Die Reisejournalistin Cecily kann ihr Glück kaum fassen. Sie hat ein Interview mit dem berühmten Bergsteiger Charles Mc Veigh ergattert. Das könnte ihr Durchbruch werden. Allerdings gibt es eine Bedingung ...
Die Reisejournalistin Cecily kann ihr Glück kaum fassen. Sie hat ein Interview mit dem berühmten Bergsteiger Charles Mc Veigh ergattert. Das könnte ihr Durchbruch werden. Allerdings gibt es eine Bedingung für das Interview. Cecily muß mit Charles den Gipfel des Mount Manaslu , den achthöchsten Berg der Erde erreichen. Charles fehlt bei seiner besonderen Challenge, bei der er sich vorgenommen hat alle 14 Achttausender innerhalb eines Jahres im Alpinstil ( d.h ohne Sauerstoff und Hilfsmittel wie Fixseile) zu bezwingen nur noch dieser Berg , und Cecily soll von seinem Triumph hautnah berichten. Ich habe keine Ahnung, ob eine solche Herausforderung tatsächlich zu bewältigen ist, da ich in Sachen Bergsteigerei ein absoluter Laie bin. Auch fällt es mir schwer, den Drang nachzuvollziehen, unter lebensfeindlichen Bedingungen einen Gipfel zwingend besteigen zu wollen.
Nach der Lektüre dieses Thrillers, kann ich diese Liebe zum Bergsteigen aber tatsächlich ein bisschen besser verstehen. Amy Mc Culloch schreibt wunderbar atmosphärisch mit viel Sachverstand und spürbarer Leidenschaft für diesen Sport. Ich fand es spannend von dem immensen Aufwand zu lesen, der so eine Expedition bedeutet. Und lauern auf dem Berg in eisiger Höhe nicht schon genug Gefahren, so befindet sich auch noch ein Mörder unter den Bergsteigern. Ich hatte wirklich spannende und unterhaltsame Lesestunden und fand das Buch als Hörbuch von Britta Steffenhagen interpretiert sehr gelungen und empfehlenswert.
Die französische Autorin Delphine de Vigan hat sich ein topaktuelles Thema vorgenommen, nämlich die Welt der Familien-YouTuber , die Welt der Eltern, die ihre Kinder in sozialen Medien vermarkten, um es ...
Die französische Autorin Delphine de Vigan hat sich ein topaktuelles Thema vorgenommen, nämlich die Welt der Familien-YouTuber , die Welt der Eltern, die ihre Kinder in sozialen Medien vermarkten, um es mal knallhart auszudrücken.
Mélanie, eine der Protagonistinnen in der Geschichte hat es mit ihrem YouTube Kanal Happy Récré zu einer Internet Berühmtheit geschafft. In Zeiten von Fernsehformaten wie „Big Brother“ aufgewachsen, hatte auch sie das Ziel mediale Aufmerksamkeit zu erreichen und ein Star zu werden. Da ihr dies selbst nicht gelungen ist, hat sie ihren Wunsch quasi auf ihre Kinder übertragen. Mit kleinen Filmchen, die sie ins Netz stellt, fängt es an. Doch Mélanie wird schnell professioneller, indem sie erfolgreiche andere Kanäle im In-und Ausland kopiert. Ihre Kinder sind in ihren Internet-Inszenierungen die Hauptpersonen und müssen von klein auf damit klar kommen, dass sie ständig gefilmt werden und die Follower des Kanals mit irgendwelchen Challenges bespaßen. Mélanie‘s Engagement ist so lukrativ, dass ihr Ehemann Bruno irgendwann seinen Job kündigt und die Familie ihren Lebensunterhalt und darüberhinaus eine Menge Luxus über die Filmerei finanziert.
Doch eines Tages, die Kinder spielen mit den Nachbarkindern einmal unbeaufsichtigt Verstecken, ist die 6jährige Kimmy plötzlich verschwunden.
Hier lernen wir die 2. Protagonistin, die Polizistin Clara kennen, der die Internet Präsenz der Familie völlig fremd ist und die ihre Sicht bei den Ermittlungen zum Fall des verschwunden Mädchens schildert. Clara ist das komplette Gegenteil von Mélanie, eher introvertiert, behütet aufgewachsen bei politisch sehr engagierten Eltern, hat sie sich bewusst für ein Leben ohne Kinder entschieden.
Das Thema des Roman‘s finde ich wirklich wichtig, bestimmen die sozialen Medien doch zunehmend unseren Alltag. Mélanie hätte ich manchmal gerne geschüttelt. Sie hat im Glauben die beste Mama der Welt zu sein, bis zuletzt gar nicht gemerkt, was sie ihren Kindern angetan hat. Interessant fand ich deshalb auch einen 3. Strang der Geschichte, der einen Ausblick in die Zukunft gibt und die Folgen dieser unfreiwilligen Internetkarriere aufzeigt.
