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Veröffentlicht am 31.12.2017

Wem kann man in einem Rudel Hyänen trauen?

Woman in Cabin 10
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Woman in Cabin 10 von Ruth Ware, erschienen in der dtv Verlagsgesellschaft am 27.12.2017

Laura Blacklock arbeitet seit 10 Jahren für eine Reisezeitschrift. Schon lange möchte sie endlich mit ihrer Kariere ...

Woman in Cabin 10 von Ruth Ware, erschienen in der dtv Verlagsgesellschaft am 27.12.2017

Laura Blacklock arbeitet seit 10 Jahren für eine Reisezeitschrift. Schon lange möchte sie endlich mit ihrer Kariere durchstarten als sie endlich eine Chance bekommt mehr als eine Copy-Past Journalistin zu sein. Ihre Chefin ist schwanger und so darf Lo die Jungfernfahrt auf einem Luxuskreuzschiff mitmachen. Kurz bevor sie sich auf den Weg machen muss wird in ihrer Wohnung eingebrochen als sie anwesend ist. Der Täter verletzt sie und sperrt sie in ihr Schlafzimmer ein. Lo dreht fast durch, kann nicht mehr schlafen und erreicht das Schiff völlig übermüdet, gleichzeitig aber auch mit dem Problem nicht wirklich schlafen zu können.

Ich habe vorher schon ein Buch der Autorin gelesen und fand mich mit diesem Werk bestätigt darin, dass sie sehr spannend schreiben kann und die Charaktere erst dann vollständig sind, wenn das Buch zu Ende ist. Laura ist mir am Anfang unsympathisch erschienen, im Laufe der Geschichte entblätterte Ware aber einen interessanten Charakter bei dem man im Laufe der Geschichte die Handlungen nachvollziehen kann und mit dem man sich gut identifizieren kann. Ruth Ware spielt gerne mit dem Leser und ich falle gerne darauf rein. Die Spannung steigt im Verlauf der Geschichte immer weiter an und man spürt es fast knistern, wenn man sich auf Lo einlässt und mit ihr fühlt.

Die Autorin lässt immer wieder Emails und Nachrichten die zu einem späteren Zeitpunkt von Freunden und der Familie geschrieben werden in den aktuellen Ablauf der Geschichte einfließen um beim Leser Herzrasen zu verursachen, sie nutzt die leichte Klaustrophobie der Protagonistin um in einer eigentlich freundlichen Atmosphäre eines Luxusschiffs Enge als Bedrohung zu liefern.

Sehr schön geschriebener Thriller den ich fast nicht aus der Hand legen konnte. Klare Kaufempfehlung.

Veröffentlicht am 15.12.2017

Der vierte Affe

The Fourth Monkey - Geboren, um zu töten
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The Fourth Monkey - Geboren, um zu töten von J.D. Barker, erschienen im Blanvalet Verlag am 27. Dezember 2017

Sam Porter, ein Detective, wird von seinem Kollegen angerufen und zu einem tödlichen Autounfall ...

The Fourth Monkey - Geboren, um zu töten von J.D. Barker, erschienen im Blanvalet Verlag am 27. Dezember 2017

Sam Porter, ein Detective, wird von seinem Kollegen angerufen und zu einem tödlichen Autounfall gerufen. Porter und sein Kollege nehmen gewöhnlich keine Autounfälle auf und schnell wird klar, dass mit der Leiche etwas außerordentlich nicht stimmt. Der Tote hat ein Päckchen dabei, genau so ein Päckchen wie der Four Monkey Killer sie immer verschickt hat. Ist der Tote der Killer und wo hat er sein aktuelles Opfer versteckt.

Wir ermitteln mit Porter und Nash, und erleben Momente der Angst mit dem Opfer, wobei lange nicht klar ist, ob wir die Vergangenheit oder aber die Zukunft miterleben. Ausserdem hat der Tote im Rinnstein ein Tagebuch dabei wo der kleine Serienkiller seine Kindheitserlebnisse zum Besten gibt. Für Spannung ist gesorgt. Alleine schon, dass der Serienkiller Leute bestrafen will, die sich seiner Meinung nach nicht an die Regeln und Gesetze gehalten haben, aber er greift nicht sie persönlich an, sondern Personen die ihnen sehr nahe stehen werden zu Opfern.

