Solider, gut lesbarer und ehrlicher Krimi mit etwas schwachem Ende
Die Sonne über Berlin - TriebstauWenn man sich das Biotop moderner deutscher Krimis ansieht, dann findet man zwei Extreme: Einmal völlig aus dem Ruder laufende Texte mit wenig Logik, seltsam genialen Ermittlern und einer wilden Handlung ...
Wenn man sich das Biotop moderner deutscher Krimis ansieht, dann findet man zwei Extreme: Einmal völlig aus dem Ruder laufende Texte mit wenig Logik, seltsam genialen Ermittlern und einer wilden Handlung weitab von der Realität. Und dann gibt es noch die leidigen Regional-Krimis, die fast immer ziemlich albern sind, also auch realitätsfern. Mit der Wirklichkeit ist das halt so eine Sache: Sie ist oft wenig unterhaltend.
Dieser Krimi liegt zwischen diesen Extremen. Er ist ehrlich, weil er Polizeiarbeit vermutlich dicht an der Wahrheit darstellt. Er liest sich dennoch hervorragend, ist humorvoll und mit einer mehr als ausreichenden Erzähltiefe ausgestattet. Soll heißen: Die Figuren besitzen Wiedererkennungspotential, einen realistischen Hintergrund und sehr verschiedene Motive. Wie halt im richtigen Leben auch. Und darüber hinaus ist das Buch auch erfrischend politisch inkorrekt. Das sieht man schon allein daran, dass eine der kriminellen Hauptfiguren eine Staatssekretärin mit dem klangvollen Namen Gisela Grellgass-Lühning ist, die mit einem grünen Parteibuch und der damit verbundenen selbstgefälligen Ahnungslosigkeit eine steile Karriere hingelegt hat.
Giselas wichtigster Mitarbeiter hatte gerade versucht in einem brandenburgischen Dorf die versammelte Bauernschaft davon zu überzeugen, dass Pflügen nicht mehr zeitgemäß wäre. Nach dem erwartbaren Misserfolg seiner Bemühungen und einem anschließenden Besäufnis landete der gescheiterte Agitator im Dunklen bei seiner Zimmersuche auf einem Feld, wo er in den Morgenstunden des folgenden Tages von einem Pflug geschreddert wurde. Nach diesem wenig appetitlichen Beginn versuchen die Ermittler die Ereignisse zu verstehen, was ihnen aber nicht gelingen will. Immerhin kommen sie dabei den kriminellen Machenschaften von Grellgass-Lühning auf die Spur.
Die Geschichte wird von der Autorin locker erzählt, und es kommen auch immer wieder treffende Beschreibungen der Berliner Zustände vor. Nur das Ende ist leider etwas enttäuschend. Aber vielleicht ist auch das aus dem Leben gegriffen. Nicht immer geht alles auf.