Gelungen fand ich hier auch die Darstellung der Nebencharaktere. Ihr Neffe der Familie Fazzinga ist ein machtgieriger Mann, der nur schwer Widerworte ertragen kann. Er möchte immer noch an alte Erfolge anknüpfen und schwört dabei auf das Familienunternehmen. An seiner Seite ist der gewaltbereite Sohn Peter, welcher wohl später seinen Platz in der Familienhierarchie einnehmen soll. Als starker Kontrast ist hier der zweitgeborene Sohn Michael. Dieser ist feinfühliger und sucht seinen Platz in der Welt und auch sich selbst. Honey erkennt seine missliche Lage erst später und gibt ihr Bestes, um Michael zu helfen. Ein wichtiger Part ist auch die Nachbarin Jocelyn. Auch sie wirkt eher verloren und sucht noch nach ihrem Platz. Leider hat sie auch einen Hang zu gewalttätigen, dominanten Männern, welche dieses Verhalten von Jocelyn ausnutzen. Die Beziehung zwischen den beiden Nachbarinnen fand ich immer recht faszinierend, wenn auch für mich nicht immer greifbar. Es ist nicht immer leicht zwischen den beiden und ab und zu haben sie ihre Differenzen. Ein ebenso wichtiger Charakter ist der Maler Nathan. Dieser ist offen und feinfühlig. Er hilft Honey in gewissen Situationen und ist für sie eine wichtige Stütze, aber auf der anderen Seite bereichert auch Honey das Leben von Nathan – es ist ein geben und nehmen. Den Umgang der beiden miteinander fand ich sehr gelungen dargestellt. Insgesamt lebt dieser Roman von seinen zwischenmenschlichen Beziehungen und im Mittelpunkt dieser steht Honey.

Der Autor Victor Lodato konnte mich mit seinem Roman „Honey“ überzeugen. Im Mittelpunkt steht hier diese außergewöhnliche Frau, welche mit viel Sarkasmus und Weltoffenheit ihr Leben meistert. Ich habe mich wahrlich gut unterhalten gefühlt. Von mir gibt es 4 Sterne.

Veröffentlicht am 18.01.2025

Suche nach Identität und individueller Freiheit

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REZENSION – Mit der 82-jährigen Ilaria Fazzinga, von allen nur „Honey“ genannt, hat sich der amerikanische Schriftsteller Victor Lodato (57) eine in ihrer unkonventionellen Art äußerst ungewöhnliche Frau ...

REZENSION – Mit der 82-jährigen Ilaria Fazzinga, von allen nur „Honey“ genannt, hat sich der amerikanische Schriftsteller Victor Lodato (57) eine in ihrer unkonventionellen Art äußerst ungewöhnliche Frau als titelgebende Heldin seines im September beim Verlag C. H. Beck veröffentlichten Romans gewählt. Darin geht es einerseits um die familiäre Bindung mit ihren Verpflichtungen, andererseits um die Suche nach eigener Identität und Freiheit. „Honey“ ist zugleich eine Hommage an das Altern als positive Phase mit wertvollen Erinnerungen und Erkenntnissen sowie der Chance, auch jetzt noch Abenteuer erleben zu können.
Aufgewachsen als Tochter des mächtigen Don Pietro, gewalttätiger Pate einer italo-amerikanischen Mafia-Familie in New Jersey, hatte sich Honey nicht wie ihre Mutter dem von Männern beherrschten Clan-System unterordnen wollen, dessen weibliche Angehörige zum Hausfrauendasein und zum Schweigen verurteilt waren. Um sich von ihrer Familie befreien und sich ein eigenes Leben aufbauen zu können, war sie nach New York und später nach Los Angeles geflohen und hatte die Ächtung ihrer Familie als „Verräterin“ in Kauf genommen.
Nach dem Tod ihrer zwei Freundinnen kehrt die inzwischen selbstbewusste, etwas exzentrische, aber einsame Seniorin in ihre Geburtsstadt zurück, wo sie sich mit ihren längst verdrängten Erinnerungen und den einstigen Verbrechen ihrer Familie erneut auseinandersetzen muss. Sind es Einsamkeit und die naturgegebene Bindung an die Familie, der man letztlich nicht entfliehen kann, die sie in die Nähe ihres Elternhauses gezogen hat?
Nach 60 Jahren in der Fremde hatte sie geglaubt, sich mit Hilfe von Meditation und Psychiatern von ihrer Vergangenheit und der Familie befreit zu haben. „Mehrere Jahrzehnte hatte sie süß geschlafen, ohne von Dämonen belästigt zu werden.“ Zurück in ihrem Geburtsort und im Umgang mit ihrem Neffen als neuem Familienoberhaupt spürte sie allerdings, dass sie nichts anderes getan hatte, „als das Schlimmste in ihr nach unten zu drücken und mit einer dekorativen Randverzierung einzufrieden.“ Voller Erschrecken muss sie nun feststellen, dass schlummernde familiäre Gene auch sie zu Gewalt hinreißen können. „Vielleicht war sie doch die Tochter ihres Vaters. Sempre famiglia!“
Lodato lässt uns in seiner humorvollen, oft auch ironischen Erzählung am Alltagsleben dieser nur scheinbar so selbstbewussten Seniorin im Widerstreit ihrer Gefühle mit tief empfundener Empathie teilhaben. „Sie hatte ihren Vater abgöttisch geliebt. Und sie hatte ihn gehasst. So einfach war das.“ Honeys Gedankenwelt, ihre Erinnerungen und ihr gegenwärtiges Leben schildert der Autor so plastisch, dass man sich der Seniorin emotional verbunden fühlt. Neben Honey lernen wir einige Menschen in ihrem Umfeld kennen, die in ihrer Charakterisierung die Dramatik der Geschichte ausmachen: Dem nach alter patriarchalischer Tradition immer noch machtbesessenen Neffen Fazzinga und seinem gewalttätigen Sohn Peter steht als Kontrast der zweitgeborene Michael gegenüber, der als verachteter Transgender – wie einst Honey in Jugendjahren von seiner Familie unterdrückt und verachtet – seine wahre Identität als Frau sucht und um individuelle Freiheit kämpft. Völlig hilflos ist als charakterlicher Gegenpart zu Honey ihre Nachbarin Jocelyn. „Sie war eine Frau der Kontemplation, nicht der Tat. Eigentlich nicht zu gebrauchen.“ In ihrer Sehnsucht nach Anerkennung hat sich die junge Frau aufgegeben und ihrem brutalen Liebhaber unterworfen. Als Konterpart zu den von Honey verachteten Männern mit ihrem Macho-Gehabe steht der junge Maler Nathan, der auf ihre Gefühle eingeht, Honey in ihrer Art als Frau akzeptiert, ihr gern zuhört und sie am Ende ihres Lebens noch einmal glücklich werden lässt.
Mit „Honey“ ist Victor Lodato das beeindruckende Porträt einer freiheitsliebenden, bewundernswerten Seniorin gelungen – einer Figur, wie man sie kaum in Romanen trifft. Vielleicht hätte der Autor die Handlung kürzen können, um seiner Geschichte stellenweise mehr Tempo zu geben und die Dramatik im kontrastreichen Spannungsgeflecht seiner Protagonisten zu steigern. Dennoch ist „Honey“ ein ungewöhnlicher und lesenswerter Roman über weibliche Wut und Rache, voller Empathie und psychologischer Tiefe berührend, aber mit Witz und Sarkasmus auch unterhaltsam.

