Cover-Bild Im Schnee
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17,95
inkl. MwSt
  • Verlag: OSTERWOLDaudio
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 10.01.2025
  • ISBN: 9783844941456
Tommie Goerz

Im Schnee

Thomas Loibl (Sprecher)

Von der Schönheit und der Härte des einfachen Lebens, von der Gnade der Freundschaft und dem Moment des Verlusts

Der alte Max hat alle Zeit. Draußen vor dem Fenster legt sich der Schnee wie eine Decke über das Dorf. Da dringt das Läuten des Totenglöckchens durch die Stille. Es schlägt für den Schorsch, der viel mehr war als nur ein Freund, ein Leben lang. So macht sich Max am Abend auf zur Totenwacht, wo die Alten zusammenkommen, um des Verstorbenen zu gedenken und sich zu erinnern. Eine ganze Nacht erzählen sie von den Freuden bei der Ernte, von Abenden in der Wirtsstube, vom kleinen Glück. Und vom Schorsch. Aber auch von der Enge im Dorf und dem eisigen Schweigen. Erst im Morgengrauen kehrt der Max heim. Im Licht des neuen Tages ist ihm klar: Nichts davon wird wiederkommen. Nur die Erinnerungen an dieses Leben bleiben, so lange er da ist ...

Thomas Loibl intensiviert mit seiner Lesung die atmosphärische Erzählung und gibt den originellen Figuren eine Stimme.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.03.2025

Worüber nicht gesprochen wird, ist nicht passiert …

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Im Schnee ist ein leises Buch – aber eines mit großer Tiefe. Max verliert seinen besten Freund Schorsch und nimmt an dessen Totenwache teil. Wie früher üblich, werden dort die Geschichten des Verstorbenen ...

Im Schnee ist ein leises Buch – aber eines mit großer Tiefe. Max verliert seinen besten Freund Schorsch und nimmt an dessen Totenwache teil. Wie früher üblich, werden dort die Geschichten des Verstorbenen erzählt, während Max' eigene Erinnerungen wach werden. Sein Leben und die Entwicklung des Dorfes ziehen an ihm vorbei.
Früher war das Leben hart und voller Entbehrungen, jeder ging seiner Arbeit nach. Goerz verklärt diese Härte nicht, sondern beschreibt die Vor- und Nachteile des Dorflebens mit einem scharfen Blick.

Im alten Teil des Dorfes scheint vieles unverändert – doch der Metzger, der Bäcker und andere Gewerbe sind längst verschwunden. Geblieben sind nur die Kneipen. Wie es in einem Dorf oft der Fall ist, weiß jeder alles über jeden. Doch über manches spricht man nicht: über den Mann, der seine Frau schlägt, über Max, der allein lebt. Denn worüber nicht gesprochen wird, das ist auch nicht passiert.

Dennoch steht auch der soziale Zusammenhalt im Mittelpunkt: Die Dorfbewohner halten zusammen, achten aufeinander und lassen niemanden allein – mit einer Ausnahme: die Zugezogenen am Dorfrand, in den Neubauten. Sie wissen nicht, was man fragt und was man besser verschweigt. Sie verstehen die Dorfstrukturen nicht – und gehören auch nach 40 Jahren noch nicht wirklich dazu.

Thomas Loibl verleiht diesem Buch mit seiner Stimme genau den richtigen Ton und Klang.

Fazit:
Ein wunderbares Buch voller Geschichten – eindrücklich, melancholisch und sprachlich herausragend. Auch wenn es leise daherkommt, sind seine Aussagen laut, kraftvoll und nachdrücklich.

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Veröffentlicht am 21.02.2025

Gut erzählt

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Der über achtzigjährige Max erfährt von Schorsch’s überraschendem Tod, mit dem er sein ganzes Leben lang gut befreundet war. Max nimmt teil am alten Brauch der Totenwache: befreundete und benachbarte Männer ...

Der über achtzigjährige Max erfährt von Schorsch’s überraschendem Tod, mit dem er sein ganzes Leben lang gut befreundet war. Max nimmt teil am alten Brauch der Totenwache: befreundete und benachbarte Männer übernehmen eine Schicht in die Nacht hinein, die Frauen dann bis zum nächsten Morgen. Diese nächtlichen Stunden beim verstorbenen Freund werden genutzt um über Schorsch zu erzählen. Jeder und jede gibt ein paar Erinnerungen preis.
So wie Max erinnert ist das ziemlich identisch mit dem dörflichen Leben das meine Eltern geführt haben. Durch die engere Betreuung im Alter konnten die beiden uns Kindern noch viel davon erzählen. Gerade mein Vater war dem Erzähler Max recht ähnlich, er kannte zu allen Dorfbewohnern deren Familiengeschichten, Entwicklungen und Erlebnisse. Und wie auch Max hatter er mit den Jahren erkennen müssen, dass mit dem allmählichen Versterben seiner Generation dieses Wissen verloren gehen wird.