Dieser Thriller ist Nervenkitzel pur. Flüssig geschrieben, aus verschiedenen Blickwinkeln und der Autor schafft es, die Charaktere interessant und lebensecht wirken zu lassen. So ist lange nicht klar, warum Porter im Augenblick eigentlich nicht arbeitet, aber als Mann der ersten Stunde, selbstverständlich am Serienkillerfall mitarbeitet. Klare .Leseempfehlung

Veröffentlicht am 15.08.2017

Spannender Thriller indem sich Fakten mit Fiktion verwischen

Der Präsident
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Der Präsident von Sam Bourne, erschienen im Bastei Lübbe Taschenbuch Verlag am 21. Juli 2017

Der Präsident der Vereinigten Staaten hat eine recht kurze Zündschnur und versucht nachdem der nordkoreanische ...

Der Präsident von Sam Bourne, erschienen im Bastei Lübbe Taschenbuch Verlag am 21. Juli 2017

Der Präsident der Vereinigten Staaten hat eine recht kurze Zündschnur und versucht nachdem der nordkoreanische Diktator ihn mitten in der Nacht mit einem Krieg aus Worten auf die Palme gebracht hat, mit einem Atomangriff auf Nordkorea und China zu antworten. Dies wird im letzten Augenblick abgewendet. Aufgeschreckt durch das impulsive Verhalten berät sich der Staatschef des Weißen Haus mit dem UN-Botschafter von China.

Maggie Costelle arbeitet im Weißen Haus und ist eine der Mitarbeiter, die schon bei der vorherigen Administration dort gearbeitet hat. Sie leidet sehr unter dem sexistischen McNamara und erträgt ihre Arbeit nur durch ihren Freund Richard, der ebenfalls nicht begeistert von der aktuellen Regierung ist. McNamara überträgt ihr die Aufgabe einen Selbstmord zu untersuchen.

Sam Bourne ist das Psoudonym unter dem der Guardian Journalist Jonathan Freedland seine Verschwörungstheorien Thriller veröffentlicht. So ist der neue Thriller von ihm auch genau das, was man erwartet.

Man kann sich denken, wer Modell fuer diesen spannenden Thriller gestanden hat, dabei werden einige Komponenten eingesetzt die stimmen, aber es werden auch genug Dinge eingestreut, die bisher nur Fiktion sind. Bourne nimmt uns mit auf die Reise in Ränkespiele, Verschwörungen und fiesen, hinterhältigen Machenschaften.
Maggie Costello ist eine Figur die Bourne schon in Das letzte Testament und Der Gewählte eingeführt hat. Auch hier untersucht sie geschickt und nicht ohne in Schwierigkeiten zu geraten eine Verschwörung die viel tiefer geht als sie ursprünglich angenommen hat.

Der Plot ist spannend und hat viele unerwartete Wendungen, die Personen werden gut beschrieben und ich denke, dass Bourne uns mit Absicht über das Dilemma nachdenken lässt, ob der Zweck immer die Mittel heiligt.

Dies ist mein erster Thriller des Autors gewesen, aber sicher nicht mein Letzter. Klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 19.08.2018

Hier hat jeder einen Knacks

Töte, was du liebst
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Töte, was du liebst von Christian Kraus, erschienen im Droemer Verlag am 01.08.2018

Alexander Pustin fängt neu bei der Mordkommission in Hamburg an. Er ist hier aufgewachsen, hatte sich aber von dort ...

Töte, was du liebst von Christian Kraus, erschienen im Droemer Verlag am 01.08.2018

Alexander Pustin fängt neu bei der Mordkommission in Hamburg an. Er ist hier aufgewachsen, hatte sich aber von dort ferngehalten, da er nicht so richtig mit seiner elterlichen Familie zurechtgekommen ist. Nachdem es bei seiner früheren Arbeitsstelle Ärger gegeben hat nachdem er einen Drogendealer zusammengeschlagen hat, lässt er sich dann aber doch nach Hamburg zur Mordkommission versetzen. Sein Arbeitsleben beginnt gleich mit einem Mord, den wir als Leser durch die Augen des Mörders, der sich als Rafael vorstellt miterleben dürfen. Im Zuge der Ermittlungen lernt er die Rechtsmedizinerin Luise Kellermann kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie.

Christian Kraus mag auf seinem Fachgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie eine Koryphäe sein, als Schriftsteller hätte ich ihn er im Selfpublishing Bereich angesiedelt. Ein liebloses Lektorat lässt auch vermuten, dass der Verlag da nicht so genau hingesehen hat was sie veröffentlichen.

Der Plot ist von Anfang an sehr durchsichtig und die Auflösung vorhersehbar. Jede Person, die hier auftritt hat ihr psychisches Päckchen zu tragen, es ist ein wenig als hätte der Autor eine Liste abgearbeitet was für psychische Störungen denn nun alles Platz in seinem Erstlingswerk bekommen sollen. Die übertriebene Liebesgeschichte zwischen Alexander und Luise und die teilweise etwas seltsamen Dialoge machten es mir auch nicht leichter mich durch das Werk zu arbeiten. Vor allem eine Szene am Krankenbett von Alexanders Schwester hätte mich bald zur Aufgabe gezwungen.

