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Veröffentlicht am 04.08.2024

Unterhaltsamer YA Thriller

A Good Girl’s Guide to Murder
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Pippa Fitz Amobi heißt die etwas nerdige Heldin dieses Jugendthrillers.

Im Rahmen eines Schulabschlussprojektes möchte Pippa sich mit einem Kriminalfall beschäftigen, der die Kleinstadt in der sie lebt ...

Pippa Fitz Amobi heißt die etwas nerdige Heldin dieses Jugendthrillers.

Im Rahmen eines Schulabschlussprojektes möchte Pippa sich mit einem Kriminalfall beschäftigen, der die Kleinstadt in der sie lebt vor 5 Jahren schwer erschüttert hat. Damals wurde der Schüler Sal Singh als Mörder der Schülerin Andie Bell identifiziert, deren Leiche nie gefunden wurde, und nahm sich noch vor seiner Verhaftung das Leben. Da Pippa nie ganz überzeugt war, dass Sal, der Freund des Opfers, der wahre Mädchenmörder war, möchte sie mit ihrer Abschlussarbeit Zweifel an der Beweiskette der Polizei aufwerfen.

Sie ist ein schlaues Köpfchen, so dass sie nach einigen Recherchen und Interviews immer mehr davon überzeugt ist, dass der wirkliche Mörder von Andie Bell noch frei herumläuft. Zusammen mit Sal‘s Bruder Ravi versucht Pippa Sal zu rehabilitieren.

Ravi und seine Familie leiden nach wie vor nicht nur an dem Verlust des Sohns bzw. Bruders, sie werden in der Kleinstadt auch geschnitten und gemobbt seit dem Vorfall.

Pippa wirbelt einigen Staub auf, enthüllt unter anderem auch nicht so liebenswerte Charakterzüge von Andie und begibt sich immer mehr in gefährliches Fahrwasser mit ihren Untersuchungen. Sie und Ravi entdecken dunkle Geheimnisse und es gibt sogar Drohungen, die Pippa aber zunächst nicht ernst nimmt. Die Geschichte spitzt sich immer weiter zu und die Auflösung ist spannend und unerwartet.

Ich mochte Pippa , die „Hermine Granger“ in diesem Jugendthriller sehr. Sie hatte das Herz auf dem rechten Fleck. Mit ihrem starken Verlangen nach Gerechtigkeit , gab sie auch den Bösewichten in der Geschichte immer die Gelegenheiten sich zu erklären, was sie natürlich sehr sympathisch wirken ließ, aber auch ein bisschen naiv.

Auch Ravi war ein sehr liebenswerter Charakter, den Pippa nicht immer in ihre Alleingänge einweiht hat, der dann aber trotzdem spürte, wenn sich der „Sarge“, wie er Pippa gerne nannte, mal wieder in Gefahr begeben hat.



Die Naivität lasse ich Pippa durchgehen, da es sich um einen Jugendthriller handelt. Ich denke, nicht nur für mich, sondern auch besonders für die Zielgruppe, ist der Autorin ein cleverer und unterhaltsamer Jugendthriller gelungen, der einfach Spaß macht. Ob ein solches Schulprojekt realistisch ist, sei mal dahingestellt.

Die Schlussfolgerungen der Teenie- Detektivin wurden zwischendurch immer mal wieder zusammengefasst, so dass sich auch die Verdächtigen-Liste ständig angepasst wurde. Das fand ich richtig klasse.



Wer wie ich Freude an der Jungdetektivin Pippa hatte, kann sich auf eine Fortsetzung freuen, und soweit ich weiß gibt es sogar eine Verfilmung.

Ich hatte das Buch als Hörbuch vorliegen und fand es gut gelesen und unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 03.08.2024

Kraftvolles Debüt

Nordstadt
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In nur 128 Seiten erzählt Annika Büsing eine etwas andere Liebesgeschichte, rauh, emotional und ganz ohne Kitsch.

Die Geschichte handelt von Nene und Boris. Beide haben ihre Päckchen zu tragen und mussten ...

In nur 128 Seiten erzählt Annika Büsing eine etwas andere Liebesgeschichte, rauh, emotional und ganz ohne Kitsch.

Die Geschichte handelt von Nene und Boris. Beide haben ihre Päckchen zu tragen und mussten in jungen Jahren schon viel Leid erfahren.