So war diese Erzählung für mich authentisch. Eine vergangene Welt die die meisten nicht mehr kennengelernt haben. Auch das Setting mit dem Schnee an diesen Tagen war stimmig. Diese weiße Stille hat gepasst für diese Momente wo vieles innehält.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Wieder ein Meisterwerk von Tommie Goertz

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Letztes Jahr war „Im Tal“ von Tommie Goertz eines meiner absoluten Lesehighlights, und so konnte ich sein neuestes Werk „Im Schnee“ kaum erwarten.

Max ist über 80 Jahre alt und wohnt im (fiktiven) kleinen ...

Letztes Jahr war „Im Tal“ von Tommie Goertz eines meiner absoluten Lesehighlights, und so konnte ich sein neuestes Werk „Im Schnee“ kaum erwarten.

Max ist über 80 Jahre alt und wohnt im (fiktiven) kleinen fränkischen Dorf Austhal. Es ist Winter, Max sieht aus dem Fenster und denkt über das Leben nach. Gerade haben die Totenglocken geläutet, sein bester Freund Schorsch, den er sein Leben lang wie einen Bruder kannte, ist gestorben. Max macht sich auf zur Totenwacht: Abends wachen die Männer, von Mitternacht bis in den Morgen die Frauen. Max bleibt die ganze Nacht, so wie er auch mit Schorsch viel Zeit mit den Frauen des Dorfes verbracht hat, ob beim Besenbinden, Fertigen von Kräutersträußen oder Backen. Tief in Gedanken hängt er seinen Erinnerungen nach an eine Zeit, die nur noch in den Gedanken der Alten lebendig ist, Erinnerungen, die mit ihnen aussterben werden, genauso wie das Dorfleben. Denn das Dorflädchen, den Bäcker, den Schuster, den Metzger und all die anderen alten Gewerke gibt es schon lange nicht mehr. Doch Tommie Goertz verklärt das Dorfleben nicht, die vermeintliche Idylle, die keine ist und nie eine war: „Dieses Dorf (…) ist wie jedes Dorf. Da wohnen Leute, und da gibt es Misthaufen. Und je näher man herankommt, desto mehr stinkt es.“

Wie schon bei „Im Tal“ gelingt es Tommie Goertz auch hier auf unvergleichliche Weise, das Innenleben der Hauptfigur spürbar zu machen und in ihrer Tiefe auszuloten. Wieder ist die Hauptfigur ein stiller, wortkarger Mensch, der seine Gefühle nicht nach außen trägt, aber dennoch tief empfindet. Und in seinen Erinnerungen wird die alte Zeit wieder lebendig, so klar, dass man beim Lesen das Gefühl hat, unmittelbar dabei zu sein. Da ist die eingeschworene Dorfgemeinschaft der Alteingesessenen, die sich gegenseitig hilft. Wenn es etwas zu reparieren gibt, ist immer jemand zur Stelle, man feiert gemeinsam, trifft sich im Wirtshaus, kennt sich von Kindesbeinen an. Der Tee wird aus selbst gesammelten Wildkräutern bereitet, geschlachtet wird auf dem Hof, man ist autark als Gemeinschaft, aber auch hermetisch abgeschlossen ist gegen alles Neue. Die Zugezogenen aus dem Neubaugebiet gehören auch nach 40 Jahren nicht dazu, man bleibt beim „Sie“, lässt sie spüren, dass sie niemals dazugehören werden. Ganz zu schweigen gar von Geflüchteten – da wird lieber über Nacht ein Haus abgerissen, als zu riskieren, dass dort Afrikaner einquartiert werden. Die gegenseitige soziale Kontrolle ist hoch, jeder sieht alles, doch alle sehen auch gerne weg, wenn etwas nicht gesehen werden soll. Misshandlungen, cholerische Patriarchen – da mischt man sich lieber nicht ein. Und über Gefühle spricht man schon gar nicht. Beim Lesen bzw. Hören war die Enge für mich stellenweise geradezu körperlich spürbar.

Thomas Loibl liest „Im Schnee“ wunderbar nachdenklich ein und verleiht diesem leisen Roman genau den richtigen Ton.

Dieses Buch ist ein echtes Juwel, das ich unbedingt weiterempfehlen möchte, ebenso wie „Im Tal“. Sehr, sehr lesens- und hörenswert.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Im Schnee

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Inhalt siehe Klappentext.
Tommie Goerz' Buch "Im Schnee" wurde mir in letzter Zeit öfters online angezeigt, ich habe mich für das Hörbuch entschieden. Ich kannte bisher weder den Autor, noch den Sprecher ...