Insgesamt kein Buch was ich empfehlen würde, noch dazu weil Kraus Täter zu Opfern macht.

Veröffentlicht am 14.08.2018

Gesellschaft in Angst

Vox
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Vox von Christina Dalcher, erschienen im S. Fischer Verlag am 15. August 2018.

Dr. Jean McClellan ist Wissenschaftlerin und forschte daran die Wernicke-Aphasie rückgängig zu machen. Jemand mit dieser ...

Vox von Christina Dalcher, erschienen im S. Fischer Verlag am 15. August 2018.

Dr. Jean McClellan ist Wissenschaftlerin und forschte daran die Wernicke-Aphasie rückgängig zu machen. Jemand mit dieser Sprachstörung spricht als würde er eine Buchstabensuppe von sich geben. Dann kommt eine religiös geprägte Gruppierung an die Macht in den USA und beschneidet die Rechte der Frauen so weit, dass sich die USA vom Rest der Welt abschneidet. Fortan dürfen weibliche Menschen nur noch 100 Worte pro Tag sprechen. Dieses Kontingent wird von einem Wortzähler überwacht, der bei Überschreitung einen Stromschlag zu Strafe erteilt. Als der Bruder des Präsidenten an der Wernicke-Aphasie erkrankt zwingt man Jean und ihre Kollegen zurück an ihre Forschung zu gehen und hebt für die Frauen im Team für die Länge des Projekts die Beschränkung auf 100 Worte auf.

Der Autorin ist ein leicht zu lesender Apell an die Unpolitischen gelungen besser hin zu sehen was in der Welt geschieht und Anteil daran zu nehmen wohin die Politik steuert. Jean wohnt in einer WG mit einer feministischen, homosexuellen jungen Frau zusammen, die immer wieder auf Jean einredet, sich aktiv an dem Protest gegen den Wertewandel ein zu bringen. Jean ist unpolitisch und heiratet Patrick der eigentlich ein Langweiler ist aber mit dem das Leben so schön bequem vor sich hinplätschert. In Rückblenden erzählt uns die Autorin wie es zu den augenblicklichen Machtverhältnissen kommen konnte und wie sich die Gesellschaft dort hinbewegt hat. Steve, der älteste Sohn von Jean, lernte schon Jahre vor der Einführung der Wortzähler, dass Frauen die eine Meinung haben und diese auch vertreten, hysterisch sind. Dieses Phänomen brauchte die Autorin gar nicht zu erfinden. Das ist etwas was uns jeden Tag begegnet. Sobald jemand Frauenrechte einfordert gibt es duzende Männer und Frauen, die diese Personen als „hysterisch“ bezeichnen. Man hat in unserer Gesellschaft sogar das Gefühl, dass die Medien gezielt Falschinformationen veröffentlichen wo dann z.B. die Prozentzahl der Ungleichbezahlung zu Diskussionen führt, nicht jedoch die Tatsache, dass Frauen noch immer schlechter bezahlt werden, wenn sie den absolut gleichen Job wie ein Mann ausführen.

Zum Beginn der Geschichte fand ich dieses Verstummen der Frauen überzogen, aber wenn man bedenkt wie bei dem Roman „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq gar nicht erst die neue Rolle der Frau angezweifelt wurde, auch nicht bei denen, die den Roman gelesen haben ist die kulturelle Bereitschaft Frauen Rechte ein zu räumen auch heute noch gering, in manchen Gesellschaftsgruppen nicht mal vorhanden. Im Laufe von Vox wird man sensibler dafür darüber nach zu denken, wie es eigentlich mit Frauenrechten und Gesetzen um diese ein zu schränken bestellt ist. Ist schon seltsam, dass wir im 21. Jahrhundert einen Gesundheitsminister haben, der einführen möchte, dass die HIV-Vorsorge für Risikogruppen künftig auf Kosten der Krankenkassen gehen, Schwangerschaftsverhütung und Abtreibung aber von den Patienten selbst getragen werden müssen.

Eigentlich ist schon auf der ersten Seite des Romans klar wohin die Reise gehen wird, aber es ist der Autorin sehr eindringlich gelungen die Stationen eines politischen Umbruchs zu erläutern ohne dass man sich langweilt. Die Protagonistin ist eine Frau die ich nicht durchgehend sympathisch fand, deren Beweggründe ich aber versanden und akzeptiert habe. Für mich ist es ein Buch gewesen, welches ich nicht gerne aus der Hand legen wollte und ich hoffe, dass die Autorin noch weitere Bücher schreiben wird.