Veröffentlicht am 15.11.2024

Alles für die Familie?

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Von ihrer wohlhabenden und gewalttätigen Familie hat sich Ilaria Fazzinga schon vor langer Zeit losgesagt. Die 82-Jährige nennt sich nun Honey und hat auch ihren Nachnamen etwas abgeändert. Doch nun ist ...

Von ihrer wohlhabenden und gewalttätigen Familie hat sich Ilaria Fazzinga schon vor langer Zeit losgesagt. Die 82-Jährige nennt sich nun Honey und hat auch ihren Nachnamen etwas abgeändert. Doch nun ist sie zurück in New Jersey, ihrer alten Heimat, und begegnet unfreiwillig ihrer Verwandtschaft wieder. Das bringt einige Komplikationen mit sich…

„Honey“ ist ein Roman von Victor Lodato.

Die Struktur des Romans ist sinnvoll und klar durchdacht: Er besteht aus sechs Teilen und insgesamt rund 60 Kapiteln mit kreativen Überschriften. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Honey. Die Haupthandlung spielt in New Jersey und erstreckt sich über viele Monate.

Der sehr detaillierte Schreibstil lässt mich zwiegespalten zurück. Einerseits haben mir die Wortneuschöpfungen und originellen Metaphern gefallen. Auch die lebensnahen Dialoge empfinde ich als sehr gelungen. Andererseits sind manche Sprachbilder ein wenig schief, einige Beschreibungen wie die von Blumenbeeten, Kunstwerken und Zutaten von Gerichten zu ausführlich geraten.

Die größte Stärke des Romans ist seine Protagonistin, Honey. Dass eine mehr als 80-jährige Person, noch dazu eine Frau im Mittelpunkt einer Geschichte steht, ist ebenso ungewöhnlich wie begrüßenswert. Noch dazu ist Honey ein überaus interessanter und charmanter Charakter: kinderlos, unabhängig, vermögend, unorthodox, schillernd, selbstbewusst, mit einer erfolgreichen Karriere in der Vergangenheit und einer dubiosen, italienischstämmigen Familie im Hintergrund. Größtenteils ist die Darstellung ihres Charakters realitätsnah und klischeefrei. Ihre authentischen Gedanken und Gefühle lassen sich sehr gut nachvollziehen. Nur an wenigen Stellen offenbart sich der männliche Blick des Erzählers.

Aus inhaltlicher Sicht handelt es sich in erster Linie um ein Portrait. Es geht vor allem um Traumata, nämlich die schrecklichen Erlebnisse während ihrer Kindheit und Jugend, die Honey noch immer nicht gänzlich verarbeitet hat. Auch die Fragen, was die Familie darf und welche Opfer für sie gebracht werden, werden beleuchtet. Darüber hinaus kommen weitere Probleme ins Spiel, die ich an dieser Stelle nicht vornehmen will. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass auch aktuelle gesellschaftlich relevante Themen wie beispielsweise die Transgeschlechtlichkeit aufgegriffen werden.

Auf den mehr als 450 Seiten finden sich etliche lebenskluge Passagen. Darüber hinaus hat mich die vielschichtige Geschichte mehrfach bewegen, zum Teil sogar amüsieren können. Allerdings bleibt die Handlung recht überschaubar. Sie kommt zudem nur sehr langsam in Fahrt. Dies liegt auch an einigen Redundanzen und macht den Roman immer wieder ein wenig langatmig.

Das auffällige Cover ist ein Hingucker. Er sagt mir ebenso sehr zu wie der prägnante Titel, der 1:1 aus dem amerikanischen Englisch übertragen wurde.

Mein Fazit:
Mit „Honey“ hat Victor Lodato einen Roman geschrieben, der mich wegen seiner Ausführlichkeit leider nicht ganz überzeugen konnte. Dennoch alles in allem eine unterhaltsame und lesenswerte Geschichte.