Inhalt siehe Klappentext.
Tommie Goerz' Buch "Im Schnee" wurde mir in letzter Zeit öfters online angezeigt, ich habe mich für das Hörbuch entschieden. Ich kannte bisher weder den Autor, noch den Sprecher Thomas Loibl. Er liest die Geschichte in 4:08 Stunden stimmlich passend vor, ich empfehle die 1,25-fache Geschwindigkeit.
Das Titelbild mit dem Schneehaufen vor ein paar Häusern und dem blauen Himmel strahlt viel Ruhe aus - und so ist es auch, dem Hörbuch zuzuhören: Ruhig und entspannt bzw. entspannend. Obwohl die Geschichte um den verstorbenen Schorsch, einem besonderen Freund von Max, bei dem die Alten des Dorfes, Männlein wie Weiblein, alle um die 80 Jahre alt, Totenwacht halten, im Jetzt spielt, fühlt man sich durch die Art der Personen und der Beschreibungen, wie sie leben, wie alles aussieht, was sie tun, wie sie sich unterhalten, um viele Jahrzehnte zurückversetzt. Es werden alte Erinnerungen an den Schorsch (und damit auch an ihr eigenes Leben) rausgekramt, man schwelgt in der Vergangenheit, immer den Toten vor sich und wie es nun werden wird. Die Alten haben keine Eile, sie haben ihr Leben gelebt, sie sind nun zufrieden mit dem, was sie haben - auch wenn es mehr sein könnte. Die Neuen im Dorf verstehen davon nichts, sie gehören nicht zur eingeschworenen Gemeinschaft dazu. Der Schnee hält die Zeit an, alles wird langsam, gemächlich, Zeit, um zu erinnern, nichts zu vergessen. Traurige Stellen, gemeinsame Erlebnisse, man sitzt beisammen und gedenkt - in erster Linie dem Schorsch (schade, dass er die Äpfel nicht mitnehmen konnte) - und dem Leben an sich. Ein Hörbuch zum Innehalten, nicht nur zum Zuhören, sondern auch in-sich-hören, zur Ruhe kommen, wie es der Max für sich selbst schließlich auch entscheidet. Auch ohne echten Schnee vor der Haustür konnte ich ihn bei dieser Lesung fast riechen oder fühlen, Winter in Franken auf besondere Art. Für mich ein Hörerlebnis, das ich mit 4,5 bis 5 Sternen gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Perfekt erzähltes einfaches Leben

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Im Schnee von Tommie Goerz, gelesen von Thomas Loibl, erschienen im OSTERWOLDaudio Verlag am 10. Januar 2025.

Max steht am Fenster und sieht dem Schnee zu, der das Dorf einhüllt. Die Totenglocke durchbricht ...

Im Schnee von Tommie Goerz, gelesen von Thomas Loibl, erschienen im OSTERWOLDaudio Verlag am 10. Januar 2025.

Max steht am Fenster und sieht dem Schnee zu, der das Dorf einhüllt. Die Totenglocke durchbricht die Stille im Dorf. Sie erzählt davon, dass sein lebenslanger Freund nun verstorben ist. Nach alter Sitte wird die Nacht Totenwache im Haus des Verstorbenen gehalten. Erst die alten Männer bis Mitternacht, dann die alten Frauen bis zum Morgen.
Wir sitzen n den Gedanken von Max, die er manchmal unsortiert in der Zeit hat, wie wir alle so denken. Mal etwas sprunghaft, mal etwas wehmütig.

Max und Schorsch sind immer im Dorf gewesen, Haben ein ruhiges Leben gelebt und sind füreinander da gewesen. Das Dorf hat sich gewandelt, eine Siedlung für Neubürger ist entstanden, die es mit den Eingesessenen schwer haben, die Alten wollen sich den neuen Zeiten aber auch eher langsam, wenn überhaupt anpassen.

Man könnte meinen, dass man einen Robert Seethaler Roman vor sich hat. Die Ruhe, die der Protagonist ausstrahlt, die Einfachheit seines Lebens und die Akzeptanz, dass das Leben halt nicht immer das bereit hält, was man gerne hätte. Die Beschreibungen der Landschaft und Ereignisse. Einfach nur grandios einfach und auf den Punkt erzählt.
Thomas Loibl hat dieses Hörbuch perfekt eingelesen. Man hört fast den Schnee fallen und mit seiner Stimme haucht er den Protagonisten zusätzlich Leben ein.

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