Unter fremden Himmeln
Unter fremden HimmelnInhalt siehe Klappentext.
Es ist gerade mal 3 Monate her, dass ich den ersten Band von Tara Haighs Neuguinea-Saga gelesen habe, dennoch brauchte ich einige Zeit, um wieder in Finschhafen anzukommen. Herrmann ...
Inhalt siehe Klappentext.
Es ist gerade mal 3 Monate her, dass ich den ersten Band von Tara Haighs Neuguinea-Saga gelesen habe, dennoch brauchte ich einige Zeit, um wieder in Finschhafen anzukommen. Herrmann Vogt war mir weiterhin suspekt, Onkel Friedrich verhält sich ebenfalls merkwürdig, ich hatte schon im ersten Teil die
Vermutung, beide hauen sowohl die Familie Berger als auch die Einheimischen übers Ohr. Dafür lebt Ludwig in seiner Missionsarbeit auf, Clara für die Krankenstation, aber zwischen ihnen fehlt etwas, und auch Anna, Hedwig und ihr Vater Gustav fassen Fuß im neuen Land, machen sich mit den Kâte und ihren Gepflogenheiten vertraut. Anna hat einen direkten Draht zu Raba, dem Sohn des Stammeshäuptlings, die Familie akzeptiert die Beziehung und steht zu den Beiden, die Soldaten, die das Gebiet übernehmen und überwachen sollen, sehen das leider anders. Manch einer glaubt, als deutscher Soldat sei man etwas Besseres, als die „Wilden“, aber man vergisst, zu bedenken, dass diese sich bestens mit den Gefahren des Dschungels auskennen und dass man eventuell auch mal auf die Hilfe dieser Einheimischen angewiesen sein könnte. Anna erlebt am eigenen Leib, wie die Begegnung mit einer giftigen Schlange ausgehen kann. Da muss ich Claras unermüdlichen Einsatz loben, sie tut es einfach, ohne zu unterscheiden, wen sie behandelt, bemerkenswert. Man kann sich heute nicht vorstellen, wie es 1885 war, aus der Stadt, Karlsruhe, mit all seinen damaligen Vorzügen und Annehmlichkeiten, in die Wildnis auszuwandern und praktisch mit Nichts von Null zu beginnen. Man kennt weder Land noch Leute; im ersten Band stand die Überfahrt im Vordergrund, im zweiten Teil geht es um das neue Leben der Familie Berger. Mir gefallen die Beschreibungen von Landschaft und Leuten, Stämmen und Riten, Wettersituationen, Tierwelt und Natur, so viel Unbekanntes und Unentdecktes. Tara Haigh beschreibt den für uns einfach wirkenden Alltag, sowohl der Kâte als auch der Siedler, so farbenfroh und ausführlich, dass man sich einfach sehr nah dabei fühlt. Es gibt immer mal wieder Ungereimtheiten, zwischen den Siedlern und den Soldaten, zwischen den Einheimischen und den Soldaten, Machtkämpfe werden ausgefochten und man geht auch bis zum Äußersten. Es gibt bei den Bergers Familiengeheimnisse, die endlich aufgelöst werden, leider unter sehr traurigen Umständen, aber besser spät als nie und es gibt auch freudige Momente. Ich wurde bei dieser Exkursion in die Kolonien gut unterhalten, es gab ein paar vorhersehbare Ereignisse, dann wieder gelungene Überraschungen, auch extreme Situationen, ein bunter Mix, der das Lesen der 363 Seiten lebendig machte und nicht langatmig werden ließ. Anna, Hedwig, Clara und ihre Familie bekommen von mir eine Leseempfehlumg mit 4 bis 4,5 Sternen. Ich weiß nicht, was die Autorin geplant hat, aber hier wäre ein weiterer Band passend.