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Veröffentlicht am 19.02.2025

Heimatsuche

Auf Basidis Dach
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„ Irgendwann wirst du merken, dass es ein Geschenk ist, in zwei Ländern dieser Welt zu Hause zu sein.“ ( S15



Die sympathische Moderatorin Mona Ameziane schreibt in diesem sehr persönlichen Buch über ...

„ Irgendwann wirst du merken, dass es ein Geschenk ist, in zwei Ländern dieser Welt zu Hause zu sein.“ ( S15



Die sympathische Moderatorin Mona Ameziane schreibt in diesem sehr persönlichen Buch über die Suche nach der eigenen Identität.

Als Kind einer deutschen Mutter und eines marokkanischen Vaters möchte sie mehr über ihre marokkanischen Wurzeln lernen. Da sie in Deutschland aufgewachsen ist und Marokko als Kind nur in den Ferien besucht hat, fühlt sich das Geburtsland ihres Vaters nicht richtig nach Heimat an.

Mit 16 Jahren bekommt Mona die Chance ein Jahr in Marokko bei einer Gastfamilie zu leben und dort zur Schule zu gehen. Sie stellt schnell fest, dass die Gastfamilie sehr privilegiert ist, was einerseits zwar angenehm ist, sie andererseits ihrem Ziel das wahre Marokko kennenzulernen nicht wirklich näherbringt.

Da ist der Roadtrip mit dem eigenen Vater zu einem späteren Zeitpunkt sicherlich eine viel bessere Gelegenheit ganz tief in Kultur und Mentalität der Menschen in Marokko einzutauchen.

Es macht Spaß die Autorin bei ihrer Reise begleiten zu dürfen. Sie schreibt informativ, unterhaltsam und sehr offen.

Lediglich das Abschlußkapitel hat mir nicht so gut gefallen. Das ist aber gar nicht schlimm.

Ich empfehle „Auf Basidis Dach“ trotzdem sehr gerne weiter.

Kleine Anmerkung: Basidi ist der Großvater von Mona. Sie musste allerdings lernen, dass alle Großväter in Marokko Basidi heißen.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Melancholisch

Im Schnee
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„ Wenn man schweigt, kommt man sehr gut miteinander aus. Worüber man nicht spricht, das gibt es nicht.“



Wenn das Totenglöckchen klingelt, gibt es wieder einen weniger in Max‘s Heimatdorf, in dem es ...

„ Wenn man schweigt, kommt man sehr gut miteinander aus. Worüber man nicht spricht, das gibt es nicht.“



Wenn das Totenglöckchen klingelt, gibt es wieder einen weniger in Max‘s Heimatdorf, in dem es scheint, als wäre die Zeit stehengeblieben.

Diesmal ist es der Schorsch, Max bester Freund. Er ist einfach eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht, ein schöner Tod.

Auf der Totenwacht treffen sich zunächst die Männer, schwelgen in Erinnerungen und stoßen auf den Toten an. Max bleibt auch noch als die Frauen zur Ablösung kommen. Bei ihnen geht es weit weniger lustig zu. Sie sind gläubiger, andächtiger und tauschen dann aber doch Geschichten und Rezepte aus.

Der über 80jährige Max fragt sich wer der Nächste ist, denkt über die Veränderungen im Dorf nach. Inzwischen gibt es hier kein Geschäft mehr und alle die ein Handwerk beherrschten sterben allmählich weg. Die Neubürger sind auch nach Jahrzehnten noch Fremde.

Es ist ruhig und still im Dorf. Der Schnee deckt alles zu, auch die schlimmen Geschichten von häuslicher Gewalt oder Ausländerfeindlichkeit. Darüber spricht man nicht. Dann ist es fast so, als wären sie nicht geschehen.

Tommie Görtz erzählt ruhig und intensiv vom einfachen Leben auf dem Land, melancholisch und ohne es zu romantisieren. Der Tod gehört zu Leben, zum ewigen Kreislauf der Natur. Das hat man hier akzeptiert und feiert es mit den Ritualen, die sich gehören. Auch sprachlich hat mir das Buch gut gefallen. Es ist komplett aus der Sicht von Max erzählt, an dessen Gedankenwelt wir als Leser teilhaben dürfen .

