Unterwerfung
Die ungeduldigen FrauenDjaïli Amadou Amal verarbeitet in ihrem Roman „Die ungeduldigen Frauen“ teils Selbsterlebtes aus ihrem Heimatvolk der Fulbe im Norden Kameruns.
Bei den Fulbe gibt es große Familienclans, ein ausgeprägtes ...
Djaïli Amadou Amal verarbeitet in ihrem Roman „Die ungeduldigen Frauen“ teils Selbsterlebtes aus ihrem Heimatvolk der Fulbe im Norden Kameruns.
Bei den Fulbe gibt es große Familienclans, ein ausgeprägtes Patriarchat, in dem die Frauen gnadenlos unterdrückt werden. Wie dieses perfide System funktionieren kann, ohne dass sich die Frauen solidarisieren, zeigt dieses Buch an Hand des Schicksals dreier Frauen auf, die in dem Roman jeweils eine eigene Stimme bekommen haben.
Ramla ist zunächst glücklich, weil sie zu den wenigen Mädchen gehört, die die Schule beenden darf, bevor der Vater sie verheiratet. Sie träumt davon Apothekerin werden zu können und den Mann zu heiraten, den sie liebt. Diesem Mann ist Ramla schon versprochen, als ein Onkel sich einmischt und ihren Vater überzeugt seine Tochter einem wesentlich älteren Geschäftspartner als Zweitfrau zu überlassen. Ihr Vater stimmt zu und Ramla hat sich zu fügen.
Von Kindesbeinen an hören die Mädchen von ihren Müttern und männlichen Verwandten, dass sie sich den Männern unterwerfen müssen, die sie versorgen und beschützen. Fügen sich die Mädchen nicht in ihr Schicksal und sind ungehorsam werden nicht nur die Mädchen bestraft sondern auch ihre Mütter, die sie nicht ordentlich erzogen haben.
Das Buch weckt vielerlei Emotionen und macht vor allem wütend.
Neben der Geschichte von Ramla erfahren wir noch von dem Leidensweg ihrer Schwester Hindou, die mit ihrem gewalttätigen Cousin verheiratet wird. Die Hoffnung der Großfamilie, dass sich der nichtsnutzige zum Drogenkonsum neigende Schläger in der Ehe bessert, erfüllt sich natürlich nicht.
Die dritte Frau, die porträtiert wird ist die Hauptfrau von Ramla‘s Ehemann, die ihre Rivalin missgünstig beobachtet und sie so schnell wie möglich wieder aus dem Haus jagen möchte.
Das Buch hat nur 172 Seiten , die es wirklich in sich haben. Der recht sachliche und manchmal auch poetische Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen. Der Roman ist keine leichte Kost und gibt den Frauen Kameruns, deren Schicksal sonst ungehört bliebe endlich eine Stimme.
Er ist bewegend, erschütternd und macht wütend.
Das Buch hat völlig zu Recht den Prix Goncourt des Lycéens 2020 gewonnen und war 2023 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.