Aufgewachsen im sozialen Brennpunkt der Nordstadt, litt Nene vom Kleinkindalter an unter ihrem prügelnden Alkoholiker-Vater. Ihre Mutter verlor sie schon mit 8 Jahren, und das Jugendamt konnte ihr immer nur temporär helfen. Trotzdem schafft sie den Schulabschluss und setzt ihren Traum um, Bademeisterin im örtlichen Schwimmbad zu werden. Dort trifft sie auf Boris, der hier regelmäßig trainiert, einen komischen Gang hat und wunderbare Pumaaugen. Er ist ein wütender junger Mann, der unter den Folgen von Kinderlähmung leidet und das nicht nur körperlich sondern vor allem seelisch, denn er wird übelst gemoppt und hat keinerlei Chancen je eine Ausbildungsstelle zu bekommen.

Die Geschichte wird aus Nene‘s Sicht erzählt. Sie ist eine Kämpferin, die möchte, dass diese Liebe mit Boris funktioniert. Auch wenn die ersten Dates nicht optimal gelaufen sind, man könnte auch sagen katastrophal, glaubt sie fest entschlossen auf ein Happy End für sie beide. Nene’s Sprache ist oft derb, direkt und schonungslos ehrlich, aber hinter ihrer rauhen Fassade verbirgt sich eine zarte Seele und das hat Boris auch ganz schnell erkannt.

Dieses eindrucksvolle Debüt von Annika Büsing, habe ich in kürzester Zeit gelesen und empfehle die Geschichte gerne weiter.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Den Tod des eigenen Kindes überwinden

Mein drittes Leben
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Daniela Krien hat sich in ihrem neuesten Roman ein schweres Thema gewählt. Ihre Protagonistin Linda, eine Frau im mittleren Alter, hat ihre 17jährige Tochter bei einem tragischen Unfall verloren. Eben ...

Daniela Krien hat sich in ihrem neuesten Roman ein schweres Thema gewählt. Ihre Protagonistin Linda, eine Frau im mittleren Alter, hat ihre 17jährige Tochter bei einem tragischen Unfall verloren. Eben war sie noch da, unbeschwert und fröhlich mit ihrem wippenden Pferdeschwanz. Dann übersieht ein LKW Fahrer die junge Radfahrerin beim Abbiegen und Linda‘s Leben und das ihres Mannes Richard verändert sich grundlegend und wird nie mehr wie vorher sein.

Mit einer feinfühligen und klaren Sprache beschreibt die Autorin wie unterschiedlich das Ehepaar trauert. Linda sieht überhaupt kein Licht am Ende des Tunnels, während Richard irgendwann auch wieder zu leben versucht, sich trotz des Schicksalsschlags nach Lachen und menschlicher Wärme sehnt. Linda zieht aufs Dorf auf einen Bauernhof und lenkt sich mit Hofarbeiten ab, doch die Depression hält sie fest in ihrem Griff. Nur ganz allmählich merkt sie eine Veränderung bei sich und kann sich irgendwann tatsächlich dem Leben wieder zuwenden, ein mühsamer und langwieriger Prozess, den Daniela Krien sehr einfühlsam und nachvollziehbar erzählt.

Alte Freunde passen nicht mehr zu der neuen Linda, doch die Menschen, die sie auf dem Land neu kennenlernt wie Natascha mit ihrer autistischen Tochter Nine oder auch Nachbar Klaus mit seiner herzlichen Frau Bruni, geben Linda Halt und neuen Lebensmut. Auch ihr Mann Richard hat zwar eine Freundin, doch er hält weiterhin Kontakt zu seiner Frau, die er immer noch liebt. So gibt es neben vielen tieftraurigen und deprimierenden Momenten in dieser Geschichte auch immer noch ein Fünkchen Hoffnung. Ich fand die Folgen dieses dramatischen Verlusts, dem Schlimmsten, was einem als Eltern passieren kann sehr realistisch geschildert. Genauso könnte es ablaufen, und die Begleitung Linda‘s auf ihrem Trauerweg hat mich sehr berührt.

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Veröffentlicht am 22.07.2024

Kann den Hype nicht ganz nachvollziehen

Yellowface
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„Yellowface“ ist ein Buch an dem man in diesem Jahr nicht vorbeikam.

Nicht nur im Netz gab es einen riesigen Hype, auch in den Buchhandlungen lag das Buch der Autorin gleich stapelweise aus.



Dabei ...

„Yellowface“ ist ein Buch an dem man in diesem Jahr nicht vorbeikam.

Nicht nur im Netz gab es einen riesigen Hype, auch in den Buchhandlungen lag das Buch der Autorin gleich stapelweise aus.



Dabei geht Rebecca F. Kuang mit der Buchbranche nicht gerade zimperlich um in ihrem Roman.