Es ist ein Buch, dass zum Nachdenken anregt und zum Innehalten aufruft und passt perfekt in den Winter.

Das Hörbuch wurde wunderbar vertont von Thomas Loibl.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Leute von früher

Leute von früher
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Eine kleine Insel im nordfriesischen Wattenmeer unweit von Husum ist der Schauplatz dieser Geschichte. Die Insel lockt Touristen mit ihrem historischen Flair, einem Erlebnisdorf das neben dem alten Krämerladen ...

Eine kleine Insel im nordfriesischen Wattenmeer unweit von Husum ist der Schauplatz dieser Geschichte. Die Insel lockt Touristen mit ihrem historischen Flair, einem Erlebnisdorf das neben dem alten Krämerladen so manch ein vergessenes Handwerk präsentiert und deren „Bewohner“ in historisch wirkenden Kostümen wie um 1900 herumlaufen. Alles ist eine große Kulisse, selbst die Kekse, die man in hübschen Gläsern im Lädchen erwerben kann, sind umgefüllte Industrieware anstelle von selbstgebackener Köstlichkeit. Marlene, die nach ihrem Studium merkt, wie aussichtslos es ist einen Job zu finden, hat auf der Insel einen Saisonarbeitsplatz als Verkäuferin bekommen.


Ich fand es ganz nett über diesen ganz Touristennepp zu lesen, Marlene‘s Alltag erzählt zu bekommen, ein Gefühl dafür zu bekommen wie es ist, nach einem vollendeten Arbeitstag die „Kostümgrenze“ zu überschreiten und sich in eine Mitarbeiterbaracke zurückzuziehen und einige wenige Kontakte zu anderen Saisonkräften aufzubauen.


Allerdings plätscherte die Geschichte doch sehr vor sich hin, und ich bin weder der Protagonistin noch den Nebenfiguren sehr nah gekommen. Selbst Janne, die auf der Insel aufgewachsen ist und in die sich Marlene verliebt, blieb mir irgendwie fremd, auch wenn ich sie insgesamt noch am interessantesten fand. Janne hat dann auch ein mystisches Geheimnis. Bei magischem Realismus bin ich tatsächlich selten begeistert. Zugegeben es passte zur Atmosphäre und hat ein paar Gruselvibes gebracht, aber ich hätte es nicht gebraucht. Den überraschenden Schluß fand ich dann wieder sehr gelungen.


Fazit: Es war wohl nicht ganz mein Buch. Trotzdem würde ich jetzt nicht davon abraten. Ich kann mir vorstellen, dass es auch begeisterte Leser gibt.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Der Nahostkonflikt- super erklärt

Über den Dächern von Jerusalem
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Der Konflikt zwischen Israelis und den Palästinensern wird in diesem Buch

auf zwei Zeitebenen und mit vier jungen Charakteren sehr anschaulich und differenziert für Jugendliche aber auch für Erwachsene ...

Der Konflikt zwischen Israelis und den Palästinensern wird in diesem Buch

auf zwei Zeitebenen und mit vier jungen Charakteren sehr anschaulich und differenziert für Jugendliche aber auch für Erwachsene aufbereitet.

Die 15Jährige Tessa ist Jüdin und im Konzentrationslager Bergen-Belsen so gerade mit dem Leben davongekommen. Als Halbwaise schafft sie es auf ein Schiff nach Jerusalem, wo ihr Vater im Untergrund arbeitet und die Juden an der Errichtung eines eigenen Staates arbeiten.

Mo , ein arabischer Junge, verliert zu dieser Zeit 1947 seinen Vater durch einen Bombenanschlag, durchgeführt von Juden, die immer zahlreicher ins Land kommen und die arabische Bevölkerung aus ihren Häusern vertreiben.