Es ist zwar der erste Roman der Autorin für mich, aber ich hatte mir eine mehr literarische Sprache vorgestellt. Das war hier nicht der Fall. Der Roman hat eine sehr sachliche, nüchterne Sprache, die allerdings auch sehr gut zum Thema passt. Den 3. Teil hätte ich mir vielleicht noch etwas ausführlicher gewünscht.
Zwischendurch sind immer wieder Zusammenfassungen von Mélanie‘s Video‘s eingestreut. Auch das fand ich sehr interessant und konnte nur staunen auf was für abstruse Ideen man kommen kann.
Das Buch ist aus meiner Sicht auf jeden Fall eine Leseempfehlung. Es liest sich schnell und bietet reichlich Diskussionsstoff.
Inzwischen befinden wir uns im Jahre 1903 und begleiten den Werdegang der jungen, ehrgeizigen Dr.Rahel Hirsch, die als erste weibliche Ärztin an die Charité kommt und natürlich nicht von jedem in der ...
Inzwischen befinden wir uns im Jahre 1903 und begleiten den Werdegang der jungen, ehrgeizigen Dr.Rahel Hirsch, die als erste weibliche Ärztin an die Charité kommt und natürlich nicht von jedem in der Ärzteschaft mit offenen Armen empfangen wird.
Eine 2. Protagonistin ist die Arbeiterin Barbara Schubert, die ihren Lebensunterhalt in der Wäscherei der Charité verdient und sich in der Arbeiterbewegung für Emanzipation und gerechtere Löhne engagiert.
Die zwei so unterschiedlichen Frauen treffen aufeinander und mit der Zeit entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen ihnen, die auch die kommenden schwierigen Zeiten überdauert.
Dadurch, dass sich Rachel in einen jungen Piloten verliebt, erfährt man als Leser auch mehr über die tollkühnen Pioniere der Luftfahrt.
Der 1. Weltkrieg ist eine furchtbare Zeit, die Ulrike Schweikert sehr eindrücklich beschreibt. Beide Frauen haben ihre Päckchen zu tragen, aber die Arbeiterklasse für die Barbara stellvertretend steht, ist stetig von Obdachlosigkeit und Hunger bedroht. Wie gut dass Rahel ihrer Freundin und deren Tante nach Kräften unterstützt.
Wie nicht anders erwartet, hat die Autorin für ihren Roman sehr gut recherchiert und einen spannenden Mix aus Fiktion und wahren Begebenheiten geschaffen.
Mir hat die Geschichte wieder richtig gut gefallen, wobei mich Teil 1 ein bisschen mehr begeistern konnte, auch wenn ich gar nicht genau benennen kann, woran es lag. Trotzdem freue ich mich auf den 3. Teil, der schon bereit liegt.
Der internationale Bestsellerautor Ken Follett ist mir vor allem durch seine monumentalen historischen Romane bekannt. „Die Säulen der Erde „ hat mich vor Jahren schwer beeindruckt.
„Never- Die letzte ...
Der internationale Bestsellerautor Ken Follett ist mir vor allem durch seine monumentalen historischen Romane bekannt. „Die Säulen der Erde „ hat mich vor Jahren schwer beeindruckt.
„Never- Die letzte Entscheidung“ , sein neuestes Werk fällt in ein anderes Genre. Es ist ein Politthriller, der aber ohne Action à la James Bond daherkommt. Seine Helden sind „normale“ Menschen, die allerdings Schlüsselpositionen innehaben. Der Roman ist auch eine Dystopie, die in nicht allzu ferner Zukunft spielen könnte und die Schritt für Schritt beschreibt, wie unsere Welt sehenden Auges in den Abgrund rutscht. Das geht einem angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage mit einem Krieg in der Ukraine und chinesischen Drohgebärden in Taiwan besonders nahe, weil der Ausgangskonflikt im Roman auch zunächst regional und beherrschbar erscheint. Diese Realitätsnähe die man beim Lesen empfindet, ist vielleicht nicht für Jeden aushaltbar.
Das Buch führt uns zu einer Terroristenhochburg in den Tschad, spielt dann hauptsächlich in den USA und in China. Es ist dieses Auge um Auge, Aktion und Reaktion, dass eine fatale Kettenreaktion in Gang setzt. Da wird im Tschad ein Amerikaner aus dem Hinterhalt erschossen. Was ist eine angemessene Reaktion auf diese Agression? Ist die Reaktion eines totalitären Machthabers vorherzusehen? Kann man Besonnenheit von Diktatoren erwarten, die die Chance sehen dem Nachbarland eins auszuwischen? Führen Militärbündnisse nicht nur zu mehr Schutz, sondern auch zu schnellerer Eskalation?
Auch die Berater der Machthaber, ganz gleich welchen Landes versuchen immer auch Einfluss zu nehmen, und je nachdem, ob sich die Falken oder die Tauben durchsetzen, wird der Präsident eines Landes seine folgenreiche Entscheidung treffen.
