Worüber nicht gesprochen wird, ist nicht passiert …
Im Schnee ist ein leises Buch – aber eines mit großer Tiefe. Max verliert seinen besten Freund Schorsch und nimmt an dessen Totenwache teil. Wie früher üblich, werden dort die Geschichten des Verstorbenen ...
Im Schnee ist ein leises Buch – aber eines mit großer Tiefe. Max verliert seinen besten Freund Schorsch und nimmt an dessen Totenwache teil. Wie früher üblich, werden dort die Geschichten des Verstorbenen erzählt, während Max' eigene Erinnerungen wach werden. Sein Leben und die Entwicklung des Dorfes ziehen an ihm vorbei.
Früher war das Leben hart und voller Entbehrungen, jeder ging seiner Arbeit nach. Goerz verklärt diese Härte nicht, sondern beschreibt die Vor- und Nachteile des Dorflebens mit einem scharfen Blick.
Im alten Teil des Dorfes scheint vieles unverändert – doch der Metzger, der Bäcker und andere Gewerbe sind längst verschwunden. Geblieben sind nur die Kneipen. Wie es in einem Dorf oft der Fall ist, weiß jeder alles über jeden. Doch über manches spricht man nicht: über den Mann, der seine Frau schlägt, über Max, der allein lebt. Denn worüber nicht gesprochen wird, das ist auch nicht passiert.
Dennoch steht auch der soziale Zusammenhalt im Mittelpunkt: Die Dorfbewohner halten zusammen, achten aufeinander und lassen niemanden allein – mit einer Ausnahme: die Zugezogenen am Dorfrand, in den Neubauten. Sie wissen nicht, was man fragt und was man besser verschweigt. Sie verstehen die Dorfstrukturen nicht – und gehören auch nach 40 Jahren noch nicht wirklich dazu.
Thomas Loibl verleiht diesem Buch mit seiner Stimme genau den richtigen Ton und Klang.
Fazit:
Ein wunderbares Buch voller Geschichten – eindrücklich, melancholisch und sprachlich herausragend. Auch wenn es leise daherkommt, sind seine Aussagen laut, kraftvoll und nachdrücklich.