Die beiden Jugendlichen begegnen sich zufällig und plötzlich hat der Feind ein Gesicht. Sie streiten sich heftig, denn jeder hat seine eigene Perspektive auf den Konflikt. Und doch mögen sie sich auch irgendwie und stellen fest das es auch Verbindendes gibt.

In der Gegenwart 2023 treffen ebenfalls zwei junge Menschen aufeinander, die israelische Soldatin Anat und der palästinensische Junge Karim. Sie begegnen sich mit Angst und Mißtrauen und nutzen dann aber die Chance dem anderen zuzuhören.

Der jahrzehntelange Konflikt zwischen den beiden Völkern ist ja bis heute ungelöst und seit Erscheinen des Buchs sogar noch weiter eskaliert. Im Buch gibt es einen Hoffnungsschimmer, aber die Realität sieht leider anders aus.

Anja Reumschüssel , die sich als Journalistin und Sachbuchautorin einen Namen gemacht hat, bringt nicht nur ganz viele historische Fakten in die Geschichte mit ein, sie erzählt auch eine mitreißende Geschichte über jugendliche Protagonisten, mit denen man sich identifizieren kann. Das Buch, dass im Übrigen auch Schullektüre ist, erklärt die Komplexität des Nahostkonflikts und zeichnet ein differenziertes Bild von beiden Seiten.

Ein kleiner Kritikpunkt ist, das hier des Öfteren der Zufall für die eine oder andere Begegnung bemüht wird. Das störte mich aber nicht wirklich in meinem Lesefluss.

Mir hat das Buch richtig gut gefallen und ich kann es gerade in der jetzigen Zeit jedem nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

WG – Geborgenheit

Wohnverwandtschaften
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Eine Studenten WG kennt man ja, aber dass sich auch ältere Menschen eine gemeinsame Wohnung teilen, ist eher selten.

Jörg, der verwitwete Wohnungseigentümer ist 68 Jahre alt und wohnt mit Murat und Anke ...

Eine Studenten WG kennt man ja, aber dass sich auch ältere Menschen eine gemeinsame Wohnung teilen, ist eher selten.

Jörg, der verwitwete Wohnungseigentümer ist 68 Jahre alt und wohnt mit Murat und Anke und Constanze zusammen, alles Personen, die zwar etwas jünger sind als er, aber voll im Leben stehen. Jeder hat so seine Gründe für diese Wohnform und die Wohnungsnot (hier in Hamburg) ist nur einer davon.

Charakterlich sehr unterschiedlich, passt es doch ganz wunderbar in dieser Wahlfamilie. Hobbykoch Murat sorgt stets für gute Stimmung und bekocht die Gruppe leidenschaftlich gern. Schauspielerin Anke hat Probleme als Frau mittleren Alters noch Rollen zu bekommen und bekommt viel Unterstützung von ihren Mitbewohnerinnen. Constanze ist Zahnärztin und möchte nach ihrer Trennung aber nicht alleine wohnen und Jörg genießt den Trubel, vermisst seine verstorbene Frau und plant eine Reise mit dem Bulli, die er sich schon lange vorgenommen hat.

Als Jörg auffällig vergesslich wird, übernimmt die Gruppe Verantwortung und versucht auch ihn bestmöglich zu unterstützen und einen Weg zu finden mit seiner Demenz umzugehen. Trotz der Schwere des Themas schafft es die Autorin, eine unterhaltsame , mitfühlende Geschichte zu erzählen, die ihre Leichtigkeit auch durch diese zerstörende Krankheit nicht verliert.

Es gibt ganz viele Dialoge, und man schaut abwechselnd in die Köpfe der einzelnen Bewohner
innen. Der Text würde sich auch ganz wunderbar für ein Theaterstück eignen.


Das Hörbuch ist wirklich sehr zu empfehlen. Es gibt ein prominentes Sprecherteam nämlich: Heikko Deutschmann, Katharina Wackernagel, Serkan Kaya und Lavinia Wilson, die diese Geschichte zu einem Hörerlebnis machen.

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