Ken Follett baut seine Geschichte ganz langsam auf, Kritiker werden sagen zu langsam, aber mir gefiel seine Ausführlichkeit. Auch die Charaktere werden sehr genau und authentisch gezeichnet. Der Autor erzählt z.b auch viel über das Privatleben seiner Protagonisten.
So hat in den USA eine Frau das Präsidentenamt inne. Pauline Green gilt als gemäßigt und lebt mit Mann und Teenie-Tochter im Weißen Haus. Von Tochter Pippa‘s Schulprobleme erfährt der Leser ebenso, wie von den Eheproblemen mit Ehemann Gerry. Außerdem sitzt ihr von den nächsten Wahlen ein Trump ähnlicher Konkurrent im Nacken, der genau wie sein reales Vorbild populistische Hetze in der Öffentlichkeit betreibt.
Der Regierungsbeamte Chang Kai versucht in China die Hardliner der sogenannten alten Garde in Zaum zu halten. Auch er befürchtet einen nuklearen Konflikt zwischen China und den USA.
Sehr sympathisch waren mir auch CIA Agentin Tamara, die sich bei ihrem Auslandsaufenthalt in Afrika in ihren französischen Kollegen verliebt und der libanesisch-amerikanische Undercover Agent Abdul , der sein Leben riskiert, um den meist gesuchten islamistischen Terroristenführer aufzuspüren. Man leidet mit der jungen Witwe Kiah mit, die am fast ausgetrockneten Tschadsee keine Zukunft für sich und ihr Kind mehr sieht und sich in die Hände von Schleusern begibt.
Trotz seiner 876 Seiten hat mich Ken Follett‘s Roman von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen. Mich haben Länge und Ausführlichkeit gar nicht gestört. Ich finde die Seitenzahl hat dem Roman sogar gutgetan, denn die Geschichte konnte sich besser entwickeln, als es ein weniger Seiten starkes Buch hätte schaffen können.
Es war ein sehr eindringliches und erschreckendes Buch, eine Art Weckruf an die Menschheit, dass wir uns mit unseren hochgerüsteten Ländern sehr sehr nah am Abgrund bewegen.
Die spanische Autorin Milena Busquets setzt sich in ihrem Buch „Meine verlorene Freundin“ mit dem Tod auseinander.
Vor über 30 Jahren musste die Mittvierzigerin erleben, wie eine Freundin aus Kindertagen ...
Die spanische Autorin Milena Busquets setzt sich in ihrem Buch „Meine verlorene Freundin“ mit dem Tod auseinander.
Vor über 30 Jahren musste die Mittvierzigerin erleben, wie eine Freundin aus Kindertagen mit 15 Jahren schwer erkrankte und verstarb.
Der Tod von Gema kommt ihr jetzt auf einmal in den Sinn, nachdem sie viele Jahre gar nicht an diese Tragödie gedacht hatte. Sie kramt in ihren Erinnerungen, stellt Nachforschungen an und denkt über Tod und Vergessen nach. All diese Gedanken sind aber eingebettet in ihren Alltag, was dem Buch eine gewisse Leichtigkeit verleiht.
Da sind ihre Teenagersöhne, die sich in die Ferien verabschieden, die sie mit ihren unterschiedlichen Vätern verbringen. Ihre Übersetzungsarbeit sollte allmählich mal vorankommen, und die Liebe zu ihrem Freund Bruno scheint doch nichts für die Ewigkeit zu sein. Und immer wieder schleichen sich Gedanken und Erinnerungen an ihre alte Schulfreundin ein, von der es nicht mal ein Foto in ihrer Wohnung gibt.
Die literarische Auseinandersetzung mit dem Thema Tod finde ich spannend. Gefallen hat mir auf jeden Fall, dass die Autorin trotz der Schwere des Themas einen locker tänzelnde Schreibstil gewählt hat und eine Portion Humor immer mitschwingt.
Es werden viele Belanglosigkeiten erzählt, wie der Alltag sie nun mal mitbringt, und manchmal wirkt die Protagonistin etwas oberflächlich. Sie ist ehrlich, deckt auch ihre schlechten Charaktereigenschaften auf.
Gema, die verlorene Freundin ist nur ein Schatten im Hintergrund, über die man als Leser kaum etwas in Erfahrung bringt. Sie scheint nur der Aufhänger zu sein für das Reflektieren über die eigene Vergänglichkeit, das Vergessen und Erinnern und die so unterschiedliche Wahrnehmung des Todes in der Jugend und im Alter.
Ich musste darüber nachdenken, wie es mir selbst mit den Verlusten in meinem Leben gegangen ist. Wieviele Erinnerungen sind nach Jahrzehnten geblieben? Und nehme ich das Thema Tod heute anders wahr, als in meiner Jugend? Sicherlich!
Der Roman von Milena Busquets, der mit 137 Seiten recht schnell gelesen ist, hat mich nicht vollends überzeugt, hat mich aber doch zum Nachdenken gebracht, und das ist ja nicht verkehrt.