June Hayward und ihre Bekannte aus Studientagen Athena Liu sind junge Schrifstellerinnen. Nur ist Athena erfolgreich und June landet schon mit ihrem Debüt einen Flop. June mutmaßt, das läge nicht etwa an mangelndem Talent sondern vielmehr daran, dass Athena einen amerikanisch chinesischen Background hat, während sie selbst keiner gefragten Minderheit angehört sondern einfach nur eine weiße Frau ist. Langweilig!

Als Athena im Beisein von June auf tragische Weise verstirbt, klaut die verschmähte Schriftstellerin ein noch unbekanntes Buchmanuskript aus der Wohnung der Toten, schreibt es ein wenig um und veröffentlicht es unter ihrem Namen, bzw. unter ihrem neuen Pseudonym Juniper Song.

Das Buch wird ein Bestseller und endlich erfährt June Anerkennung und Ruhm und verdient ein Honorar von dem sie früher kaum zu träumen wagte. Man ahnt, dass sie damit nicht durchkommt und tatsächlich gibt es Zweifler und fiese Attacken im Netz gegen June. Als Leser ertappt man sich aber tatsächlich dabei, Sympathien und Mitleid für June zu entwickeln, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Geschichte aus Sicht der Plagiatorin geschrieben ist, die sich ihre Schuld auch permanent schönredet.

Die Geschichte liest sich flüssig und spannend und gewährt interessante Einblicke in die Verlagswelt. Leider hat man den Eindruck, dass die Autorin nach einem fesselnden Beginn nicht so recht wusste wie sie diesen Roman schlüssig beenden könnte. Im letzten Drittel des Buches, in dem June zunehmend unter Wahnvorstellungen leidet, hat mich die Autorin irgendwie verloren. Das Ende war leider etwas dünn und enttäuschend. Deshalb kann ich das Buch nur bedingt empfehlen.

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Veröffentlicht am 18.07.2024

Ein Blick in die irische Seele

Feuerjagd
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Tana French ist für mich schon lange eine sehr besondere Autorin.

Sie schreibt literarische Spannungsromane , die ich schon alleine aufgrund der schönen Sprache sehr schätze. Diese Romane spielen immer ...

Tana French ist für mich schon lange eine sehr besondere Autorin.

Sie schreibt literarische Spannungsromane , die ich schon alleine aufgrund der schönen Sprache sehr schätze. Diese Romane spielen immer in ihrem Heimatland Irland. Die Autorin fängt die Eigenart der Menschen ganz wunderbar in ihren Charakteren ein und sie beschreibt Landschaften so, dass man sie als Leser fühlen kann.

„ Feuerjagd“ ist zwar ein 2.Teil, der in dem kleinen fiktiven irischen Dorf Ardnakelty spielt, man kommt aber auch gut zurecht, wenn man den 1. Band „ Der Sucher“ nicht gelesen hat.

Cal Hooper ist ein ehemaliger Cop aus Chicago, der sich in dem verschlafenen Nest zur Ruhe gesetzt hat. Er hat die junge Theresa ( Trey) unter seine Fittiche genommen und ihr den Umgang mit Holz beigebracht. Zusammen restaurieren die beiden alte Möbel und nehmen von den Dorfbewohnern kleinere Aufträge an. Dann taucht Johnny Reddy, Trey‘s Vater nach Jahren der Abwesenheit plötzlich auf und bringt Unruhe in die Dorfgemeinschaft, denn er hat den zwielichtigen Cillian Rushborough im Schlepptau der freundlicher tut als er ist.

Tana French lässt sich ganz viel Zeit die Charaktere einzuführen und die Geschichte in Gang zu bringen. Ich kann nachvollziehen, dass der Roman manch einem Leser zu langatmig erscheinen mag. Die Geschichte ist absolut Charakter getrieben. Auch wenn man eine zunehmende Bedrohung spürt, kommt der große Knall doch erst im letzten Drittel des Buches.

Es geht um die interessanten Dynamiken innerhalb einer kleinen Dorfgemeinschaft, Klatsch, Intrigen und Rache, um komplizierte Familienbande und letztendlich Mord.

Besonders gefallen haben mir in dem Buch aber die vielen Gespräche des zugezogenen Cal mit den Dorfbewohnern, die in der Regel etwas anderes sagen , als was sie wirklich meinen. Cal wird mit der Zeit immer besser im „ zwischen den Zeilen lesen“ und der Leser wird hier dankenswerter Weise immer mitgenommen.

Sollte es, wie ich gehört habe noch einen 3. Teil der Geschichte geben, bin ich sicherlich wieder an Bord.

Tana French ist eine großartige Geschichtenerzählerin.

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